Postthrombotisches Syndrom

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Als postthrombotisches Syndrom (PTS) bezeichnet man die Auswirkungen des dauerhaften Schadens am tiefen Venensystem des Armes oder des Beines nach einer abgelaufenen Phlebothrombose. Während der Auflösung des Gerinnsels findet an der Venenwand ein Entzündungsprozess statt – aber ohne Bakterien oder Viren. Diese Reaktion ist ein Selbstheilungsversuch des Körpers und macht die Venen wieder durchgängig. Dabei werden jedoch häufig die Venenklappen im betroffenen Bereich angegriffen oder sogar zerstört. Damit fehlt der wichtigste Teil des Rückflussmechanismus, die Venen sind nicht mehr voll funktionstüchtig. Es entwickelt sich das „Postthrombotische Syndrom“. Etwa 50 Prozent aller Thrombose-Patienten sind davon betroffen.[1] Wegen der Seltenheit von Armvenenthrombosen und der geringen statischen Belastung der Arme sind die Arme nur selten von einem PTS betroffen.

Krankheitsbild[Bearbeiten]

Bei einer Venenthrombose kommt es nur sehr selten zu einer völligen Auflösung des Blutgerinnsels und damit zu einer Wiederherstellung eines normalen Venenflusses. Meist resultieren als Folge der Thrombose Narbenstränge im Gefäß, teils mit dauerhaftem Verschluss einer Vene. Da die narbigen Veränderungen auch die Venenklappen miteinbeziehen, können die Klappen nicht mehr ihre Funktion erfüllen, so dass es zu einem chronischen Blutstau im betroffenen Bein kommen kann. Beschwerden sind: Schwere- oder Spannungsgefühl im Bein, Schwellung und Schmerzen. Im weiteren Verlauf - oft erst nach Monaten und Jahren - können sich zunächst Ödeme und sekundäre Krampfadern bilden. Das Bein kann dabei als schwer empfunden werden und es können Beschwerden bis hin zu Spannungsschmerzen auftreten. Bei genügend langem Krankheitsverlauf kann es durch Ablagerung von Eisenpigment (= Hämosiderineinlagerung) zur Braunfärbung der Haut am Unterschenkel und später als Folge einer chronischen Unterversorgung der oberen Hautschichten mit arteriellem Blut zu strukturellen Hautschäden kommen (z.B. Atrophie blanche). Bei weiterer Hautschädigung entwickelt sich dann oft ein chronisches Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris venosum). Die Geschwüre können dabei an fast jeder Stelle des Unterschenkels auftreten, bevorzugt ist die Region um den Innen- und den Außenknöchel betroffen.

Der Schweregrad des postthrombotischen Syndroms hängt von der Ausdehnung der initialen Thrombose und zusätzlichen Faktoren (langes Stehen im Beruf, weibliches Geschlecht, Adipositas) ab.

Das postthrombotische Syndrom kann in vier Stadien unterteilt werden:

  • Stadium I: Ödemneigung ohne Gewebsverhärtung (Gewebssklerose)
  • Stadium II: Verhärtungen der Haut und des Unterhautfettgewebes (Dermatoliposklerose)
  • Stadium III: sklerotische Gewebsveränderungen der Haut und des Subkutangewebes und umschriebener Areale der Faszie (Dermatoliposklerosis regionalis)
  • Stadium IV: wie Stadium III, zusätzlich mit ausgedehnten, manchmal zirkulären Ulzerationen (Ulcus cruris postthromboticum)

Diagnosestellung[Bearbeiten]

Ist eine früher abgelaufene Thrombose bekannt und liegen typische Beschwerden (s.o.) vor, so ist die Diagnosestellung einfach. Nicht selten verlaufen Thrombosen aber unerkannt und sind manchmal erst Jahre später durch das Vorliegen von postthrombotischen Beschwerden wahrscheinlich zu machen.

Ultraschall[Bearbeiten]

Mittel der Wahl ist die Untersuchung mittels farbkodierter Duplexsonografie, bei der sich strukturelle Schäden des tiefen Venensystems und vor allem Venenklappenschäden vom erfahrenen Untersucher gut nachweisen lassen.

Phlebografie[Bearbeiten]

Eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel (Phlebografie) zeigt einen chronischen Venenverschluss nach Thrombose sehr gut anhand der Vielzahl der kleinen Umgehungsgefäße an. Auch die Venenklappen kann man gut beurteilen. Da die Phlebografie aber im Vergleich zum Ultraschall aufwendiger und unangenehmer für den Patienten ist, wird sie immer seltener durchgeführt.

Therapie[Bearbeiten]

Grundprinzip der Behandlung ist die Anwendung von Kompression von außen entweder durch Applikation eines Kompressionsverbandes mit Kurzzugbinden oder durch Überziehen eines medizinischen Kompressionsstrumpfes. Zugleich ist die Aktivierung der Muskelpumpe wichtig, was durch regelmäßiges aktives Bewegen der betroffenen Extremität erreicht wird (Fahrradfahren, Spazierengehen). Eine Überlastung des Beines durch extremen Ausdauersport sollte allerdings vermieden werden. Eine Hochlagerung des Beines entlastet das Venensystem zusätzlich. Harntreibende Medikamente sind nur im Einzelfall und dann auch nur für kurze Zeit sinnvoll. Eine Gerinnungshemmung mit Cumarinen ist bei erneuter Thrombosegefahr sinnvoll.

Eine kanadische multizentrische, randomisierte, placebokontrollierte Studie an über 800 Patienten kam 2013 jedoch zu dem Ergebnis, dass die Kompressionstherapie mit Kompressionsstrümpfen die Entwicklung des Postthrombotischen Syndroms nicht vermeiden kann. Die Probanden erhielten entweder einen Kompressionstrumpf mit einem Druck von 30-40 mmHg oder einen Strumpf mit nur 5 mmHg. In den beiden Gruppen gab es kaum Unterschiede bei der Entwicklung des Postthrombotischen Syndroms.[2]

Prinzipiell gilt: L-L-L-S-S-S: Lieber Laufen und Liegen Statt Stehen und Sitzen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V.
  2. Susan R Kahn, Stan Shapiro, Philip S Wells, Marc A Rodger, Michael J Kovacs, David R Anderson, Vicky Tagalakis, Adrielle H Houweling, Thierry Ducruet, Christina Holcroft, Mira Johri, Susan Solymoss, Marie-Jos Miron, Erik Yeo, Reginald Smith, Sam Schulman, Jeannine Kassis, Clive Kearon, Isabelle Chagnon, Turnly Wong, Christine Demers, Rajendar Hanmiah, Scott Kaatz, Rita Selby, Suman Rathbun, Sylvie Desmarais, Lucie Opatrny, Thomas L Ortel, Jeffrey S Ginsberg: Compression stockings to prevent post-thrombotic syndrome: a randomised placebo-controlled trial. In: The Lancet. 2013, S. , doi:10.1016/S0140-6736(13)61902-9

Weblinks[Bearbeiten]

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