Politik der offenen Tür

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Gebiet der Qing-Dynastie mit Vasallen, einigen Vertragshäfen und Einflusssphären

Die Politik der offenen Tür (engl. Open door policy) ist eine besondere Form der Außen- und Wirtschaftspolitik, die ursprünglich die gleichen Handelsbedingungen der Großmächte in China bezeichnete. Auf deren Grundlage konnten die Ungleichen Verträge mit China den Großmächten ungehinderten Marktzugang, Vertragshäfen und Missionstätigkeit verschaffen. Daneben beschreibt sie die Politik der gleichen Handelsbedingungen auch für Gebiete, die nicht unter direkter kolonialer Kontrolle standen. Obwohl die Politik der offenen Tür gemeinhin mit China in Verbindung gebracht wird, wurde sie auf der Kongokonferenz von den Großmächten auch für andere Gebiete anerkannt.

Die Vereinigten Staaten waren die erste Macht, welche in einer Note im September/November 1899 eine Politik der offenen Tür postulierten. Dies entsprach ihren Interessen, seit sie mit dem Erwerb der Philippinen nach dem spanisch-amerikanischen Krieg zur ostasiatischen Macht geworden waren. Auf diese Weise versuchten sie, das rasche Vordringen und die Aufteilung Chinas durch die europäischen Mächte und Japans zu hemmen.

Situation Chinas vor der Politik der offenen Tür[Bearbeiten]

Europäische Kaufleute begannen den Handel mit China bereits im 16. Jahrhundert. Jedoch war der Handel vielfältigen Restriktionen unterworfen, und die Handelsbilanz fiel bis 1820 stets zugunsten der Chinesen aus. Dies führte wiederum zu einem deutlichen Devisenabfluss nach China und zu einer Silberverknappung in Europa. Um seine Handelsbilanz zu stabilisieren, begann Großbritannien mit dem verstärkten Export von bengalischem Opium, um die chinesische Ökonomie handlungsunfähig zu machen. Dagegen wehrte sich der chinesische Kaiser Daoguang, und schließlich kam es zum ersten Opiumkrieg zwischen Großbritannien und dem Kaiserreich China der Qing-Dynastie.

Als Folge des Krieges verlor China seine Vormachtstellung in Asien und wurde zu einem halbkolonialen Protektorat westlicher Mächte. Schließlich öffnete der Opiumkrieg China der westlichen Welt, und durch den Einbruch des westlichen Kapitalismus (billige Industriewaren zerstörten Gewerbe und Handwerk) kam es zu sozialem Verfall und sinkendem Lebensstandard in China. Der europäische Einfluss drang auch im Zweiten Opiumkrieg und nach dem Vertrag von Tianjin immer weiter vor. Jeder europäische Staat versuchte, die gleichen Rechte und Konzessionen wie sein Rivale zu erhalten.

Das Auftreten der USA[Bearbeiten]

Am Ende des 19. Jahrhunderts waren bedeutende Gebiete Chinas bereits unter der Kontrolle europäischer Mächte, und es schien vor der baldigen Aufteilung in bestimmte Interessensphären der Mächte zu stehen. Das hätte jeder anderen Handelsnation den Zugang unmöglich gemacht.

Mit dem Erwerb der Philippinen nach dem spanisch-amerikanischen Krieg von 1898 wurden die USA in Asien präsent, aber sie waren nicht an einer Konkurrenz mit den anderen Mächten interessiert, sondern wollten mit China Handel treiben. Aus diesem Grund appellierte der US-Außenminister John Hay 1898 an die rivalisierenden europäischen Mächte sowie Japan, China durch Freihandel und Kapitalexport besser gemeinsam als in Konkurrenz auszubeuten. Zudem sollte die Einforderung des Freihandels den Status quo in der territorialen Expansion der Kolonialmächte in China sicherstellen.

Die USA waren zu diesem Zeitpunkt militärisch nicht in der Lage, mit den Großmächten aus Europa und Japan im Kampf um China als Absatzmarkt mitzuhalten. So bemühte Hay die Politik der offenen Tür, die den USA freien Handel in China ermöglichen sollte. Um China als Absatzmarkt nicht an die Weltmächte wie Großbritannien oder Frankreich zu verlieren und um nicht zu riskieren, dass China wie einst Afrika unter den europäischen Mächten aufgeteilt würde, forderte Außenminister Hay die Anwendung der Open Door Policy auf China, die es den USA ermöglichen sollte, in China zu handeln, ohne sich mit den Weltmächten militärisch auseinandersetzen zu müssen. Offiziell wurde dieser Grundsatz nur von Russland abgelehnt.

Scheitern der Politik der offenen Tür[Bearbeiten]

1902 protestierte die US-amerikanische Regierung nach dem Boxeraufstand gegen den russischen Übergriff in der Mandschurei und bezeichnete ihn als eine Verletzung der Politik der offenen Tür. Nach der Niederlage Russlands im russisch-japanischen Krieg verständigten sich die USA mit Japan über die Fortführung der Politik der offenen Tür. Doch wurde die Politik der offenen Tür schon 1917 in Geheimverhandlungen, in denen Japan bei erfolgreichen Ausgang des Krieges die deutschen Besitzungen in China zugesprochen bekam, zwischen den Alliierten und Japan geschwächt.

Die Politik der offenen Tür wurde schließlich auch formal nach der japanischen Inbesitznahme der Mandschurei und der Gründung Mandschukuos aufgegeben.

Hinterlassenschaft[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde China als souveräner Staat anerkannt, und alle Konzessionen und Ungleichen Verträge wurden aufgehoben. Vor dem Hintergrund der Politik der offenen Tür forderte die Volksrepublik China andere Staaten zur Nichtanerkennung von Taiwan auf.

Die Politik der offenen Tür ermöglichte eine enorme Steigerung des Handels, der ökonomischen Kooperation und der Interdependenz zwischen den Ländern. Der Grundgedanke der Politik der offenen Tür ist ein Meilenstein in der Idee, dass der Handel ein natürliches Recht ist.

Literatur[Bearbeiten]