Politischer Aschermittwoch

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Der politische Aschermittwoch bezeichnet traditionell am Aschermittwoch stattfindende lokale oder regionale Versammlungen der meist größeren deutschen Parteien, auf denen es meist zu einem derben rhetorischen Schlagabtausch kommt.

Charakter[Bearbeiten]

Seinem Ursprung nach ist der politische Aschermittwoch eine bayerische Institution, man findet ihn heute aber auch in anderen Bundesländern. Im engeren Sinne versteht man darunter die bayerischen Landestreffen von CSU, SPD, FW, FDP, Grünen, ÖDP, Die Linke und Bayernpartei. Nach vorherrschender Meinung besteht das Ziel der in Bierzelt-Atmosphäre gehaltenen politischen Reden, die sich durch farbige Wortwahl und heftige, polemische Attacken gegen den politischen Gegner auszeichnen, weniger darin, neuartige politische Konzepte zu präsentieren oder detaillierte Sachkritik vorzubringen, sondern sie dienen vielmehr dazu, die eigenen Reihen zu schließen, Parteianhänger zu motivieren und den politischen Gegner zu verunsichern.

Politischer Aschermittwoch in Bayern[Bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten]

Der politische Aschermittwoch der CSU 2007 in der Dreiländerhalle in Passau
Der politische Aschermittwoch der SPD 2006 im Wolferstetterkeller in Vilshofen an der Donau
Politischer Aschermittwoch der Grünen 2009 in der Stadthalle in Biberach an der Riß.
Politischer Aschermittwoch der CDU Baden-Württemberg 2008 in der Alten Kelter in Fellbach

Die Wurzeln des politischen Aschermittwochs liegen im 16. Jahrhundert: 1580 trafen sich bayerische Bauern erstmals in Vilshofen an der Donau zum Vieh- und Rossmarkt und feilschten dabei nicht nur über die Preise, sondern diskutierten auch heftig die Themen des Tages, darunter seit dem 19. Jahrhundert auch die königlich-bayerische Politik.

Das Jahr 1919, als der Bayerische Bauernbund erstmals zu einer Kundgebung aufrief, gilt aber als eigentliches Geburtsjahr. Von 1919 bis zu Beginn der NS-Diktatur war der politische Aschermittwoch vor allem das Forum verschiedener Bauernparteien. Eine Großveranstaltung gab es erst wieder 1927 durch den Bayerischen Christlichen Bauernverein. 1932 traten zum ersten Mal mehrere Parteien in verschiedenen Veranstaltungen auf. Die NSDAP erhielt dabei den stärksten Zulauf, ebenso 1933. Dann war der politische Aschermittwoch ausschließlich das Forum der NSDAP, doch fand nur 1937 eine Massenkundgebung statt.

Entwicklung seit 1946[Bearbeiten]

1946 legte die Bayernpartei die Gründungsveranstaltung des Ortsvereins auf den Aschermittwoch und begründete damit demokratische Aschermittwochskundgebungen neu. Bis 1952 war die Bayernpartei die einzige Partei, die einen politischen Aschermittwoch abhielt.

Als die CSU schließlich 1953 unter der Führung von Franz Josef Strauß ihren ersten politischen Aschermittwoch durchführte, wurde der politische Aschermittwoch endgültig zu einer bundesweit bekannten Einrichtung; die alljährlichen Aschermittwochskundgebungen waren daraufhin vor allem durch die Auseinandersetzung zwischen Bayernpartei und CSU bestimmt. Der Niedergang der Bayernpartei und der Erfolg der CSU zeigte allmählich seine Wirkungen. Während die Kundgebungen der Bayernpartei immer mehr an Attraktivität verloren, gewann die CSU immer mehr an Publikumsgunst.

Schließlich war 1975 der Wolferstetterkeller in Vilshofen nicht mehr geeignet, die Zuhörermassen zu fassen, und die CSU musste in diesem Jahr nach Passau in die Nibelungenhalle ausweichen. Seit 2004 findet das traditionelle Aschermittwochstreffen der CSU in der Dreiländerhalle in Passau mit jährlich rund 6000 Teilnehmern[1] statt (die Nibelungenhalle wurde im selben Jahr abgerissen). Das Treffen der SPD, seit 1965 veranstaltet, findet nun am traditionellen Ort, im Wolferstetterkeller in Vilshofen, statt.

Der politische Aschermittwoch der FW fand bis 2008 im Plattlinger Bischofshof statt. Seit 2009 veranstalten die FW die Veranstaltung in den Deggendorfer Stadthallen und sind nun stromaufwärts der Donau beheimatet. Der politische Aschermittwoch der Freien Wähler ist mit über 800 Besuchern im ersten Jahr die zweitgrößte Veranstaltung, 2011 konnten die Freien Wähler mehr als 1.500 Besucher begrüßen.

Danach folgt die Veranstaltung der bayerischen FDP mit bis zu 1.000 Besuchern in der Straubinger Joseph-von-Fraunhofer-Halle.

Daneben finden kleinere Treffen der Grünen, der Linken und der ÖDP in Passau statt. 2010 und 2011 fand das Treffen der Grünen in Landshut statt. Die Bayernpartei veranstaltet ihr Aschermittwochstreffen in Vilshofen. Die Republikaner treffen sich in den „Brauhausstuben“ in Geisenhausen.

Der „Piratige Aschermittwoch“ der Piratenpartei findet seit 2010 in Ingolstadt statt. In den ersten beiden Jahren in einer Vereinsgaststätte mit je etwa 150 Besuchern, auf Grund von gestiegenem Interesse 2012 zum ersten Mal im erheblich größeren Festsaal des Ingolstädter Stadttheaters.

Politischer Aschermittwoch in anderen Bundesländern[Bearbeiten]

FDP, Freie Wähler, Grüne und Linkspartei veranstalten wie andere Landesverbände der SPD und der CDU daneben weitere Aschermittwochstreffen an unterschiedlichen Standorten außerhalb Bayerns. So findet die wichtigste Aschermittwochsversammlung der Grünen im baden-württembergischen Biberach an der Riß statt. Die Linke trifft sich seit ihrer Gründung mit Oskar Lafontaine im saarländischen Wallerfangen.

Die bundesweit größte politische Aschermittwochsveranstaltung der CDU – mit teilweise mehr als 3500 Besuchern und damit zweitgrößte nach Passau – fand 2008 in der hessisch-westfälischen Grenzstadt Volkmarsen (mit Roland Koch und Angela Merkel)[2] statt. Weitere Veranstaltungen finden im westfälischen Recke,[3][4] im baden-württembergischen Fellbach (mit Günther Oettinger) und im vorpommerschen Demmin statt.[5][6]

Entwicklung[Bearbeiten]

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Kennzeichnend für die historische Entwicklung des politischen Aschermittwochs ist eine allmähliche „Universialisierung“: Er löste sich zunächst von seiner rein bäuerlichen Tradition und entwickelte sich zu einem parteipolitischen Forum. Mehr und mehr beteiligten sich alle deutschen Parteien am politischen Aschermittwoch. Er löste sich auch von der engen territorialen Bindung. War zunächst Vilshofen der gewohnte Austragungsort, wanderte die CSU nach Passau ab und löste langfristig damit eine territoriale Ausweitung des Aschermittwochs aus: Er ist bis nach Schleswig-Holstein vorgedrungen.

Auch die Themen und das Publikum haben die Grenzen des Freistaates überschritten. Zum einen wird ein größeres Publikum vor Ort erreicht und andererseits ist das Medieninteresse an den verschiedenen Veranstaltungen enorm gewachsen. Damit wird auch ein großes „mediales Publikum“ erreicht. Dieses Medieninteresse hat auch eine neue Funktion des politischen Aschermittwochs kreiert: Der Aschermittwoch hat sich zum „alternativen Politikforum“ entwickelt. Zahlreiche Demonstrationen und politische Inszenierungen begleiten die Aschermittwochskundgebungen der großen Parteien.

Literatur[Bearbeiten]

  • Barbara Wasner: Der Politische Aschermittwoch seit 1919. Wissenschaftsverlag Rothe, Passau 1999. ISBN 3-927575-79-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Politischer Aschermittwoch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spiegel Online, 6. Februar 2008
  2. CDU-Aschermittwoch - Merkel stärkt Koch, In: hr-online.de, Online-Fassung vom 18. Januar 2008
  3. Jan-Herm Janßen: Stoiber beim Aschermittwoch - CDU zieht positive Bilanz. In: Ibbenbürener Volkszeitung, Online-Fassung vom 26. Februar 2009
  4. Sabine Plake und Jan-Herm Janßen: Edmund Stoiber wird zum Zugpferd im hohen Norden. In: Ibbenbürener Volkszeitung, Online-Fassung vom 25. Februar 2009
  5. CDU in Fellbach
  6. CDU in Demmin