Port-au-Prince

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Port-au-Prince
18.5425-72.33861111111198Koordinaten: 18° 33′ N, 72° 20′ W
Karte: Haiti
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Port-au-Prince

Port-au-Prince auf der Karte von Haiti

Basisdaten
Staat HaitiHaiti Haiti
Department Ouest
Stadtgründung 1749
Einwohner 1.275.000 (2006)
   – im Ballungsraum 2.000.000
Stadtinsignien
Coats of arms of None.svg
Flag of None.svg
Detaildaten
Höhe 98 m
Gewässer Karibik
Postleitzahl HT6110
Zeitzone UTC-5
Stadtvorsitz Jean-Yves Jason
Satellitenaufnahme von Port-au-Prince (2005), Landebahn des Flughafens deutlich zu erkennen
Satellitenaufnahme von Port-au-Prince (2005), Landebahn des Flughafens deutlich zu erkennen
Stadtplan (Situation nach dem Erdbeben)
Stadtplan (Situation nach dem Erdbeben)
Präsidentenpalast in Port-au-Prince (vor seiner Zerstörung durch das Erdbeben)
Präsidentenpalast in Port-au-Prince (vor seiner Zerstörung durch das Erdbeben)

Port-au-Prince [pɔroˈprɛ̃s] (haitianisch Pòtoprens, spanisch Puerto Príncipe) ist die Hauptstadt und gleichzeitig auch die größte Stadt Haitis. Sie liegt am Golf von Gonaïves, die nächsten Nachbarinseln sind Jamaika, Kuba und die Bahamas. Die Großstadt hat etwa 1.275.000 Einwohner (2006), Im Ballungsraum leben etwa 2,2 Millionen Menschen (2010). Ein Großteil von ihnen lebt in ärmlichen Verhältnissen in den sogenannten Slums an den Hängen rund um die Stadt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend um Port-au-Prince war bereits lange vor der Ankunft der ersten Europäer von den Taíno besiedelt, die um ca. 2600 v. Chr. aus dem Gebiet des heutigen Venezuela in das Land kamen.[1] Als Christoph Kolumbus das Land 1492 für die Spanier in Besitz nahm, wurden mehrere Siedlungen gegründet, die jedoch alle verlassen oder von den Franzosen (1535) bzw. den Engländern (1592) zerstört wurden. In den folgenden mehr als 50 Jahren ging die Einwohnerzahl der Region um die heutige Stadt rapide zurück, bis sie schließlich als Basis einiger Bukaniere und niederländischer Pelzhändler, später auch von französischen Piraten genutzt wurde. Diese gründeten auch die damals wichtigste Stadt der Region: Hôpital. Der französische Einfluss auf das Gebiet wuchs damit, und die Spanier, die immer noch das Gebiet für sich beanspruchten, versuchten ihren Anspruch mit einem Angriff auf die französischen Siedlungen zu verdeutlichen. Da dieser allerdings fehlschlug, sahen sie sich durch den Frieden von Rijswijk gezwungen ihre Ansprüche auf das Gebiet des heutigen Haiti (und damit auch des heutigen Port-au-Prince) gänzlich aufzugeben. Als immer noch sehr zahlreiche, im Grunde unabhängige Piraten die Region bewohnten, beschloss die französische Krone das Land endgültig zu einer Kolonie ihres Landes zu machen. Der Großteil der Piraten reagierte darauf mit der Abwanderung aus dem Gebiet, womit es immer mehr in den Blickwinkel englischer Eroberer geriet. Um einer englischen Eroberung entgegenzuwirken, gründeten die Franzosen schließlich 1749 die Stadt Port-au-Prince. 1770 ersetzte sie Cap-Haïtien als Hauptstadt der französischen Kolonie und wurde 1804 Hauptstadt des unabhängigen Staates Haiti. 1861 wurde Port-au-Prince Bischofssitz, 1944 wurde die Université d'État d'Haïti gegründet.

Seit Anfang des Jahres 2004 herrscht in Haiti ein politischer Ausnahmezustand mit Unruhen und Unsicherheiten, die ihr Zentrum in Port-au-Prince hatten.

Am 12. Januar 2010 ereignete sich um 16:53 Uhr Ortszeit ein schweres Erdbeben der Stärke 7,1 MW, das weite Teile der Stadt zerstörte, und mehr als 217.000 Todesopfer forderte. Das Hypozentrum lag 25 Kilometer südwestlich der Hauptstadt in rund 13 km Tiefe.[2]

Klima[Bearbeiten]

In Port-au-Prince herrscht überwiegend ein Savannenklima mit durchweg konstanten Jahrestemperaturen vor. Die Regenzeit dauert von März bis November, allerdings findet im Juni eine Unterbrechung statt. Während der Regenzeit liegen die Durchschnittstemperaturen über denen der Trockenzeit.

Verwaltung[Bearbeiten]

Der derzeitige Bürgermeister von Port-au-Prince ist Jean-Yves Jason. Der Sitz des Staatsoberhauptes befindet sich am Champ de Mars, einem großen Platz in der Stadt. Ihr Hauptquartier haben in Port-au-Prince auch die Police Nationale d’Haïti und die Mission des Nations Unies pour la stabilisation en Haïti, eine von den Vereinten Nationen aufgestellte Friedensmission.

US-Soldaten mit einem Hilfskonvoi in Port-au-Prince, 5. April 2004

Verkehr[Bearbeiten]

In Haiti gibt es zwei Hauptverkehrsstraßen, die ein Ende des Landes mit dem anderen verbinden. Die Route Nationale 1 beginnt in Port-au-Prince und führt nach Cap-Haïtien an der Nordküste. Die Route Nationale 2 verbindet die Hauptstadt mit Les Cayes auf der Tiburon-Halbinsel. Die Route Nationale 3 verbindet Port-au-Prince ebenfalls mit Cap-Haitien, führt jedoch über Mirebalais und Hinche.

Der Port international de Port-au-Prince ist Heimathafen für mehr Schiffe als jeder andere Hafen im Land. Zu den Hafeneinrichtungen gehören Kräne und Lagerhäuser. Durch das Erdbeben am 12. Januar 2010 wurde der Hafen schwer beschädigt.[3]

Der Aéroport international Toussaint Louverture wurde 1940 eröffnet und 1965 erweitert. Er liegt 10 km nördlich der Stadt. Es ist der einzige Flughafen Haitis, der von Düsenflugzeugen angeflogen werden kann, und wickelt deswegen den größten Teil des internationalen Flugverkehrs ab.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Port-au-Prince ist eines der wichtigsten Wirtschafts- und Finanzzentren des Landes. Zu den wichtigsten Exportgütern der Stadt zählen Kaffee und Zucker, aber auch Seife, Textilien und Zement. Trotz politischer Unruhen spielen auch Wirtschaftszweige wie Tourismus oder die Bauwirtschaft eine Rolle, wenn auch weniger als vor den Unruhen. Die Arbeitslosigkeit in Port-au-Prince ist sehr hoch, da viele Leute in den Slums keinen festen Arbeitsplatz haben und sich z. B. mit Straßenläden das zum Überleben notwendige Geld verdienen.[4]

Kultur[Bearbeiten]

Bekannte Bauwerke der Stadt waren der Präsidentenpalast von Haiti (französisch Palais National) und die Kathedrale, welche beide durch das Erdbeben im Januar 2010 zerstört wurden. Auch das Hotel Oloffson zählt zu den kulturell wie auch architektonisch bedeutsamen Gebäuden der Stadt. Der kulturelle Teil der Stadt konzentriert sich überwiegend auf das Zentrum. So befand sich beispielsweise das 1838 gegründete National Museum im Präsidentenpalast. Weitere bedeutende kulturelle Einrichtungen sind das Musée d'Art Haïtien du Collège Saint-Pierre und die Bibliothèque Nationale (Nationalbibliothek).

Bildung[Bearbeiten]

Trotz einer sechsjährigen Schulpflicht und einem von kleinen Berufsschulen bis zu Universitäten reichenden Schulsystem liegt die Analphabetenquote wie im ganzen Land bei ca. 50 %.[5] Zu den bedeutendsten schulischen Einrichtungen der Stadt zählen die Université d'Etat d'Haïti, die Union School, die Quisqueya Christian School, das Lycée Français für französischsprachige Schüler, sowie die Anís Zunúzí Bahá'í School.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter

Berühmte Erwähnungen in der Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Port-au-Prince – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Port-au-Prince – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Gorry, Conner; Miller, Debra: Caribbean Islands. Lonely Planet, 2005, ISBN 1-74104-055-8, S. 245–246 (Online in der Google-Buchsuche-USA).
  2. Magnitude 7.0 - Haiti region - Earthquake details (Englisch) United States Geological Survey. 12. Januar 2010. Abgerufen am 13. Januar 2010.
  3. Hafen von Port-au-Prince eingeschränkt wieder nutzbar, Deutsche Welle. 22. Januar 2010. 
  4. Simon M. Fass's research book, Political Economy in Haïti: The Drama of Survival
  5. Wissenswertes über Haiti, Haitihilfe Heinz Kühn