Hypnose

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Dieser Artikel beschreibt das Verfahren Hypnose. Für den ebenfalls als Hypnose bezeichneten Zustand siehe Hypnotische Trance.
Hypnotiseur ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum schwedischen Kriminalfilm von 2012 siehe Der Hypnotiseur.

Als Hypnose (altgriechisch: ὕπνος hypnos ‚Schlaf‘) – medizinische Hypnose: Hypnosedierung (Hypnosedation) – werden bezeichnet:

  • das Verfahren zum Erreichen einer hypnotischen Trance (Trance ist gekennzeichnet durch vorübergehend geänderte Aufmerksamkeit im wachen Bewusstseinszustand bei meist tiefer Entspannung). Man spricht auch von hypnotischer Induktion und Hypnose im engeren Sinne.
  • der Zustand der hypnotischen Trance. Trance wird nur im Sinne des Zustands gebraucht.

Bei der Hypnose ging man ursprünglich davon aus, dass es sich um einen schlafähnlichen Zustand handelt. Als Hypnotiseur bezeichnet man dabei die hypnotisierende Person, als Hypnotisand (auch: Proband, in der Hypnotherapie Patient oder Klient) die hypnotisierte Person. Dabei kann eine Person auch beide Rollen übernehmen, wobei dies als Auto- oder Selbsthypnose bezeichnet wird; in allen anderen Fällen nennt man es Fremd- oder Heterohypnose. Eine hypnotische Trance wird mittels Hypnose induziert (Induktion), der Proband befindet sich in Hypnose oder in einer hypnotischen Trance. Zur Beendigung wird die Trance aufgelöst bzw. exduziert (Exduktion), der Hypnotisand wacht auf. Wird der Proband (zum Beispiel zwecks Vertiefung der Trance) aus der Trance geholt und kurz darauf wieder zurück in Trance versetzt, so spricht man von Fraktionierung. Im Rahmen der Hypnose werden dem Probanden ggf. verbale Anweisungen, sog. Suggestionen, gegeben, die direkt auf das Unbewusste wirken sollen.

Suggestionen, die auch nach Auflösung der Hypnose noch wirksam sein sollen, werden als posthypnotische Suggestionen bezeichnet. Unter posthypnotischer Suggestion treten messbare Veränderungen der Informationsverarbeitung im Gehirn auf. In neuropsychologischen Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren konnte gezeigt werden, dass dabei die Aktivität bestimmter Gehirnareale selektiv reduziert ist.[1]

Geschichte der Hypnose[Bearbeiten]

Die moderne Wissenschaft nahm die Hypnose um 1770 als Phänomen wahr. Franz Anton Mesmer experimentierte mit Magneten, die er Patienten auflegte. Er nannte den Effekt 'Magnetismus animalis', schrieb jedoch die Heilkräfte den Magneten zu. Aufgrund von Mesmers Popularität nannte man den Vorgang des Hypnotisierens lange Zeit auch „Mesmerisieren“; ein Ausdruck, der im zeitgenössischen Englisch noch existiert (to mesmerize ‚hypnotisieren‘). Alfred Russel Wallace meinte mit Hilfe des Mesmerisierens die Gallsche Schädelkarte nachweisen zu können.[2] Friedrich Engels kritisierte in einem zu Lebzeiten unveröffentlichten Text den Mesmerismus und Wallace Theorien als Irrglauben und Selbsttäuschung. Nach eigener Darstellung habe Engels einen zwölfjährigen Jungen ohne Magnete durch „gelindes Anstieren oder Bestreichen“ in einen hypnotischen Zustand versetzt, um dann den Jungen die Wirkung selbsterfundener gallscher Schädelbereiche nacherleben zu lassen. Er kommt zum Schluss, dass sich immer erst Effekte einstellten, wenn dem „Patienten zu verstehn gegeben [wurde], was von ihm erwartet wurde.“[2] Der Glaube des Hypnotiseurs an die Schädelkarte ließ unbewusst die gewünschten Effekte beim Hypnotisierten eintreten, wie auch den Magneten Wirkkräfte zugeschrieben wurden, welche durch andere Ursachen entstanden.

In Großbritannien standen relativ viele Menschen dem Prozess des „Mesmerisierens“ recht kritisch gegenüber. Trotzdem besuchte der englische Augenarzt James Braid einen Auftritt des Magnetiseurs LaFontaine und stellte fest, dass das Flattern der Augenlider nicht gespielt werden konnte. Da nun seine Neugierde geweckt wurde, begann er eigenhändig zu experimentieren, indem er Versuchspersonen bat, glänzende Gegenstände zu fixieren um sie somit in einen Zustand der Trance zu geleiten. Im Laufe der Zeit verwarf er die Ideen des Magnetischen Animalismus und stellte stattdessen die Theorie von hirnphysiologischen Veränderungen, die während einer Trance stattfinden sollten, auf. Braid führte zahlreiche Augenoperationen unter Hypnose durch und eröffnete so die Debatte um weitere Anwendungs- und Behandlungsmöglichkeiten.

Im 19. Jahrhundert war Frankreich mit den Schulen in Nancy (Ambroise-Auguste Liébeault, Hippolyte Bernheim) und Paris (Jean-Martin Charcot) führend in der Erforschung der Hypnose. Sigmund Freud wurde 1885 bei Jean-Martin Charcot in Paris auf die Experimente von Mesmer aufmerksam und versuchte selbst diese Methode, um Patienten zu behandeln. Dies wurde zum Ausgangspunkt seiner Studien über Hysterie. Später ließ er diese Methode jedoch wieder fallen und widmete sich seiner Technik der freien Assoziation.

Wesentlich weiterentwickelt wurde die Hypnose im 20. Jahrhundert im deutschen Sprachgebiet zunächst durch Oskar Vogt (1870-1959), dann durch dessen Schüler Johannes Heinrich Schultz (1884-1970), der daraus das autogene Training entwickelte, und später durch Klaus Thomas. Im amerikanischen Sprachgebiet wurde die Hypnose wesentlich weiterentwickelt durch Milton H. Erickson (indirekte Hypnose), Kroger und Dave Elman (autoritäre Hypnose). In England gilt John Hartland als einer der bekanntesten Hypnotiseure. Sein Buch Dictionary of Medical and Dental Hypnosis zählt auch heute noch zum offiziellen Ausbildungslehrwerk für britische Hypnoseärzte.

Milton H. Erickson begründete eine neue Form der Hypnotherapie, die heute als die modernste Form der Hypnose gilt und aus der sich weitere psychologische Methoden wie z. B. das NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren) entwickelten.

Einleitung der hypnotischen Trance – Tranceinduktion[Bearbeiten]

Die Tranceinduktion ist die Einleitung einer hypnotischen Trance (Form der Tiefenentspannung bei wachem Bewusstseinszustand). Dabei wird eine Konstellation unterstellt, bei der eine Person versucht, bei einer anderen Trance-Phänomene hervorzurufen. Abhängig von der Vorgehensweise wird in direkte und indirekte Methoden unterschieden.

Den Hypnosetechniken ist gemeinsam, dass sie das Bewusstsein mit wenig aufmerksamkeitsfordernden Tätigkeiten beschäftigen, so dessen Kritik gezielt umgehen und schrittweise ausschalten. Auf diese Weise verliert das Bewusstsein seine beherrschende Stellung, die Kritikfähigkeit wird eingeschränkt und das Unbewusste wird direkt ansprechbar. Welche Suggestionen oder Methoden am besten geeignet sind, ist vom Probanden und von den näheren Umständen abhängig.

Förderlich bis notwendig sind für die Induktion Sicherheit und Geborgenheit, beides kann auch suggeriert werden, Musik kann ebenfalls helfen. Die Suggestionen werden meist wiederholt oder enthalten selbst Wiederholungen, auch Monotonie wirkt hypnotisierend. Die Körperhaltung ist eigentlich egal, jedoch sollte sich der Proband entspannen können.

Üblicherweise wird Entspannung suggeriert oder direkt durch progressive Muskelentspannung herbeigeführt. Eine andere Herangehensweise ist das Angleichen von normalerweise unbewusst ablaufenden Prozessen (z. B. Atmung oder Lidschlag) an die Suggestionen (Pacing and Leading). Mithilfe passender Suggestionen kann sogar die Hypnose selbst eingeredet werden. Dabei werden gern Stufen von einer bestimmten Anzahl langsam abwärts gezählt; mit jeder Stufe entspannt man sich dabei mehr und mehr, bis mit der letzten Stufe die Hypnose induziert sein kann. Auch Kombinationen verschiedener Techniken sind denkbar.

Die Trance kann nach Belieben vertieft werden, wenn der Proband keine unbewussten Widerstände gegen eine Vertiefung der Trance leistet. Meistens analog dazu nimmt die Kritikfähigkeit des Bewusstseins ab.

Eine hypnotische Trance kann verschiedenartig induziert werden. Grundlegend wird zwischen

  • direkten (autoritären, paternalen) und
  • indirekten (permissiven, maternalen) Verfahren unterschieden.

Während die direkte Variante meist mit befehlsähnlichen Suggestionen arbeitet, haben die Sprachmuster der indirekten eher erlaubenden oder gewährenden Charakter.

Direkte Methoden[Bearbeiten]

Direkte Methoden basieren im Kern auf Aufmerksamkeitsabsorption bzw. Fokussierung der Aufmerksamkeit auf eine Sache. Hierzu können (nahezu) alle Sinne eingesetzt werden.

Bekannt ist die Augenfixation, bei der das „Anstarren“ eines Objekts die Augenmuskeln ermüdet und die Neigung, in Trance zu gehen, verstärkt. Durch den Einsatz von Karten mit Komplementärfarben, die betrachtet werden, wird die Augenfixation verstärkt. Mit akustischer Unterstützung arbeitet die Augen-Zähl-Methode. Der Hypnotiseur zählt von hundert rückwärts und fordert den Probanden auf, bei geraden Zahlen die Augen zu schließen und bei ungeraden zu öffnen.

Weiterhin können sprachliche Formen (Anweisungen) und akustische Elemente eingesetzt werden. Letzteres sind überwiegend gleichförmige und beruhigende Klänge oder auch Musikstücke. Anweisungen stellen in der Regel die zentrale Form der Tranceinduktion dar. Im Gegensatz zur indirekten Induktion haben die sprachlichen Formen bei der direkten Methode direktiven (bestimmenden) Charakter.

Neben visuellen und akustischen Methoden werden auch haptische (Berührungen), olfaktorische (Düfte), chemische (Medikamente) und motorische Methoden eingesetzt.

Wichtig ist neben dem Einverständnis des Probanden über den Einsatz einer direkten Induktionsmethode auch die positive Einstellung und Erwartung gegenüber der gewählten Methode. Auch das entstehende autoritäre Beziehungsmuster muss der Proband wünschen oder zumindest akzeptieren. In diesem Beziehungsmuster hat der Hypnotiseur die vorgebende und dominierende Rolle, während der Proband eine passive, sich unterordnende Rolle innehat.

Die beschriebenen Methoden bedürfen der Anwesenheit einer anderen Person (z. B. Hypnotiseur). Im Alltag kann jedoch eine Induktion und damit eine Trance auch durch Umweltphänomene auftreten. Daher lässt sich Hypnose auch als eine Fähigkeit bzw. eine Verhaltensweise begreifen, welche unter begünstigenden Umständen – wie z.B. monotone Reize und Rhythmen – unwillkürlich oder beabsichtigt an den Tag gelegt werden kann.[3]

Blitzinduktion[Bearbeiten]

Eine besondere Rolle spielen die Blitzinduktionen, die eine Trance oftmals innerhalb weniger Sekunden induzieren können, aber eine hohe Erwartungshaltung und ein Überraschungsmoment benötigen. Beide Komponenten erlauben es dem Hypnotisanden, sehr schnell in eine Trance zu gelangen. Die Blitzinduktion wird überwiegend im Showbereich und nur selten im therapeutischen Kontext genutzt, wobei spontane Einschlaf-Erlebnisse, wie sie - ob subjektiv als real empfunden oder nicht - in sogenannten Show-Hypnosen präsentiert werden, nichts mit der therapeutischen Hypnose zu tun haben, denn bei letzterer handelt es sich um eine wissenschaftliche Technik zur Tiefenentspannung bei ständigem Wachbewusstsein.

Auflösung der hypnotischen Trance[Bearbeiten]

Jede hypnotische Trance bzw. Tiefenentspannung bedarf der Auflösung. Dazu wird mit Hilfe von Suggestionen der Zustand vor der Tiefenentspannung wiederhergestellt. Sonstige gegebene Suggestionen müssen durch entsprechende Gegensuggestionen aufgehoben werden. Die Auflösung geht normalerweise schneller vonstatten als die Einleitung, sollte jedoch niemals überstürzt vorgenommen oder gar vernachlässigt werden. Wenn dem Organismus nicht genügend Zeit für die Umstellung gegeben wird, um etwa die Tätigkeit des Herz-Kreislauf-Systems wieder auf Normalwerte zu regulieren, kann es beispielsweise zu Kopfschmerzen kommen. Wenn eine Amnesie suggeriert wurde und man sich dabei in sehr tiefer Trance befand, kann man sich trotz des wachen Bewusstseinszustandes während der Hypnose unter Umständen nicht an alle Details der Sitzung erinnern. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden, um den Klienten aus der therapeutischen Trance zurückzuholen. Die mit bekannteste ist das Aufwärtszählen (z.B. von der Zahl 1 bis zur Zahl 5), wobei jede Zahl mit einer Suggestion verbunden wird, die dem Stabilisieren der Körperfunktionen auf normale Zustandswerte dient.

Wenn doch einmal die Trance nicht ordnungsgemäß aufgelöst worden ist, sollte sie nochmals kurz eingeleitet und danach komplett aufgelöst werden können.

Spontane Auflösung[Bearbeiten]

Wenn von außen Reize auf den Hypnotisanden einwirken, die einen Schreck oder auch Schock bei ihm auslösen (z. B. Feueralarm), holt sich dieser von selbst aus der Trance heraus. Bei einer unbeabsichtigten bzw. ungewollten Auflösung kann eine Nachbearbeitung durch den Hypnotiseur indiziert sein, um möglichen leichteren Beschwerden wie zum Beispiel Kopfschmerzen vorzubeugen. Nach einem unangekündigten längeren Zeitraum ohne Suggestionen wird die Trance automatisch in einen bestimmten Tiefenentspannungszustand übergehen; aus diesem holt sich der Hypnotisand auch ganz normal heraus, wodurch allerdings die Suggestionen nicht alle automatisch auch aufgehoben werden. Es kann also unter Umständen notwendig sein, die Hypnose neu einzuleiten und diverse Suggestionen wieder zurückzunehmen.

Anwendungsgebiet Gesundheit[Bearbeiten]

Hypnotherapie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Hypnotherapie

Hypnose findet in der Hypnotherapie, auch Hypnosepsychotherapie genannt, Anwendung. Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich gut belegt. Insbesondere wurden mit den Methoden der Kernspinresonanztomographie (MRT) und der Elektroenzephalographie (EEG) hirnphysiologische Korrelate von Trance-Zuständen klar nachgewiesen. Bereits wenige Sitzungen können eine deutliche Veränderung bewirken; entsprechend vielseitig werden die Hypnose und ihre Techniken in der (Psycho–)Therapie verwendet.

Man kann sie beispielsweise zur Behandlung von Depressionen, Suchtkrankheiten, Sprechstörungen, zur Steigerung des Selbstwertgefühls, zum Stressabbau oder bei Schlafstörungen einsetzen. Auch bei der Behandlung von chronischen Schmerzen in Verbindung mit einem verhaltenstherapeutischen Kurzprogramm[4] konnte Reduzierung der Schmerzstärke nachgewiesen werden.

Der Einsatz der Hypnose in der Medizin und in der Psychotherapie ist gesetzlich geregelt. Sie gehört zu den von den deutschen Krankenkassen anerkannten Leistungen und wird als Ergänzung zu vielen herkömmlichen Methoden eingesetzt. In Österreich ist Hypnotherapie – unter dem Namen „Hypnosepsychotherapie“[5] – eine eigenständige anerkannte Psychotherapierichtung auf tiefenpsychologischer Basis, insbesondere wie in Deutschland und vielen in anderen Ländern, unter Einbeziehung der Technik und des Menschenbildes von Milton H. Erickson.

Selbsthypnose[Bearbeiten]

Wird die Trance ohne Fremdhilfe induziert, wird von Selbsthypnose (auch Autohypnose) gesprochen. Selbsthypnose ist grundsätzlich nicht schwieriger, als von einem Gegenüber hypnotisiert zu werden. Während die heterogene Hypnose (durch einen Hypnotiseur induzierte Trance) keine Erfahrung des Hypnotisanden voraussetzt, ist bei der Selbsthypnose ein tieferer und stabiler Trancezustand oft nur nach einiger Übung zu erreichen.[6] Eine bekannte Selbsthypnose-Methode stellt das Autogene Training dar. Einige Techniken der Selbsthypnose weisen Ähnlichkeiten mit der Meditation auf. Wissenschaftliche Studien begründen die Annahme, dass jede heterogene Hypnose als Selbsthypnose unter Anleitung verstanden werden kann.

Leerhypnose[Bearbeiten]

Bei einer Leerhypnose werden nach der Einleitung keine Suggestionen mehr gegeben, bis die Trance aufgelöst wird. Es wird lediglich der entspannende Zustand genossen. Eine Leerhypnose ist bei Fremd- wie bei Selbsthypnose gleichermaßen möglich.

Hypnose in der Medizin[Bearbeiten]

Es gibt Hinweise, dass der Einsatz von Hypnose als alleiniges schmerztherapeutisches Verfahren oder in Kombination mit Anästhesieverfahren (Hypnoanästhesie) positive Effekte auf das Ergebnis von Operationen hat. Die bisher verfügbaren Daten beruhen jedoch auf sehr unterschiedlichen Studien mit kleinen Fallzahlen, so dass eine abschließende Bewertung nicht möglich ist.[7][8]Dieselbe Situation findet sich bei der Anwendung in der Geburtshilfe, um Anspannung und Schmerz zu lindern.[9][10] Eine Metaanalyse von 34 Studien mit insgesamt 2597 Patienten hat jetzt jedoch ergeben, dass Hypnose Schmerzen lindern, psychische Belastung vermindern und die Genesung nach Operationen fördern kann[11].

In der Zahnmedizin wird die Hypnose ebenfalls zur Unterstützung der Anästhesie eingesetzt.[12] Außerdem kann sie bei der Überwindung einer Zahnbehandlungsphobie helfen.[13]

Hypnoanalyse[Bearbeiten]

Andere Bezeichnungen für die Hypnoanalyse sind analytische Hypnose, psychodynamische Hypnotherapie oder hypnodynamisch orientierte Psychotherapie. Allen gemeinsam ist, dass Hypnose im Kontext einer tiefenpsychologischen Arbeit zum Einsatz kommt. Sie unterstützt die klassische Psychoanalyse durch die Verwendung von Trancephänomenen. So kann in Trance die Aufmerksamkeit stärker auf den Gegenstand fokussiert, der Inhalt einer Hypnose (wie eine Altersregression) zum Gegenstand der Analyse gemacht oder aber die Arbeit am Widerstand gegen die Erkenntnis deutlich reduziert werden. Im Rahmen einer Hypnoanalyse können unbewusste emotionale Konflikte aufgedeckt werden, in diesem Zusammenhang spricht man auch von einer "aufdeckenden Hypnose". Auch bereits bewusste emotionale Konflikte können in der Trance bearbeitet werden, dabei kommt es häufig zu Abreaktionen von aufgestauten negativen Gefühlen, die im Rahmen von früher durchlaufenen Abspaltungsprozessen verdrängt vorliegen und im Wachzustand nicht zugänglich sind.

Hypnodrama[Bearbeiten]

Im Jahre 1950 veröffentlichte Jacob Levy Moreno gemeinsam mit James M. Enneis erstmals die Verbindung von Hypnose und Psychodrama in seinem Psychodrama-Sanatorium Beacon bei New York. Patienten nahmen in hypnotischer Trance an einer psychodramatischen Behandlung teil oder erlebten durch posthypnotische Aufträge eine intensive Katharsis. Ab 1976 hat Hans-Werner Gessmann in Deutschland im Psychotherapeutischen Institut Bergerhausen diese Konzepte erstmals aufgegriffen und gemeinsam mit Helen Singer Kaplan entsprechend einem humanistischen Konzept modifiziert für die Behandlung von sexuellen Problemen genutzt.[14]

Sonstige Anwendungsgebiete[Bearbeiten]

  • Nikotinabhängigkeit: Im Jahr 2009 haben laut einer Studie der Europäischen Kommission 2 Prozent der Befragten Hypnose oder Akupunktur genutzt, um mit dem Rauchen aufzuhören. Die Wirksamkeit der Hypnotherapie wurde in einer Studie nachgewiesen.[15]
  • Prüfungsangst: Die Wirksamkeit der Hypnotherapie wurde in einer Studie nachgewiesen.[15]
  • Flugangst: Die Wirksamkeit der Hypnotherapie wurde in einer Studie nachgewiesen.[15]
  • Schlafstörungen: Die Wirksamkeit der Hypnotherapie wurde in einer Studie nachgewiesen.[15]
  • Neurodermitis: Die Wirksamkeit der Hypnotherapie wurde in einer Studie nachgewiesen.[15]
  • Aufklärung von Verbrechen[16][17] und Erinnerung an Vergessenes[18][19]. Siehe auch Hypnotische Regression.
  • Show-Hypnose: In Bühnenshows wird Hypnose verwendet, wobei unklar ist, welche Wirkungen echt sind. Der Hypnotiseur Manfred Knoke erhielt einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde, indem er im Jahr 1987 in sechs Tagen 1811 Bochumer hypnotisierte.[20]. Siehe auch Kataleptische Brücke und Blitzinduktion.
  • Tier-Hypnose: In Bühnenshows wurde auch die Schreckstarre bei Tieren ausgenutzt, um sie hypnotisiert scheinen zu lassen.
  • Hypnotische Regression: Angebliche Reise in persönliche Seelen-Vergangenheiten, Rückkehr in vergangene Leben (Past Life Regression) und Zwischenleben (Life between Lives).

Hypnose-Fachgesellschaften[Bearbeiten]

Es gibt verschiedene Fachgesellschaften für Hypnotiseure. Die meisten davon nehmen nur Mitglieder auf, die aktive Hypnotiseure bzw. Hypnotherapeuten sind. 1955 gründete Johannes Heinrich Schultz die Deutsche Gesellschaft für ärztliche Hypnose und autogenes Training (DGÄHAT), wobei der Fokus allerdings auf Letzterem lag. 1978 kam es zur Gründung der Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose (M.E.G.)[21], 1982 zur Gründung der deutschen Gesellschaft für Hypnose (DGH), 1995 dann zur Gründung der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Hypnose (DGZH) und 2007 zur Gründung der Deutschen Gesellschaft für Autosystemhypnose e.V. [22]. In Österreich existiert die ÖGATAP Österreichische Gesellschaft für angewandte Tiefenpsychologie und allgemeine Psychotherapie mit dem Fachspezifikum Hypnosepsychotherapie.

Manche Gesellschaften haben bestimmte Aufnahmebedingungen für Mitglieder (wie zum Beispiel die ärztliche oder zahnärztliche Approbation). Die meisten Gesellschaften bieten die Möglichkeit einer Beratung für potenzielle Patienten oder Klienten und sind international vernetzt.

Die Hypnose unter den Augen der Wissenschaften[Bearbeiten]

Vorstudien zu Wirkungen der Hypnose auf die Tiefschlafphase

Forscher von der Universität Zürich haben unter der Regie von Björn Rasch eine Voruntersuchung über Wirkungen der Hypnose auf die Tiefschlafphase von 70 jungen, gesunden Probandinnen durchgeführt, die jedoch leicht für hypnotische Suggestion zugänglich waren (und im Vorfeld auf ihre Hypnotisierbarkeit hin getestet wurden). Laut Rasch sind 50% aller Menschen hoch suggestibel. Die Tiefschlafphase wird im Zusammenhang von positiven Wirkungen auf das Immunsystem, den Stoffwechsel und das Gedächtnis diskutiert. Das Gedächtnis nimmt im Alter ab, während die Tiefschlafphase abnimmt (wobei aber nicht gesichert ist, ob hier ein Kausalverhältnis oder nur eine Korrelation besteht). Der Hälfte der Probandinnen wurde dabei entweder eine Hypnose vorgespielt und der anderen Hälfte, als Placebo, eine Dokumentation über Rohstoffvorkommen. Der durchschnittliche Tiefschlaf der Frauen bei einer Schlafdauer von 90 Minuten betrug 23 Minuten bei denen, welchen die Hypnose abgespielt wurde und 14 Minuten bei denen, welchen das Rohstoffband abgespielt wurde. Eine weitere Vorstudie zeigte jedoch keine Effekte auf den Tiefschlaf von Frauen, die nicht hoch suggestibel sind: Diese wiesen sogar eine kürzere Tiefschlafphase auf, als die Placebogruppe mit dem Rohstoffband. (Diese Feststellung der zweiten Vorstudie befinde sich laut Rasch dann auch im Einklang mit anderen Hypnostudien). Entscheidend sei auch bei hoch suggestiven Menschen die Art der Hypnose. Kritisch anzumerken ist, dass die Teilnehmerzahl dieser Pilotstudie sehr gering ist und das Feld der Probandinnen schon im Vorfeld eingegrenzt wurde. Ob die Hypnose Nebenwirkungen aufweise, ist unklar.[23][24][25]

Literatur[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

Einträge in Nachschlagewerken zum Stichwort „Hypnose“[Bearbeiten]

Zeitschriften[Bearbeiten]

  • The American journal of clinical hypnosis, seit 1958.
  • Experimentelle und Klinische Hypnose (ExKli). Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Hypnose (DGH) (1983–2002).
  • Hypnose und Kognition (HyKog). Zeitschrift der Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose (M.E.G.) (1984–2004).
  • Hypnose. Zeitschrift für Hypnose und Hypnotherapie (seit 2005), ISSN 1862-4731.
  • Deutsche Zeitschrift für zahnärztliche Hypnose (DZzH). Mitteilungsblatt der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose e.V.

Siehe auch[Bearbeiten]

Personen

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hypnose – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Hypnose – Zitate
 Wiktionary: Hypnose – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. Raz, J. Fan, M. I. Posner: Hypnotic suggestion reduces conflict in the human brain. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 102, 2005, S. 9978–9983, doi:10.1073/pnas.0503064102, PMC 1174993 (freier Volltext).
  2. a b Friedrich Engels: Dialektik der Natur, Die Naturforschung in der Geisterwelt. MEW 20, S. 337-347.
  3. [1]
  4. Jacobs, S., Strack, M. Bode, G., Kröner-Herwig, B. (2001): Hypnotherapeutische Interventionen im Rahmen eines verhaltenstherapeutischen Kurzprogramms zur Behandlung chronischer Schmerzen. In: Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin. 22.Jg(3),199-217.
  5. [2] ÖGATAP Österreichische Gesellschaft für angewandte Tiefenpsychologie und allgemeine Psychotherapie
  6. Ruch, J.C. "Self-hypnosis: The result of heterohypnosis or vice versa?" International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 23, 4, 1975: 228-304, doi:10.1080/00207147508415952
  7. Montgomery GH, David D, Winkel G, Silverstein JH, Bovbjerg DH: The effectiveness of adjunctive hypnosis with surgical patients: a meta-analysis. Anesth Analg. 2002 Jun;94(6):1639-45. PMID 12032044
  8. Wobst AH: Hypnosis and surgery: past, present, and future. Anesth Analg. 2007 May;104(5):1199-208. Review. PMID 17456675
  9. Smith CA, Collins CT, Cyna AM, Crowther CA: Complementary and alternative therapies for pain management in labour. Cochrane Database Syst Rev. 2006 Oct 18;(4):CD003521. Review. PMID 17054175
  10. spiegel.de: HYPNOSE IN DER MEDIZIN
  11. S. .. Tefikow, J. .. Barth, S. .. Maichrowitz, A. .. Beelmann, B. .. Strauss, J. .. Rosendahl: Efficacy of hypnosis in adults undergoing surgery or medical procedures: A meta-analysis of randomized controlled trials. In: Clinical Psychology Review. 33, 2013, S. 623–636, doi:10.1016/j.cpr.2013.03.005.
  12.  22. Oktober 2007 Betr.: Hypnose. In: Der Spiegel. Nr. 43, 2007 (online).
  13. Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose
  14. J. L. Moreno, James M. Enneis: Introduction into Hypnodrama. In: Hypnodrama. Beacon House Publisher, Psychodrama Monographs No. 27, 1950, S. 6ff.
  15. a b c d e uni-tuebingen.de Prof. Dr. Dirk Revenstorf, Universität Tübingen, Arbeitsgruppe Psychotherapieforschung, Hypnose und Hypnotherapie. In: Universität Tübingen. Abgerufen am 2. Oktober 2013.
  16.  Gedächtnis verschmutzt. In: Der Spiegel. Nr. 24, 1977 (online).
  17.  Tiefe Schichten. In: Der Spiegel. Nr. 14, 1975 (online).
  18.  Zurück nach Stalingrad. In: Der Spiegel. Nr. 5, 1958 (online).
  19.  Der Gesundheitsdienst bezahlt. In: Der Spiegel. Nr. 25, 1955 (online).
  20.  Fauler Hypnose-Zauber. In: Der Spiegel. Nr. 28, 1995 (online).
  21. Milton Erickson Gesellschaft
  22. [3]
  23. http://www.nzz.ch/wissenschaft/uebersicht/ein-fisch-der-immer-tiefer-schwimmt-1.18310599 Besser schlafen mit Hypnose, NZZ vom 29. Mai 2014
  24. http://www.srf.ch/gesundheit/lifestyle/besser-schlafen-dank-hypnose Besser schlafen dank Hypnose, SRF vom 3. Juni 2014
  25. http://www.journalsleep.org/ViewAbstract.aspx?pid=29502 Studie von Maren J. Cordi, Dipl Psych; Angelika A. Schlarb, PhD; Björn Rasch, PhD
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