Politische Ökologie

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Dieser Artikel behandelt die Sozialwissenschaft, zur gleichnamigen Zeitschrift siehe Politische Ökologie (Zeitschrift).

Die Politische Ökologie ist ein relativ junger Zweig der Sozialwissenschaften. Sie befasst sich mit den Auswirkungen ökologischer Veränderungen auf menschliche Gemeinschaften. Im Fokus steht dabei die praktische Umsetzung verschiedener Erkenntnisse in politisches Handeln. Insbesondere in der Politikwissenschaft, aber auch innerhalb der Geographie und der Anthropologie, hat das Konzept eine breite Rezeption erfahren.

Definitionen[Bearbeiten]

Eine grundlegende Definition der Politischen Ökologie stammt von den Geographen Piers Blaikie und Harold Brookfield (1987): „Der Ausdruck 'Politische Ökologie' vereint die Anliegen der Ökologie und einer weit definierten Politischen Ökonomie“.

Nach einer engen Definition werden Umweltprobleme nicht als Resultat von unangemessener Technologie, falscher Bewirtschaftung oder Überbevölkerung gesehen, sondern haben soziale Ursachen. Daher müssen Umweltprobleme immer in ihrem historischen, politischen und ökonomischen Kontext gesehen werden. Zentral bei einer Analyse ist die Aufdeckung der Interessen und Machtverhältnisse der beteiligten Akteure und deren Diskurse.

In Abgrenzung zur biologischen Ökologie ist die Politische Ökologie anthropozentrisch ausgerichtet und kann sogar ideologische Züge annehmen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Entstanden ist die politische Ökologie aus den Herausforderungen, welche die Industrialisierung der westlichen Staaten mit sich brachte. Deren Auswirkungen waren mit Beginn der 1960er Jahre nicht mehr übersehbar und führten beispielsweise 1972 zur Gründung des UN-Umweltprogramms UNEP. Grenzüberschreitende Luft- und Wasserverschmutzung ließen sich nicht länger im souveränen Nationalstaat allein lösen, sondern bedurften internationaler Anstrengungen. Auf globaler Ebene stellt heute insbesondere die globale Erwärmung, aber auch fortschreitende Desertifikation oder die ungebremste Entwaldung eine wesentliche Bedrohung des menschlichen Zusammenlebens dar.

Politische Ökologen bemängelten, dass die Theorien der Internationalen Beziehungen häufig blind blieben für die spezifischen Auswirkungen von ökologischen Veränderungen zum Beispiel auf die menschliche Sicherheit. Diese Lücke soll mithilfe der politischen Ökologie geschlossen werden.

In der politischen Ökologie wird versucht, Ursachen für Folgen von Umweltveränderungen in politischen Systemen zu verorten, Alternativen aufzuzeigen und sowohl theoretisch fundiert als auch praktisch orientiert die menschliche Systematik von Umweltzerstörungen zu erfassen. Sie kann als Querschnittsdisziplin verstanden werden, die sich in verschiedenen klassischen Bereichen der Politikwissenschaft zugleich bewegt.

Kritik[Bearbeiten]

Kritik an der Politischen Ökologie kommt teilweise von Biologen und Politischen Ökologen selbst. Kritisch werden die Naturbilder gesehen, aufgrund deren die Politische Ökologie ihre Positionen begründet. Teilweise gelten sie als konservativ bis romantisiert.

Die teilweise vorhandene Diskrepanz zwischen Naturnutzung und Naturschutz wird neutralisiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bruno Latour: Das Parlament der Dinge. Für eine politische Ökologie, 2001.ISBN 3518412825
  • Peter C. Mayer-Tasch: Politische Ökologie, 1999. ISBN 3810022764
  • Bryant Raymond, Bailey Sinead: Third World Political Ecology,1997. ISBN 0415127440
  • Richard Peet u. Michael Watts: Liberation Ecologies. Environment, Development, Social Movements, 2. Aufl., 2004. ISBN 0415312353
  • Paul Robbins: Political Ecology: A Critical Introduction (Blackwell Critical Introductions to Geography), 2004. ISBN 978-1405102667

Weblinks[Bearbeiten]