Portugiesische Sprache

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Portugiesisch (português)

Gesprochen in

Siehe unter „Offizieller Status“, des Weiteren in Namibia, Indien, Südafrika, Luxemburg und in jeder Region an der Grenze portugiesischsprachiger Länder
Sprecher insgesamt ca. 245 Millionen
Muttersprachler ca. 215 Mio.
Zweitsprachler ca. 30 Mio.
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von Europaische UnionEuropäische Union Europäische Union

PortugalPortugal Portugal
AngolaAngola Angola
ÄquatorialguineaÄquatorialguinea Äquatorialguinea
BrasilienBrasilien Brasilien
Guinea-BissauGuinea-Bissau Guinea-Bissau
Kap VerdeKap Verde Kap Verde
MacauMacao Macao (VR China VolksrepublikChina Volksrepublik China)
MosambikMosambik Mosambik
OsttimorOsttimor Osttimor
Sao Tome und PrincipeSão Tomé und Príncipe São Tomé und Príncipe

Afrikanische UnionAfrikanische Union Afrikanische Union
Mercosur Mercosul
UNASURUNASUR UNASUR
Organisation Amerikanischer Staaten OAS
Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder
Lateinische Union
Sprachcodes
ISO 639-1:

pt

ISO 639-2:

por

ISO 639-3:

por

Die portugiesische Sprache (portugiesisch português) ist eine Sprache aus dem romanischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie und bildet mit dem Spanischen, Katalanischen und weiteren Sprachen der iberischen Halbinsel die engere Einheit des Iberoromanischen. Zusammen mit dem Galicischen in Nordwest-Spanien geht es auf eine gemeinsame Ursprungssprache zurück, das Galicisch-Portugiesische, das sich zwischen Spätantike und Frühmittelalter entwickelte. Nach der Herausbildung der Staatlichkeit Portugals entwickelten sich daraus die beiden heutigen Sprachen. Heute gilt Portugiesisch als Weltsprache.

Es wird von über 215 Millionen Muttersprachlern gesprochen; einschließlich der Zweitsprachler beläuft sich die Zahl der Sprecher auf etwa 245 Millionen.

Die portugiesische Sprache verbreitete sich weltweit im 15. und 16. Jahrhundert, als Portugal sein Kolonialreich aufbaute, das in Teilen bis in das Jahr 1975 überdauerte und Gebiete in Brasilien, Afrika und an den Küsten Asiens umfasste. Als letztes ging Macao aus portugiesischem Besitz an China über. Daraus ergab sich, dass Portugiesisch heute die Amtssprache mehrerer unabhängiger Staaten ist und darüber hinaus von vielen Menschen als Minderheiten- oder Zweitsprache gesprochen wird. Neben dem eigentlichen Portugiesischen gibt es etwa zwanzig Kreolsprachen auf überwiegend portugiesischer Basis. Durch die Auswanderung aus Portugal in den letzten Jahrzehnten ist Portugiesisch in mehreren Staaten Westeuropas und in Nordamerika zu einer wichtigen Minderheitensprache geworden.

Verbreitung[Bearbeiten]

Verbreitung der portugiesischen Sprache
Die portugiesischsprachige Welt

Portugiesisch ist alleinige Amtssprache in Angola, Brasilien, Mosambik, Portugal und São Tomé und Príncipe. Zusammen mit anderen Sprachen ist Portugiesisch Amtssprache in Osttimor (zusammen mit Tetum), Macao (zusammen mit Chinesisch) und Äquatorialguinea (zusammen mit Französisch und Spanisch). Auf Kap Verde und in Guinea-Bissau ist es zwar alleinige Amtssprache, jedoch nicht die wichtigste Sprache. Eine wichtige Sprache, aber keine Amtssprache, ist Portugiesisch in Andorra, Luxemburg (aufgrund der Zuwanderung von portugiesischen Arbeitskräften von etwa zehn Prozent der Bevölkerung gesprochen), Namibia und Südafrika.

Amerika[Bearbeiten]

Mit über 190 Millionen Sprechern in Brasilien ist Portugiesisch die am weitesten verbreitete Sprache in Südamerika. Aber auch in den spanischsprachigen Ländern Südamerikas erfreut sich Portugiesisch wachsender Bedeutung. Wegen des großen Einflusses Brasiliens wird Portugiesisch in einigen der restlichen südamerikanischen Staaten unterrichtet, besonders in Argentinien und den anderen Mercosur (Mercosul)-Mitgliedsstaaten. Im Grenzgebiet von Brasilien zu Argentinien, Bolivien, Paraguay (Brasiguayos) und Uruguay gibt es Menschen, für die Portugiesisch Muttersprache ist (in Paraguay leben 122.520 Portugiesisch-Muttersprachler gemäß der 2002 durchgeführten Volkszählung). Unter den Menschen, die im Grenzgebiet leben, aber der jeweils anderen Sprache nicht mächtig sind, hat sich teilweise eine Mischsprache aus Portugiesisch und Spanisch namens Portunhol herausgebildet. Darüber hinaus ist Portugiesisch eine wichtige Minderheitensprache in Guyana und Venezuela.

In Nordamerika und der Karibik gibt es große portugiesischsprachige Kolonien in Antigua und Barbuda, Bermuda, Kanada, Jamaika und den Vereinigten Staaten, wobei sich die Mehrzahl aus Einwanderern beziehungsweise Gastarbeitern aus Brasilien oder Portugal zusammensetzt. In Mittelamerika ist die portugiesische Sprache dagegen nur von geringer Bedeutung.

Europa[Bearbeiten]

In Europa wird Portugiesisch vor allem von den 10,6 Millionen Einwohnern Portugals gesprochen. In Westeuropa hat sich die Sprache vor allem durch Einwanderung aus Portugal in den letzten Jahrzehnten verbreitet und wird von mehr als zehn Prozent der Bevölkerung Luxemburgs und Andorras gesprochen. Daneben gibt es einen nennenswerten Anteil portugiesischsprachiger Bevölkerung in Belgien, Frankreich, Deutschland, auf Jersey und in der Schweiz. In Spanien wird Portugiesisch im Vale do Xalima gesprochen, wo es als A fala bezeichnet wird. Im heute spanischen Olivença wurde bis in die 1940er-Jahre ein portugiesischer Dialekt gesprochen. Das mit Portugiesisch sehr eng verwandte Galicisch wird im nordwestspanischen Galicien gesprochen.

Galicisch und Portugiesisch haben die gleichen Wurzeln und waren bis zum Mittelalter eine einzige Sprache, die man heute als Galicisch-Portugiesisch bezeichnet. Diese Sprache wurde sogar in Spanien (Kastilien) im poetischen Schaffen verwendet. Auch heute werden von vielen Linguisten Galicisch und Portugiesisch als eine Einheit gesehen. Aus soziolinguistischen Gründen werden die beiden Sprachen jedoch häufig getrennt gesehen und in Galicien haben sich zwei Standards der Schriftsprache gebildet, wobei sich der eine, der von der Galicischen Autonomen Regierung gestützt wird, mehr am Spanischen (Kastilischen) anlehnt, während sich in gewissen politischen und universitären Kreisen ein Standard etabliert hat, der sehr nah am Portugiesischen liegt. Der einzige galicische Abgeordnete im Europäischen Parlament, Camilo Nogueira, spricht nach eigenen Angaben Portugiesisch.

Afrika[Bearbeiten]

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Portugiesisch ist eine wichtige Sprache im Afrika südlich der Sahara. Angola und Mosambik sind zusammen mit São Tomé und Príncipe, Kap Verde, Äquatorialguinea und Guinea-Bissau als PALOP (Paises Africanos de Língua Oficial Portuguesa) bekannt und organisiert; sie vertreten etwa 16 Millionen Sprecher des Portugiesischen (großzügige Schätzungen gehen dabei von 9 Millionen Muttersprachlern aus, der Rest ist zweisprachig). Paradoxerweise ist der Gebrauch der portugiesischen Sprache nach der Unabhängigkeit der früheren Kolonien von Portugal gewachsen. Die Regierungen der jungen Staaten sahen die portugiesische Sprache als Instrument zur Entwicklung des Landes und einer nationalen Einheit.

In Afrika ist Portugiesisch eine wichtige Minderheitensprache in der Demokratische Republik Kongo, Malawi, Namibia, Südafrika (mehr als eine Million Sprecher), Sambia und Simbabwe.

Darstellung Diogo Cãos nach der Entdeckung des Kongo.

In anderen Teilen Afrikas gibt es portugiesische Kreolsprachen. Im Süden Senegals, in Casamance, gibt es eine Gemeinschaft, die sprachlich und kulturell mit Guinea-Bissau verwandt ist und wo Portugiesisch gelernt wird. Auf der Insel Annobón (Äquatorialguinea) gibt es eine weitere Kreolsprache, die mit jener von São Tomé und Príncipe eng verwandt ist.

In Angola wurde Portugiesisch schnell zu einer Nationalsprache statt nur einer Verkehrssprache. Dies gilt insbesondere für die Hauptstadt Luanda. Gemäß der offiziellen Volkszählung von 1983 war Portugiesisch damals die Muttersprache von 75 % der Bevölkerung Luandas von etwa 2,5 Millionen (mindestens 300.000 davon sprachen es dazu als einzige Sprache), und 99 % davon konnten sich auf Portugiesisch verständigen, wenn auch mit unterschiedlicher Sprachkompetenz. Dieses Ergebnis ist kaum erstaunlich, denn bereits für die siebziger Jahre gab eine 1979 in den Slumgebieten Luandas geführte Umfrage an, dass alle afrikanischen Kinder von 6 bis 12 Jahren Portugiesisch sprachen, aber nur 47 % eine afrikanische Sprache. Heute sprechen vor allem in Luanda junge Angolaner neben dem Portugiesischen nur noch selten eine afrikanische Sprache. Landesweit benutzen etwa 60 % der Bevölkerung von etwa 14 Millionen Portugiesisch als Umgangssprache. Die Fernsehstationen aus Portugal und Brasilien, die man in Angola empfangen kann und die sehr populär sind, tragen dazu ihren Anteil bei.

Das angolanische Portugiesisch beeinflusste auch das heute in Portugal gesprochene Portugiesisch, da die Retornados, (portugiesische Rückkehrer nach der Unabhängigkeit Angolas) und angolanische Zuwanderer Wörter mitbrachten, die sich vor allem in der jungen Stadtbevölkerung verbreiteten. Dazu gehören (ja), bué (viele) oder bazar (weggehen).

Mosambik gehört zu den Ländern, in denen Portugiesisch Amtssprache ist, es wird aber größtenteils nur als Zweitsprache gesprochen. In den Städten ist es aber die am meisten verbreitete Sprache. Gemäß der Volkszählung von 1997 sprechen etwa 40 % der Gesamtbevölkerung Portugiesisch, jedoch etwa 72 % der Stadtbevölkerung. Andererseits bezeichnen nur 6,5 % (bzw. 17 % in den Städten und 2 % in den ländlichen Gebieten) Portugiesisch als ihre Muttersprache. Die mosambikanischen Schriftsteller verwenden alle ein Portugiesisch, das sich an die mosambikanische Kultur angepasst hat.

Auf Kap Verde und in Guinea-Bissau sind die wichtigsten Sprachen portugiesische Kreolsprachen, die als Crioulos bezeichnet werden, wohingegen der Gebrauch der portugiesischen Sprache als Umgangssprache im Abnehmen begriffen ist. Die meisten Kapverdier können aber auch Standard-Portugiesisch sprechen, das in formellen Situationen verwendet wird. Schulbildung und Fernsehen aus Portugal und Brasilien tragen andererseits zur Entkreolisierung bei. In Guinea-Bissau ist die Lage etwas anders, weil nur etwa 60 % der Bevölkerung Kreolisch sprechen, und gar nur 10,4 % davon beherrschen Standard-Portugiesisch (gemäß der Volkszählung von 1992).

In São Tomé und Príncipe spricht die Bevölkerung eine Art archaisches Portugiesisch, das viele Ähnlichkeiten mit brasilianischem Portugiesisch aufweist. Die Elite des Landes verwendet jedoch eher die europäische Version, ähnlich wie in den anderen PALOP-Ländern. Neben dem eigentlichen Portugiesisch gibt es noch drei Kreolsprachen. Kinder lernen in der Regel Portugiesisch als Muttersprache und eignen sich das Forro genannte Kreolisch erst später an. Der tägliche Gebrauch der portugiesischen Sprache auch als Umgangssprache ist im Wachsen begriffen, und fast die gesamte Bevölkerung beherrscht diese Sprache.

Asien[Bearbeiten]

Portugiesisch wird in Osttimor, in den indischen Staaten Goa und Daman und Diu, sowie in Macao (Volksrepublik China) gesprochen. In Goa wird Portugiesisch als Sprache der Großeltern bezeichnet, weil es nicht mehr in der Schule unterrichtet wird, keinen offiziellen Status hat und deshalb von immer weniger Menschen gesprochen wird. In Macao wird Portugiesisch nur von der kleinen portugiesischen Bevölkerung gesprochen, die nach der Übergabe der früheren Kolonie an China dort geblieben ist und es gibt auch nur eine einzige Schule, in der auf Portugiesisch unterrichtet wird. Trotzdem bleibt Portugiesisch vorerst eine offizielle Sprache neben Chinesisch.

Es gibt in Asien mehrere portugiesische Kreolsprachen. In der malaiischen Stadt Malakka gibt es eine Kreolsprache namens Cristão oder Papiá Kristang, andere aktive Kreolsprachen findet man in Indien, Sri Lanka und auf Flores. In Japan gibt es etwa 250.000 Personen, die als dekasegui bezeichnet werden; das sind Brasilianer japanischer Abstammung, die wieder nach Japan zurückgekehrt sind, deren Muttersprache jedoch Portugiesisch ist.

In Osttimor ist die am weitesten verbreitete Sprache Tetum, eine austronesische Sprache, die jedoch von der portugiesischen Sprache stark beeinflusst wurde. Am Ende der portugiessichen Kolonialzeit konnten durch eine rudimentäre Schulausbildung viele Timoresen zumindest in Grundlagen Portugiesisch sprechen.[1] Die Wiedereinführung des Portugiesischen als Nationalsprache nach der indonesischen Besatzung (1975–1999) stieß aber bei der jüngeren Bevölkerung, die durch das indonesische Bildungssystem gegangen ist und Portugiesisch nicht beherrscht, auf Missfallen. Überwiegend spricht die ältere Generation Portugiesisch, doch der Anteil steigt, da die Sprache der jüngeren Generation und interessierten Erwachsenen unterrichtet wird. Osttimor hat die anderen CPLP-Staaten um Hilfe bei der Einführung des Portugiesischen als Amtssprache gebeten. Osttimor versucht, mit Hilfe der portugiesischen Sprache Anschluss an die internationale Gemeinschaft zu finden und sich von Indonesien abzugrenzen. Xanana Gusmão, der erste Präsident Osttimors seit der Wiederherstellung der Unabhängigkeit, hoffte, dass innerhalb von zehn Jahren Portugiesisch in Osttimor weit verbreitet sein würde. 2010 ergab die Volkszählung, dass 595 Osttimoresen Portugiesisch als Muttersprache haben, 25,2 % der Bevölkerung können Portugiesisch sprechen, lesen und schreiben, 21 % nur lesen und 4 % nur sprechen.[2] Es gibt Stimmen, die in der Einführung von Portugiesisch als Amtssprache durch die alten Bildungseliten einen Fehler sehen. So werden die meisten Universitätslehrgänge immer noch in Bahasa Indonesia gehalten. Englisch hat immer größere Bedeutung durch die Nähe zu Australien und durch die internationalen Friedenstruppen, die bis 2013 im Land waren. Portugiesisch wird erst nach und nach in der Schule den Kindern beigebracht und als Unterrichtssprache neben Tetum verwendet. Unter anderem liegt das am Mangel an portugiesischsprechenden Lehrern. Die portugiesische Kreolsprache Osttimors Português de Bidau starb in den 1960ern aus. Die Sprecher verwendeten immer öfter das Standard-Portugiesisch. Bidau wurde nahezu nur im Stadtteil Bidau im Osten der Hauptstadt Dili von der Volksgruppe der Bidau gesprochen, Mestizen mit Wurzeln von der Insel Flores.[3] Kreolisches Portugiesisisch aus Macao wurde während der stärksten Einwanderungsphase im 19. Jahrhundert auch auf Timor gesprochen, verschwand aber schnell.[1]

Offizieller Status[Bearbeiten]

Die Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder CPLP ist eine internationale Organisation von acht unabhängigen Staaten, deren Amtssprache Portugiesisch ist. Portugiesisch ist auch offizielle Sprache der Europäischen Union, des Mercosul, der Afrikanischen Union und einiger anderer Organisationen.

Portugiesisch ist Amtssprache in:

Land Muttersprachler Gesamtverbreitung Bevölkerung Anmerkung
(inkl. Zweitsprachler) (Juli 2003)
Afrika
Angola 60 % k.A. 10.766.471 lt. Volkszählung 1983
Kap Verde k. A. 80 % 412.137
Guinea-Bissau k. A. 14 % 1.360.827
Mosambik 12 % 50 % 17.479.266 lt. Volkszählung 2007
São Tomé und Príncipe 50 % 95 % 175.883
keine Amtssprache:
Namibia unter 1 % unter 1 % 1.927.447
Südafrika 1 % 1 % 42.768.678
Asien
Osttimor k. A. 18,6 % 947.400
Macao (China) 2 % k. A. 469.903
nicht Amtssprache:
Daman (Indien) 10 % 10 % 114.000
Goa (Indien) 3–5 % 5 % 1.453.000
Europa
Portugal 99 % 100 % 10.102.022
keine Amtssprache:
Andorra 11 % 11 % 69.150
Luxemburg 14 % 14 % 454.157
Südamerika
Brasilien 98–99 % 100 % 182.032.604

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten]

Die portugiesische Sprache entwickelte sich im Westen der iberischen Halbinsel aus einer Form der gesprochenen lateinischen Sprache (Vulgärlatein), die von römischen Soldaten und Siedlern seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. auf die Halbinsel gebracht worden war. Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches begann sich das Galicisch-Portugiesische unter Einfluss der vorrömischen Substrate und der späteren Superstrate getrennt von den übrigen romanischen Sprachen zu entwickeln. Ab dem 11. Jahrhundert sind schriftliche Dokumente überliefert, die auf Portugiesisch abgefasst wurden. Bis zum 15. Jahrhundert hatte sich die portugiesische Sprache zu einer reifen Sprache mit einer reichen Literatur entwickelt.

Römische Kolonisierung[Bearbeiten]

Ab dem Jahre 154 v. Chr. eroberten die Römer den Westen der Iberischen Halbinsel mit dem heutigen Portugal und Galicien, woraus die spätere römische Provinz Lusitanien wurde. Mit den Siedlern und Legionären kam auch eine volkstümliche Version des Lateins, das Vulgärlatein, von dem alle romanischen Sprachen abstammen. Obwohl das Gebiet des heutigen Portugal bereits vor der Ankunft der Römer bewohnt war, stammen 90 Prozent des portugiesischen Wortschatzes vom Lateinischen ab und es gibt nur sehr wenige Spuren der ursprünglichen Sprachen im modernen Portugiesischen.

Germanische Invasionen[Bearbeiten]

Vom Jahre 409 an, als das weströmische Reich zusammenzubrechen begann, drangen Völker germanischen Ursprungs, von den Römern als Barbaren bezeichnet, auf die iberische Halbinsel vor. Diese Germanen, hauptsächlich Sueben und Westgoten, assimilierten sich langsam an die römische Sprache und Kultur. Da jedoch der Kontakt zu Rom gering war, entwickelte sich die lateinische Sprache unabhängig weiter, wobei sich die regionalen Unterschiede verstärkten. Die sprachliche Einheit auf der iberischen Halbinsel wurde somit langsam zerstört und es entwickelten sich voneinander unterscheidbare Dialekte, darunter die heute zu Standardsprachen weiterentwickelten Formen Portugiesisch, Galicisch, Spanisch und Katalanisch. Die Entwicklung der portugiesischen und galicischen Dialekte weg vom Spanischen wird unter anderem auf die Sueben zurückgeführt. Germanische Elemente kamen somit auf zwei Wegen in die portugiesische Sprache: indirekt als germanische Entlehnungen, die als Bestandteil der gewöhnlichen lateinischen Umgangssprache der römischen Legionäre auf die Iberische Halbinsel gelangten, darüber hinaus direkt als Lehnwörter gotischer und suebischer Herkunft.

Maurische Invasionen[Bearbeiten]

Ab 711 eroberten die Mauren die iberische Halbinsel und in den eroberten Gebieten wurde das Arabische zur Verwaltungssprache. Die Bevölkerung sprach jedoch weiterhin ihren romanischen Dialekt, weshalb der Einfluss der arabischen Sprache auf das Portugiesische nicht sehr stark war. Es entwickelte sich auch eine romanische Schriftsprache in arabischer Schrift, das so genannte Mozarabische. Nachdem die Mauren durch die Reconquista vertrieben worden waren, blieben viele in ihrem rechtlichen Status stark beschränkte Araber auf dem Gebiet des heutigen Portugals, sie waren später auch als freie Handwerker tätig und assimilierten sich an die portugiesische Kultur und Sprache. Aufgrund des Kontakts mit dem Arabischen lassen sich arabische Spuren hauptsächlich in der Lexik finden, wo das moderne Portugiesisch viele Wörter arabischen Ursprungs besitzt, die sich in anderen romanischen Sprachen nicht wieder finden. Diese Einflüsse betreffen vor allem die Bereiche Ernährung und Landwirtschaft, in denen durch die Araber Neuerungen eingeführt wurden. Daneben ist der arabische Einfluss in geografischen Namen des südlichen Portugal, wie Algarve oder, nicht so südlichen, Fátima, ersichtlich.

Aufstieg der portugiesischen Sprache[Bearbeiten]

Linguistic map Southwestern Europe.gif

Von der römischen Provinz Lusitanien spalteten die Römer im 1. Jh. v. Chr. die Gallaecia (das heutige Galicien) ab und gliederten sie der Tarraconensis (Hispania Citerior) an. Die portugiesische Sprache entwickelte sich (wie auch das Galicische) aus dem heute bis auf wenige Reste (A Fala) ausgestorbenen Galicisch-Portugiesischen, das im Zeitraum vom 8. bis 12 Jh. im heutigen Nordportugal sowie im heutigen Galicien entstand.[4] Das Galicisch-Portugiesische existierte über lange Zeit nur als gesprochene Sprache, während als Schriftsprache weiterhin Latein benutzt wurde. Die frühesten schriftlichen Zeugnisse dieser Sprache sind die „Cancioneiros“ aus der Zeit um 1100. Das Galicisch-Portugiesische entwickelte sich im Hochmittelalter (13./14. Jh.) zur wichtigsten Sprache der Lyrik auf der Iberischen Halbinsel.

Die Grafschaft Portugal wurde im Jahr 1095 unabhängig, ab 1139 war Portugal Königreich unter König Alfons I.. Nach der Unabhängigkeit Portugals von Kastilien entwickelte sich die Sprache, vor allem durch den normierenden Einfluss des Königshofs (im Gegensatz zu Galicien), auf portugiesischem Gebiet langsam weiter [5]. Erste schriftliche Zeugnisse des sogenannten romanischen Dialekts sind das Testament von Alfons II und die Notícia de Torto aus dem Jahr 1214 [6] .

Im Jahre 1290 gründete König Dionysius (Diniz) die erste portugiesische Universität, das Estudo Geral in Lissabon. Er legte fest, dass das Vulgärlatein, wie das Portugiesische damals noch genannt wurde, dem klassischen Latein vorgezogen werden solle. Ab 1296 benutzten die königlichen Kanzleien das Portugiesische, womit die Sprache nicht mehr nur in der Poesie, sondern auch in Gesetzen und notariellen Schriftstücken Verwendung fand.

Durch die Ausstrahlung der höfischen Kultur Südfrankreichs auf die galicische Dichtersprache im 12. und 13. Jahrhundert gelangten auch okzitanische Lehnwörter in das Sprachgebiet Portugals. Im modernen Portugiesischen hat sich aber nur eine begrenzte Zahl dieser Wörter erhalten. Von größerer Bedeutung für die Ausprägung des Wortschatzes ist der französische Spracheinfluss, der heute nicht nur lexikalisch, sondern auch phraseologisch nachweisbar ist.

Mit der Reconquista-Bewegung dehnte sich der Einflussbereich des Portugiesischen allmählich nach Süden hin aus. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts endete diese Ausdehnung an der Südgrenze des heutigen Portugals mit der Rückeroberung Faros im Jahr 1249[7], wodurch der gesamte Westen der Iberischen Halbinsel zum galicisch-portugiesischen Sprachgebiet wurde. Im 14. Jahrhundert war Portugiesisch zu einer reifen Sprache geworden, die eine reiche literarische Tradition besaß, und die auch in anderen Gegenden der iberischen Halbinsel in der Dichtung verbreitet war, wie etwa im Königreich León, Kastilien, Aragón und Katalonien. Später, als sich Kastilisch (was praktisch das moderne Spanisch ist) in Kastilien fest etablierte und Galicien unter den Einfluss der kastilischen Sprache kam, wurde die südliche Variante des Galicisch-Portugiesischen zur Sprache Portugals.

Bei der Entwicklung der portugiesischen Sprache hatten das Arabische und Mozarabische einen erheblichen Einfluss: Während der Reconquista rückte das Zentrum Portugals immer weiter nach Süden Richtung Lissabon, wo es Sprecher verschiedenster Varietäten gab, die das Galicisch-Portugiesische beeinflussten — im Gegensatz zum Norden, dessen Sprache konservativer und noch stärker vom Latein geprägt war. An einem Dialekt im Norden Portugals (an der Grenze zu Spanien), dem Mirandés, ist die Verbindung zum Königreich León, d.h. der kastilische Einfluss, noch zu erkennen [8] , während der leonesiche Dialekt in Spanien z.T. stark vom Galicisch-Portugiesischen geprägt ist [9].

Zeit der portugiesischen Entdeckungen[Bearbeiten]

Zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert, also während der Zeit der portugiesischen Entdeckungen, verbreitete sich die portugiesische Sprache in vielen Regionen von Asien, Afrika und Amerika. Im 16. Jahrhundert war es die lingua franca in Asien und Afrika, wo es nicht nur der Kolonialverwaltung, sondern auch dem Handel und der Kommunikation zwischen den lokalen Machthabern und den Europäern aller Nationalitäten diente. In Ceylon (heutiges Sri Lanka) sprachen einige Könige fließend Portugiesisch und Adlige nahmen häufig portugiesische Namen an. Die Ausbreitung der Sprache wurde auch durch die Ehen zwischen Portugiesen und Einheimischen gefördert (was im portugiesischen Kolonialreich eine gängigere Praxis als in anderen Kolonialreichen war). Da die Sprache in vielen Erdteilen mit den missionarischen Aktivitäten der Portugiesen gleichgesetzt wurde, nannte man das Portugiesische dort auch Cristão (Christlich). Obwohl später die Niederländer versuchten, in Ceylon und dem heutigen Indonesien das Portugiesische zurückzudrängen, blieb es dort lange eine populäre und verbreitete Sprache.

In Indien, Sri Lanka, Malaysia und Indonesien entwickelten sich portugiesische Kreolsprachen heraus, nachdem Portugal den Einfluss in diesen Ländern an andere europäische Mächte verloren hatte. In vielen Sprachen findet man portugiesische Wörter in der modernen Lexik wieder, so zum Beispiel das Wort pan für „Brot“ im Japanischen (portugiesisch: pão), sepatu für „Schuh“ im Indonesischen (portugiesisch: sapato), keju für „Käse“ im Malaiischen (portugiesisch: queijo) oder auch meza für „Tisch“ in Swahili (portugiesisch: mesa).

Entwicklung seit der Renaissance[Bearbeiten]

Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts fand eine große Anzahl von Lehnwörtern Eingang in die portugiesische Sprache, meist lateinischen oder griechischen Ursprungs. Italienische Wörter aus den Bereichen Musik, Theater, Malerei sowie spanische Lehnwörter, die aufgrund der Personalunion zwischen Portugal und Spanien von 1580 bis 1640 besonders zahlreich sind, machten die Sprache reicher und komplexer. Man unterscheidet aus diesem Grund zwei Entwicklungsphasen: das Altportugiesische (12. bis Mitte des 16. Jahrhunderts) und das Neuportugiesische, wobei als Ende des Altportugiesischen das Erscheinen des Cancioneiro Geral von Garcia de Resende im Jahre 1516 betrachtet wird.

Die Gegenden, wohin sich das Portugiesische vor der Entwicklung des Neuportugiesischen verbreitet hatte, machten diese Entwicklungen jedoch größtenteils nicht mit. In Brasilien und São Tomé und Príncipe, aber auch in einigen abgelegenen ländlichen Gebieten Portugals, werden deshalb Dialekte gesprochen, die dem Altportugiesischen ähnlich sind.

Neben den 182 Millionen Brasilianern sprechen heute 10 Millionen Portugiesen und ebenso viele Bewohner der ehemaligen afrikanischen und asiatischen Kolonien Portugiesisch als Muttersprache. Portugiesisch entwickelte sich somit nach Spanisch zur zweithäufigsten romanischen Muttersprache. Diese Position verdankt Portugiesisch der Tatsache, dass sich die Bevölkerung Brasiliens innerhalb der letzten 100 Jahre mehr als verzehnfacht hat: 1900 hatte Brasilien eine Bevölkerung von nur 17 Millionen.

Verwandtschaft mit anderen Sprachen[Bearbeiten]

Portugiesisch hat als romanische Sprache Parallelen zu Spanisch, Katalanisch, Italienisch, Französisch, Rumänisch und den anderen romanischen Sprachen, vor allem was die Grammatik und Syntax angeht. Besonders der spanischen Sprache ist es in vielen Aspekten sehr ähnlich, in der Aussprache herrschen jedoch bedeutende Unterschiede. Mit etwas Übung ist es einem Portugiesen jedoch möglich, Spanisch zu verstehen. Wenn man den folgenden Satz betrachtet:

Ela fecha sempre a janela antes de jantar. (Portugiesisch)
Ela pecha sempre a fiestra antes de cear. (Galicisch)
Ella cierra siempre la ventana antes de cenar. (Spanisch)

Fast alle Wörter der einen Sprache haben sehr ähnlich lautende Verwandte in der jeweils anderen Sprache, die jedoch unter Umständen sehr selten gebraucht werden.

Ela encerra sempre a janela antes de cear. (Portugiesisch mit wenig gebräuchlicher Wortwahl)

(Der Satz bedeutet: ,Sie schließt immer das Fenster vor dem Abendessen.‘)

Es gibt allerdings auch eine Anzahl von Wörtern, bei denen keine Verwandtschaft zwischen den Sprachen besteht und die jeweiligen Sprecher in dem anderen Land vor Probleme stellt. Beispiele:

deutsch spanisch portugiesisch portugiesisch (Brasilien)
roher Schinken jamón (serrano) presunto presunto (cru)
Kochschinken jamón dulce (York) fiambre presunto
Autowerkstatt taller oficina oficina
Büro oficina escritório escritório
Zug tren comboio trem

Es gibt Orte, in denen Spanisch und Portugiesisch nebeneinander gesprochen werden. Muttersprachler des Portugiesischen können in der Regel Spanisch lesen und umgekehrt, auch wenn sie die gesprochene Sprache des jeweils anderen nicht verstehen. Andererseits wird der Versuch von Besuchern in Portugal oder Brasilien, mit den Einheimischen auf Spanisch zu kommunizieren, häufig nicht gern gesehen und lässt in den Augen der Einheimischen auf Ignoranz schließen.

Dialekte[Bearbeiten]

Das Standardportugiesisch, auch als Estremenho bezeichnet, hat sich in der Geschichte häufiger geändert als andere Variationen. Alle Formen der portugiesischen Sprache Portugals können nach wie vor im brasilianischen Portugiesisch gefunden werden. Afrikanisches Portugiesisch, besonders die Aussprache von São Tomé und Príncipe (auch Santomense genannt) hat mit brasilianischem Portugiesisch viele Gemeinsamkeiten. Die Dialekte Südportugals haben ebenfalls ihre Eigenheiten bewahrt, wozu die besonders häufige Benutzung des Gerundiums zählt. Dagegen sind Alto-Minhoto und Transmontano in Nordportugal der galicischen Sprache sehr ähnlich.

Das Standard-Portugiesische aus Portugal ist in den früheren afrikanischen Kolonien die bevorzugte Aussprache. Deshalb kann man zwei Formen unterscheiden, nämlich die europäische und die brasilianische; wobei man gemeinhin vier große Standard-Aussprachen unterscheidet, nämlich jene von Coimbra, Lissabon, Rio de Janeiro und São Paulo, dies sind auch die einflussreichsten Ausspracheformen.

Die wichtigsten Ausspracheformen des Portugiesischen sind, jeweils mit Hörbeispiel als externem Link, die folgenden:

Verbreitung der portugiesischen Dialekte in Portugal
Verbreitung der portugiesischen Dialekte in Angola
Verbreitung der portugiesischen Dialekte in Brasilien
Dialekt Hörbeispiel Gesprochen in
Portugal
Açoriano Hörbeispiel Azoren
Alentejano Hörbeispiel Alentejo
Algarvio Hörbeispiel Algarve
Alto-Minhoto Hörbeispiel Nördlich der Stadt Braga
Baixo-Beirão;
Alto-Alentejano
Hörbeispiel Inneres Mittelportugal
Beirão Hörbeispiel Mittelportugal
Estremenho Hörbeispiel Regionen um Coimbra
Lisboeta Regionen um Lissabon
Madeirense Hörbeispiel Madeira
Nortenho Hörbeispiel Regionen um Braga und Porto
Transmontano Hörbeispiel Trás-os-Montes
Brasilien
Caipira brasilianisches Hinterland, einschließlich eines großen Teils Bundesstaates São Paulo, Paraná, Mato Grosso do Sul, Goiás und südlich Minas Gerais
Capixaba Bundesstaat Espírito Santo
Fluminense Hörbeispiel Bundesstaat Rio de Janeiro
Baiano Bahia und Sergipe
Gaúcho Rio Grande do Sul und Uruguay
Mineiro Bundesstaat Minas Gerais
Nordestino Hörbeispiel Nordöstliche Bundesstaaten Brasiliens
Nortista Amazonasbecken
Paulistano Zwischen Megalopolis São Paulo in den Westen zu tun Grenze mit Bundesstaat Rio de Janeiro im Osten
Sertanejo Bundesstaaten Goiás, Mato Grosso und Mato Grosso do Sul
Sulista Bundesstaat Santa Catarina und zentral-südlichen Bundesstaat Paraná
Afrika
Luandense (Angolano) Hörbeispiel Angola – Region der Hauptstadt Luanda
Benguelense Hörbeispiel Angola – Provinz Benguela
Sulista Hörbeispiel Angola – Süden des Landes
Caboverdiano Hörbeispiel Kap Verde
Guineense Hörbeispiel Guinea-Bissau
Moçambicano Hörbeispiel Mosambik
Santomense Hörbeispiel São Tomé und Príncipe
Asien
Timorense Hörbeispiel Osttimor
Macaense Hörbeispiel Macao, China
Hörbeispiele vom Instituto Camões, Portugal: www.instituto-camoes.pt

Einige Beispiele für Wörter, die in Portugal anders heißen als in Brasilien oder Angola, sind im Folgenden gegeben:

Deutsch Portugal Brasilien Angola
Ananas ananás¹, manchmal abacaxi² abacaxi², manchmal ananás¹ abacaxi², manchmal ananás¹
weggehen, wegfahren ir embora¹ (oder bazar³ unter Jugendlichen) ir embora¹ (oder vazar unter Jugendlichen) bazar³, ir embora¹
Bus autocarro¹ ônibus² machimbombo³
Handy telemóvel¹ celular² telemóvel¹
Slum, Barackensiedlung bairro de lata¹ favela² musseque³

¹ Portugiesischer Ursprung ² Brasilianischer Ursprung ³ Angolanischer Ursprung (Machimbombo hat wahrscheinlich mosambikanischen Ursprung)

Unterschiede in der Schriftsprache[Bearbeiten]

Das Portugiesische hatte bis zum Inkrafttreten des Acordo Ortográfico 2009 zwei Varianten der Schriftsprachen (Port. variedades), die häufig als padrões (Standards) bezeichnet werden. Diese sind:

Die Unterschiede zwischen diesen Varianten betreffen das Vokabular, die Aussprache und die Syntax, besonders in der Umgangssprache, wohingegen in der Sprache der gehobenen Schichten diese Unterschiede geringer ausfallen. Hierbei handelt es sich jedoch um Dialekte derselben Sprache, die Sprecher der beiden Varianten können die jeweils andere leicht verstehen.

Einige Unterschiede im Wortschatz sind in der Wirklichkeit keine. In Brasilien ist der Standardausdruck für 'Teppich' tapete. In Portugal benutzt man eher alcatifa. Jedoch gibt es in Portugal ebenfalls regional den Ausdruck tapete, ebenso wie es in Brasilien regional den Ausdruck alcatifa gibt. Für alte Wörter trifft dies fast generell zu, während in neuen Wörtern diese Unterschiede in der Tat landesspezifisch sind, wie etwa ônibus in Brasilien und autocarro in Portugal.

Signifikantere Unterschiede bestehen in der Orthografie. In Wörtern, die cc, oder ct enthalten, wird in Brasilien das erste c weggelassen, in Wörtern, die pc, oder pt enthalten, entfällt das p. Diese Buchstaben werden nicht ausgesprochen, sondern stellen vielmehr Überbleibsel aus dem Latein dar, die man in Brasilien zumeist eliminiert hat. Man vergleiche mit dem Italienischen.

Ein paar Beispiele sind:

Latein Portugal und Afrika Brasilien Italienisch Spanisch Übersetzung
actio acção ação azione acción Tat, Aktion
directio direcção direção direzione dirección Richtung
(electricus) eléctrico elétrico elettrico eléctrico elektrisch
optimus óptimo ótimo ottimo óptimo großartig

Daneben gibt es einige Unterschiede in der Akzentuierung, die folgende Gründe haben:

  1. Unterschiedliche Aussprache: In Brasilien wird das o in Antônio, anônimo oder Amazônia geschlossen ausgesprochen, wohingegen es in Portugal und Afrika offen gesprochen wird. Deshalb schreibt man in Portugal und Afrika António, anónimo bzw. Amazónia.
  2. Vereinfachung des Lesens: Die Kombination qu kann in zwei verschiedenen Arten gelesen werden: ku oder k. Um das Lesen einfacher zu machen, schreibt man in Brasilien das u mit einem Trema, wenn die Aussprache ku ist, also cinqüenta statt cinquenta (fünfzig).

An einer Rechtschreibreform (Port. Reforma Ortográfica) wird seit den achtziger Jahren gearbeitet, um einen internationalen Standard zu erreichen. Im Rahmen dieser Reform sollen die oben genannten c in cc, oder ct und p in pc, oder pt auch in Portugal abgeschafft werden, daneben gibt es kleinere Vereinheitlichungen und man versucht, sich auf ein koordiniertes Vorgehen in Bezug auf neue Lehnwörter aus anderen Sprachen zu einigen. Momentan wurde die Vereinbarung von Brasilien, Kap Verde und Portugal unterzeichnet, sie tritt allerdings erst in Kraft, wenn alle Mitglieder der CPLP unterschrieben haben, was nicht für die nächsten Jahre zu erwarten ist.

Vom Portugiesischen abgeleitete Sprachen[Bearbeiten]

Als im Mittelalter Portugal sein Kolonialreich aufzubauen begann, kam die portugiesische Sprache in Kontakt mit den lokalen Sprachen der eroberten Gebiete und es entstanden Mischsprachen (Pidgins), die bis zum 18. Jahrhundert in Asien und Afrika als lingua franca verwendet wurden. Diese Pidgin-Sprachen erweiterten ihre Grammatik und Lexik im Laufe der Zeit und wurden zu Umgangssprachen von ethnisch gemischten Bevölkerungen. Sie existieren unter folgenden Namen in den folgenden Gebieten:

Kap Verde:

Äquatorialguinea:

Guinea-Bissau und Senegal:

Indien:

Macao:

Malaysia, Singapur:

Niederländische Antillen und Aruba:

São Tomé und Príncipe:

Sri Lanka:

Suriname:

Einige Hybriddialekte existieren dort, wo Spanisch und Portugiesisch aufeinander treffen:

Phonetik[Bearbeiten]

Die portugiesische Sprache hat eine sehr komplexe phonetische Struktur, was sie für Sprachwissenschaftler besonders interessant macht. Die Sprache verfügt über 9 Vokale, 5 nasale Vokale, 10 Diphthonge, 5 nasale Diphthonge und 25 Konsonanten.[10]

Vokale[Bearbeiten]

Die Monophthonge des Portugiesischen (von Lissabon)
Vokal Monophthonge der portugiesischen
Front Central Back
Close i ĩ u ũ
Near-close (ɪ ~ ɪ̃) (ɯ̟) (ʊ ~ ʊ̃)
Close-mid vowel e o õ
Mid ( ~ ẽ̞) ə ~ ɐ
ə̃ ~ ɐ̃
( ~ õ̞)
Open-mid ɛ ɔ
Open a (ɐ̞)


Konsonanten[Bearbeiten]

Konsonantische Phoneme des Portugiesischen
Bilabial Labiodental Dental Alveolar Postalveolar Velar Guttural
Plosive p b t d k g
Nasale m n ɲ
Frikative f v s z ʃ ʒ ʁ
Approximant l ɾ ʎ

Betonung[Bearbeiten]

Im Portugiesischen erfolgt die Betonung von Wörtern, die (orthografisch) auf die Vokale a, e und o sowie s oder m enden, gewöhnlich auf dem vorletzten Vokal, die Betonung von Wörtern, die (orthografisch) auf i und u und auf Konsonanten (dies sind meist l, r, z) enden, hingegen auf der letzten Silbe. Eine von dieser Regel abweichende Betonung wird durch einen Akzent (Akut oder Zirkumflex) angezeigt. Durch Tilde gekennzeichnete Silben sind immer betont, es sei denn, eine andere Silbe trägt einen Akut oder einen Zirkumflex.

Beispiele
beleza 'Schönheit' – Betonung auf dem zweiten e
fonte 'Quelle' – Betonung auf dem o
obrigado 'danke' – Betonung auf dem a
pedi 'ich bat' – Betonung auf dem i
tatu 'Gürteltier' – Betonung auf dem u
Brasil 'Brasilien' – Betonung auf dem i
cantar 'singen' – Betonung auf dem zweiten a
sábado 'Samstag' – Betonung auf dem ersten a
combinação 'Kombination' – Betonung auf dem ã
Cristóvão 'Christoph' – Betonung auf dem ersten o

Beispiele: Der kleine Prinz auf Portugiesisch

Portugal

Brasilien

Das Portugiesische ist, anders als das Französische und Spanische, eher eine akzentzählende Sprache.

Orthographie und Aussprache[Bearbeiten]

Alphabet[Bearbeiten]

Das Portugiesische Alphabet verwendet 23 Buchstaben des lateinischen Alphabets – A, B, C, D, E, F, G, H, I, J, L, M, N, O, P, Q, R, S, T, U, V, X, Z – und macht außerhalb von Namen keinen Gebrauch von K, W und Y. 2009 wurde mit dem Acordo Ortográfico eine Rechtschreibreform durchgeführt, die diese Buchstaben wieder ins Alphabet aufnimmt.[11]

Zusätzlich werden folgende Buchstaben mit Diakritika verwendet: Á, Â, Ã, À, Ç, É, Ê, Í, Ó, Ô, Õ, Ú, Ü

Aussprache[Bearbeiten]

Die folgenden Aussprachehinweise gelten für sowohl europäisches als auch brasilianisches Portugiesisch; wenn es Unterschiede gibt, sind sie beim jeweiligen Laut angegeben.

Vokale[Bearbeiten]

Buchstabe Portugiesisch Bedeutung IPA Anmerkung
a talha Schnitt a wie deutsch: wann
a amo (ich) liebe ɐ wie deutsch: Wasser
a, á alto, árvore hoch, Baum ɑ „dunkles“ a, Hinterzungenvokal
e, ê medo, letra, você Angst, Brief, Sie¹ e wie im deutschen ewig
-e leite, vale Milch, Tal P.: ɯ̆ bzw. ɨ
Br.: i
am Wortende: P: kurzes, fast verschlucktes i
am Wortende: Br.: oft volltonig gesprochenes i
e, é resto, festa, café Rest, Party, Kaffee ɛ offenes e wie in Ende
i idiota Idiot I wie im deutschen Finale
ô ovo, olho, avô Ei, Auge, Großvater o geschlossenes o, wie Opa
o santo, logo heilig, bald u o als Auslaut: wie kurzes -u
o, ó morte, moda, nó Tod, Mode, Knoten ɔ in der Wortmitte oder am Ende akzentuiert: offenes o wie in Post
u uvas Weintrauben u wie Deutsch Blut
Diphthong mit o oder u ao, mau zu, schlecht w sehr dunkles deutsches u bis w
Diphthong mit i nacional, ideia national, Idee j Wie ein deutsches j bzw. ähnlich der Aussprache vom i in national

¹você steht im Brasilianischen oft auch für Du

Nasale Vokale[Bearbeiten]

Die portugiesischen Nasalvokale werden nicht so vollständig nasal ausgesprochen wie im Französischen und in der Regel gibt es im Portugiesischen auch keinen Verschlusslaut am Ende des Nasals. In manchen Publikationen wird zum Beispiel die Aussprache des nasalen Vokals ã mit ang angegeben, was allerdings nicht richtig ist, weil es sich bei den nasalierten Lauten um einen einzigen Laut handelt.

Buchstabe Portugiesisch Bedeutung IPA Anmerkung
am, an, ã campo, canto Feld, Ecke ã Nasaliertes a ähnlich dem Vokal im französischen blanc
em, en lembrar, então erinnern, dann Nasaliertes e
un, um um, untar eins, befetten ũ nasaliertes u
im, in limbo, brincar Gliedmaße, spielen ĩ nasaliertes i
õ, om, on limões, montanha Zitronen, Berg õ nasaliertes o, ähnlich dem französischen on

Konsonanten[Bearbeiten]

Buchstabe Portugiesisch Bedeutung IPA Anmerkung
b bola Ball b wie im Deutschen
ca, co, cu casa Haus k wie deutsches k, jedoch nicht behaucht
ça, ce, ci, ço, çu cedo, maçã zeitig, Apfel s stimmloses, fast scharfes s wie in Fass
ch cheque Scheck ʃ stimmloses sch wie in Schule, aber schwächer als im Deutschen
d dedo Finger d
wie im Deutschen dann
im Brasilianischen vor einem ausgesprochenen -i- (wozu viele orthografische -e-s gehören) extrem weich bzw. stimmhaft, fast wie dʒ, wobei die Stärke des nachfolgenden Zischlautes regional unterschiedlich ist.
f ferro Eisen f wie in für
ga, go gato Katze g wie gehen
ge, gi gelo Eis ʒ wie das j in Journal oder das g in Genie
gua água Wasser gu bis gw g mit sehr dunklem u, ins w gehend
gue, gui português, guia Portugiesisch, Führer g wie gehen, das u wird genau wie im Französischen (guerre, guichet) nicht gesprochen
h harpa Harfe wird nicht ausgesprochen
j jogo Spiel ʒ wie das j in Journal oder das g in Genie
l logo bald l wie Lamm
-l Portugal, Brasil Portugal, Brasilien P.: ł
Br.: w
P.: dunkles l (wie das Kölner oder tschechische l)
Br.: noch dunkleres l, wie u, englisches w oder das polnische ł
lh alho, filho Knoblauch, Sohn ʎ wie ein lj im Deutschen oder das gl im Italienischen (figlio)
m- mapa Landkarte m Wortbeginn/-inneres: wie im Deutschen
am Wortende: nasaliert den vorhergehenden Vokal
n- número Zahl n Wortbeginn/-inneres: wie im Deutschen
am Wortende: nasaliert den vorhergehenden Vokal
nh ninho Nest ɲ wie ein nj im Deutschen bzw. das gn im Französischen (Aubagne) oder Italienischen (lasagne)
p parte part p wie in Papier, aber unbehaucht
qua, quo quanto, quotidiano wie viel, täglich kw ein k und sehr dunkles u
que, qui aquele, aqui jener, hier k wie im Deutschen Katze
-r mar, Março Meer, März ɾ manchmal leicht gerollt, oft Zäpfchen-r
r coro, caro Chor, teuer r i. d. R. leicht gerollt (einfacher Zungenschlag)
r, rr rosa, carro Rose, Auto P.:R
Br.:H
P.: Zäpfchen-r; regional auch länger gesprochenes, d. h. stärker gerolltes r als oben
Br.: ch (weicher Ach-Laut) oder Zäpfchen-r
s, ss sapo, assado Kröte, gegrillt s im Anlaut oder im Wortinnern wie in Fass
-s galinhas, arcos Hühner, Bögen ʃ oder z im Auslaut in Portugal, Rio de Janeiro und Belém (Pará) ʃ (wie das sch in Schule); in den übrigen Regionen Brasiliens meist z (wie das s in Wiese); in einigen portugiesischen Dialekten ʒ (wie das j in Journal)
s raso Gleichmäßigkeit z falls vor und nach dem s jeweils ein Vokal steht, wie in Deutschland das s in Wiese, im Englischen easy
t tosta Toast t
wie auf Deutsch, aber nicht behaucht
im Brasilianischen vor einem ausgesprochenen -i- (wozu viele orthografische -e-s gehören) extrem weich bzw. stimmhaft, fast wie tʃ, wobei die Stärke des nachfolgenden Zischlautes regional unterschiedlich ist; häufig wie die russische Verbalendung -ть gesprochen.
v vento, velocidade Wind, Geschwindigkeit v wie das w in wo
x caixa, Xadrez, texto Kiste, Schach, Text ʃ stimmloses sch wie in Schule, aber schwächer als im Deutschen
x próximo nächster/s s im Wortinnern wie in Fass
z, exa, exe, exi, exo, exu exame, natureza Prüfung, Natur z wie in Deutschland das s in Wiese, Englisch zero

Grammatik[Bearbeiten]

Substantive[Bearbeiten]

Genus In der Regel sind Substantive, die auf -o enden, männlich und Substantive, die auf -a enden, weiblich. Es gibt aber auch Ausnahmen (o problema, o motorista). Das Geschlecht wird immer durch den vorangehenden Artikel angezeigt (männlich: o; weiblich: a). Daneben gibt es zahlreiche Substantive, die auf andere Vokale (o estudante – der Student; o javali – das Wildschwein; o peru – der Truthahn), auf Diphthonge (a impressão – der Eindruck; o chapéu – der Hut) oder auf Konsonanten enden (o Brasil – Brasilien; a flor – die Blume).

Numerus Der Plural wird im Allgemeinen durch das Anhängen von -s an das Substantiv gebildet (o amigo – os amigos; a mesa – as mesas; o estudante – os estudantes). Bei Substantiven, die auf einen Konsonanten enden, ergeben sich Änderungen. Bei auslautendem -r, -z und -n wird im Plural -es angehängt. Manche Substantive, die auf -s enden und auf der vorletzten oder drittletzten Silbe betont sind, sind im Plural unveränderlich (o ônibus – os ônibus; o lápis – os lápis). Ein auslautendes -m vor dem Plural-S wird zu einem -n (o homem – os homens). Auslautendes -l wird im Plural zu -i- vokalisiert (o animal – os animais; o papel – os papéis; o farol – os faróis). Eine Besonderheit sind die Pluralformen der Substantive auf -ão. Je nach der Etymologie des Wortes bilden diese Substantive unterschiedliche Pluralformen (o irmão – os irmãos; o alemão – os alemães; a informação – as informações).

Augmentativ / Diminutiv Durch das Anhängen von Suffixen kann die Bedeutung eines Substantivs verändert werden. So lässt sich durch das Augmentativsuffix -ão eine Vergrößerungsform bilden: o nariz – o narigão (die Riesennase). Ähnlich verhält es sich mit der Verkleinerungsform (Diminutiv) durch das Suffix -inho/-inha: o nariz – o narizinho (das Näschen).

Artikel[Bearbeiten]

Bestimmter Artikel Der bestimmte Artikel des Portugiesischen entstand aus dem lateinischen Demonstrativpronomen ille (jener). Im Altportugiesischen sind die Formen el (als Relikt heute erhalten in der Anredeform für den König „El-Rei“), lo, la, los und las zu finden. Durch die phonetische Entwicklung fiel das anlautende l- weg, so dass die heutigen Formen entstanden. In manchen regionalen Wendungen hat sich die altportugiesische Form dennoch erhalten (mais + o → mai-lo).

Maskulinum Femininum
Singular o a
Plural os as

Der bestimmte Artikel dient im Portugiesischen dazu, Wörter zu bestimmen, wenn sie bereits bekannt sind oder eine neue Aussage über sie getroffen wird. Darüber hinaus kann der bestimmte Artikel Wörter substantivieren (o saber – das Wissen). Wie in manchen deutschen Substandardvarietäten wird im Portugiesischen vor dem Eigennamen praktisch immer der bestimmte Artikel verwendet: Eu sou o João. (Ich bin der Hans.) Auch vor Possessivbegleitern ist der bestimmte Artikel häufig: O João é o meu amigo. (Hans ist mein Freund.)

Ähnlich wie im Italienischen wird auch der portugiesische Artikel nach bestimmten Präpositionen (a / de / em / por) mit diesen verbunden. Die Verbindung der Präposition a mit dem weiblichen Artikel a wird durch einen Gravis-Akzent angezeigt: à. Dieses Phänomen heißt Krasis (port: crase).

m.sg. m.pl. f.sg. f.pl.
a (zu, in) ao aos à às
de (von) do dos da das
em (in) no nos na nas
por (durch) pelo pelos pela pelas

Unbestimmter Artikel Der unbestimmte Artikel entstand aus dem lateinischen Zahlwort unus, una, unum. Er dient dazu, bisher unbekannte Substantive einzuführen und zu präsentieren. Er individualisiert und definiert Wörter, die zuvor noch nicht näher bestimmt wurden.

Maskulinum Femininum
Singular um uma
Plural uns umas

Der unbestimmte Artikel wird oft mit den Präpositionen de und em aber auch mit anderen Präpositionen zu einer so genannten Artikelpräposition verbunden.

m.sg. m.pl. f.sg. f.pl.
de (von) dum duns duma dumas
em (in) num nuns numa numas

Adjektiv[Bearbeiten]

Das Adjektiv dient im Portugiesischen dazu, Substantive näher zu bestimmen. Es muss in Zahl und Geschlecht mit dem Substantiv übereinstimmen, auf das es sich bezieht.

In der Regel werden die Adjektive im Portugiesischen dem Substantiv nachgestellt (Como uma maçã vermelha – Ich esse einen roten Apfel.) Eine Reihe von Adjektiven werden dem Substantiv aber auch vorangestellt. Dazu gehören die Superlativformen (o melhor amigo: der beste Freund). Manche Adjektive erhalten durch die Voranstellung eine kleine Sinnveränderung (um homem grande: ein großer Mann; um grande homem: ein großartiger Mann). Eine Voranstellung ist auch aus stilistischen Gründen möglich. Das Bestimmung des Substantivs erhält dadurch eine subjekte Komponente.

Adjektive können gesteigert werden. In der Regel wird die erste Steigerungsstufe (Komparativ) durch Voranstellung des Steigerungswortes mais (mehr) oder menos (weniger) gebildet: O João é mais inteligente. A Carla é menos inteligente. Will man ausdrücken, in Vergleich zu was etwas mehr oder weniger ist, verbindet man den Vergleich mit do que (als): O João é mais inteligente do que a Carla.

Die zweite Steigerungsform (Superlativ) existiert in zwei Formen. Einmal als relativer Superlativ, bei dem ausgedrückt wird, im Vergleich wozu etwas das Maximum ist: O João é o aluno mais estudioso da escola (João ist der fleißigste Schüler der Schule, also im Vergleich zu allen anderen Schülern.) Beim absoluten Superlativ wird nicht angegeben, was die Vergleichsgröße ist. Diese Form wird durch das Anhängen des Suffixes -íssimo/-íssima oder durch den Elativ mit muito (sehr) ausgedrückt: O João é inteligentíssimo / muito inteligente (João ist sehr intelligent.)

Einige häufig vorkommende Adjektivformen bilden unregelmäßige Steigerungsformen: bom – melhor – o melhor / ótimo; ruim – pior – o pior / péssimo; grande – maior – o maior / máximo; pequeno – menor – o menor / mínimo.

Verben[Bearbeiten]

Verben werden in drei Konjugationen eingeteilt, die man nach der Infinitivendung unterscheidet (entweder -ar, -er oder -ir), wobei zur -ar-Gruppe die meisten Verben gehören. Diese Verben folgen dann den gleichen Konjugationsregeln. Ähnlich wie im Deutschen gibt es den Imperativ (o imperativo), den Indikativ (o indicativo) und den Konjunktiv (o conjuntivo), wobei die Regeln strenger sind, wann der Konjunktiv zu verwenden ist, und die Verwendung mit dem Gebrauch des deutschen Konjunktivs nicht zu vergleichen ist, mehr jedoch mit dem Gebrauch des spanischen subjuntivo.

Eine weitere Besonderheit stellt der sogenannte persönliche Infinitiv (infinitivo pessoal) dar. Damit werden Infinitivformen bezeichnet, die eine Personalendung erhalten. Beispiel: Mostro-te para saberes disso. (Ich zeige es dir, damit du davon weißt. – wörtlich: für du wissen(-st) davon).

Anrede[Bearbeiten]

Im Portugiesischen gibt es, wie in den meisten indoeuropäischen Sprachen zwei Formen der Anrede, eine der Nähe (tu) und eine der Ferne (o senhor/a senhora). Die ursprüngliche Form der zweiten Person Plural (vós) hat heute bis auf einige Dialekte in Nordportugal sowie die im Gottesdienst verwendete biblisch geprägte Sakralsprache kaum noch Bedeutung. Daneben hat sich in Brasilien aus der höflichen Anrede vossa mercê (Euer Gnaden) die Kurzform você entwickelt, die mit der dritten Person Singular des Verbes verwendet wird. Diese Anrede ist in den meisten Regionen Brasiliens die normale Umgangsform im Alltag. So gesehen siezen sich Brasilianer praktisch immer (Beispiel: Você me dá seu livro? – Gibst du mir dein Buch? – eigentlich: Geben Sie mir Ihr Buch?) Interessant dabei ist die Tatsache, dass die você-Form eine größere semantische Breite hat als die deutsche Du-Form. Das heißt, in Situationen, wo man auf Deutsch die Sie-Form verwenden würde, kann man in Brasilien durchaus auch die você-Form verwenden. In Portugal wird diese Form als vertrautes Sie verwendet, etwa unter gleichrangingen Arbeitskollegen oder unter älteren Nachbarn. O senhor/a senhora ist auf sehr formelle Situationen beschränkt. In beiden Sprachvarianten hat die Pluralform vocês das alte vós komplett ersetzt.

Sprachbeispiel[Bearbeiten]

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 1:

Todos os seres humanos nascem livres e iguais em dignidade e em direitos. Dotados de razão e de consciência, devem agir uns para com os outros em espírito de fraternidade.
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

Wortschatz[Bearbeiten]

Da Portugiesisch eine romanische Sprache ist, entstammen die meisten portugiesischen Wörter der lateinischen Sprache. Man kann jedoch auch Spuren aus anderen Sprachen, mit denen das Portugiesische Kontakt hatte, beobachten:

Wörter aus der vorrömischen Zeit[Bearbeiten]

Es gibt wenige Wörter aus der Zeit vor der römischen Herrschaft der iberischen Halbinsel, die sich aus der Sprache der Urbevölkerung des heutigen Portugals (Lusitaner, Konii, Iberer) oder aus der Sprache von Siedlern (Phönizier, Karthager oder Kelten beziehungsweise Keltiberer) bis in das moderne Portugiesische erhalten haben. Bei vielen dieser Wörter fehlt jedoch der genaue wissenschaftliche Nachweis ihrer Herkunft (Etymologie). Gerade bei den keltischen Wörtern könnte es sich um Wörter handeln, die auf dem Umweg über das Lateinische ins Portugiesische gelangt sind.

Aus der Sprache der Ur-Iberer:

  • abóbora „Kürbis“
  • bezerro „einjähriges Kalb“
  • manteiga „Butter“
  • sapo „Kröte“

Aus keltischen Sprachen:

  • cabana „Hütte“
  • cama „Bett“
  • camisa „Hemd“
  • carvalho „Eiche“
  • cerveja „Bier“
  • javali „Wildschwein“
  • touca „Haube“

Da praktisch alle dieser Wörter keltischen Ursprungs auch in anderen romanischen Sprachen belegt sind, liegt es nahe, dass sie schon von den Römern aus dem Keltischen entlehnt worden sind und dann als lateinische Wörter ins Portugiesische gelangt sind.

aus der phönizischen Sprache:

  • malha „Masche, Netz“
  • mapa „Karte“
  • saco „Sack“

Diese Wörter sind auch in anderen romanischen Sprachen belegt. Es liegt daher nahe, dass sie schon von den Römern aus dem Phönizischen (oder einer anderen Sprache) entlehnt worden sind und dann als lateinische Wörter ins Portugiesische gelangt sind.

Wörter lateinischer Abstammung[Bearbeiten]

Portugiesisch ist ein Abkomme des Vulgärlateins, welches mit dem klassischen Latein zwar verwandt, jedoch nicht identisch ist. Die Transformation von lateinischen zu den heutigen portugiesischen Wörtern begann teils schon während des Römischen Reiches, bei anderen Wörtern begann dieser Prozess erst später. Die portugiesische Sprache wurde durch die lateinische immer wieder beeinflusst; so gelangten später auch Wörter aus der lateinischen Schriftsprache des Mittelalters und der frühen Neuzeit ins Portugiesische. Diese so genannten Buchwörter haben sich gegenüber der lateinischen Form wenig verändert, während die Wörter, die aus dem gesprochenen Latein entstanden sind (Erbwörter), stark verändert wurden.

Die Prozesse, durch welche aus lateinischen Erbwörtern portugiesische Wörter wurden, sind im Einzelnen:

  • Nasalierung: Ein Vokal vor [m] und [n] wird leicht zu einem nasalen Vokal, dies ist ein Phänomen, welches in vielen Sprachen existiert. Im Portugiesischen geschah dies zwischen dem 6. und 7. Jahrhundert, im Unterschied zum Spanischen, wo diese Änderung der Vokalaussprache nie eintrat.
    • Mond im Vulgärlatein heißt LUNA und wird zu [lũ:a] (geschrieben: Lua, 'Mond').
  • Palatalisierung: eine Anpassung vor den Vokalen [i] und [e], oder in der Nähe der Halbvokale oder des palatalen [j]:
    • CENTUM > [tj]ento > [ts]ento > cento 'Hundert'
    • FACERE > fa[tj]ere > fa[ts]er > fa[dz]er > fazer 'machen'
    • eine ältere Evolution hatte: FORTIA → for[ts]a > força 'Stärke, Kraft'
  • Elision (Auslassung) von Konsonanten zwischen zwei ähnlich klingenden Vokalen:
    • DOLERE/DOLOR > door > dor 'Schmerz'
    • BONUS > bõo > bom, 'gut'
    • ANELLUM > ãelo > elo 'Ring' (bras. anel)
  • Sonorisierung (Änderung der Stimmhaftigkeit): einige Konsonanten wurden zu stimmhaften Konsonanten:
    • MUTUS > mudo 'taub'
    • LACUS > lago 'See'
    • FABA > fava 'dicke Bohne'
  • Degemination (Vereinfachung von doppelten Konsonanten):
    • GUTTA > gota 'Tropfen'
    • PECCARE > pecar 'sündigen'
  • Dissimilation – Änderung eines Lautes durch Einfluss eines anderen ähnlichen Lautes:
    • Dissimilation zwischen Vokalen:
      • LOCUSTA > lagosta 'Languste'
      • CAMPANA > campãa > campa 'Grab'
    • Dissimilation zwischen Konsonanten:
      • MEMORARE > nembrar > lembrar 'erinnern'
      • ANIMA > alma 'Seele'
      • LOCALE > logar > lugar 'Platz'

Wörter germanischen Ursprungs[Bearbeiten]

  • ganhar 'gewinnen' aus dem germanischen waidanjan
  • guerra 'Krieg' aus dem gotischen wirro
  • roubar 'rauben' aus dem germanischen raubon
  • saga 'Sage, Märchen' aus dem gotischen saega
  • tolo 'verrückt' aus dem gotischen dwals

Wörter arabischen Ursprungs[Bearbeiten]

Etwa tausend Wörter des Portugiesischen sind arabische Lehnwörter[12], zum Beispiel:

  • alface 'Blattsalat' von alkhass
  • almofada 'Kissen' von almukhadda
  • armazém 'Lager' von almahazan
  • azeite 'Olivenöl' von azzait
  • garrafa 'Flasche' von garrafâ

Wörter afrikanischen, asiatischen und indianischen Ursprungs[Bearbeiten]

Durch die Entdeckungen kam das Portugiesische in Kontakt mit lokalen afrikanischen, asiatischen und indianischen Sprachen, von denen die portugiesische Sprache viele Elemente aufgenommen und an andere europäische Sprachen weitergegeben hat. Besonders geografische Bezeichnungen in Afrika und Brasilien gehen auf die Sprachen der Einwohner dieser Regionen zurück.

Asiatische Sprachen:

  • chá 'Tee', aus dem chinesischen cha
  • jangada 'Floß', aus dem Malaiischen
  • manga 'Mango', aus dem malaiischen mangga

Indianische Wörter:

Schwarzafrika:

Portugiesische Literatur[Bearbeiten]

Hauptartikel: Portugiesische Literatur

In der frühen portugiesischen Literatur hatte die Poesie die höchste Bedeutung. Einer der berühmtesten Literaten Portugals ist Luís de Camões (* 1524; † 1580), der mit dem Epos Die Lusiaden eines der wichtigsten Werke geschaffen hat.[13] Seine Bedeutung wird nicht zuletzt dadurch illustriert, dass die portugiesische Entsprechung zum deutschen Goethe-Institut Instituto Camões heißt und Portugals Nationalfeiertag („Dia de Portugal“ – Tag von Portugal) auf den 10. Juni, den Todestag des Nationaldichters gelegt wurde.

Andere wichtige Autoren sind der Romancier Eça de Queirós (1845–1900), der Dichter Fernando Pessoa (1888–1935), der brasilianische Dichter und Romancier Machado de Assis (1839–1908), der brasilianische Romancier Jorge Amado (1912–2001), und der Literaturnobelpreisträger José Saramago (1922–2010).

Sprachregulierung[Bearbeiten]

Die portugiesische Sprache wird reguliert durch

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Aurélio Buarque de Holanda Ferreira: Novo Dicionário Aurélio da Língua Portuguesa. Positivo, Curitiba 2004, ISBN 85-7472-414-9.
  • Emma Eberlein O. F. Lima, Lutz Rohrmann, Tokiko Ishihara: Avenida Brasil. EPU, São Paulo 1992, ISBN 85-12-54700-6 (Einführung in das brasilianische Portugiesisch).
  • Emma Eberlein O. F. Lima, Samira A. Iunes, Marina R. Leite: Diálogo Brasil. EPU, São Paulo 2002, ISBN 85-12-54220-9 (Intensivkurs).
  • A. Endruschat, J. Schmidt-Radefeldt: Einführung in die portugiesische Sprachwissenschaft. 2. Auflage. Narr, Tübingen 2008, ISBN 978-3-8233-6177-0.
  • Erhard Engler: Lehrbuch des brasilianischen Portugiesisch. 6. Auflage. Langenscheidt, Leipzig 2002, ISBN 3-324-00516-7.
  • Celso Ferreira da Cunha, Luís F. Lindley Cintra: Nova gramática do português contemporâneo. 18. Auflage. Edições João Sá da Costa, Lissabon 2005, ISBN 972-9230-00-5.
  • Günter Holtus, Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik. 12 Bände. Niemeyer, Tübingen 1988–2005; Band VI,2: Galegisch/Portugiesisch. 1994.
  • António Houaiss: Dicionário Houaiss da Língua Portuguesa. Temas & Debates, Lissabon 2003, ISBN 972-759-664-9 (portugiesische Ausgabe).
  • Maria Teresa Hundertmark-Santos Martins: Portugiesische Grammatik. Niemeyer, Tübingen 1998, ISBN 3-484-50183-9 (Gesamtdarstellung der grammatischen Phänomene der portugiesischen Sprache, allerdings weitgehend ohne Berücksichtigung des brasilianischen Portugiesisch).
  • Joaquim Peito: Está bem! Intensivkurs Portugiesisch. Schmetterling, Stuttgart 2006.
  • Matthias Perl et al.: Portugiesisch und Crioulo in Afrika. Geschichte - Grammatik - Lexik - Sprachentwicklung. Universitätsverlag Dr. N. Brockmeyer, Bochum 1994.
  • Vera Cristina Rodrigues: Dicionário Houaiss da Língua Portuguesa. Objetiva, Rio de Janeiro 2003, ISBN 85-7302-488-7 (das größte Wörterbuch, einsprachig, mit portugiesischer und brasilianischer Rechtschreibung vor AO90).
  • Helmut Rostock: Lehrbuch der portugiesischen Sprache. 5. Auflage. Buske, Hamburg 2007, ISBN 978-3-87548-436-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Portugiesisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Kategorie:Portugiesisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikibooks: Portugiesisch – Lern- und Lehrmaterialien
 Commons: Portugiesische Sprache – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Portugiesische Aussprache – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Portugiesische Wörterbücher – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b John Hajek: Towards a Language History of East Timor in: Quaderni del Dipartimento di Linguistica - Università di Firenze 10 (2000): S. 213-227
  2. Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 2 English (Zensus 2010; PDF; 22,6 MB)
  3. The languages of East Timor
  4. Teyssier, Paul: História da Língua Portuguesa, Lissabon : Sá da Costa, 1993 (5.Aufl.), S.3, 13.
  5. Endruscht; Schmidt-Radefeldt: Einführung in die portugiesische Sprachwissenschaft. Tübingen: Narr, 2008 (2.Aufl.), S. 32.
  6. Cardeira, Esperança: O Essencial sobre a História do Português. Lissabon: Caminho, 2006, S.45.
  7. Teyssier, Paul: História da Língua Portuguesa, Lissabon : Sá da Costa, 1993 (5.Aufl.), S.21.
  8. Cardeira, Esperança: O Essencial sobre a História do Português. Lissabon: Caminho, 2006, S.42.
  9. Lapesa, Rafael: Historia de la lengua española. Madrid, 1988, S.176ff.
  10. Handbook of the International Phonetic Association pg. 126-130; the reference applies to the entire section
  11. Brasiliens Alphabet nun komplett. 2. Januar 2009. Abgerufen am 5. September 2009.
  12. Volker Noll: Der arabische Artikel al und das Iberoromanische (PDF-Datei; 210 kB)
  13. The Lusiads. 1800. Abgerufen am 31. August 2013.