Porroprisma

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Das Porroprisma, benannt nach seinem Erfinder Ignazio Porro, der es 1854[1] patentieren ließ, ist das klassische Umkehrprisma in einem traditionellen Feldstecher mit Keplerschen Fernrohren. Jedes der in jedem Teilfernrohr eingebauten Porroprismen besteht in der Regel aus zwei einfachen rechtwinkligen Reflexionsprismen (sogenannten Halbwürfelprismen), die vom Strahlengang nacheinander passiert werden und die jeweils eine 180°-Drehung des Bildes bewirken. Das von den Keplerfernrohren erzeugte seitenrichtige, aber kopfstehende Bild wird auf diese Weise aufgerichtet.

Der Strahlengang wird in einem Halbwürfelprisma zweimal, also geradzahlig, reflektiert, so dass das Bild grundsätzlich seitenrichtig bleibt. Er wird dabei 180° abgelenkt, was mit Hilfe des ersten der beiden Prismen zum Aufrichten des kopfstehenden Bildes ausgenutzt wird, es wird kopfüber gewendet. Die nicht gewollte 180°-Ablenkung – man müsste mit dem Fernrohr nach hinten beobachten – wird mit Hilfe des zweiten Prismas kompensiert. Damit wird das Bild um eine vertikale Achse gewendet, und das Fernrohr bleibt geradsichtig. Ein dem Aufrichten des kopfstehenden Bildes analoger Vorgang entfällt, weil der Beobachter die zweite Wende des Strahlengangs mitmacht. Der ersten Wende folgt er nicht, denn er stellt sich nicht selbst auf den Kopf. Die zu erfüllende Bedingung lautet in physikalisch-optischer Formulierung wie folgt: Das Bild wird vollständig umgekehrt, wenn die Reflexionen in zwei verschiedenen Hauptschnitten eines Prismensystems stattfinden.[2]

Daneben gibt es noch das Porroprisma 2. Art[3], das ebenfalls den Strahlengang viermal 90° umlenkt. Ein doppelt reflektierendes Halbwürfelprisma ist zwischen zwei kleineren nur je einmal reflektierenden Halbwürfelprismen platziert. Die Hauptschnitte der äußeren Prismen sind zum mittleren Prisma rechtwinklig angeordnet. Sein Vorteil ist, dass vertikal kein Versatz des Strahlengangs erfolgt. Eine weitere Variante mit gleicher Funktion ist das aus zwei Teilprismen zusammengesetzt Porro-Abbe-Prisma[4]

Nebeneffekte[Bearbeiten]

  1. Durch die Faltung des Strahlengangs verkürzt sich die Baulänge des Fernrohrs um bis zu 60 Prozent (z. B. bei einem Fernglas 7x50 von etwa 40 cm (Brennweite des Objektivs) auf rund 15 cm).
  2. Der gegenseitige Abstand der Teilferngläser vergrößert sich, sodass das räumliche Sehen merklich verbessert, die Naheinstellung allerdings erschwert wird.
  3. Durch den größeren Abstand der Teilferngläser kann deren Durchmesser und die Helligkeit größer sein.

Als Bauelement in Ferngläsern steht das Porroprisma heute in Konkurrenz zum geradsichtigen Dachkant-Pentaprisma. Letzteres ist geometrisch aufwändiger, erlaubt aber eine weniger breite Bauweise der Ferngläser (zu Ungunsten des räumlichen Sehens, siehe 2.)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Patent GB195402377: Certain applications of total or partial reflection of light on transparent surfaces either alone or combined with the reflection. Veröffentlicht am 9. November 1854 (Auf Espace derzeit nicht einsehbar).
  2. Fritz Hodam: Technische Optik. VEB Verlag Technik Berlin, 1967, S. 254.
  3. Heinz Haferkorn: Optik - Physikalisch-technische Grundlagen und Anwendungen. Barth, Leipzig 1994, ISBN 3-335-00363-2, S. 485.
  4.  M. Bass (Hrsg.): Handbook of Optics. Volume I - Geometrical and Physical Optics, Polarized Light, Components and Instruments. 3. Auflage. McGraw-Hill Professional Publishing, 2009, ISBN 978-0071629256, S. 19.6.