Poststadion

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Poststadion
Poststadion
Außenfassade der Haupttribüne nach der Renovierung
Daten
Ort DeutschlandDeutschland Berlin, Deutschland
Koordinaten 52° 31′ 48″ N, 13° 21′ 34″ O52.5313.359444444444Koordinaten: 52° 31′ 48″ N, 13° 21′ 34″ O
Eigentümer Land Berlin
Eröffnung 28. Mai 1929
Oberfläche Naturrasen
Architekt Georg Demmler
Kapazität 10.000
Verein(e)

Berliner AK 07 (u. a.)

Veranstaltungen
  • Finale um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1934 und 1936
  • Spiele des Olympischen Fußballturniers 1936

Das Poststadion ist ein Sportstadion in der Lehrter Straße 59 im Berliner Ortsteil Moabit und seit dem 30. April 1990 als Baudenkmal ausgezeichnet. Es grenzt an den Fritz-Schloß-Park.

Bauliche Anlage[Bearbeiten]

An der Gegengeraden wurden Schalensitze montiert

Das Stadion entstand für den Post SV Berlin im Auftrag der Reichspostverwaltung auf dem Gelände des ehemaligen Exerzierplatzes der Garde-Ulanen unweit des Lehrter Bahnhofs.

Die Anlage wurde nach den Plänen des Architekten Georg Demmler zwischen 1926 und 1929 geschaffen. Das große Wettkampfstadion mit Tribünengebäude für ursprünglich 35.000 Zuschauer war von zehn Tennisplätzen, einem Tennisstadion, vier Fußballplätzen, einer Schwimm- und Ruderhalle und einem Sommerbad umgeben. Die Einweihung der Hauptanlage fand am 28. und 29. Mai 1929 statt.

Teile des Stadions wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und bereits 1945 weitgehend wieder aufgebaut, sodass der Spielbetrieb im Sommer 1945 wieder aufgenommen und das Freibad am 19. August 1945 wiedereröffnet werden konnte. Das in moderner Bauweise wiederaufgebaute Hallenbad wurde 1984 geschlossen und danach zu einer Turnhalle umgebaut.

Die Sportanlage wird heute vom Bezirksamt Mitte verwaltet und besteht im Wesentlichen aus einem Großfeld mit Naturrasen, fünf Großfeldern mit Kunstrasen, einem Kleinspielfeld mit Kunstrasen, zwei Leichtathletikanlagen, einer Sporthalle, einer Rudersimultananlage und einer Rollschuhbahn. Im Jahr 2003 wurde begonnen, das Stadion mit der Hilfe von arbeitslosen Jugendlichen zu sanieren.

Seit 2005 verfügt das Stadion über eine Kunststofflaufbahn. Im Juli 2007 wurde die erste Phase der Umbauarbeiten abgeschlossen. Die Haupttribüne ist noch nicht wieder nutzbar, an der Gegengeraden wurden 2.200 neue Sitzschalen angebracht. Langfristig soll das Stadion die Kriterien für die Regionalliga erfüllen und eine Kapazität von 10.000 Plätzen aufweisen, 2008 sollten die Kurvenbereiche saniert werden.

Seit dem Sommer 2010 wurde auch die Rollschuhbahn saniert und ausgebaut. Die Anlage bekam ein Dach sowie einen Erneuerung einiger Sitz- und Stehflächen. Hintergrund war die intensivere und professionelle Nutzung durch das Inline-Skaterhockey. Eine Erneuerung der vorhandenen Bande ist bisher nur geplant.

Herausragende Ereignisse[Bearbeiten]

Im Poststadion fanden besonders in den 1920er und 1930er Jahren viele Fußballspiele von überregionaler Bedeutung statt. 1934 trugen im Poststadion der FC Schalke 04 und der 1. FC Nürnberg vor 45.000 Zuschauern das deutsche Fußball-Endspiel aus und 1936 wurde der 1. FC Nürnberg Deutscher Meister im Finale gegen Fortuna Düsseldorf. Berliner Vereine trugen ihre Spiele der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft aus, so Union Oberschöneweide, Hertha BSC, der Berliner SV 92, Blau-Weiß 90 und der BSC Kickers 1900.

Das Poststadion löste damit das Grunewaldstadion ab, wo die Endspiele 1922, 1923, 1924 und 1927 ausgetragen worden waren. Nach dem Bau des Olympiastadions an der Stelle des Grunewaldstadions für die Olympischen Spiele 1936 verlor das Poststadion seine Rolle als wichtigste Berliner Sportstätte. Alle Endspiele von 1937 bis 1944 sowie sechs Finals in den 1950er und 1960er Jahren fanden im Olympiastadion statt. Einen Tag vor dem Finale 1943 im Olympiastadion wurde das Spiel um Platz drei im Poststadion ausgetragen.

Die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft trug mehrere Spiele im Poststadion aus. Unter anderem spielte sie hier 1930 vor 50.000 Zuschauern 3:3 gegen England, wobei Richard Hofmann drei Tore schoss. Bei den Olympischen Spielen 1936 fanden hier die Vorrundenspiele der Fußballer statt. Beim Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Norwegen am 7. August 1936 wurde mit 55.000 Besuchern ein Zuschauerrekord in dem nunmehr erweiterten Stadion aufgestellt. Die deutsche Mannschaft verlor dabei unter den Augen der gesamten Führung des Dritten Reichs mit 0:2 und beraubte sich selbst aller Medaillenchancen. Dies war das letzte Länderspiel unter der Leitung des Reichstrainers Otto Nerz, dessen Nachfolger Sepp Herberger wurde. Das letzte Länderspiel in Berlin vor der Eröffnung des Olympiastadions gewann Deutschland 1933 vor 32.000 Zuschauern im Poststadion gegen Polen mit 1:0.

Als Hertha BSC in den 1980er Jahren in die drittklassige Oberliga abstieg, trug der Verein seine Spiele im Poststadion aus. Auch für einige Heimspiele der Zweitligasaison 1988/1989 wich Hertha BSC aufgrund des mangelnden Zuschauerinteresses auf das Poststadion aus.

Am 7. Juli 1935 wurde das Stadion zur Boxarena, als Max Schmeling gegen Paulino Uzcudun kämpfte.

Derzeitige Nutzung[Bearbeiten]

Fußball[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden bis in die 1970er Jahre hauptsächlich Fußballspiele im Poststadion statt, das unter anderem Tennis Borussia Berlin als Heimstätte sowie als Trainings- und Spielstätte für über 200 weitere Vereine sowie für den Schulsport diente. Die Schwimmhalle, 1984 eröffnet, wird von den Berliner Bäder-Betrieben verwaltet. Auf dem Gelände des ehemaligen Freibades, das 2002 stillgelegt wurde, befand sich von Mai 2006 bis Anfang 2013 der Campingplatz „Tentstation“. Im Juni 2014 öffnete dort ein Wellness-Resort. Die acht Tennisplätze sind an einen Tennisverein verpachtet. Seit 1990 werden keine größeren Sportveranstaltungen mehr ausgetragen.

Seit 1949 benutzt der ASV Berlin e. V. den Hauptplatz als Trainingsstätte. Die Leichtathletikabteilung stellt seitdem viele Berliner und Deutsche Meister und hatte in den 1960er Jahren ihre größten Erfolge. Seit 2009 finden der Helmut-Böhm-Lauf und seit 2010 der Holger-Blume-Staffel-Cup statt.

In der Saison 2007/2008 trug der Oberligist SV Yeşilyurt Berlin seine Heimspiele im Hauptstadion aus. Inzwischen spielt die Mannschaft auf den Nebenplätzen. Ebenfalls meist auf den Nebenplätzen tragen unter anderem der BFC Tur Abdin, SC Union 06 Berlin, Minerva 93 Berlin und der ASV Berlin ihre Heimspiele aus. Der Regionalligist Berliner AK 07 (BAK) trägt seine Heimspiele im Hauptstadion aus. Im Jahr 2008 erwog Tennis Borussia Berlin kurzzeitig eine Rückkehr in das Poststadion zur Saison 2009/2010 sowie eine umfassende Sanierung des Stadions, das danach 16.000 Zuschauer fassen sollte.[1][2] Die Pläne wurden bis heute nicht verwirklicht.

Am 15. August 2010 trug der Berliner AK 07 sein Heimspiel in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den 1. FSV Mainz 05 im Poststadion aus, nachdem es in der Sommerpause entsprechend hergerichtet worden war. Am 18. August 2012 gelang den Berlinern in der ersten Runde des DFB Pokals eine Sensation, der Regionalligist schickte die TSG 1899 Hoffenheim mit einem 4:0 nach Hause und zog damit in die zweite Runde ein, in der der BAK allerdings mit 3:0 gegen den TSV 1860 München verlor und somit ausschied.

Inline-Skaterhockey[Bearbeiten]

Sanierte Rollschuhbahn mit neuerrichtetem Dach

Die alte Rollschuhbahn auf der Sportanlage ist seit dem Jahr 2011 offizielle Spielfläche der Deutschen Inline-Skaterhockey-Liga (ISHD). Neben den MO Buffalos Berlin, die in der 1. Bundesliga spielen, die Fläche als Ersatzspielstätte für ihre Heimspiele nutzen, beherbergt das Poststadion die Spreewölfe Berlin, die seit dem Jahr 2011 in der Regionalliga Nord spielen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Skrentny (Hrsg.): Das große Buch der deutschen Fußballstadien, Göttingen 2001, S. 50–52. ISBN 3-89533-306-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Poststadion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Albert Speer entwirft Fußball-Arena für Mitte. In: Der Tagesspiegel, 22. März 2008
  2. Mitteilung auf der Homepage von Tennis Borussia mit Standort- und Nutzungsstudie zum Download