Präsident (Osttimor)

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Wappen Osttimors

Der Präsident der Republik (portugiesisch Presidente da República) ist das Staatsoberhaupt Osttimors (Timor-Leste).

Allgemein[Bearbeiten]

Francisco Xavier do Amaral auf einer Wahlveranstaltung 2007

Er wird alle fünf Jahre gewählt und kann nur einmal wiedergewählt werden. Gewählt können alle Osttimoresen, die mindestens 35 Jahre alt und im Vollbesitz ihrer Kräfte sind.[1]

Der Präsident hat eher symbolische Befugnisse, besitzt aber ein Vetorecht bei der Gesetzgebung. Beratend steht ihm der Staatsrat zur Seite.

Francisco Xavier do Amaral 1975–1977[Bearbeiten]

Francisco Xavier do Amaral wurde nach Ausrufung der Unabhängigkeit von Portugal am 28. November 1975 zum ersten Präsidenten Osttimors. Er musste nach der indonesischen Invasion am 7. Dezember in die Berge fliehen. 1977 wurde do Amaral wegen Meinungsverschiedenheiten über das Vorgehen gegen die indonesische Besatzung von der FRETILIN abgesetzt. Parallel zu do Amaral fungierte Arnaldo dos Reis Araújo vom 17. Dezember 1975 bis zum 17. Juli 1976 als Präsident der von den indonesischen Besatzern eingesetzten provisorischen Regierung.

Nicolau dos Reis Lobato 1977–1978[Bearbeiten]

Im September 1977 wurde der bisherige Premierminister Nicolau dos Reis Lobato nominell Präsident Osttimors. Er wurde bei der Operation „Einkreisung“ durch eine Kugel am Bein verletzt und kurz darauf von den Indonesiern am 31. Dezember 1978 gestellt. Mit den Worten „meine letzte Kugel ist mein Sieg“ erschoss sich Lobato selbst, bevor er gefangen genommen werden konnte. Andere Quellen berichten, Lobato sei von den indonesischen Streitkräften getötet worden.

Xanana Gusmão 2002–2007[Bearbeiten]

Xanana Gusmão

Bei der ersten Präsidentenwahl nach dem Abzug Indonesiens am 14. April 2002 setzte sich Xanana Gusmão gegen Francisco Xavier do Amaral, der für die Associação Social-Democrata de Timor (ASDT) antrat, mit 82,7 % der Stimmen durch.[2] Gusmão, der frühere Chef von FRETILIN und des Conselho Nacional de Resistência Timorense CNRT, wird als Volksheld verehrt. Nachdem die Eigenstaatlichkeit Osttimors als großes Ziel erreicht war, wollte sich Gusmão eigentlich aus der aktiven Politik zurückziehen, stellte sich dann aber doch den vielen Bitten, weiter eine verantwortungsvolle Position einzunehmen.

Präsidentenwahl in Osttimor am 14. April 2002
Kandidat (Partei) Stimmen %
Xanana Gusmão (parteilos) 301.634 82,69
Francisco Xavier do Amaral (ASDT) 63.146 17,31
Gesamt (Beteiligung: 86 %) 364.780 100,00

José Ramos-Horta 2007–2012[Bearbeiten]

José Ramos Horta

Xanana Gusmão wollte sich bei der Präsidentschaftswahl am 9. April 2007 nicht mehr zur Wahl stellen, sondern trat bei den Parlamentswahlen am 30. Juni 2007 als Kandidat für das Amt des Premierministers an. Für seine Nachfolge stellten sich am 9. April 2007 acht Kandidaten zur Wahl.

Erste Runde der Präsidentenwahl in Osttimor am 9. April 2007
Kandidat (Partei) Stimmen %
Francisco Lu-Olo Guterres (FRETILIN) 112.666 27,89
José Ramos-Horta (parteilos) 88.102 21,81
Fernando La Sama de Araújo (PD) 77.459 19,18
Francisco Xavier do Amaral (ASDT) 58.125 14,39
Lúcia Lobato (PSD) 35.789 8,86
Manuel Tilman (KOTA) 16.534 4,09
Avelino Coelho da Silva (PST) 8.338 2,06
João Carrascalão (UDT) 6.928 1,72
gültige Stimmen 403.941 94,56
Gesamt (Beteiligung: 81,79 %) 427.712 100,00

[3][4][5]

Da keiner der Kandidaten auf Anhieb mehr als 50 % der Stimmen auf sich vereinigen konnte, kam es am 9. Mai zu einer Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit der höchsten Stimmenzahl, Francisco Lu-Olo Guterres und José Ramos-Horta, die Ramos-Horta mit 69 % für sich entschied. Er wurde von Guterres, in dessen Funktion als Parlamentspräsident, am 20. Mai 2007 als neuer Staatspräsidenten vereidigt.

Präsidentenwahl in Osttimor am 9. Mai 2007
Kandidat (Partei) Stimmen %
José Ramos-Horta (parteilos) 285.835 69,18
Francisco Lu-Olo Guterres (FRETILIN) 127.342 30,82
gültige Stimmen 413.177 97,34
Gesamt (Beteiligung: 81,00 %) 424.475 100,00

[6]

Der parteilose José Ramos-Horta war unter dem ersten Premierminister Mari Alkatiri zunächst Außenminister. Als Alkatiri 2006 aufgrund der Unruhen in Osttimor zurücktreten musste, übernahm Ramos-Horta dessen Amt und das des Verteidigungsministers. Einen Tag vor seiner Vereidigung als Präsident trat er von diesen Ämtern zurück.

Bei einem Attentat wurde Ramos-Horta am 11. Februar 2008 schwer verletzt. Laut Verfassung übernimmt der Parlamentspräsident im Krankheitsfall die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Da der Parlamentspräsident Fernando de Araújo sich zu dieser Zeit in Portugal befand, übernahm sein Vertreter Vicente da Silva Guterres die Aufgabe bis zur Rückkehr von de Araújo wenige Tage später. Am 16. April 2008 kehrte Ramos-Horta von der Behandlung seiner Verletzungen in Australien nach Osttimor zurück und übernahm wieder das Amt.

Taur Matan Ruak seit dem 20. Mai 2012[Bearbeiten]

Taur Matan Ruak (2013)

José Ramos-Horta schied bei der Präsidentschaftswahlen am 17. März 2012 bereits in der ersten Runde aus.

Präsidentenwahl in Osttimor am 17. März 2012
Kandidat Stimmen %
Manuel Tilman 7.226 1,56
Taur Matan Ruak 119.462 25,71
Francisco Guterres Lú-Olo 133.635 28,76
Francisco Xavier do Amaral vor dem Wahlgang verstorben
Rogério Lobato 16.219 3,49
María do Céu 1.843 0,40
Angelita Pires 1.742 0,37
José Ramos-Horta 81.231 17,48
Francisco Gomes 3.531 0,76
José Luís Guterres 9.235 1,99
Abílio Araújo 6.294 1,35
Lucas da Costa 3.862 0,83
Fernando La Sama de Araújo 80.381 17,30
Angela Freitas zur Wahl nicht zugelassen
gültige Stimmen 464.661 100,00
ungültige Stimmen 18.788 3,83
leere Stimmzettel 6.484 1,32
Gesamt (Beteiligung: 78,20 %)[7] 489.933


Ramos-Hortas Nachfolger wurde am 16. April zwischen Taur Matan Ruak und Francisco Guterres gewählt. Taur Matan Ruak gewann die Wahl deutlich.

Präsidentenwahl in Osttimor am 16. April 2012
Distrikt (vorläufiges Endergebnis)[8] Taur Matan Ruak (parteilos) Francisco Guterres (FRETILIN)
Aileu 13.851 70,76 % 5.725 29,24 %
Ainaro 15.602 67,19 % 7.617 32,81 %
Baucau 25.701 47,93 % 27.917 52,07 %
Bobonaro 27.284 70,01 % 11.689 29,99 %
Cova Lima 15.755 62,58 % 9.421 37,42 %
Dili 56.377 65,79 % 29.316 34,21 %
Ermera 31.042 67,06 % 15.246 32,94 %
Lautém 13.555 50,40 % 13.340 49,60 %
Liquiçá 17.426 64,19 % 9.723 35,81 %
Manatuto 14.480 73,55 % 5.208 26,45 %
Manufahi 11.423 54,18 % 9.660 45,82 %
Oecusse 21.252 75,92 % 6.740 24,08 %
Viqueque 11.693 33,92 % 22.784 66,08 %
Osttimor (offizielles Endergebnis)[9] 275.471 61,23 % 174.408 38,77 %
gültige Stimmen 449.879 (98,08 %)
ungültige Stimmen 6.801 (1,48 %)
leere Stimmzettel 2.023 (0,44 %)
Abgegebene Stimmen 458.703 (Wahlbeteiligung 73,12 %)


Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]


Weblinks[Bearbeiten]