Portus Dubris

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hf

Kastelle von Dover
a) Flottenkastell (FK),
b) Sachsenküstenkastell (SKK)
Alternativname Portus Novum/Portus Dubris/Dubris/Douvrae
Limes Britannien
Abschnitt Strecke 3,
Datierung (Belegung) a) 1. bis spätes 3. Jahrhundert n. Chr.,
b) 3. bis 5. Jahrhundert n. Chr.
Typ Flottenstation/Limitaneikastell
Einheit a) classis Britannica,
b) milites Tungrecanorum
Größe a) ca. 2 ha,
b) 5 ha
Bauweise a) Steinbauweise,
b) Steinbauweise
Erhaltungszustand a) quadratische Anlage mit abgerundeten Ecken,
b) trapezförmige Anlage mit vorkragenden Türmen,
oberirdisch teilweise noch sichtbar (Nordtor des FK, Zwischenturm des SKK)
Ort Dover
Geographische Lage 51° 7′ 43″ N, 1° 19′ 23″ O51.1286111111111.3230555555556Koordinaten: 51° 7′ 43″ N, 1° 19′ 23″ O
Anschließend Kastell Lemanis südlich
Die Sachsenküstenkastelle um 380 n. Chr.
Lageskizze des römischen Dover
Befundplan Kastelle und Hafen
Rekonstruktionsversuch des Sachsenküstenkastells, 4. Jahrhundert n.Chr.
Befundskizze des Horreums-Ost
Ruine des östlichen Leuchtturms
Römischer Ziegel mit der Ritzzeichnung eines Leuchtturmes (Dover?), British Museum
Rekonstruktionsversuch des östlichen Pharos, 2. Jahrhundert n. Chr.
Befundplan des Painted House mit Zwischenturm und Mauer des Sachsenküstenkastells nach dem Bau des Kastells und des äußeren Verteidigungsgrabens im späten 3. Jahrhundert

Portus Dubris (Dubris) ist der Sammelbegriff für einen römischen Hafen, eine Siedlung und zwei Kastelle auf dem Stadtgebiet von Dover, Grafschaft Kent, England.

Portus Dubris besetzte eine Schlüsselstellung im Handelsverkehr und war Hauptquartier der Classis Britannica auf der britischen Seite des Ärmelkanals. Es war eines der beiden Haupttore zum römischen Britannien und somit auch eine der meistfrequentierten Anlaufstellen für den Schiffsverkehr, der die Insel mit Portus Itius/Gesoriacum (heute Boulogne-sur-Mer), an der gallischen Küste verband. Die römische Flotte kontrollierte von hier aus die Gewässer des Ärmelkanals und der Nordsee.

Ab dem 3. Jahrhundert war Dubris auch Bestandteil der Kastellkette des sogenannten Litus Saxonicum (Sachsenküste). Der Hafen verfügte über je einen Leuchtturm an der westlichen und östlichen Seite der Hafeneinfahrt. Innerhalb der Burganlage steht der noch gut erhaltene östliche römische Leuchtturm. Er dient der Kirche St. Mary in Castro als Glockenturm. Diese Kirche wurde mit Baumaterial aus der Ruine des spätrömischen Lagers erbaut.

Während viele Kanalhäfen des antiken Britannien im Laufe der Zeit durch Verlandung unbrauchbar wurden, konnte Dover bis heute seine Stellung als bedeutender Wirtschafts- und Reisehafen bewahren.

Name[Bearbeiten]

Der antike Name bedeutet: „der Hafen am Fluss Dubras“. Dubras ist ein aus dem keltischen stammender Begriff (= das Wasser).

In angelsächsischer Zeit war der Ort unter den Namen Douvrae bekannt. In angelsächsischen Texten wird es auch als Dofras, Dobrum, Doferum und Doferan bezeichnet.

Lage[Bearbeiten]

Dubris stand an der Küste des Ärmelkanals, am Westufer der Mündung des Flusses Dour, und war 34 km von Cap Gris Nez, Calais, und 40 km von Bolougne-sur-Mer, beide im heutigen Frankreich gelegen, entfernt. Die Strecke Dubris-Gesoriacum war aufgrund ihrer geographischen Lage die kürzeste Verbindung zwischen dem Festland und der Insel. Dubris war auch einer der wenigen Stellen in dieser Region, der eine problemlose Landung zwischen den steilen Klippen von durchschnittlich 100 m Höhe erlaubte. Neben Rutupiae war Dubris einer der Ausgangspunkte der Watling Street (angelsächsisch: Wæcelinga Stræt), einer römischen Straße nach Durovernum Cantiacorum und Londinium. Sie war eine der ersten großen Heerstraßen, die von den Römern in Britannien angelegt wurden. Von Londinium aus führte sie über St. Albans (Verulamium), Dunstable (Durocobrivis), Towcester (Lactodurum) nach Wroxeter (Viroconium) im Norden, zweigte dann nach Wales und in die Metropole des Nordens, York (Eburacum) ab.

Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Im 19. und 20. Jahrhundert wurden eine massive Hafenmauer und kleinere Anleger entdeckt. Diese Befunde belegten die Existenz eines größeren römischen Hafens. Das spätantike Kastell wurde erstmals im Jahr 1929 von Mortimer Wheeler untersucht und beschrieben. Eine Reihe von Nachgrabungen, um diese Identifizierung zu bestätigen, scheiterten jedoch. Eine detaillierte Analyse der bis dahin verfügbaren Befunde konnte erst 1970 veröffentlicht werden. Die umfangreichen Rettungsgrabungen durch die Kent Archaeological Rescue Unit (KARU), infolge des Baus einer Umgehungsstraße und der Sanierung der Stadtmitte, begannen im Jahr 1970. Dabei wurde im Stadtzentrum ein Gelände in der Größe von ca. 8 ha untersucht. Das Grabungsareal war teilweise von über 7 m hohen Schwemmsand- und Erosionsablagerungen von den benachbarten westlichen Anhöhen (Western Heights) bedeckt. Das Jahr 1970 markierte auch den Beginn einer - mehr als 30 Jahre andauernden - Serie von Rettungsgrabungen der KARU, die zur Entdeckung einer weiteren Fülle von Baustrukturen aus römischer und angelsächsischer Zeit führten. Bis 2010 wurden vom Sachsenküstenkastell 200 m des Süd- und des Westwalles, sieben seiner Türme, der Wehrgraben, der innere Erdwall und einige Abschnitte des Innenbereiches erforscht.

Die ältesten Funde aus der Region um Dover stammen aus der Bronzezeit. 1974 waren es bronzene Äxte, die wahrscheinlich aus Gallien stammen, 1992 fand man die Reste eines etwa 17 m langen antiken Bootes. Beide Funde sind im Dover-Museum zu besichtigen. Zum Fundspektrum gehören u.a. zwei römische Altäre, eine Statue, zwei Steinköpfe und eine große Anzahl römischer Schmucksteine. Auf einem von ihnen war eine Gladiatorenszene dargestellt.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Siedlungsspuren in Dover reichen fast 4000 Jahre zurück. Gaius Iulius Caesar versuchte im Jahre 55 v. Chr. mit seiner Flotte am Strand von Dubris zu landen, scheiterte jedoch, da die Briten auf den umliegenden Felsenklippen ihre Streitkräfte massiert hatten. 43 n. Chr. wurde die Region um die Mündung des Dubras durch die Truppen des Aulus Plautius besetzt. Im frühen 2. Jahrhundert wurde hier von der römischen Kanalflotte ein erstes Kastell gegründet. Dubris zählte nun neben Rutupiae zu den wichtigsten römischen Häfen an der britischen Küste. Westlich von Kastell Lemanis befanden sich die Erzminen der South Downs, sie wurden wahrscheinlich von Dubris aus verwaltet.

Im späten 3. Jahrhundert errichtete das römische Militär im Zuge des Ausbaues des Wash-Solent-Limes zum Schutz vor Überfällen der Angeln und Sachsen über dem ehemaligen Flottenlager ein neues Kastell. Bei der Erbauung des Sachsenküstenkastells in Dubris nahm man keinerlei Rücksicht mehr auf die älteren Strukturen, was annehmen lässt, dass es auf dem Areal zwischen dem Hafen und der spätantiken Festungsanlage keine Siedlungskontinuität gab. Die Schiffe der Classis Britannica wurden vor allem in den südlichen und östlichen Häfen der Insel stationiert. Ihre Patrouillen überwachten den Oceanus Britannicus, um gegen potenzielle Seeräuber rasch reagieren zu können, sie abzufangen und ihre Raubschiffe zu zerstören, sobald sie im Ärmelkanal auftauchten. In dieser Zeit gab es aus den verschiedensten Gründen verstärkte Bestrebungen der Barbarenvölker, auf die Insel zu gelangen, dort zu plündern oder sich auf Dauer anzusiedeln. Konnte man ihre Landung nicht verhindern, versuchte die Flotte den Plünderern den Rückzug über das Meer abzuschneiden.

Nach Abzug der Römer im Jahre 410 und den Niederlagen der Romano-Briten bei Aylesford 455 und 457 bei Crecganford fiel Dover zusammen mit Canterbury und Richborough in die Hände der Sachsen unter Hengist. Er gründete das erste sächsische Königreich auf britischen Boden. Im 6. Jahrhundert etablierte sich eine sächsische Siedlung (Douvrae) innerhalb des Kastells, die bis ins 10. Jahrhundert bestand.

Flottenkastell[Bearbeiten]

Das mehrphasige mittelkaiserzeitliche Kastell stand nahe der Küste, an den Abhängen der Western Heights und liegt heute größtenteils unter dem Stadtzentrum von Dover (etwa im Bereich York Street (A 268) und Queen Street). Es bedeckte eine Fläche von rund 2 ha und war vermutlich einer der bedeutendsten Stützpunkt der Classis Britannica in Britannien. Es war die einzige römische Marinebasis in Großbritannien, die bisher systematisch untersucht wurde. Zwei begrenzte Grabungskampagnen vermittelten einen ungefähren Eindruck vom Aussehen und Ausbreitung der Festungsanlage. Sie war mit Sicherheit - wie die meisten römischen Kastelle dieser Zeit - quadratisch, da am Süd- und Westwall jeweils ein Winkel von 90 Grad beobachtet werden konnte.

Die erste Bauphase (wahrscheinlich um 117) blieb unvollendet. Von ihr konnte die KARU im Jahr 1970 die Überreste der Kastellmauer und drei Kasernenblöcke freilegen. Ein zweites Kastell (am selben Standort) ersetzte es ab 130 und war bis 155 belegt. In dieser Zeit wurden die Umfassungsmauer, ein Graben, zwei Tore, bis zu 14 Innengebäude, Lagerstraßen und eine Kanalisation errichtet. Das Kastell scheint danach wieder aufgegeben worden zu sein. Von 190 bis 208 wurde es noch einmal mit römischen Truppen belegt, danach aber endgültig dem Verfall preisgegeben. Um 270 waren viele seiner Gebäude schon eingestürzt und mit einer Erdschicht bedeckt. Von der Umwehrung ist die Lage des Nordtores (beim Discovery Centre) bekannt. Die Innengebäude umfassten die Principia mit Verwaltungsbüros (Officia), Kasernen, zwei Getreidespeicher (horreum) und eine Latrine. Einige der Mauerzüge standen bei ihrer Freilegung noch bis zu 3 m hoch. Es handelte sich um die am besten erhaltenen römischen Militärgebäude im südlichen Britannien. Bei den Grabungen konnten auch etwa 800 Ziegelstempel geborgen werden.

Sachsenküstenkastell[Bearbeiten]

Dieses nach 270 erbaute mehrphasige und fünf Hektar große Lager befand sich am Westufer der Dourmündung. Es stand teilweise auf dem Areal des Flottenkastells (NO-Ecke). Die leicht nach Nordwesten verzogene, trapezförmige Anlage bestand aus einer massiven Steinmauer mit halbrunden, weit vor die Mauer vorkragenden Bastionen. Der Grundriss erinnert stark an jenen von Kastell Burgh Castle. Bislang wurden nur die südwestliche Ecke und Teile der Süd- und Westmauer ergraben. Dabei konnten vier Türme genauer untersucht werden. Wann es von der römischen Armee aufgegeben wurde, ist unklar. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es ab dem 6. Jahrhundert von Angelsachsen besetzt wurde, die hier eine Siedlung gründeten.

Umwehrung und Graben[Bearbeiten]

Bei der Ausgrabung präsentierten sich einzelne Abschnitte der Mauer noch in einem relativ guten Erhaltungszustand. Es konnten auch mehrere Ausbauphasen unterschieden werden. Sie wurden hauptsächlich aus Kalk- und Tuffstein erbaut, der wahrscheinlich größtenteils aus dem Abbruchmaterial des Flottenkastells stammt. Ein sieben Meter langer Abschnitt der Westmauer durchschnitt die Räume 3 und 4 der Mansio aus dem 2. Jahrhundert (Painted House). Beim Bau der Kastellmauer wurde hauptsächlich lokal verfügbares Steinmaterial verwendet. Ihre Breite liegt zwischen 2,3 und 2,6 Metern. Sie wurde zusätzlich durch eine innere Erdrampe (Intervallum) abgestützt und verstärkt, die gleichzeitig auch als Wehrgang diente. Die äußere Verschalung setzte sich aus zugehauenen Tuffsteinquadern, die Innenfüllung meist aus nur grob zugerichteten Kreidekalkblöcken zusammen. Ihr Fundament bestand aus einem vermörtelten Bruchstein-Ziegelkonglomerat. Letztere stammten aus abgerissenen Vorgängerbauten in der näheren Umgebung. Auch der Mauerkern enthielt viel wiederverwendetes Material. Abgesehen von einer geringfügigen Abstufung im Fundament an der Außenseite konnte man ansonsten keine weiteren Besonderheiten feststellen.

Ca. 5 m vor der Mauer (Süd- und Westseite) verlief als Annäherungshindernis ein 7,5 m breiter, V-förmiger Wehrgraben, der am Haupttor von einer Brücke überspannt wurde.

Türme[Bearbeiten]

Insgesamt konnten bisher in Abständen von 23 bis 30 Metern sieben halbrunde Türme oder Bastionen lokalisiert werden. Dabei wurden zwei Bautypen identifiziert. Einige waren in die Mauer integriert, andere offensichtlich erst nachträglich angebaut worden, möglicherweise wären die Abstände ansonsten viel zu groß gewesen. Einer davon stand auf den Überresten der Räume 5 und 6 der Mansio, sein Mauerwerk war bei der Freilegung noch 4–6 m hoch erhalten. Auch in der Zusammensetzung des Baumaterials konnten erhebliche Unterschiede festgestellt werden. Die zuerst angelegten Turmbauten bestehen aus Kalk- und Tuffstein. Die später hinzugefügten Exemplare wurden aus Flintbruchstein errichtet und waren an ihrer Außenseite mit Ziegelbändern versehen.

Innenbebauung[Bearbeiten]

Im Kastell wurden die Reste von 11, in spätrömischer Zeit errichteten, Holzgebäuden mit kreisförmigen, quadratischen und ovalen Grundrissen sowie Grubenhäuser, Öfen und Gruben entdeckt. Die Therme des Vicus aus dem 2. Jahrhundert wurde in das Sachsenküstenkastell integriert, umgebaut und weiterverwendet. Sie wurde wahrscheinlich von Flottensoldaten errichtet. Man fand gut erhaltene Reste eines großen Ofens und eine Reihe von Räumen mit Hypokaustenheizung und Wasserbecken. Die Räume waren alle um einen großen Innenhof gruppiert. Die Südwest-Ecke des Kastells war aufgeschüttet, danach planiert und mit kleineren, ovalen, Hütten und Holzständerbauten bebaut worden.

Die Innenbebauung der angelsächsischen Zeit bestand hauptsächlich aus Grubenhäusern in Holzbauweise mit Lehmböden in verschiedenen Größen. Insgesamt konnten Spuren von rund 18 hölzernen Gebäuden bzw. ihre verkohlten Wandplanken in situ gefunden werden. Sie lieferten neue Erkenntnisse über die Bauweise im 7. Jahrhundert. Darüber hinaus gab es Anzeichen für einen größeren Hallenbau mit Steinboden und eine gepflasterten Straße, die vom 7. bis zum 10. Jahrhundert benutzt wurde.

Weberei[Bearbeiten]

Während der Ausgrabung im Raum 1 der Mansio wurden auch Reste eines etwa 7 m x 4 m großen, hölzernen Grubenhauses aus der angelsächsischen Periode (ca. 800 n. Chr.) entdeckt, das durch einen Brand zerstört worden war. Es handelte sich um eine einfache, aus Brettern und Pfosten zusammengezimmerte Hütte. Typisch für angelsächsische Häuser des 5. bis 8. Jahrhundert. In dem Gebäude war wohl die Werkstatt eines Webers untergebracht. Bei der Ausgrabung wurden fast 200 runde Ton- und Webgewichte geborgen.

Garnison[Bearbeiten]

Die Besatzung des Flottenkastells in Dubris bestand aus Angehörigen der Classis Britannica, die mit ihren Schiffen die Gewässer rund um Britannien und vor allem den Ärmelkanal überwachen sollte. Im spätantiken Kastell war am Ende des 4. Jahrhunderts laut der Notitia Dignitatum ein Praepositus militum Tungrecanorum Dubris, „Kommandeur der Soldaten der Tungrecani in Dubris“, unter dem Oberbefehl des Comes litoris Saxonici per Britanniam, stationiert.[2]

Hafen[Bearbeiten]

Der aufgrund der natürlichen Gegebenheiten gut geschützte Hafen wurde um das Jahr 50 gegründet. Er war anfangs relativ klein dimensioniert, hatte einen hölzernen Kai und bestand hauptsächlich aus dem Lager der Classis Britannica untergebracht waren, und einer Mansio. Die Mündung des Dour war zu dieser Zeit noch 3,4 km breit, der Tidenhub betrug bis zu drei Meter. Später wurde sie von einer massiven, von Ost nach West verlaufenden Mauer gesperrt. Die Kriegsschiffe sowie diverse Hilfs- und Frachtschiffe machten an Anlegern fest, die sich am Westufer der Flussmündung aufreihten.

Leuchttürme[Bearbeiten]

Schon bald nach ihrer Landung in Britannien (43 n. Chr.) errichteten die Römer in Dubris einen Leuchtturm (Pharos). Dieser und der spätere zweite Turm standen auf den beiden – das Hafenbecken flankierenden – Hügeln (Eastern Heights und Western Heights) über der – damals noch wesentlich breiteren – Flussmündung. Durch die Leuchttürme wurde die Navigation wesentlich erleichtert, da ihr Feuerschein von beiden Seiten des Kanals – bei wolkenlosem Wetter – gut sichtbar waren. Bei Nacht wurde er von einem Reflektor aus poliertem Kupfer noch zusätzlich verstärkt. Am Tag leitete die Rauchsäule die Schiffe. Die Türme wurden wahrscheinlich von Soldaten aus dem Flottenkastell betrieben. Die beim Bau verwendeten Ziegel der Classis Britannica (Stempelaufdruck Cl BR) waren von derselben Beschaffenheit wie die der Mansio und des Flottenkastells. Die Gebäude dürften also alle zur selben Zeit entstanden sein. Später wurde der östliche Turm in einen Wachturm umgewandelt. Die Kirche Saint Marys in Castro wurde Ende des 10. oder Anfang des 11. Jahrhunderts erbaut. Ihre Mauern enthielten viele wiederverwendete römische Ziegel. Seit ca. 1252 diente der Ostturm als Glockenturm der Schlosskirche. Als Teil eines umfassenden Sanierungsprogramms wurde er von 1580 bis 1582 renoviert, dabei u. a. mit einem neuen Boden und Dach versehen, um ihn zusätzlich als Pulvermagazin verwenden zu können. Im Jahre 1724 berichtete William Stukeley, dass das Ordnance Office (Waffenamt) das Dach wieder entfernen ließ. Es ist jedoch unklar, ob Stukeley damit das des östlichen Pharos gemeint hat, aber sehr wahrscheinlich.

Ostturm[Bearbeiten]

Der östliche Leuchtturm steht heute innerhalb von Dover Castle und ist das höchste der heute noch erhaltenen römischen Gebäude in Großbritannien. Er war jenem Exemplar sehr ähnlich, das Kaiser Caligula in anlässlich seiner – gescheiterten – Invasion Britanniens erbauen ließ. Er soll in Lugdunum Batavorum gestanden haben. Das früher in diesem Zusammenhang des Öfteren erwähnte Boulogne-sur-Mer scheidet vermutlich aus den Überlegungen aus, da es dort keinerlei Belege für eine römische Präsenz in der Zeit des Caligula gibt.[3] Für Der äußere Grundriss ist achteckig. Seine ursprünglich acht Etagen verjüngten sich stufenförmig nach oben und gaben der Struktur damit ein teleskopartiges Aussehen. Heute sind nur mehr die ersten vier erhalten, allerdings stark verwittert, eine Folge seiner exponierten Lage auf der Anhöhe. Die Innenräume sind im Gegensatz dazu quadratisch. Er ist zwölf Meter breit und erreicht heute noch eine Höhe von 13 m. Seine ursprüngliche Höhe dürfte um die 25 m betragen haben. Die Mauern sind bis zu vier Meter dick. Sie bestehen aus Feuerstein, Ziegeln und Tuffstein. Fenster und Eingangstor sind gewölbt, in den Bögen wurde abwechselnd Tuffstein und Ziegel vermauert, um so einen polychromen Effekt zu erzeugen. Die 5,8 m hohe Turmkrone stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Westturm[Bearbeiten]

Ein in den 1860er Jahren wiederentdeckter Mauerrest des westlichen Leuchtturms wird als „Bredenstone“, „Cäsars Altar“ oder auch als „Teufelstropfen“ bezeichnet und befindet sich heute innerhalb der Mauern der sogenannten Drop Redoubt (Western Heights), eines Küstenschutzforts aus dem 18. Jahrhundert. Nach den wiederverwendeten Dachziegeln der Classis Britannica zu urteilen, dürfte der Turm allerdings erst im 4. Jahrhundert entstanden sein.

Vicus[Bearbeiten]

Das etwas abschüssige Areal des römischen Vicus von Dover bedeckte vermutlich mindestens eine Fläche von zehn Hektar. Er befand sich am Westufer der Flussmündung des Dour bzw. an der Nordseite des Flottenkastells. Die Zivilsiedlung entstand wohl im späten 1. Jahrhundert. Die meisten Häuser waren aus Holz und Stein errichtet und mit Mosaikböden und bemalten Stuck dekoriert. Obwohl einige größere Steingebäude, Basilika, Forum, Tempel und auch ein Bad nachgewiesen werden konnten, scheint sie nie städtische Ausmaße erreicht zu haben.

Mansio/Painted House[Bearbeiten]

Nördlich des Flottenkastells stand ein zweistöckiges Gebäude, das zwischen 150 und 160 n. Chr. entstand und später noch mehrmals umgebaut wurde. Die Teile der letzten Ausbauphase - um 200 – waren besonders gut erhalten, da sie in der Spätantike von der Westmauer und dem inneren Erdwall des Sachsenküstenkastells bedeckt wurden. Das „Painted House“ umfasste ursprünglich wohl 80 oder noch mehr Räume und ist eines der bekanntesten römischen Gebäude in Großbritannien. Die Motive seiner Wandmalereien und die Nähe des Gebäudes zum Kastellbad, dem Hafen und dem Flottenstützpunkt führten zuerst zu der Annahme, dass es sich nur um ein gewöhnliches Bordell handelte. Diese These wurde jedoch wieder verworfen, da Fresken in römischen Bordellen eher themenbezogen waren, wie bei denen von Pompeji ersichtlich war. Bacchusmotive fanden sich allerdings sehr häufig in Wohnhäusern. Die meisten Wissenschaftler glauben auch, dass die Räumlichkeiten für ein Bordell viel zu klein dimensioniert waren.

Es wurde während des Baus der Umgehungsstraße A256 in den 1970er Jahren entdeckt. Der Kent Archaeological Rescue Unit unter der Leitung von Brian Philp gelang es, fünf Räume (jeder ca. 18 x 16 m) sowie einen davorliegenden Flur freizulegen und zu konservieren. Es handelte sich um eine – teilweise mit Wand- und Fußbodenheizungen (Hypokausten) ausgestattete römische Mansio. Drei der Räume wurden mittels eines außen angelegten Bogenofen beheizt. Bei den Ausgrabungen stieß man auf – an manchen Stellen noch - sechs Meter hohe Wände mit hervorragend erhaltene Wandmalereien, die umfangreichsten, die jemals nördlich der Alpen gefunden wurden. Sie zeigten auf mehrfarbigen gerahmten Tafeln im 3D-Effekt Architekturmotive wie z. B. kannelierte Säulen. Auf 28 Platten finden sich vor allem Darstellungen des Bacchus, des römischen Gotts für Lebensfreude und Weingenuss, und der Ariadne (etwa fünf Stück pro Wand).

Inschriften[Bearbeiten]

Aus Dover sind drei römische Inschriften bekannt. Eine wurde von einem römischen Beamten aus der Provinzhauptstadt den Matronen gewidmet.[4] Ein anderer Text (EVSEB III IV IV [ius?]... VSI ... ... ST ...) war schwer beschädigt.

Hinweise[Bearbeiten]

Eine kleiner Teil der spätantiken Festung wurde konserviert und kann auf Anfrage in der Dover Bibliothek und im Discovery Centre (ehemaliges White Cliffs Experience) besichtigt werden. Die umfangreichsten - öffentlich zugänglichen - römischen Überreste sind die des Painted House, wo die Mauern der Mansio, des Sachsenküstenkastells und des Flottenkastells besichtigt werden können.

Literatur[Bearbeiten]

  • Brian Philp: The Excavations of the Roman Forts of the Classis Britannica, Dover 1970–1977, 1981.
  • Brian Philp: The Roman House with Bacchic Murals at Dover, Kent 1989.
  • Brian Philp: The discovery and excavation of the Roman shore-fort at Dover, Kent (= Kent monograph series. 11). Kent Archaeological Rescue Unit, Dover 2012.
  • Brian Philp/John Willson: The discovery and excavation of Anglo-Saxon Dover, Detailed report on fourteen of the major Anglo-Saxon structures and deposits discovered in the centre of ancient Dover, during large scale rescue-excavation 1970-1990 (= Kent monograph series. 9). Kent Archaeological Rescue Unit, 2003.
  • Nic Fields: Rome’s Saxon Shore Coastal Defences of Roman Britain AD 250–500 (= Fortress. 56) Osprey Books, 2006.
  • Anthony David Mills: Oxford Dictionary of English Place-Names. Oxford University Press 1998.
  • Robin George Collingwood/Richard Pearson Wright: The Roman Inscriptions of Britain. Oxford 1965.
  • David E. Johnston: The Saxon Shore. The Council for British Archaeology, London 1977 (Research Report. Nr. 18).pdf
  • Mortimer Wheeler: The Roman lighthouses at Dover. In: Archaeological Journal. Band 86, 1929, S. 29-58 (Separatdruck 1930).
  • Stephen Scoffham: The Romans in East Kent; a brief guide. North Kent Books, Rochester 1982, ISBN 0-9505733-7-X.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Die Route von Londinium nach Portus Dubris - 66000 Schritte“ und Portum Dubris, 13 Meilen entfernt von Durovernum Cantiacorum (Canterbury, Kent).
  2. Notitia Dignitatum occ. XXVIII, 14.
  3. Jona Lendering: Lugdunum (Brittenburg). In: Livius.org (englisch)
  4. AE 1977, 497: St(rator) co(n)s(ularis) / Ol(us) Cor[dius] / Candid(us) [Mat]/rib(us) Italic[is] aedem [fe]cit v(otum) s(olvens) [l(ibens) m(erito)] „der Bote des Statthalterbüros (in London), Olus Cordius Candidus, hat für die italischen Muttergöttinnen diesen Tempel erbaut, um bereitwillig und verdientermaßen sein Gelübde zu erfüllen“.