Polizei (Niederlande)

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Einsatzbus der niederländischen Polizei in Zwolle
Streifenpolizist mit Mountainbike in Den Haag

In den Niederlanden ist die Polizei seit Anfang des Jahres 2013 zentral organisiert (Nationale Politie). Die niederländische Gendarmerie, Koninklijke Marechaussee genannt, gehört organisatorisch als eigene Teilstreitkraft in den Zuständigkeitsbereich des Verteidigungsministeriums, untersteht aber bei der Ausübung ihrer polizeilichen Aufgaben auch anderen Ministerien.

Struktur[Bearbeiten]

Bis 1994[Bearbeiten]

Bis 1994 gab es in den Niederlanden eine zweigliedrige Polizeiorganisation: Alle größeren Gemeinden (insgesamt 148) hatten eine Gemeindepolizei (Gemeentepolitie), die dem Bürgermeister unterstand. Die Staatspolizei (Rijkspolitie) war für kleinere Kommunen und das ganze Staatsgebiet betreffende Sicherheitsaufgaben zuständig und dem Justizminister verantwortlich. Seit dem Inkrafttreten des neuen Polizeigesetzes (Politiewet) am 1. April 1994 sind alle zivilen Polizeiformationen einheitlich organisiert und uniformiert.

Polizeiregionen 1994 bis 2012[Bearbeiten]

Das Land war in 25 Polizeiregionen (politieregio’s) eingeteilt, die je über ein Regionalkorps (regiokorps) verfügen. Die Leitung der regionalen Polizei oblag einem Korpschef, der von einem Regionalvorstand unterstützt wurde, dem auch Vertreter der örtlichen Stadtverwaltungen und der Justiz angehörten. Der Umfang eines Regionalkorps war von einigen Faktoren abhängig: zum einen der Einwohnerzahl, der Kriminalitätshäufigkeit und der Siedlungsstruktur. Die Regionalkorps untergliederten sich in Bezirke (districten) oder Bereiche (onderdelen). Die Bezirke untergliederten sich häufig in Basiseinheiten (basiseenheden). Jeder Bezirk hat sein eigenes Kriminalkommissariat. Daneben bestehen in jeder Region zwei zentrale Dienste, zum einen die Kriminalpolizei (divisie regionale recherche) und unterstützende Dienste (executieve ondersteuning). Zu ihnen zählten unter anderem die Leitstelle (regionale meldkamer, RMK), Polizeigewahrsam, Verkehrsüberwachung etc. Jedes Regionalkorps ist selbst organisiert. Wo dem Opportunitätsprinzip Rechnung getragen wird, also welche Aufgaben und welche Straftaten verfolgt werden, konnten die einzelnen Regionalkorps weitgehend selbst bestimmen. Das Legalitätsprinzip, wie es in Deutschland besteht, gibt es in den Niederlanden nicht. Anzeigen müssen dennoch aufgenommen werden. Finanzen, Personalstärke, Ausstattung und Liegenschaften wurden durch jedes Regionalkorps eigenverantwortlich entschieden.

Jedes Regionalkorps verfügte über besondere Einheiten. Hierzu zählten die Bereitschaftspolizei (mobiele eenheid, ME), Festnahmeteams (arrestatieteam) ähnlich den deutschen Spezialeinheiten SEK und GSG 9. Darüber hinaus hielten die Regionalkorps noch Teams vor für verdeckte Ermittlungen (politiële infiltratieteams, PIT), Observationsteams, Sondereinsatzkommandos (Bijzondere Bijstandseenheden) für Geiselnahmen und Terrorismusbekämpfung, kriminalpolizeiliche Unterstützungsteams (RechercheBijstandsTeam, RBT), Fachkräfte für die Bekämpfung von Sittlichkeitsdelikten, Teams für die Verkehrsüberwachung (VerkeersHandhavingsTeam, VHT), Teams zur Bekämpfung von Umweltdelikten und Teams zur Aufnahme und Bearbeitung von schweren Verkehrsunfällen (VerkeersOngevallenAnalyse, VOA). Die Teams arbeiteten jedoch teilweise überregional, da nicht jedes Korps eines der genannten Teams hatte.

Das Korps Landelijke Politie Diensten (KLPD)[Bearbeiten]

Neben den Regionalkorps gab es ein Landespolizeikorps (Korps Landelijke Politiediensten – KLPD), welches seit 2000 direkt dem Innenministerium (Minister van Binnenlandse Zaken en Koninkrijksrelaties) (vorher dem Justizministerium) unterstellt war. Es hatte etwa 4.500 Mitarbeiter. Das KLPD hatte 12 Organisationseinheiten:

  • Bahnpolizei (Dienst Spoorwegpolitie)
  • Dienststelle für kriminalpolizeiliche Spezialtechnik (Dienst Specialistische Recherche Toepassingen)
  • Logistikdienst (Dienst Logistiek)
  • Luftpolizei (Dienst Luchtvaartpolitie)
  • Nationale Kriminalpolizei (Dienst Nationale Recherche)
  • Operative Unterstützung und Koordination (Dienst Operationele ondersteuning en Coördinatie, DOC)
  • Reiter- und Hundestaffel (Dienst Levende Have Politie, DLHP)
  • Sicherheitsdienst für das Königshaus und den politisch-diplomatischen Führungsbereich (Dienst Koninklijke en Diplomatieke Beveiling, DKDB)
  • Verkehrspolizei (Dienst Verkeerspolitie)
  • Wasserschutzpolizei (Dienst Waterpolitie)
  • Zentrales kriminalpolizeiliches Informationsamt (Dienst Nationale Recherche Informatie, NRI)
  • Zentralstelle für das internationale kriminalpolizeiliche Informationswesen (Dienst Internationale Netwerken, IN)

In den Niederlanden waren 2012 etwa 55.000 zivile Polizeibeamte im Dienst. Anfang 2013 wurde das KLPD in die Landelijke Eenheid van de Nationale Politie überführt.

Gesamtstruktur seit 2013[Bearbeiten]

Anfang des Jahres 2013 fand erneut eine Umstrukturierung der niederländischen Polizei statt. Seit dem ersten Januar 2013 bilden die vormals 25 regionalen Polizeikorps, die niederländische Landespolizei (Korps Landelijke Politiediensten) als landesweite Einheit und das Kooperationszentrum der niederländischen Polizei eine gesamte niederländische Polizei, die Nationale Politie, in der etwa 63.000 Bedienstete beschäftigt sind.[1]

10 Polizeibezirke, denen jeweils ein Leiter vorsteht, die landesweite Einheit und das Polizeidienstzentrum bilden die neue Organisationsstruktur des einheitlichen niederländischen Polizeikorps. Die Polizeibezirke sind

  1. Noord Nederland
  2. Oost Nederland
  3. Midden Nederland
  4. Noord Holland
  5. Amsterdam
  6. Den Haag
  7. Rotterdam
  8. Zeeland West-Brabant
  9. Oost Brabant und
  10. Limburg.

Das neue Korps wird von Korpschef Gerad Bouman und seinen Stellvertretern Ruud Bik, Jannine van den Berg und Leon Kuijs geleitet. Die Neustrukturierung soll effizientes Arbeiten gewährleisten.

Dienstgrade der Niederländischen Polizei[Bearbeiten]

Die Niederländische Polizei kennt die folgenden Ränge bzw. Dienstgrade.

Ränge der Niederländischen Polizei:
Dutch Police Rank Eerste Hoofdcommissaris.png Eerste Hoofdcommissaris
Dutch Police Rank Hoofdcommissaris.png Hoofdcommissaris
Dutch Police Rank Commissaris.png Commissaris
Dutch Police Rank Hoofdinspecteur.png Hoofdinspecteur
Dutch Police Rank Inspecteur.png Inspecteur
Dutch Police Rank Brigadier.png Brigadier
Dutch Police Rank Hoofdagent.png Hoofdagent
Dutch Police Rank Agent.png Agent
Dutch Police Rank Surveillant.png Surveillant
Dutch Police Rank Aspirant.png Aspirant (Student)

Epauletten (Schulterplatten) welche ausschließlich das Polizeilogo anzeigen, sind bestimmt für unterstützendes Personal im Dienst der Polizei. Dies bedeutet dass der betreffende Mitarbeiter einen Nicht-Exekutiven status hat und somit nur auf begrenzte Ermittlungsbefugnisse zurückgreifen kann. Diese Mitarbeiter sind laut niederländischem Recht „Buitengewoon Opsporingsambtenaar“ kurz: BOA, welches soviel bedeutet wie „außerordentlicher Ermittlungsbeamter“.

BOA's haben, je nach dem zu welchem Zweck sie eingesetzt werden, verschiedene Ermittlungsbefugnisse und können je nach dem auch mit dementsprechender Bewaffnung ausgerüstet sein oder eine Polizeiuniform tragen. Jedoch sind weitaus die meisten BOA's nicht bewaffnet.

Uniform und Ausrüstung[Bearbeiten]

Jetzige Uniform

Die jetzige Polizeiuniform wird im Jahre 2014 durch eine neuere, funktionellere und besser sichtbare ersetzt. Der definitive Entwurf wurde gewählt, nachdem gut 33.000 Polizeibeamte bei einer Umfrage ihre persönlichen Vorlieben angegeben hatten.

Die neue Uniform wird unter anderem aus folgenden Teilen bestehen:

Cap: Der jetzige Hut wird ersetzt durch ein sportliches Cap.

Polo: Das weiße Hemd wird ersetzt durch ein dunkelblaues Poloshirt mit gelben Streifen auf Brust, Rücken und Schulter mit wahlweise kurzen oder langen Ärmeln. Grundsätzlich sind diese Poloshirts versehen mit Polizeilogos auf Brust und Rücken. Des Weiteren werden auf beiden Oberarmen Polizeiembleme angebracht.

Operationelle Hose: Die Uniformhose wird ersetzt durch einen sogenannten 'Worker'. Diese sportliche dunkelblaue Hose wird versehen mit geräumigen Taschen auf beiden Oberschenkeln.

Feste Schuhe: Die operationellen Schuhe werden vom Typ her Armeestiefeln bzw. Springerstiefeln ähneln. Marken und Typ müssen noch gewählt werden.

Schutzweste: Die Polizei wird grundsätzlich ihre stich- und schusssichere Weste über der Uniform tragen. Die Weste wird geliefert mit drei verschiedenen Schonbezügen in drei verschiedenen Farben;

  • Fluor-Gelb mit reflektierenden Streifen und Polizeilogo auf Vorder- und Rückseite. Dieser Schonbezug wird verwendet, wenn erhöhte Sichtbarkeit erwünscht ist, wie z. B. bei Verkehrskontrollen.
  • Ein blauer Schonbezug mit Polizeilogo auf Vorder- und Rückseite für den täglichen Einsatz.
  • Und zum Schluss einen weißen Schonbezug, damit die Weste eventuell unterhalb der Zivilbekleidung getragen werden kann.

Jacke: Die jetzige Jacke wird ersetzt durch eine sogenannte 'Softshell-Jacke', die unter der Schutzweste getragen werden soll und eine Allwetterjacke, welche über der Schutzweste getragen wird.

Die Ausrüstung der Polizei wird meistens an der Hüfte getragen, mittels eines Koppels der französischen Marke GK Professional.

  • Handfesseln der Marke LIPS
  • Kurzer Schlagstock (meistens versteckt in einer innenliegenden Tasche in der Hose)
  • Pfefferspray (Defence Technology MKII)
  • Dienstwaffe Walther P5 in einem Holster der Marke Safariland (ab '04-2013 Walther P99Q)
  • Digitales C2000 Radio (Nokia, Motorola oder Sepura)

Auch Aspiranten (Student/Anwärter) und Surveillanten (Aufsichtsperson), die eine Aus- bzw. Weiterbildung folgen zum Rang von Agent und höher, können mit einer Dienstwaffe ausgerüstet sein, indem sie die nötigen Ausbildungen und Prüfungen dazu bestanden haben. Die jetzige Dienstpistole der deutschen Marke Carl Walther ist bereits seit 1978 im Einsatz bei der Niederländischen Polizei. Ab April 2013 wird die Walther P5 schrittweise ersetzt durch die neue Dienstpistole Walther P99Q.

Des Weiteren kann jeder Polizist selbst wählen, welche zusätzlichen Ausrüstungsgegenstände er mit sich trägt. So werden oft Gegenstände wie Handytaschen, Handschuhe, Türklemmen, Beatmungsmasken und Tragringe für Stablampen am Koppel befestigt.

Weitere Organisationen[Bearbeiten]

Die niederländische Gendarmerie, Koninklijke Marechaussee genannt, gehört organisatorisch als eigene Teilstreitkraft in den Zuständigkeitsbereich des Verteidigungsministeriums, untersteht aber bei der Ausübung ihrer polizeilichen Aufgaben auch anderen Ministerien. Dazu gehören neben dem Grenzschutz, der Bewachung der Flughäfen und der fremdenpolizeilichen Tätigkeit auch der Personenschutz für die Königsfamilie.

Zur Unterstützung und Entlastung professioneller Polizeikräfte existieren seit den 1990er Jahren in vielen niederländischen Städten so genannte Stadtwachen (Stadswacht), deren Angehörige zwar uniformiert, aber unbewaffnet sind. Die Aufsicht über die Stadtwachen wird in der Regel von der Polizei wahrgenommen. Daneben gibt es auch freiwillige Polizisten (Vrijwillige Politie), die mit exekutiven Befugnissen, aber meist auf unterer Ebene im Verwaltungs- und Vollzugsdienst eingesetzt werden.

Aufgaben[Bearbeiten]

Gemäß Artikel 3 des Polizeigesetzes (Politiewet 2013) hat die Polizei die Aufgabe, unter Leitung der zuständigen Behörde und im Einklang mit den geltenden Rechtsvorschriften für die tatsächliche Wahrung der Rechtsordnung zu sorgen und denen Hilfe zu leisten, die ihrer bedürfen. Die Hauptaufgaben, die sich hier herauskristallisieren sind:

  • Die Ermittlung von Straftaten
  • Die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung
  • Die Überwachung des Straßenverkehrs
  • Die Notfallhilfe
  • Die Ausführung von Polizeiaufgaben im Auftrag der Justiz

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Auf Grundlage des deutsch-niederländischen Polizei- und Justizvertrages vom 2. März 2005 wird die Grenzüberschreitende Zusammenarbeit intensiviert. Der Vertrag trat am 1. September 2006 in Kraft. Beteiligt sind die niederländische Polizei, die Koninklijke Marechaussee, die Bundespolizei und die Polizeien der Länder Nordrhein-Westfalen sowie Niedersachsen.

In Dinxperlo – Gemeinde Aalten – (Niederlande) gibt es seit 1999 eine deutsch-niederländische Polizeiwache.[2] Die Wache ist jeweils mit einem Bezirksbeamten (Wijkagent) aus den Niederlanden und einem Bezirksbeamten aus Deutschland (Kreis Borken) besetzt. Die Dienste werden zusammen in beiden Länder unternommen.

Im Eurode Business Center im Grenzgebiet zwischen Herzogenrath und Kerkrade befindet sich eine weitere zweistaatliche Polizeiwache, die nach demselben Prinzip organisiert ist.

Seit dem 17. Mai 2005 gibt es in Heerlen (Niederlande) das Euregionale Polizei-Informations-Cooperations-Centrum (EPICC). Hier versehen derzeit 24 Mitarbeiter aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden ihren Dienst. Das EPICC verfolgt das Ziel, die grenznachbarschaftliche Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zu verbessern.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Über die niederländische Polizei – 2013. Abgerufen am 28. April 2013 (niederländisch)
  2. Deutsch-niederländische Polizeiwache in Dinxperlo

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Polizei (Niederlande) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien