Powidl

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Powidl.

Der Powidl (auch Powidel, aus tschechisch povidla) ist in der böhmischen und österreichischen Küche ein Mus, das aus den Früchten der Zwetschke (Prunus domestica domestica) hergestellt wird. Der Powidl wird in Österreich und in Böhmen als Füllung für Buchteln, Kolatschen, Powidltascherln, Powidlpofesen, Powidlkuchen und Germknödel verwendet, aber auch als Brotaufstrich. Powidl ist lange haltbar und wird traditionell in Tontöpfen aufbewahrt.

Herstellung[Bearbeiten]

Im Gegensatz zur Marmelade oder Konfitüre wird Powidl traditionell nur durch Einkochen ohne Zucker oder Gelier- und Konservierungstoffe hergestellt. Als Zutat können frische oder gedörrte Zwetschken verwendet werden; ursprünglich wurde Powidl in der böhmischen Küche aus gedörrten Früchten hergestellt.

Für die Süße kann der natürliche Zucker der verwendeten Früchte ausreichen, wenn man eine große Ausgangsmenge stark genug reduziert. Powidl wird stundenlang gekocht, bis die nötige Konsistenz und Süße erreicht wird. Die Früchte sollten erst sehr spät geerntet werden und bevorzugt auch schon Nachtfrost überstanden haben, damit sich genügend Zucker gebildet hat. Bei geringerer Ausgangsmenge und kürzerem Einkochen ist es notwendig, und auch zulässig, Zucker zuzusetzen. Powidl, der ohne Zuckerzusatz hergestellt wird, besteht aus ca. 500 Gramm Früchten je 100 Gramm; im Handel werden unter der Bezeichnung „Powidl“ aber auch Erzeugnisse mit Zuckerzusatz und einem Rohfruchtanteil von um die 300 Gramm Früchten je 100 Gramm verkauft.

Die fast schwarze Farbe wird in einigen Rezepten durch die Zugabe von grünen Walnüssen (die ganze unreife Walnuss inklusive Schale) erreicht.

Abgrenzung zum Pflaumenmus[Bearbeiten]

Mit Beitritt zur EU wurde die parallele Verwendung des Begriffs Powidl und Pflaumenmus vereinbart.[1][2] Gemäß österreichischem Lebensmittelbuch ist Powidl ein Obstmus aus Zwetschken, für das folgende Anforderungen gelten:[3]

  • Trockenmasse mindestens 53 %, bei Zuckerzusatz mindestens 58 %
  • Höchstens 30 % Anteil an zugesetztem Zucker im Fertigprodukt

In der Praxis dürfen nur Erzeugnisse als „Powidl“ gehandelt werden, welche diesen Anforderungen genügen. Freilich gelten nach deutschem Lebensmittelbuch für den Begriff „Pflaumenmus“ ähnlich hohe Anforderungen, nämlich:[4]

  • Trockenmasse mindestens 50 %
  • Höchstens 30 % Anteil an zugesetztem Zucker im Fertigprodukt
  • Mindestens 140 Teile Frucht auf 100 Teile Pflaumenmus
  • Davon höchstens 35 Teile aus Dörrobst

Daher kann man etwa sagen, dass der Begriff „Pflaumenmus“ in Deutschland eine ähnliche Rolle einnimmt wie „Powidl“ in Österreich. Demgegenüber gilt „Pflaumenmus“ in Österreich als Ersatzbezeichnung für Erzeugnisse, die wegen Verfehlens der Mindestanforderungen nicht als Powidl deklariert werden dürfen. Dies kann zu Missverständnissen in der Kommunikation zwischen Österreichern und Deutschen führen.

In Deutschland ist das Wort „Powidl“ verhältnismäßig unbekannt und wird eigentlich nur mit der bayerischen, böhmischen und österreichischen Küche in Verbindung gebracht.

Sonstiges[Bearbeiten]

Die traditionelle, bäuerliche Powidl-Herstellung war ein spätherbstliches Gesellschaftsereignis, bei dem dieses Pflaumenmus gemeinschaftlich in großen Mengen als Wintervorrat und natürliches Süßungsmittel (vergl. Apfelkraut) hergestellt wurde. Da das zäh Gekochte unentwegt kräftig gerührt werden muss, hat man sich bei der schweren Muskelarbeit gegenseitig abgelöst, während die anderen Teilnehmer derweil leichtere Handarbeiten verrichteten.

Entgegen Latwerge wird Powidl ausschließlich aus Zwetschken hergestellt.

Die tschechische Powidl-Bezeichnung povidla gibt es nur als Mehrzahl; das Wort hängt vermutlich mit dem altindischen Wortstamm pavitra- („Sieb“, „lauter“) zusammen.[5]

Der Ausdruck „… ist mir powidl“ bedeutet „… ist mir egal“ und wird vorzugsweise im Affekt verwendet (wienerisch).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Protokoll Nr. 10 über die Verwendung spezifisch österreichischer Ausdrücke der deutschen Sprache im Rahmen der Europäischen Union. In: BGBl. Nr. 45/1995. RIS, 1. Januar 1995, abgerufen am 1. April 2014.
  2. Beachtung österreichischer Ausdrücke. Europäische Union, abgerufen am 1. April 2014 (PDF; 91 kB).
  3. Österreichisches Lebensmittelbuch, Codexkapitel B 5 – Konfitüre und andere Obsterzeugnisse, Abschnitt 2.2.1.2
  4. Deutsches Lebensmittelbuch, Leitsätze für Obsterzeugnisse vom 8. Jänner 2008, Abschnitt 5.2
  5.  Josef Holub, Stanislav Lyer: Stručný etymologický slovník jazyka českého. Státní Pedagogické Nakladatelství, Praha 1978.