Polyp (Fahrgeschäft)

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Polyp
Polyp
Daten[1]
Grundfläche 23 m × 22,5 m
Höhe 10 m
Flugkreisdurchmesser 17,60 m
Kapazität 25 Gondeln, 50 Personen
Gesamtgewicht ca. 60 Tonnen
Musikleistung 2x 3000 Watt
Anschlusswert 140 kW
(95 kW Kraft, 45 kW Licht)
Licht 15.000 Leuchtstellen
150 Scheinwerfer
12 Power-Strobes

Beim Polyp handelt es sich um ein Rundfahrgeschäft. Es ist bis heute sehr weit verbreitet und häufig auf Volksfesten und in Freizeitparks anzutreffen.

Geschichte[Bearbeiten]

Das erste Modell dieses Fahrgeschäfts trug den Namen Polyp. Es wurde 1962 von der Firma Klaus gebaut und verfügte über deutlich weniger Bewegungsrichtungen als heutige Varianten dieses Fahrgeschäfts. Es ist nicht mehr im Einsatz, dennoch wird der Name Polyp auch heute noch bei einigen Fahrgeschäften dieses Typs verwendet. Bis 1980 wurde auch ein Polyp von Bakker und Ihle gebaut. Ihle hat jedoch nur die Gondeln gebaut, dieser Polyp sieht dem Klaus Polyp sehr ähnlich. Im Gegensatz zu diesem gibt es jedoch noch einige Versionen anzutreffen hauptsächlich in den Niederlanden. [2] [3]

1968 entwickelte die Schwarzkopf GmbH das erste Fahrgeschäft mit dem Namen Monster I. Im Gegensatz zur ersten Variante verfügte das Monster über vier Bewegungsrichtungen: So drehte sich der gesamte Komplex, während sich die „Arme“ exzentrisch hoben und senkten. Gleichzeitig drehten sich die Gondelkreuze und die einzelnen Gondeln um ihre eigene Achse. Von dieser Variante wurden nur zwei Exemplare gebaut. Sie waren für den mobilen Einsatz zu schwer. Das erste Exemplar wurde im schwedischen Liseberg-Park fest aufgestellt, das zweite im spanischen Vergnügungspark "Casa de Campo".

Es folgte 1971 das Monster II: Es besaß fünf Arme, an deren Ende je vier Gondeln einzeln drehbar angebracht waren und bot damit Platz für bis zu 40 Personen. Im Gegensatz zum späteren Monster III besitzt es ein schräges Podium. Drei Schwarzkopf-Monster II sind 2010 in Deutschland noch auf der Reise, eines steht im niederländischen Freizeitpark Slaghaaren. Insgesamt sind fünf Exemplare gebaut worden. (Quelle: Kirmes & Park-Revue Heft 3/98 (Monster I&II) Autor: Ton Koppei)

Im Jahre 1979 erschien schließlich das Monster III. Das erste Exemplar ging als "Riesenkrabbe" an die Münchner Firma Aigner. Es ist mit einem flachen Podium ausgestattet, wie beim Monster 2 drehten sich ebenfalls die Gondeln um ihre eigene Achse. Es verfügt somit ebenso wie das Monster II vier Bewegungsrichtungen. Die Anzahl der Gondeln pro Arm wurde auf fünf erhöht, somit können bis zu 50 Personen gleichzeitig an einer Fahrt teilnehmen. Gefertigt wurden eine ganze Reihe von Exemplaren, Fa. Kinzler aus Stuttgart besaß zeitweise sogar ein Doppel. (Quelle: Kirmes & Park-Revue Heft 5/98 (Monster III) Autor: Ton Koppei) Vier davon sind im Jahr 2010 in Deutschland noch auf der Reise. Einige Schwarzkopf-Monster III sind in den Benelux-Ländern unterwegs, einige wenige befinden sich in festen Freizeitparks. (siehe auch: Aktive Fahrgeschäfte der Firma Schwarzkopf). Dabei wurden die verschiedenen Varianten optisch immer den aktuellen Modetrends angepasst.

Aufbau[Bearbeiten]

Das Fahrgeschäft besteht aus einem drehbaren Mittelteil, von dem aus sich fünf Arme in einem hohen Bogen bis über den Boden erstrecken. Die Arme laufen im Mittelteil des Fahrgeschäfts zusammen und können sich auf einem gebogenen Stahlauslager auf- und abwärts bewegen. Während der Fahrt wird das Stahlauslager hochgefahren, wodurch die Arme in eine Schrägstellung gebracht werden. Dadurch hängen die Arme auf einer Seite etwa zwei Meter über dem Boden, während sie auf der anderen Seite fast den Boden berühren. Am Ende eines jeden Arms befindet sich ein ebenfalls drehbares Gondelkreuz, an dem – je nach Ausführung – vier oder fünf Gondeln befestigt sind, die sich zusätzlich um ihre eigene Achse drehen und Platz für zwei Personen bieten. Bei älteren Typen, wie sie bis Anfang der 1970er Jahre produziert wurden, sind die Gondeln und Gondelkreuze unter Umständen nicht beweglich. Das Mittelteil, die Gondelkreuze und die Gondeln selbst werden durch Elektromotoren angetrieben. Zusätzlich sind die Gondeln auch frei drehbar (siehe auch Typische Fahrelemente).

Es existieren auch Versionen, in denen die Arme einzeln hydraulisch angehoben werden (siehe Bild).

Typische Fahrelemente[Bearbeiten]

Durch die Kombination von drehbarem Mittelteil, exzentrischem Stahlauslager, drehbarer Gondelkreuze und drehbarer Gondeln entsteht für den Fahrgast eine äußerst unsymmetrische Bewegung, die typisch für dieses Fahrgeschäft ist.

Durch geschickte Verlagerung des Körpergewichts kann ein Fahrgast die Gondel auch manuell in Rotation versetzen, und so das einzigartige Fahrgefühl noch verstärken. Dies erfordert großen Krafteinsatz gegen die Fliehkräfte, daher wird dieser Vorgang auch als „sporten“ bezeichnet.

Die Geschwindigkeiten unterliegen während der Fahrt einem ständigen Wechsel, um einen stabilen Bewegungsablauf zu verhindern. Auf diese Weise bleiben die Gondeln in Rotation, die auftretenden Kräfte ändern sich sekündlich und die Fahrt wird spannend gehalten.

Aktive Fahrgeschäfte der Firma Schwarzkopf[Bearbeiten]

Hier wird auf die Fahrgeschäfte der Firma Schwarzkopf eingegangen, die viele Jahre als einziger Hersteller dieses Fahrgeschäfts galt. Vertrieben wurden diese unter den Namen Monster, Monster II und Monster III. Von der ersten Version wurden nur zwei Exemplare gefertigt und nach Schweden und Spanien exportiert. Vom Monster III existieren fünf Modelle, die auch alle noch im Einsatz sind (siehe Tabelle). Die übrigen noch im Einsatz befindlichen Modelle entsprechen demnach dem Monster II.

Name des Fahrgeschäfts Typ Betreiber Besonderheiten
Big Monster Monster III Fa. Krameyer Beleuchtung teilweise auf LED-Technik umgerüstet[4]
Die Krake Monster III Fa. Uhse seit 2012 in Besitz der Fa. Markmann aus Bonn Der Name „Die Krake“ kommt seit den frühen 1980er Jahren zum Einsatz (vorher lautete der Name: „Uhses Monster“).[5]

In der Winterpause 2000/2001 fand ein umfangreicher Umbau statt: Es wurde moderne Airbrush-Technik für die Dekoration verwendet, die Soundanlage durch Digitaltechnik verbessert, die Steuerung von herkömmlicher relaisgesteuerter Technik auf Elektronik umgestellt, sowie der Antrieb verbessert. Die Krake läuft inzwischen vollelektronisch.

Ein weiterer Umbau folgte im Jahr 2006, bei dem die Anzahl der Gondelträger von je fünf pro Gondelkreuz (wie beim Monster III üblich) auf nur noch vier Gondelträger reduziert wurde. Somit bietet die Krake Platz für bis zu 40 Personen gleichzeitig.

Nachdem der Mittelbau der Krake im Jahr 2008 bei einem Verkehrsunfall beschädigt wurde, erneuerte man die Lackierung und nutzte die Gelegenheit, die herkömmlichen Glühlampen durch LED-Technik zu ersetzen.[6] Der Anschlusswert der Krake liegt daher aufgrund der stromsparenderen Lichttechnik etwas unterhalb des oben genannten Anschlusswerts. Außerdem wurden die schwer beschädigten Kappen durch normale ersetzt, da die original Schwarzkopfkappen nicht mehr erhältlich sind. Während der Renovierungsarbeiten wurde die Krake auf vielen Jahrmärkten durch andere Monster wie Big Monster ersetzt.

Die Firma Uhse war mit ihrer Krake regelmäßig Schausteller auf verschiedenen Volksfesten, unter anderem dem Bremer Freimarkt oder dem Oldenburger Kramermarkt. Krake ist nun im Besitz der Fa. Markmann aus Bonn.

Flower Swing Monster II Fa. Hoffmann
Happy Monster Monster II Fa. Zinnecker
Octopussy Monster III Fa. Markmann und Söhne Das ursprünglich unter Barth & Markmann laufende Geschäft wurde in den vergangenen Jahren aufwändig umgestaltet. Auf den Armen bewegen sich "drehende Delfine". Die Rückwand wurde komplett neu bemalt und mit außergewöhnlich vielen Deko- und Leuchtelementen versehen. Neue Gondeln in exklusiven Design mit LED machen dieses Geschäft zu einem Eyecatcher.

Fa. Markmann baut ihr Geschäft unter anderem regelmäßig auf der Anna-Kirmes in Düren, auf dem Pützchensmarkt in Bonn, in Bocholt und Rhede auf reist aber auch bis weit nach Süddeutschland z. B. Nürnberg und Dachau.

XXL-Krake (früher Overdrive) Monster II Fa. Staudenrausch vorher Renoldi "Toller Wirbel"
Polyp Monster III Fa. Ruoff Unter dem Namen Polyp wird zurzeit ein Fahrgeschäft der Monster III-Reihe betrieben: das von der Firma Ruoff. Ein weiterer Polyp wurde von Fa. Radlinger (Oktoberfest!) betrieben, wurde aber 2008 (lt. Kirmes & Park-Revue, Jahrgang 2010) in einen Park nach Frankreich verkauft.
Okti(ehemals Riesenkrake) Monster III Heide-Park Soltau Bei diesem Fahrgeschäft wird die zentrale Spitze des Fahrgeschäfts statt von den üblichen Monster- oder Krakenköpfen von dem Heide-Park Bären geschmückt.
Aqua Riesen Polyp Monster III Fa. Lauwers Gehörte lange Zeit der Firma Hoster, wurde Ende 2008 jedoch nach Belgien an die Schausteller Lauwers verkauft.
Sombrero

Zusätzlich zu diesen klassischen Polyp-Versionen entstanden noch einige neuere Varianten dieses Fahrgeschäfts, wie die Anlage Sombrero, die in Salau/Spanien in Betrieb ist und pro Gondel bis zu 10 Personen aufnimmt.[7]

Fahrgeschäfte anderer Hersteller[Bearbeiten]

Dieses Fahrgeschäft wird inzwischen von vielen anderen Herstellern produziert, die unter verschiedensten Namen betrieben werden. Einige Beispiele: Beach Polyp, Octopus, Super Spider, Jumbo Polyp, Fluch der Piraten.

Auch Schwarzkopf-Sohn Wieland schickte noch Monster-Varianten ins Rennen, mit kleinen Wikinger-Schiffchen (im Park Asterix in Frankreich) oder mit kleinen Straßenkreuzern (unter dem Namen Jukebox im Liseberg-Park in Schweden). Eine Abwandlung baute Wieland Schwarzkopf 1998 mit hängenden (suspended) Gondeln (Sound-Factory der Fa. Kinzler-Menzel), der nach technischen Problemen längere Zeit nicht betrieben wurde und 2009, von Fa. Gerstelauer umgebaut, dann unter Fa. Aigner als "Parkour" wieder auf die Reise ging. (Quelle Kirmes & Park-Revue 5/98 - 11/98 - 7-09)

Gefahren[Bearbeiten]

Wartende Gäste verteilen sich bei diesem Fahrgeschäft (wie bei vielen anderen Karussels auch) um die gesamte Plattform herum. Da es bei den meisten Modellen nur eine Teilabsperrung gibt, besteht die theoretische Gefahr, dass Personen in den Flugradius der Gondeln treten und sich ernsthafte Verletzungen zuziehen. Allerdings sind solche Unfälle absolut die Ausnahme. Einige Geschäfte sind von daher zusätzlich mit Kameras ausgestattet, damit der Operator aus der Kasse heraus einen optimalen Überblick auf die Fahrbahn hat.

Unfälle[Bearbeiten]

Obwohl die Fahrgeschäfte dieses Typs als recht sicher gelten, gab es einige Zwischenfälle. So wurde im Jahr 1988 ein 13-jähriger Schüler im Polyp-Fahrgeschäft des Heide-Parks in Soltau aus einer Gondel geschleudert und schwer verletzt. Im Jahr 1983 sind im gleichen Fahrgeschäft eine Rentnerin und ihr 2-jähriger Enkel bei laufender Fahrt aus ihrer Gondel gefallen, die Rentnerin verstarb kurz darauf. Hinweise auf eine Fehlfunktion des Fahrgeschäfts gab es jedoch in beiden Fällen nicht.[8]

Am Abend des 27. Oktober 2011 kam es zu einem Unfall auf dem Bremer Freimarkt, als an der Krake die Aufhängung einer Gondel riss und gegen mehrere Zuschauer am Rande der Plattform schleuderte. Dabei wurden insgesamt neun Personen zum Teil schwer verletzt.[9]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Polyp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Big Monster – Technische Daten auf bigmonster.de
  2. Die Krake – Geschichte auf die-krake.de
  3. Fahrgeschäfte der Kategorie Polyp auf schaustellerbetriebe.de
  4. Big Monster auf bigmonster.de
  5. Die Krake – Galerie: Zeitreise auf die-krake.de
  6. LKW mit Jahrmarkt-Krake stürzt um auf nwzonline.de
  7. Die Zukunft von Schwarzkopf auf schwarzkopf.coaster.net
  8. Pressetexte über den Heide-Park Soltau auf foni.net
  9. Pressemeldung Nr. 0452 der Polizei Bremen