Potsdamer Platz

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Potsdamer Platz
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Potsdamer Platz
Blick über den Potsdamer Platz in Richtung Süden, 2004
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Tiergarten
Angelegt 18. Jahrhundert
Neugestaltet 1960er–1970er sowie 1990er Jahre
Einmündende Straßen Potsdamer Straße,
Alte Potsdamer Straße,
Stresemannstraße,
Linkstraße
Bauwerke Bahntower, Beisheim Center,
Kollhoff-Tower,
Sony Center
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Öffentlicher Verkehr, Tiefgarage

Der Potsdamer Platz ist ein Verkehrsknoten in den Berliner Ortsteilen Mitte und Tiergarten im Bezirk Mitte zwischen der alten Innenstadt im Osten und dem neuen Berliner Westen. Als Doppelplatzanlage schließt er sich westlich an den Leipziger Platz an und liegt direkt vor dem ehemaligen Potsdamer Stadttor und der damaligen Akzisemauer.

Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Potsdamer Platz vor dem gleichnamigen Fernbahnhof mit seinen vielen sich kreuzenden Straßenbahn- und Omnibuslinien und einer der ersten Lichtzeichenanlagen auf dem Kontinent einer der verkehrsreichsten Plätze Europas und ein beliebter Treffpunkt der politischen, sozialen und kulturellen Szene Berlins.

Das nach 1990 auf dem alten Stadtgrundriss größtenteils neu bebaute Terrain zählt zu den markantesten Orten der Stadt und wird von zahlreichen Touristen besucht.

Geschichte[Bearbeiten]

Leipziger Tor mit davorliegendem Potsdamer Platz, Zeichnung von Schinkel, 1866

Geschichte bis 1945[Bearbeiten]

Anfang des 18. Jahrhunderts lag der Potsdamer Platz unmittelbar vor der Stadtmauer am Potsdamer Tor. Er hatte die Funktion eines Verkehrsverteilers, da alle Straßen aus dem Westen und Südwesten auf das Tor zuliefen, und stellte eine fünfarmige Straßenkreuzung dar, aus der sich schnell ein Verkehrsknotenpunkt an der alten Reichsstraße 1 entwickelte, die Ostpreußen mit dem Rheinland verband. In den Jahren 1823 und 1824 wurde das zwischen Potsdamer und Leipziger Platz liegende Stadttor Richtung Potsdam (Leipziger Tor oder auch Potsdamer Tor genannt) von dem königlichen Baumeister Karl Friedrich Schinkel baulich ausgestaltet. Die von ihm gestalteten Torhäuschen (die sogenannten „Schinkel“) des Neuen Potsdamer Thores blieben auch nach dem Abriss der Akzisemauer 1867 stehen und prägten mit ihrer klassizistischen Architektur den Platz bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Mit Errichtung des Potsdamer Fernbahnhofs im Jahr 1838, wandelte sich der Charakter des nahe dem alten Berliner Zentrum gelegenen Platzes Zug um Zug zu einem großstädtischen Umschlagplatz für Menschen und Waren. 1902 kam der westliche Endpunkt von Berlins erster U-Bahn-Linie hinzu. In rascher Folge entstanden Hotels und Gastronomiebetriebe: das „Grand-Hotel Bellevue“, das „Palast Hotel“, der „Fürstenhof“, das „Pschorr-Bräu“ sowie der Literaten- und Künstlertreffpunkt „Café Josty“.

Grand-Hotel Bellevue am Potsdamer Platz, 1903
Potsdamer Platz, 1914: Links das Grand-Hotel Bellevue, rechts das Palast Hotel

An der Ecke Stresemann-/Köthener Straße wurde 1911/1912 von dem Architekten Franz Schwechten das für die damalige Zeit gewaltige, sechsgeschossige „Haus Potsdam“ errichtet, eine Mischung aus Vergnügungspalast und Verwaltungshochhaus. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 wurde das darin gelegene „Café Piccadilly“ in „Kaffee Vaterland“ umbenannt. Im Haus war ein großes Kino untergebracht, außerdem besaß hier die UFA Büroräume. In den Jahren 1926 bis 1928 wurde das Gebäude umgebaut und erweitert. Unter dem Namen „Haus Vaterland“ avancierte es unter Leitung der Gastronomenfamilie Kempinski zu Deutschlands größtem Amüsierpalast. Davor nordöstlich des Bahnhofes befand sich bis 1922 der winzige Friedhof der Dreifaltigkeitsgemeinde und „Mutter Michaelis’ Blumenhalle“.

Bekannt waren die „Rheinterrassen“ (mit einer stündlichen Gewittersimulation), das „Wiener Café“ und „Weinlokal Grinzing“ sowie die bayerische „Bierstube Löwenbräu“. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude mehrfach schwer beschädigt. Die Räume des „Kaffee Vaterland“ im nördlichen Teil des Gebäudes konnten nach dem Krieg noch mit einfachen Mitteln als „HO-Gaststätte Haus Vaterland“ hergerichtet und weiter betrieben werden. Durch die Lage direkt an der Sektorengrenze geriet das große Gebäude in eine innerstädtische Randlage. Nach dem Mauerbau 1961 bis zu einem Gebietstausch 1972 war es nicht mehr zugänglich, verfiel zunehmend und wurde schließlich 1976 abgerissen. Ein weiteres bekanntes Gebäude am Potsdamer Platz war das Vox-Haus. Es wurde nach dem Ersten Weltkrieg zum Funkhaus umgebaut und war 1923 die Geburtsstätte des deutschen Rundfunks.

Blick über den Potsdamer Platz auf das Columbushaus, 1932

Als zentrumsnaher Dreh- und Angelpunkt entwickelte sich die Gegend um den Potsdamer Platz auch zu einem großstädtischen Amüsierviertel. Während hier tagsüber Angestellte, Sekretärinnen, Geschäftsleute und Touristen flanierten, bestimmten nachts Amüsierwillige, Varietébesucher und Prostituierte das Bild. Obwohl die Ausübung der Prostitution im kaiserlichen Berlin strengstens untersagt war, entstand seit Beginn des 20. Jahrhunderts rund um den Platz ein veritables Rotlichtmilieu. Verewigt wurde diese Seite des Potsdamer Platzes durch ein bekanntes Gemälde des expressionistischen Künstlers Ernst Ludwig Kirchner (Potsdamer Platz, 1914), das zwei mondän gekleidete Frauen sowie eine Reihe weiterer Personen vor einem Nachtleben-Hintergrund inszeniert.

Der „Verkehrsturm“ am Potsdamer Platz, 1932

Der sogenannte „Verkehrsturm“ prägte ab 1924 das Bild des Platzes. Aufgrund des großen Verkehrsaufkommens wurde die Firma Siemens von der Berliner Stadtverwaltung beauftragt, in dessen Mitte die erste Verkehrsampel Berlins (und die zweite Ampelanlage Deutschlands) aufstellen, deren drei Lichter horizontal – und nicht vertikal, wie heute üblich – angeordnet waren. Mit dem Bau der unterirdischen verlaufenden S-Bahn endete die Zeit des Verkehrsturms, der in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober 1937 demontiert wurde.

Im Jahr 1928 wurde an der Einmündung der Potsdamer Straße in den Platz das Telschow-Haus, ein älteres Geschäftshaus, von Wassili und Hans Luckhardt im Bauhausstil umgebaut. Das mit einer geschwungenen Fassade aus mehrfarbigem Opalglas verkleidete Haus (1943 kriegszerstört) wurde dadurch zu einem der modernsten Gebäude Berlins.[1] Vervollständigt wurde die Reihe moderner, ehrgeiziger Gebäude rund um den pulsierenden Verkehrsknotenpunkt mit dem 1930–1932[2] nach den Entwürfen von Erich Mendelsohn erbauten zehngeschossigen Columbushaus.

Die Zeit von 1945 bis 1989/1990[Bearbeiten]

Der Potsdamer Platz, 1945: Links das Columbushaus, rechts die Ruine des Hotels Fürstenhof

Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein war der Potsdamer Platz einer der belebtesten Plätze Europas. Nach den Luftangriffen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg lag er jedoch zur Hälfte in Trümmern. Nach Kriegsende wurden die Ruinen rund um den Platz oberirdisch enttrümmert, die Fläche wurde dann einige Zeit als Bau- und Lagerplatz für die zu recycelnden Materialien benutzt.[3] Bald diente das „Dreiländereck“ zwischen dem sowjetischen, dem britischen sowie dem amerikanischen Sektor als blühender Schwarzmarkt. Mit der Einführung der Deutschen Mark in den westlichen Sektoren und dem Beginn der Berlin-Blockade im Juni 1948 änderte sich das Bild jedoch bereits wieder und am 21. August des gleichen Jahres wurde erstmals der Grenzverlauf zwischen dem sowjetischen und den angrenzenden Westsektoren mit einem Strich im Asphalt markiert.

In Erwartung eines baldigen Wiederaufbaus wurde – wie auch in anderen Teilen der Stadt – am Potsdamer Platz der verbliebene Rest der Bebauung notdürftig wiederhergerichtet, freilich in verringerten Formen und ohne den Pomp und Gloria der 1920er Jahre. So wurde zum Beispiel im ehemaligen Vergnügungspalast Haus Vaterland wieder eine Gaststätte eingerichtet. Auch in den unteren Stockwerken des ausgebrannten, zehngeschossigen Columbushauses wurde eines der ersten HO-Kaufhäuser eröffnet. Beim Volksaufstand am 17. Juni 1953 brannten das genau an der Grenze des Sowjetsektors gelegene Geschäftshaus, das Haus Vaterland und weitere Gebäude erneut nieder. In den folgenden Jahren machte sich schrittweise praktisch in allen Gebäuden rund um den Potsdamer Platz Leerstand breit, da das gesamte Areal über Jahrzehnte hinweg für Investoren jeglichen Wert verloren hatte.

Blick vom Potsdamer Platz in die Stresemannstraße mit den Resten des Hotels Fürstenhof und dem Haus Vaterland, 1952
Blick vom Potsdamer Platz, 1975. Im Hintergrund rechts das Haus Vaterland

Diese Entwicklung verschärfte sich noch im Jahr 1961, als der Platz durch die Berliner Mauer geteilt wurde. Bis Mitte der 1970er Jahre wurden nahezu alle übriggebliebenen Gebäude abgerissen. Auf der Ostseite des Platzes war hierfür das übersteigerte Sicherheitsbedürfnis der DDR verantwortlich: An keiner anderen Stelle der Berliner Mauer waren die eigentliche Mauer und die „Hinterlandmauer“ durch einen derart breiten Todesstreifen voneinander getrennt wie am Potsdamer Platz. Fast alle Gebäude, die innerhalb des Streifens lagen, mussten verschwinden, darunter die an der Ebert- und Stresemannstraße, ebenfalls die Reste des Kaufhauses Wertheim am Leipziger Platz. Erhalten blieb dagegen das ehemalige preußische Landwirtschaftsministerium, heute Sitz des Bundesumweltministeriums, in der Stresemannstraße. Auf der Westseite kaufte der Senat von Berlin nach und nach viele ungenutzte Ruinengrundstücke auf, um auch die letzten Reste der Gebäude entfernen zu lassen, da sie eine Gefahrenquelle darstellten. So wurden unter anderem die Ruinen des Prinz-Albrecht-Palais, des Vox-Hauses, des Völkerkundemuseums oder auch des etwas weiter südlich gelegenen Anhalter Bahnhofs geopfert. Im Jahre 1976 wurden die noch recht beachtlichen Reste des Hauses Vaterland abgetragen. Die Planungen jener Zeit sahen vor, das Gelände für den Bau einer Stadtautobahn zu nutzen, die dann erst nach der Wende in Gestalt des Tunnel Tiergarten Spreebogen gebaut wurde. Ein langsamer Meinungswechsel setzte im Westen aber im Jahr 1981 mit der Wiederherstellung des Martin-Gropius-Baus, des ehemaligen Kunstgewerbemuseums, ein.

Bis zur Öffnung der Mauer im Jahr 1989 fristete der Platz ein recht randständiges Dasein als innerstädtische Brache, auf dessen westlichem Teil sich unter anderem ein Rollheimer-Dorf angesiedelt hatte.[4] Außerdem ließen sich eine Handvoll Imbissbuden, Souvenirgeschäfte für Touristen sowie Podeste, von denen aus man einen Blick in den östlichen Teil der Stadt erhalten konnte, nieder. In dem 1987 gedrehten Film Der Himmel über Berlin von Wim Wenders spielen einige Szenen auf dem Westteil des Potsdamer Platzes.

Der Platz stellte jedoch durch seine zentrale Lage und die Nähe der Entlastungsstraße, über die der West-Berliner Nord-Süd-Verkehr Ost-Berlin umfuhr, noch einen der bekanntesten Punkte dar, an denen man in West-Berlin die sonst vielfach verdrängte Mauer wahrnehmen konnte. 1972 und 1988 ergaben sich wesentliche Änderungen des Grenzverlaufs durch Gebietsaustausch, bei denen das Gelände das ehemaligen Potsdamer Bahnhofs bzw. das Lennédreieck zu West-Berlin kamen.

Maueröffnung am Potsdamer Platz, November 1989

Nach der Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989 stellte sich nach Jahrzehnten der Vernachlässigung quasi über Nacht eine völlig neue Situation ein: Schon wenige Tage später wurde am Potsdamer Platz ein Stück der Mauer abgebrochen, ein aufgegrabenes Straßenstück asphaltiert und am 12. November 1989 ein provisorischer Grenzübergang geschaffen.

Neubeginn nach der Wende 1989/1990[Bearbeiten]

Neubebauung[Bearbeiten]

Baustelle des Kollhoff-Towers, 1999
Blick auf die Gebäude: links das Quartier Potsdamer Platz mit dem damaligen debis-Haus (heute: Atrium Tower) und Kollhoff-Tower, in der Mitte der Bahntower, rechts das Sony Center, im Vordergrund das Beisheim-Center, 2004
Skyline des Potsdamer Platz bei Nacht von Norden gesehen

Im Jahr 1990, kurz nach der Öffnung der Mauer, führte Roger Waters das Konzert The Wall auf dem Niemandsland zwischen Potsdamer Platz und Pariser Platz auf. Es wurde das bislang größte Konzert in der Geschichte der Rockmusik. In Hinblick auf die Stadtentwicklung stellte sich spätestens seit der deutschen Wiedervereinigung die Frage, wie die traditionelle Klammer zwischen dem östlichen und dem westlichen Zentrum Berlins in Zukunft aussehen sollte. Die Veräußerung der Grundstücke an den damaligen Automobilkonzern Daimler-Benz AG (1998–2007 DaimlerChrysler AG, seit 2007 Daimler AG) seitens des Berliner Senats erfolgte sehr rasch. Senatsbaudirektor Hans Stimmann versuchte, eine an den traditionellen Traufhöhen und Blockstrukturen Berlins orientierte städtebauliche Anlage durchzusetzen, die im Stil der Postmodernen Architektur gehalten sein sollte. Sie sollte der von Stimmann so bezeichneten „Europäischen Stadt“ und dem Begriff einer „kritischen Rekonstruktion“ entsprechen. Dem entsprach das Projekt der Architekten Hilmer und Sattler mit seiner weitgehend einheitlichen Traufhöhe von 35 Metern. Die unzufriedenen Investoren lancierten allerdings ein Alternativprojekt des internationalen Stararchitekten Richard Rogers, und setzten sich mit ihrem stark verdichteten Konzept einer „(Hochhaus-)City für das 21. Jahrhundert“ durch. Die realisierte Lösung fand nicht nur Zustimmung, sondern zog auch Kritik auf sich. Kritisiert wurde zum einen die Schnelle der Veräußerung, zum zweiten die Aufgabe eigenen städtischen Planungswillens und zum dritten die Tatsache, dass die Investoren die Straßen und Plätze nicht nur errichteten, sondern durch den Eigentumserwerb auch das Hausrecht in einem öffentlich zugänglichen Stadtgelände erwarben. Der Architekt Rem Koolhaas, als einer der Juroren des Potsdamer-Platz-Wettbewerbs, geißelte die Pläne als einem „dilettantischen Bild der Stadt“ entspringend und verließ 1991 die Jury.[5] Befürworter hingegen wiesen auf die angespannte Berliner Finanzlage hin und argumentierten, dass die Neugestaltung der riesigen Brachfläche letztlich nur durch einen kühnen Wurf aus einem Guss möglich sei.

Zu den Vorbereitungen der künftigen Neubebauung gehörte auch die Sprengung des Bellevue-Towers an der Eichhornstraße im Oktober 1993. Dieses – mit Waschbeton verkleidete – 14-geschossige Hochhaus war im Jahr 1971 als eines der ganz wenigen Neubauten dieser Zeit im Umfeld des Potsdamer Platzes errichtet worden. Ursprünglich als Hotel errichtet, wurde der Bellevue-Tower später als Wohnheim für Studenten und Asylbewerber genutzt und trug zuletzt deutliche Zeichen von Verwahrlosung.[6]

Während der 1990er Jahre wurde der Potsdamer Platz zur größten innerstädtischen Baustelle Europas. Von einem als „Infobox“ bezeichneten Aussichts-Container auf dem gegenüberliegenden Leipziger Platz konnten Berliner und Touristen den Fortschritt der Bauarbeiten beobachten und Modelle der zukünftigen Bauten betrachten. Grob eingeteilt entstanden auf der an den ehemaligen Potsdamer Platz angrenzenden Brache vier unterschiedliche Komplexe. Das nordwestliche, zwischen der neu erbauten Entlastungsstraße und dem (neuen) Potsdamer Platz liegende, 27.000 m² umfassende Sony Center wurde vom US-Amerikaner Helmut Jahn gestaltet. Untergebracht sind in dem dreieckigen Areal Cafés, das Filmmuseum Berlin mit der „Deutschen Kinemathek“, Appartements, Büros sowie die europäische Zentrale von Sony. Richtung (neuer) Potsdamer Platz endet das Sony-Areal mit dem Sitz der Holding der Deutschen Bahn in Berlin, dem Bahntower.

Im Oktober 1996 wurde mit einem „Kranballett“ das Richtfest für das 85 Meter hohe Gebäude der Daimler Benz Tochtergesellschaft debis gefeiert. Unter der Leitung von Daniel Barenboim „tanzten“ sieben Minuten lang 19 Kräne synchron zu den Klängen des 4. Satzes (Ode „An die Freude“) der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven.[7]

Theater am Potsdamer Platz. Musicaltheater und jedes Jahr im Februar Hauptspielstätte der Berlinale: Berlinale Palast

Südlich daran schließt sich das Quartier Potsdamer Platz, mit rund 70.000 m² der beherrschende Gebäudekomplex am heutigen Potsdamer Platz, an. Unter anderem steht hier das von dem italienischen Stararchitekten Renzo Piano entworfene debis-Haus (heute: Atrium Tower) – erkennbar an dem markanten grünen Würfel auf seiner Spitze.

Direkt gegenüber dem Bahntower befindet sich ein weiteres markantes Hochhaus: der von Hans Kollhoff im New Yorker Backsteinstil entworfene, 103 Meter hohe Kollhoff-Tower. Laut Eigenaussage enthält er den schnellsten Aufzug Europas und ermöglicht von der oben liegenden Dachterrasse einen guten Überblick über den Potsdamer Platz und seine Umgebung.

Auch die restliche Architektur weist teilweise mediterrane Stilzitate auf. Mittelpunkt des Quartiers Potsdamer Platz ist der im Westen gelegene Marlene-Dietrich-Platz. Um ihn herum angesiedelt sind das Theater am Potsdamer Platz (ehemals: Musical-Theater Berlin), das Bluemax (Theater der Blue Man Group, ehemaliges IMAX-Kino), ein Spielcasino, das Luxushotel Grand Hyatt Berlin sowie Varietébühnen und Restaurants. Durch die Lage zwischen zwei Gebäudereihen im südlichen Block und der Überdachung bilden die Potsdamer Platz Arkaden eine überdachte Einkaufsstraße.

Damaliges debis-Haus, Kollhoff-Tower, Bahn-Tower und Eingang zum Bahnhof Potsdamer Platz bei Nacht

Den südlichen Abschluss der Hochhaus-Triade am Platz bildet ein von Renzo Piano entworfenes Gebäude, in dem heute PricewaterhouseCoopers seine Berlin-Niederlassung hat. Es hat, wie der benachbarte Kollhoff-Tower – einen dreieckigen Grundriss und ist im hinteren Bereich treppenartig gestaltet – sodass es zur nachfolgenden Bebauung überleitet. Der obere senkrechte Teil hat aber im Gegensatz zum Kollhoff-Tower eine verglaste Fassade. Zwei kleinere Baueinheiten komplettieren die Neubebauung der ehemaligen Brache: im Norden das zwischen Sony Center und Tiergarten gelegene, unter anderem von Otto Beisheim errichtete Beisheim Center mit mehreren Hotels wie dem Marriott und dem Ritz-Carlton, und weiter im Süden die Park Kolonnaden – fünf vorwiegend mit Büroraum verplante Gebäude. Am östlichen Ende des Potsdamer Platzes steht das von Hans Kollhoff entworfene Delbrück-Hochhaus, auch bekannt als „P5“.[8] Ebenso wie im Kollhoff-Tower finden sich im Delbrück-Hochhaus renommierte Rechtsanwalts-, Steuerberater-, Wirtschaftsprüfer- und Unternehmensberaterbüros. Unterirdische Tunnel ermöglichen eine Verbindung zwischen den Appartementhochhäusern und dem Bahntower.[9]

Beisheim Center
Blick von Norden auf das Sony Center
Blick vom Hotel Adlon auf die Hochhäuser am Potsdamer Platz

Mit dem Tilla-Durieux-Park und dem Henriette-Herz-Park wurden auch zwei Parkanlagen realisiert. Der Tilla-Durieux-Park grenzt über eine schräge, sich der Länge nach um die eigene Achse drehende Wiesenfläche das Quartier Potsdamer Platz von den Park Kolonnaden ab. Er befindet sich an der Stelle des ehemaligen Potsdamer Bahnhofs. Unter ihm verlaufen die vier Bahnröhren des Tunnels Nord-Süd-Fernbahn. In der Mitte der rechteckigen, 450 Meter langen Grundfläche ist die Rasenfläche unterbrochen. Fünf überdimensional lange Edelstahlwippen sind dort von den Architekten des Parks angeordnet worden. Sie erfüllten damit auf eine etwas andere Art und Weise die Forderung der Politik nach einem Spielplatz. Zwischen Sony Center und Beisheim-Center liegt der vom gleichen Architektenteam entworfene Henriette-Herz-Park. Besonderes Merkmal dieser zweiten, in Richtung des Tiergartens gelegenen Parkfläche ist die in Schollen gegliederte Höhenmodellierung sowie die aus finnischem Granit bestehende Einfassung der Rasenflächen. Sowohl der Tilla-Durieux-Park als auch der kleinere Henriette-Herz-Park ergänzen die Geschäftigkeit des restlichen Areals durch Räume für Ruhe und Entspannung. Beide Parkanlagen erfreuen sich breiter Akzeptanz und werden – vor allem im Sommer – gerne auch als Liegewiesen zur Erholung genutzt.

Obwohl Firmenhochhäuser, Geschäfts- und Bürobauten das Bild am neuen Potsdamer Platz bestimmen, ist langfristig eine Wohnfläche von 20 Prozent vorgesehen. Hochgerechnet heißt dies, dass hier einmal 20.000 Menschen wohnen sollen. Aufgrund des Reißbrettentwurfs befürchten Kritiker, dass hier letztlich eine „Stadt in der Stadt“ entsteht. Angemerkt wird bei aller Geschäftigkeit, dass sonst zum metropolitanen Straßenbild dazugehörende Personengruppen wie etwa Obdachlose, Punks oder auch Straßenmusiker am Potsdamer Platz nicht anzutreffen sind und das Ganze so einen sehr synthetischen, künstlichen Charakter aufweise.

Zögerlichen Einzug in die lange verödete Berliner Mitte hält mittlerweile auch die Kultur. Ein wesentlicher Meilenstein war die Eröffnung der Berlinale im Jahr 2000 im Sony Center. Der Innenhof des Sony Centers, die Sony Plaza, war zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 als sportliches Sendezentrum des ZDF umgebaut worden. Zumindest Teile des Areals werden mittlerweile von Einheimischen wie Touristen rege frequentiert. Der Komplex hat sich zur fünftwichtigsten Kaufadresse der Hauptstadt entwickelt. Sogar Skeptiker räumen mittlerweile ein, dass durch die Neubebauung zumindest das Leben wieder an den Potsdamer Platz zurückgekehrt ist. 2008 fand in den Parkkolonnaden erstmals die Expressionale mit Kunst des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit statt.

Anfang Oktober 2007 wurde bekannt, dass die Großkonzerne Daimler und Sony ihre Areale zum Verkauf anbieten. Am 13. Dezember 2007 wurde das Daimler-Areal an die Immobilientochter des Finanzdienstleistungskonzerns SEB zu einem unveröffentlichten Preis verkauft, der gewünschte Mindestpreis wurde mit 1,2 Milliarden Euro angegeben.[10] Hierzu gehören unter anderem die Potsdamer Platz Arkaden.

Die rote Infobox wurde nach dem Ende der Neubebauung im Jahr 2001 demontiert. Ein ähnliches Bebauungskonzept wurde später auch für den östlich an den Potsdamer Platz anschließenden und inzwischen weitgehend bebauten Leipziger Platz verwendet.

Erinnerungen an das 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Nachbau des Verkehrsturms (historische Ampel) am Potsdamer Platz im 21. Jahrhundert.
Erinnerung an den Mauerverlauf am Potsdamer Platz
  • Das ehemalige Weinhaus Huth im Quartier Potsdamer Platz ist mittlerweile ein Restaurant und wurde in die neuen Gesamtkomplexe integriert.
  • Die Überreste des alten Hotels Esplanade wurden in das Sony Center integriert. Hierzu war eine spektakuläre und aufwendige Versetzung des „Kaisersaals“ notwendig: Er wurde um 75 Meter verschoben.
  • Ein Replikat des Verkehrsturmes (der Ampel) von 1924 steht heute am Potsdamer Platz.
  • An die die Berliner Mauer am Potsdamer Platz und damit an die Teilung Berlins erinnern die Markierungen durch Pflastersteine im Straßenbelag und durch Einkerbungen im Fußgängerareal des Potsdamer Platzes.

Skulpturen[Bearbeiten]

Im Quartier Potsdamer Platz sind insgesamt acht Skulpturen aus der Sammlung der Daimler AG aufgestellt, die von den jeweiligen Künstlern überwiegend in Auftrag gefertigt wurden.[11] Vier davon befinden sich auf den Flächen im Außenbereich des Areals:

Von Anfang 2000[12] bis Ende 2010 stand am Marlene-Dietrich-Platz die Skulptur Balloon Flower aus der Celebration-Serie von Jeff Koons. Das auffällige blau glänzende Werk, das ein sehr beliebtes Fotomotiv darstellte, wurde im November 2010 über Christie's New York für 16,9 Millionen US-Dollar veräußert.[13]

An der Fassade des debis-Haus ist die von weitem erkennbare Skulptur Gelandet von Auke de Vries angebracht.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Südlicher Bahnhofseingang

Anders als beispielsweise der Bahnhof Friedrichstraße ist der Potsdamer Platz kein wirklich bedeutender Umsteigeschnittpunkt für das U- und S-Bahn-System. Allerdings wurde er aufgrund seiner Lage an der Nord-Süd-Trasse zum Hauptbahnhof, parallel zu den oberirdischen Errichtungen, mit einem Tunnelbahnhof dennoch auch an den Regionalverkehr angeschlossen. Aktuell halten am Potsdamer Platz unterirdisch Regionalverkehrszüge der DB, die S-Bahn (Nord-Süd-Tunnel) sowie die U-Bahnlinie U2. Über zahlreiche Buslinien ist der Platz ebenfalls zu erreichen. Mittelfristig ist eine Straßenbahnanbindung durch die Leipziger Straße geplant, die über die langfristig neugeplante U-Bahnlinie U3 ergänzt oder gar ersetzt werden kann. In Nord-Südrichtung soll langfristig eine weitere S-Bahnlinie (Planungsname: S21), vor allem zur besseren ÖPNV-Erschließung des Hauptbahnhofs, gebaut werden.

Motorisierter Individualverkehr (MIV)[Bearbeiten]

Traktor am Potsdamer Platz zum Auftakt der Demonstration „Wir haben es satt!“ am 18. Januar 2014

Der Individualverkehr wird über die sternförmig auf den Platz zulaufenden Straßen und die ihn zentral durchquerende Neue Potsdamer Straße, die hier als Bundesstraße 1 verläuft, geführt. Kleinere Straßen innerhalb der einzelnen Quartiere sorgen für die Zu- und Abfahrten zu den unterirdischen Parkhäusern am Potsdamer Platz. Darüber hinaus wurde 2006 eine unterirdische Verbindung zwischen der Uferstraße am Landwehrkanal und dem Hauptbahnhof in Betrieb genommen: Der Tunnel Tiergarten Spreebogen bildet hier einen Teilabschnitt der Bundesstraße 96.

Nicht-motorisierter Individualverkehr[Bearbeiten]

Bei der Neugestaltung des Potsdamer Platzes wurde auch der umweltverträgliche und lärmfreie nicht-motorisierte Individualverkehr berücksichtigt und alle großen Straßen erhielten gut sichtbare Fahrradwege. Bisher fehlt noch der Lückenschluss entlang der Leipziger Straße vom Potsdamer Platz zum Alexanderplatz.

Umgebung[Bearbeiten]

Im Westen liegt der Bereich des Kulturforums Berlin mit einigen der wichtigsten Berliner Museen, darunter die Neue Nationalgalerie und die Gemäldegalerie. Außerdem befinden sich hier die Berliner Philharmonie, das Ibero-Amerikanische Institut und das Haus Potsdamer Straße der Staatsbibliothek zu Berlin. Der Verlauf der ehemaligen Berliner Mauer wird seit einigen Jahren durch in den Boden eingelassene Pflastersteine gekennzeichnet. Östlich des Potsdamer Platzes liegt das Oktogon des Leipziger Platzes. Nördlich befindet sich der Große Tiergarten.

In der näheren Umgebung befinden sich das Gebäude des Bundesrats, das Areal des Denkmals für die ermordeten Juden Europas (Holocaust-Mahnmal), das Brandenburger Tor, das Musikinstrumenten-Museum, das Daimler Contemporary sowie der Martin-Gropius-Bau.

Bis zum April 2005 gab es in der Nähe des Potsdamer Platzes die Möglichkeit, die Diskotheken „Tresor“ sowie bis 1997 das „E-Werk“, beides Geburtsstätten des Techno in Deutschland, zu besuchen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Fischer/Michael Makropoulos (Hrsg.): Potsdamer Platz – Soziologische Theorien zu einem Ort der Moderne, Wilhelm Fink Verlag, München 2004, ISBN 3-7705-3708-4
  • Andreas Muhs/Heinrich Wefing: Der Neue Potsdamer Platz – Ein Kunststück Stadt, be.bra verlag, Berlin-Brandenburg 1998, ISBN 3-930863-42-1
  • Info Box – Der Katalog, Nishen, 4. Aufl., Berlin 1998, 287 Seiten, ISBN 3-88940-333-6
  • Wolf Thieme: Das letzte Haus am Potsdamer Platz – Eine Berliner Chronik, Rasch und Röhring Verlag, Hamburg 1988
  • Geowissenschaften und Geotechnik auf einer Großbaustelle: Berlin, Potsdamer Platz und Spreebogen. Sonderheft der Zeitschrift Geowissenschaften, (3/4) 1996, ISSN 0933-0704
  • Matthias Pabsch: Zweimal Weltstadt – Architektur und Städtebau am Potsdamer Platz, Verlag Reimer Berlin, 1998, ISBN 3-496-01191-2

Filme[Bearbeiten]

  • Hubertus Siegert: Berlin Babylon, Beobachtungen des radikalen Umbaus einer Innenstadt mit Architekten, Politikern und Bauherren. S.U.M.O. Film, Deutschland 1996–2001, Farbe, 88 Min., ISBN 3-89848-718-0
  • Im unterirdischen Abschnitt zwischen dem Fernbahnsteig und der Einkaufspassage wurden unter anderem die Büroszenen für den Film Equilibrium gedreht.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Potsdamer Platz – Sammlung von Bildern
 Wikivoyage: Potsdamer Platz – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Conditorei C. Telschow bei hauptstadtberlin.org
  2. Columbushaus am Potsdamer Platz in Berlin. Erich Mendelsohn. In: Bauwelt, Jg. 22 (1931) Heft 46, Kupfertiefdruckbeilage, S. 29–32
  3. Angela M. Arnold, Gabriele von Griesheim: Trümmer, Bahnen und Bezirke. Berlin 1945–1955; Eigenverlag Berlin 2002, ISBN 3-00-009839-9; Seiten 135 ff
  4. Karin Schmidl: Bauwagen statt Bausparen. In: Berliner Zeitung, 31. August 2012, . 16
  5. Die Baumeister des neuen Berlin, Nicolai Verlag 2001, S. 207
  6. Die Schaustelle Europas. In: Der Tagesspiegel, 2. Oktober 2008
  7. Barenboims Kran-Ballett. In: Der Spiegel, Nr. 43/1996, abgerufen am 1. Februar 2011
  8. Potsdamer Platz 5
  9. Stern Nr. 9/2009, S. 56
  10. Schweden kaufen Immobilien am Potsdamer Platz. In: Der Tagesspiegel, 14. Dezember 2007
  11. Website der Sammlung Daimler
  12. [1]
  13. [2]

52.50944444444413.375833333333Koordinaten: 52° 30′ 34″ N, 13° 22′ 33″ O

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Dieser Artikel wurde am 11. November 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.