Posener Dom

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Westfassade des Posener Doms
Der klassizistische Dom (1798)
Grabdenkmal für Mieszko I. und Bolesław Chrobry
Das Innere des Doms

Der Posener Dom, die erzbischöfliche St.-Peter-und-Paul-Kathedrale (polnisch: Bazylika archikatedralna św. Piotra i św. Pawła w Poznaniu), ist die Bischofskirche des Erzbistums Posen und ein bedeutendes Baudenkmal der Stadt Posen.

Als eine der frühesten Kirchen und die älteste Kathedrale des Landes steht der Posener Dom geschichtlich für den Beginn der Christianisierung Polens. Der Überlieferung zufolge befindet sich der Dom an der Stelle, an der die Taufe des polnischen Herzogs Mieszko I. stattfand. Auf der Dominsel (Ostrów Tumski), einer Binneninsel der Warthe, lag die früheste Ansiedlung der Posener Stadtgeschichte.

Grablege der Piastendynastie[Bearbeiten]

Die Bedeutung der Kirche drückt sich darin aus, dass sie als Grablege der frühen christlichen Herrscher und Könige der Piastendynastie diente. Zu ihnen zählen neben Mieszko insbesondere der erste polnische König Bolesław Chrobry sowie sechs weitere polnische Könige und Herzöge: Mieszko II. Lambert, Kasimir I., Władysław Odon, Przemysław I., Bolesław von Großpolen und Przemysław II.

Hinzu kommen die Gräber der hier ebenfalls bestatteten Bischöfe und Erzbischöfe von Posen.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge der Kathedrale gehen in die Zeit der Gründung des ältesten polnischen Bistums im Jahre 968 zurück, als der Papst den Missionsbischof Jordanes nach Posen berief. Bei der ersten Kirche handelte es sich um eine vorromanische dreischiffige Basilika, die um 1038 im Verlauf eines Feldzugs des böhmischen Herzogs Břetislav I. zerstört wurde. In den folgenden zwei Jahrzehnten wurde eine neue romanische Basilika mit zwei Türmen errichtet.

Im 14. und 15. Jahrhundert erfolgte ein gründlicher Umbau zu einem gotischen Dom. Dem Chor und dem neuen Kirchenschiff wurden mehrere Seitenkapellen hinzugefügt. Schließlich zerstörte ein Brand im Jahr 1622 das Kirchendach und die Turmhelme. Die daraufhin notwendig gewordene umfassende Renovierung in den Jahren 1638 bis 1650 entsprach dem Barockstil. Im 18. Jahrhundert setzten dem Wahrzeichen Posens Sturmschäden zu, und ein weiterer Kirchenbrand verheerte 1772 den Innenraum der Kathedrale. Daraufhin erfolgten umfassende Umgestaltungen, die dem Gebäude ein klassizistisches Aussehen gaben. Die neue klassizistische Fassade Bonaventura Solaris mit Portikus dominierte das äußere Bild des Doms bis zum Zweiten Weltkrieg.

In den Jahren 1835 bis 1841 − Posen stand inzwischen unter preußischer Herrschaft − erfolgte der Bau der Goldenen Kapelle unter Verwendung von älteren Mauern nach einem Entwurf von Francesco Maria Lanci im byzantinischen Historismus. Die Herrscher Mieszko I. und Bolesław Chrobry wurden umgebettet. Das Mausoleum der bedeutendsten frühen Herrscher Polens schmücken seitdem Bronzestatuen des deutschen Bildhauers Christian Daniel Rauch.

In der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges, wurde der Posener Dom während der Schlacht um Posen schwer beschädigt. Der schwere Brand vom 15. Februar 1945 richtete starke Schäden an, doch letztlich blieben die um den Chor angeordneten Kapellen sowie die Schiffe der Basilika erhalten. Da das Feuer ältere mittelalterliche Schichten des Gebäudes freigelegt hatte, entschieden sich die Restauratoren für eine weitgehende Freilegung derselben und eine Rekonstruktion des Äußeren und Inneren des Domes im Stil der Backsteingotik. Die Neueröffnung erfolgte mehr als elf Jahre nach Kriegsende am 29. Juni 1956.

Das heutige Bild der Kirche[Bearbeiten]

Geosteter Grundriss des Domes
Gotischer Flügelaltar

Die Domkirche ist eine dreischiffige Basilika. An die Seitenschiffe und den Chorumgang schließen zwölf Kapellen und zwei Sakristeien an. Die Ausmaße der Kirche betragen in der Länge 81 Meter, sie ist 43,5 Meter breit. Die Kirchtürme ragen 62 Meter auf. Das gotische Fenster über dem Portal ziert eine Rosette und wurde nach teilweiser Freilegung bei den Wiederaufbauarbeiten, ebenso wie der Staffelgiebel in gotischen Formen rekonstruiert. Den Eindruck der Frontansicht prägen zudem die 1952 rekonstruierten barocken Turmhelme.

Im Presbyterium ist ein rekonstruiertes Kreuzrippen- und in den Kirchenschiffen ein Sterngewölbe vorzufinden. Im Zuge des regotisierenden Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg fanden zahlreiche historische Kunstdenkmäler aus anderen Orten Platz in der Kathedrale. So ist der neue Hauptaltar, ein spätgotisches Triptychon, das aus der Guhrauer Stadtpfarrkirche stammt, das bedeutendste Ausstattungsstück der Kathedrale. Er wurde im Jahre 1512 wohl in einer Breslauer Werkstatt geschaffen. Im mittleren Segment des Flügelaltars befinden sich drei Frauengestalten, Maria mit dem Jesuskind sowie die Heiligen Barbara und Katharina, oberhalb des Altars ein spätgotisches Kruzifix neben barocken Figuren der Gottesmutter und des heiligen Johannes. Bemerkenswert sind ferner u. a. das spätgotische Gestühl vom Anfang des 16. Jahrhunderts, das aus Görlitz (ehem. Chorgestühl der Dreifaltigkeitskirche) stammt sowie die barocke Kanzel und der barocke Taufstein aus der evangelischen Gnadenkirche in Militsch. Zur Originalausstattung der Kirche gehören dagegen fünf Epitaphe aus der Vischer-Werkstatt sowie die reichhaltig ausgestalteten Kapellen. In der Goldenen Kapelle befindet sich das bereits erwähnte Mausoleum von Mieszko I. und Bolesław Chrobry. Als weiteres Beispiel sei das Grabmal der Familie Górki in der Heilig-Kreuz-Kapelle genannt. Es wurde 1574 von Hieronim Canavesi erbaut und ist als klassisches Kunstwerk der Renaissance-Bildhauerei anzusehen.

Der Bedeutung des Posener Doms für die polnische Geschichte entsprechend wurden auch in jüngerer Zeit noch Veränderungen vorgenommen. So wurde in der Kapelle des heiligen Bischofs Stanislaus im Jahr 1995, anlässlich des 700. Jahrestages der Krönung von König Przemysl II., eine von Marian Konieczny entworfene Bronzegrabplatte hinzugefügt.

Die Relikte der vorromanischen Kirche sind in der Krypta zu besichtigen. Neben dem früheren Grabmal von Mieszko I. und Bolesław Chrobry ist ein Sandstein-Taufbecken mit fünf Metern Durchmesser erhalten. Eventuell handelt es sich um einen Überrest des zur Zeit Mieszkos – also vor dem Bau der ersten Kathedrale – errichteten Baptisteriums (es wird angenommen, dass der Fürst der Polanen 966 auf der Dominsel die Taufe empfing). In der Krypta sind weitere Mauerreste der mittelalterlichen Dombauten zu erkennen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Posener Dom – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

52.41138888888916.947777777778Koordinaten: 52° 24′ 41″ N, 16° 56′ 52″ O