Pont-Audemer

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Pont-Audemer
Wappen von Pont-Audemer
Pont-Audemer (Frankreich)
Pont-Audemer
Region Haute-Normandie
Département Eure
Arrondissement Bernay
Kanton Pont-Audemer
Koordinaten 49° 21′ N, 0° 31′ O49.3541666666670.5138888888888910Koordinaten: 49° 21′ N, 0° 31′ O
Höhe 2–115 m
Fläche 9,35 km²
Einwohner 8.943 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 956 Einw./km²
Postleitzahl 27500
INSEE-Code
Website http://www.ville-pont-audemer.fr/

Fachwerkhaus, die alte Herberge du Vieux Puits

Pont-Audemer ist eine französische Stadt mit 8943 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Eure in der Region Haute-Normandie.

Geografie[Bearbeiten]

Pont-Audemer liegt in Nordfrankreich an der Risle, zwischen Roumois und Lieuvin. Es gehört zum Regionalen Naturpark Boucles de la Seine Normande.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Ordericus Vitalis (1075–1142) beschreibt in seiner Historia Ecclesiastica die Belagerung von Pont-Audemer von November bis Dezember 1123. Symeon von Durham (1060–1130) beschreibt die Belagerung sehr detailliert. Heinrich I. von England (1068–1135) griff die Stadt an, plünderte und brandschatzte. Während die Burg belagert wurde, plünderten Heinrichs Truppen die Ortschaften im Umkreis von über 30 Kilometern. Die Burg wurde von 140 Rittern verteidigt, die vom Großmundschenk von Frankreich Louis de Senlis angeführt wurden. Das Wetter wurde schlechter und Heinrich I. ließ Belagerungsmaschinen bauen, um die Eroberung der Burg zu beschleunigen. Nach sieben Wochen gaben die Belagerten auf und verhandelten. Sie durften die Burg verlassen. Heinrich I. stationierte daraufhin eine Garnison in Pont-Audemer und zog weiter. Die Rebellen unter Galéran IV. de Meulan (1104–1166) und Amaury III. de Montfort († 1137) griffen Pont-Audemer an und brannten die Häuser nieder, die die Bevölkerung gerade wieder aufgebaut hatte. Im März 1124 wurde dieser Bürgerkrieg durch die Schlacht bei Bourgtheroulde beendet.[1]

Neuzeit[Bearbeiten]

Nachdem in Rouen 1557 und in Évreux 1559 eine offizielle reformierte Kirche eingerichtet worden war, folgte Pont-Audemer diesem Beispiel. Die protestantische Kirche in Pont-Audemer bestand bis zur Aufhebung des Edikts von Nantes mit dem Edikt von Fontainebleau im Jahr 1685.[2][3] Während der Hugenottenkriege (1562 bis 1598) fiel Pont-Audemer im Mai 1562 in die Hände der Protestanten und wurde schon am 16. Juli von der königlichen Armee zurückerobert. Am 23. Februar 1589 übernahm die katholische Heilige Liga den Ort, der im Juni 1589 von der königlichen Armee zurückerobert wurde. Im November 1589 wurde Pont-Audemer von Charles I. d’Aumale, einem Mitglied der Heiligen Liga, belagert und eingenommen, schon im Dezember fiel es wieder an die Truppen des Königs. 1590 schrieb der König Heinrich IV. von Frankreich, dass Pont-Audemer im Verlaufe der Religionskriege schon sechsmal belagert worden wäre. 1592 fiel Pont-Audemer dann auch wieder an die Liga bis es am 19. April 1594 den königlichen Truppen übergeben wurde.[4]

Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) wurde Pont-Audemer am 14. Juni und am 9., 14., 16. und 18. Juli 1944 während der Operation Overlord durch die Alliierte Luftwaffe bombardiert. Weitere Bombardements erfolgten am 13. 16. und 17. August. Am 16. waren besonders die Straßen Rue Notre Dame du Pré, Rue Sadi Carnot und Boulevard Pasteur betroffen. Am 17. August fielen die Bomben auf das gleiche Stadtviertel, dabei kamen 24 Personen um. Am 26. August kamen Truppen des britischen I Corps und Belgische Streitkräfte von Südwesten her auf der Autoroute A13 nach Pont-Audemer. Sie trafen nur auf geringen Widerstand. Die meisten Soldaten der Wehrmacht hatten sich zurückgezogen. Vor ihrem Rückzug sprengten die Deutschen die Brücken. Die Befreiung der orografisch linken Seite der Risle zog sich bis zum 28. August hin. Über 60 Einwohner wurden im Zweiten Weltkrieg durch Kampfhandlungen in der Stadt getötet. Etwa ein Viertel der Wohnhäuser war beschädigt und unbewohnbar, drei Fabriken wurden zerstört.[5]

Politik[Bearbeiten]

Pont-Audemer ist Sitz des Kantons Pont-Audemer und des Gemeindeverbands Communauté de communes de Pont-Audemer. Bis 1926 war die Kleinstadt Verwaltungssitz des Arrondissements Pont-Audemer, das in jenem Jahr in das Arrondissement Bernay integriert wurde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Touristenzug Pontaurail

Pont-Audemer ist mit vier Blumen im Conseil national des villes et villages fleuris (Nationalrat der beblümten Städte und Dörfer) vertreten.[6] Die „Blumen“ werden im Zuge eines regionalen Wettbewerbs verliehen, wobei maximal drei Blumen erreicht werden können. Die regionale Jury entscheidet, welche Gemeinden sich um die vierte Blume bewerben dürfen, die von der nationalen Jury verliehen wird.

In der Innenstadt stehen viele Fachwerkhäuser, manche davon dienten früher den Gerbern zum Trocknen von Leder. Jahrzehntelang galt Pont-Audemer als „Hauptstadt des Leders“. Die gewundenen, engen Gassen sind häufig überdacht und kleine Brücken führen über malerische Kanäle. Deshalb wird Pont-Audemer auch das „normannische Venedig“ genannt.[7] Die Innenstadt ist offiziell als Site Inscrit („Kulturdenkmal“) klassifiziert.[8]

Die katholische Kirche St-Ouen besitzt Bleiglasfenster aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Touristenzug Pontaurail verbindet Pont-Audemer mit Honfleur. Er fährt dreimal täglich an Sonn- und Feiertagen von Mitte Juni bis Ende August durch das Tal der Risle und bis zur Mündung der Seine.[7]

Pont-Audemer ist mit fünf @s als Ville Internet (‚Internetstadt‘) eingestuft. Die „@s“ werden an Städte vergeben, die den Ausbau und die Nutzung des Internets fördern, wobei maximal fünf @s vergeben werden.[9]

Auf dem Gemeindegebiet gelten kontrollierte Herkunftsbezeichnungen (AOC) für Camembert (Camembert de Normandie), Pont-l’Évêque, Calvados (Calvados Pays d’Auge) und Pommeau (Pommeau de Normandie) sowie geschützte geographische Angaben (IGP) für Schweinefleisch (Porc de Normandie), Geflügel (Volailles de Normandie) und Cidre (Cidre de Normandie und Cidre normand).[10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Gaston Lenôtre (1920–2009), Konditor, Chocolatier, Confiseur, Unternehmer und Autor mehrerer Back- und Kochbücher. Er verbrachte einen Teil seiner Ausbildungszeit in Pont-Audemer und eröffnete hier sein erstes Geschäft.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pont-Audemer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  David Crouch: The Beaumont Twins: The Roots and Branches of Power in the Twelfth Century. In: Cambridge Studies in Medieval Life and Thought: Fourth Series. 2 Auflage. 1, Cambridge University Press, Cambridge 2008, ISBN 9780521090131, S. 18–24 (online, abgerufen am 1. September 2011). (englisch)
  2.  Laurence Riviale: Le vitrail en Normandie entre Renaissance et Réforme (1517–1596). In: Corpus Vitrearum. 7, Presses Universitaires de Rennes, Rennes 2007, ISBN 978-2-7535-0525-4, S. 28 f. (französisch).
  3.  Bernard Bodinier (Hrsg.): L’Eure de la Préhistoire à nos jours. Jean-Michel Bordessoules, Saint-Jean-d’Angély 2001, ISBN 2-913471-28-5, S. 248 (französisch).
  4. Pont-Audemer, une petite ville de Normandie, pendant les guerres de Religion von Bernard Michelin (pdf,französisch; 201 kB) Abgerufen am 3. November 2009
  5.  A.-V. de Walle: Évreux et l’Eure pendant la guerre. Charles Herissey, Évreux November 2000, ISBN 2914417055, S. 177+181–183 (erstmals 1946 erschienen, französisch).
  6. Palmarès des villes et villages fleuris. Conseil National des Villes et Villages Fleuris, abgerufen am 14. August 2011 (französisch).
  7. a b  A. Blanchard, M. Delafenêtre, Lisa Pascual: Jardins en Normandie. Eure. Connaissance des Jardins, Caen 2001, ISBN 2912454077, S. 30. (Französisch)
  8. Liste der Gemeinden von Eure. In: eure.pref.gouv.fr. Préfecture von Eure, abgerufen am 14. August 2011 (französisch).
  9. Pont-Audemer @@@@@. In: villesinternet. association des Villes Internet, abgerufen am 21. Juli 2012 (französisch).
  10. La ville de Pont-Audemer. In: Annuaire-Mairie.fr. Abgerufen am 22. Juli 2012 (französisch).