Präsentismus

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Dieser Artikel behandelt ein Phänomen im Verhalten heutiger Angestellter. Für die Auffassung über Raum und Zeit, siehe Präsentismus (Philosophie).

Mit Präsentismus (von Präsenz - Anwesenheit) bezeichnet die Arbeitsmedizin das Verhalten von Arbeitnehmern, die insbesondere in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit (z. B. bei Konjunkturschwäche) trotz Krankheit am Arbeitsplatz sind. Das Gegenteil ist der Absentismus, umgangssprachlich auch „Krankfeiern“ genannt.

Die Mitarbeiter verordnen sich selbst Anwesenheitspflicht aus Angst um den Arbeitsplatz. Dies ist nicht wünschenswert, da die Mitarbeiter trotz ihrer körperlichen Anwesenheit nicht die volle Leistung bringen können und damit die Produktivität sinkt sowie die Unfallgefahr ansteigt. Die durch körperliche und geistige Beeinträchtigungen negativ beeinflusste Konzentrationsfähigkeit führt zu mehr Fehlern. Viele Arbeitgeber, aber auch Arbeitnehmer sind sich der Tatsache nicht bewusst, dass die bloße Anwesenheit das Unternehmen viel teurer zu stehen kommt als das Auskurieren der Krankheit.

Die Prävention vor Präsentismus ist nicht einfach, da es nicht ausreicht, den Mitarbeitern zu empfehlen, zu Hause zu bleiben. Meistens sind die Krankheitsbilder vielschichtiger und nicht einfach zu bekämpfen, etwa bei Asthma, Depressionen, Allergien, Migräne, Rückenschmerzen und anderen chronischen Krankheiten.

Deshalb sollte bei den Mitarbeitern die Sensibilität für ihre eigene Gesundheit durch spezielle Maßnahmen und Programme gesteigert werden, möglichst im Rahmen einer persönlichen Förderung durch Wellness-, Ernährungs- oder Fitnessprogramme und ähnlichem.

Laut Elke Ahlers vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sind Ursachen des Präsentismus nicht nur die Angst vor einer möglichen Entlassung, sondern auch auf eine höhere Eigenverantwortlichkeit der Arbeitnehmer zurückzuführen.

Aus Statistiken geht hervor, dass der Krankenstand 2005 weiter zurückgegangen ist und auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren ist. Auch stieg der Anteil der gar nicht krankgeschriebenen Arbeitnehmer (2005: 48,5 %; 2000: 44,7 %). Umfragen im Auftrag des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigen, dass der Rückgang teilweise auf die Angst der Arbeitnehmer um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes zurückzuführen ist. Rund ein Drittel der Arbeitnehmer geht einer Befragung des Wissenschaftlichen Instituts zufolge auch gegen den ausdrücklichen Rat des Arztes zur Arbeit. Neuere Daten zum Thema vermittelte Anfang 2014 eine Forsa-Umfrage unter 3000 Beschäftigten; sie beruht auf einem Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit.

Eine Studie der amerikanischen Cornell University verzeichnet dreimal höhere Produktivitätsverluste durch kranke Mitarbeiter am Arbeitsplatz als die Verluste durch krankgeschriebene Kollegen. Laut dieser Studie kostet die US-Unternehmen der Produktivitätsverlust rund 180 Milliarden Dollar im Jahr.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]


Literatur[Bearbeiten]

  • Miriam Hägerbäumer: Ursachen und Folgen des Arbeitens trotz Krankheit. Implikationen des Präsentismus für das betriebliche Fehlzeiten- und Gesundheitsmanagement. eDissertation, abgerufen am 9. Mai 2012
  • Miriam Wagner: Eingeschränkt anwesend. In: managerSeminare 151, Oktober 2010, S. 76–80
  • Jana Schmidt, Helmut Schröder: Präsentismus - Krank zur Arbeit aus Angst vor Arbeitsplatzverlust. In: Bernhard Badura u.a. (Hrsg.): Fehlzeiten-Report 2009. Arbeit und Psyche: Belastungen reduzieren - Wohlbefinden fördern. Heidelberg 2009, ISBN 978-3-642-01077-4, S. 93–100.
  • Mehr Schaden als Nutzen. In: fit!, Ausgabe 1/2014, S. 16-17.