Präpositionalkasus

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Beim Präpositionalkasus (auch analytischer Kasus, analytische Flexion) handelt es sich scheinbar um einen Kasus, welcher durch eine Präposition im gebundenen Gebrauch bestimmt wird.

Beispiel: „Die Kursleiterin war mit den Lernerfolgen zufrieden.“

Den Dativ „den Lernerfolgen“ im Beispiel bestimmt die Präposition „mit“.

Das Gegenteil des Präpositionalkasus stellt der reine Kasus dar. Dieser bestimmt den Kasus direkt mittels eines Verbs, Adjektivs oder eines Nomens und bedarf keiner Präposition.

Hanne verzweifelte an Maria (Präpositionalkasus)
Hanne bezweifelt den Sinn der Aktion (reiner Kasus)
Alf verliebt sich in Lisa (Präpositionalkasus)
Alf liebt Lisa (reiner Kasus)

Im Grunde genommen regiert in den Konstruktionen des Präpositionalkasus die Präposition ohne feststellbare Eigenbedeutung andere Satzteile. Zwar sind die Präpositionen funktional betrachtet einem Kasus äquivalent, doch stellen sie laut Helmut Glück keinen „Kasus im eigentlichen Sinne“.

Kritik[Bearbeiten]

Die Sprachgeschichte fand heraus, dass die ursprünglich verwendete Formenbildung des Kasus in einigen indogermanischen Sprachen im Lauf der Zeit durch den Präpositionalkasus abgelöst wurde. Dies gilt beispielsweise für die englische, bulgarische, spanische, französische und italienische Sprache. Der Präpositionalkasus übernahm dabei mittels Genitivs die früher über andere Kasus zum Ausdruck gebrachte syntaktische Funktionalität.

frz. enfants de la patrie 'Kinder des Vaterlandes'
span. la casa de mis abuelos 'das Haus meiner Großeltern'
bulgar. akademíja na naúkite 'Akademie der Wissenschaften'
ital. le nozze di Figaro 'die Hochzeit des Figaro'
engl. grapes of wrath 'Früchte des Zorns'
dt. 'voll des Zorns', 'der Langeweile überdrüssig'

Auch diese Anwendungen entsprechen also nur funktional keinem Kasus. Die früher als Erklärung herangezogene „Redeweise von ‚analytischen Kasus‘ und ‚analytischer Flexion‘ ist laut Glück lediglich metaphorisch.“

Auch der Stilwörterduden entscheidet sich im Zweifelsfalle für den reinen Kasus:

Kalle ging es um eine eilige Entscheidung über das für oder wider des Einsatzes der Software.

Der Duden erkennt diese Konstruktion nicht an, da „wider“ nicht durch „gegen“ ersetzt werden soll. Folglich ergibt sich als einzig korrekte Möglichkeit der reine Kasus:

Kalle ging es um eine eilige Entscheidung für oder gegen den Einsatz der Software.

Zahlreiche weitere Beispiele finden sich im Stilwörterbuch, 2001.

Quellen[Bearbeiten]

  • Cäcilia Klaus: Grammatik der Präpositionen. Studien zur Grammatikographie (= Linguistik international. Bd. 2). Lang, Frankfurt am Main u. a. 1999, ISBN 3-631-35269-7 (Zugleich: Vechta, Hochsch., Diss., 1998: Die Wortart Präposition in ausgewählten neueren Grammatiken des Deutschen.).
  • Matthias Wermke u. a.: Das Stilwörterbuch (= Der Duden. Bd. 2). 8. völlig neu bearbeitete Auflage. Dudenverlag, Mannheim u. a. 2001, ISBN 3-411-04028-9, S. 276.
  • Helmut Glück: Artikel Präpositionalkasus. In: Helmut Glück (Hrsg): Metzler-Lexikon Sprache. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Metzler, Stuttgart u. a. 2000, ISBN 3-476-01519-X.
  • Barbara Fröhlich: Schwierigkeiten bei der Verwendung deutscher Präpositionen in gebundener Struktur. 2003, S. 39–52.
  • Hauke Bartels: Zur Konkurrenz von „reinem Kasus“ und „Präpositionalkasus“. In: Hauke Bartels: Dativ oder Präposition. Zur Markierungsvariation im Kontext adjektivischer Prädikate im Deutschen, Russischen und Polnischen (= Studia Slavica Oldenburgensia. Bd. 12). Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg, Oldenburg 2005, ISBN 3-8142-0972-9, S. 14–59 (Zugleich: Oldenburg, Univ., Diss., 2004: Markierungsvariationen.).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]