Prämenstruelles Syndrom

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Klassifikation nach ICD-10
N94.3 Prämenstruelle Beschwerden
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Mit prämenstruelles Syndrom (PMS) bezeichnet man äußerst komplexe Beschwerden, die sich während der letzten vier bis vierzehn Tage vor dem Eintreten der Regelblutung in jedem Monatszyklus einer Frau zeigen können und mit Beginn der Regel aufhören.[1] Einer Untersuchung zufolge, gaben jede dritte Frau im gebärfähigen Alter an, regelmäßig unter Symptomen von PMS zu leiden.[2]

Symptome[Bearbeiten]

Der Schweregrad des PMS variiert. Ein Viertel der betroffenen Frauen klagt über stark ausgeprägte Symptome und drei bis acht Prozent dieser Frauen leiden unter einer besonders starken Form des PMS, das dann auch prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) genannt wird. Erstere leiden unter einer regelmäßigen Befindlichkeitsstörung, letztere sind in dieser Zeit in ihrem Arbeitsumfeld und sonstigen sozialen Kontakten erheblich eingeschränkt.

Zu den körperliche Symptomen können gehören:

  • Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme)
  • Hautveränderungen
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Erschöpfungssymptome
  • Übelkeit und Kreislaufbeschwerden
  • Durchfall
  • Krämpfe im Unterbauch
  • Kopf- und Rückenschmerzen
  • Heißhunger oder Appetitlosigkeit
  • Schmerzhafte Spannungen, Schwellungen oder extreme Empfindlichkeit der Brüste (Mastodynie)
  • erhöhte Sensibilität auf Reize (Licht, Berührung, Lärm, Geruch, Zeit- und Arbeitsdruck)
  • Migräne
  • Ohnmacht
  • Völlegefühl
  • Schmerzen im Bereich der Geschlechtsorgane und im kleinen Becken beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
  • Schleimhautreizungen
  • Aktivierung von latenten Entzündungsherden im Körper

Zu den psychischen Symptomen können gehören:

Geschichte[Bearbeiten]

Der Zusammenhang zwischen seelischem Befinden, insbesondere aber bestimmten Störungen und dem Menstruationszyklus ist seit langem bekannt. Hippokrates erklärte vor rund 2.500 Jahren die Stimmungsschwankungen in Abhängigkeit von der Monatsblutung als Folge eines „verhinderten Abflusses des Menstruationsblutes“.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden menstruationsabhängige seelische Erkrankungen wissenschaftlich genauer erforscht. Im 19. Jahrhundert gingen die Psychiater sogar davon aus, dass rund zehn Prozent aller seelischen Störungen aufgrund organischer Veränderungen (etwa Herz-Kreislauf, Magen-Darm, Störungen der Gehirnfunktion) bei Frauen mit ihrer Monatsblutung in Verbindung stünden.

Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts erkannte man schließlich den engen Zusammenhang zwischen bestimmten seelischen Symptomen und Veränderungen im so genannten ovariellen Hormonhaushalt während des Menstruationszyklus. Insbesondere fand man heraus, dass depressive und ängstliche Verstimmungen hauptsächlich in der zweiten Zyklusphase nach dem Eisprung (luteale Phase oder Gelbkörperphase) auftreten, während sich psychisches Wohlbefinden häufiger in der ersten Hälfte (Follikelphase) des Menstruationszyklus beobachten lässt.

Robert T. Frank identifizierte prämenstruelle Beschwerden 1931 erstmals als eigene klinische Entität; er beschrieb diese als eine Kombination von physischen und psychischen Symptomen und nannte sie „premenstrual tension“.[5] Raymond Greene und Katharina Dalton betonten 1953 die Komplexität der Symptomatik und bezeichneten sie als „prämenstruelles Syndrom“.[5][6] Bis 1969 wurden 150 Symptome in der Literatur beschrieben.[5] Katherina Dalton machte 1980 auf die Notwendigkeit einheitlicher Kriterien zur Diagnosestellung aufmerksam.[5] 1985 wurde erstmals die Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS) von der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung in die Liste der seelischen Erkrankungen aufgenommen, damals noch unter dem Namen Dysphorische Störung der späten Lutealphase (LLPDD).[7]

Ursachen[Bearbeiten]

Die genauen Ursachen des prämenstruellen Syndroms sind bisher nicht geklärt. Sie treten nicht in der ersten Zyklushälfte mit der Regelblutung und der Follikelreifung auf, sondern nur in der zweiten Zyklushälfte mit der Gelbkörperreifung (zwischen Eisprung und Einsetzen der Regelblutung). Wird der Zyklus durch Medikamente oder Operationen verhindert, bleiben die Beschwerden durch das prämenstruelle Syndrom aus.

In der zweiten Zyklushälfte wird das Gelbkörperhormon Progesteron produziert, während gleichzeitig die Östrogenausschüttung abfällt. Damit einhergehend steigt die Neigung zum PMS. Es wird mehr Wasser im Gewebe eingelagert, was schmerzhafte Schwellungen an Brüsten (Mastodynie), Händen und Füßen (Ödeme) auslösen kann.

Die Stimmungsschwankungen sind jedoch nicht alleinige Folge der leichten bis starken Schmerzen, so dass in der Psychiatrie auch von einer Lutealphasen-Dysphorie (englisch: late luteal phase dysphoric disorder) gesprochen wird. Rein seelische Ursachen können dabei durch umfangreiche Forschungen weitgehend ausgeschlossen werden. Sicherlich spielt Komorbidität mit seelischen Erkrankungen eine Rolle, jene sind aber nachgewiesenerweise nicht die Ursache des PMS oder PMDS. Bestimmte Lebensweisen können die Beschwerden des PMS oder PMDS allerdings positiv oder negativ beeinflussen.

Weitere Faktoren können einzeln oder gemeinsam zur Auslösung oder Verstärkung eines prämenstruellen Syndroms beitragen. Dazu gehören ein Prolaktinüberschuss, Störungen der Schilddrüse, Infektionen mit Pilzen, Umweltgifte, der Genuss von Koffein oder Nikotin, Schlafstörungen, psychische Belastungen und Bewegungsmangel.

Therapie[Bearbeiten]

Zur Linderung der Symptome des prämenstruellen Syndroms können pflanzliche Präparate wie der Mönchspfeffer (Agnus castus) oder in entsprechenden Symptomen SSRI (Serotoninwiederaufnahmehemmer), Aldosteronantagonisten z. B. bei Neigung zur Ödembildung) eingesetzt werden. Invasive Therapiemaßnahmen (z. B. GnRH-Analoga) sind nur in Ausnahmefällen nötig.[8] Forscher haben nun auch herausgefunden, dass eine bestimmte Kombination aus Fettsäuren die Symptome lindern kann, was bei einer Nahrungsumstellung berücksichtigt werden könnte.[9][10] Das Vermeiden von salzreichen Speisen, Alkohol, Schokolade und Koffein soll in den letzten Tagen vor Einsetzen der Regelblutung zur Linderung der Beschwerden beitragen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • M. Harrison: Das prämenstruelle Syndrom. München 1985, ISBN 3-88104-150-8.
  • D. Hänggi-Bally: Das prämenstruelle Syndrom. In: Schweizerisches Medizinisches Forum. Band 7. 2007, S. 734–738.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Prämenstruelles Syndrom. In: Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. 2014. Begründet von Willibald Pschyrembel. Bearbeitet von der Pschyrembel-Redaktion des Verlages. 265., neu bearbeitete Auflage. De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-030509-8 (Pschyrembel kommerzielles Online-Portal Werbehinweis). Stichwort in der 255. Auflage online hier. Auf: books.google.de, von 2006, abgerufen 12. November 2013.
  2. Prämenstruelles Syndrom (PMS), Monatsbeschwerden der Frau. auf: sprechzimmer.ch, vom 15. November 2012, abgerufen am 12. November 2013.
  3. H. P. Zahradnik, B. Wetzka, W. Schuth: Zyklusabhängige Befindlichkeitsstörungen der Frau. In: Der Gynäkologe. 2000; 33(3), S. 225–238; doi:10.1007/s001290050539.
  4. Anzeichen und Beschwerden beim prämenstruellen Syndrom (PMS). Auf: experto.de, abgerufen am 12. November 2013.
  5. a b c d Katja Rolker: Über die Anwendung von Diagnoseleitlinien zum prämenstruellen Syndrom unter Ärzten. Dissertation. Berlin 2010 (online)
  6. R. Greene, K. Dalton: The premenstrual syndrome. In: Br. Med. J. 1953; 1, S. 1007–1014.
  7. Geschichte des PMS (online)
  8. H-P. Zahradnik: Prämenstruelles Syndrom. In: Gynäkologische Endokrinologie. 2004; May 2004, 2(2), S. 64–69.
  9. Fettsäuren gegen prämenstruelles Syndrom hilfreich. Auf: aerzteblatt.de, vom 19. Januar 2011, abgerufen am 12. November 2013.
  10. E. A. Rocha Filho, J. C. Lima, J. S. Pinho Neto, U. Montarroyos: Essential fatty acids for premenstrual syndrome and their effect on prolactin and total cholesterol levels: a randomized, double blind, placebo-controlled study. In: Reproductive health. Band 8, 2011, S. 2, ISSN 1742-4755. doi:10.1186/1742-4755-8-2. PMID 21241460. PMC 3033240 (freier Volltext).
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