Postillon

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Gespannführer eines Pferdefuhrwerkes; für den gleichnamigen Schmetterling siehe Postillon (Schmetterling), für die Satire-Webseite siehe Der Postillon.
Postillone in Uniformen der mecklenburgischen, preußischen, sächsischen und kaiserlichen deutschen Reichspost beim 3. (südost)deutschen Postkutschentreffen 2008 in Grillenburg

Der Postillon (franz., im Deutschen auch Postillion) war der Gespannführer eines Pferdefuhrwerks, das mit Postkutsche im Postbetrieb zur Brief- und Personenbeförderung eingesetzt wurde.

Name[Bearbeiten]

Bis zum 17. Jahrhundert verwendete man im Deutschen die Ausdrücke „Postknecht“ oder „Postreiter“ für einzeln reitende Personen, die lediglich die Aufgabe der Briefbeförderung hatten. Bereits nach dem Dreißigjährigen Krieg setzte sich für sie die Bezeichnung Postillon durch, wie beispielsweise aus den Trierer Stadtrentmeisterrechnungen hervorgeht.

Die Bezeichnung Schwager, die aus dem Lied Hoch auf dem gelben Wagen aus der Phrase „… sitz ich beim Schwager vorn“ für einen Postillon bekannt ist, stammt aus der Schweizer Stadt Chur, die früher ein Hauptknotenpunkt der Alpenstraße war. Der italienische Postillon, der auf dem Sattelpferd ritt, wurde chevalier genannt; daraus wurde im Schweizerdeutschen Schewalger und später im Deutschen Schwager.[1]

Kleidung und Ausrüstung[Bearbeiten]

Der Postillon trug uniformierte Kleidung und führte ein Posthorn bzw. zeitweise im 19. Jahrhundert eine Posttrompete mit. Damit war ersichtlich und gegebenenfalls auch hörbar, dass er zur Annahme von Postsendungen berechtigt war und dass ihm Vorrang beim Benutzen der Verkehrswege, Fähren und Brücken zustand. Die Einstellung und Bezahlung der Postillone erfolgte durch die Posthalter; allerdings hatten die Postverwaltungen ein Vetorecht, zumal sie auch die Uniform stellten.

Literatur und Musik[Bearbeiten]

Von der Eigenschaft des Postillons als Botschaftsüberbringer ist die Bezeichnung postillon d’amour (Liebesbote) abgeleitet; man meint damit einen Beförderer von mündlichen oder schriftlichen Nachrichten zwischen Verliebten.

Literarische und musikalische Denkmäler sind u. a. das Gedicht Lieblich war die Maiennacht von Nikolaus Lenau, die Oper Der Postillon von Lonjumeau von Adolphe Adam und die Posthorn-Serenade von Wolfgang Amadeus Mozart.

Historische Uniformen auf Briefmarken[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Postillions – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Postillon – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Handwörterbuch des Postwesens, 1. Nachtrag zur 2. Auflage; Bundesdruckerei 1956, S. 165