Prävention

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Prävention (lateinisch praevenire „zuvorkommen“) bezeichnet Maßnahmen zur Abwendung von etwas Bevorstehendem. Präventionsmaßnahmen können überall dort eingesetzt werden, wo Ereignisse mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit bevorstehen und Maßnahmen zur Verfügung stehen, die geeignet sind, den Eintritt dieser Ereignisse zu beeinflussen. Dabei kann unterschieden werden zwischen Verhaltensprävention, die gezielt auf das Handeln einzelner Personen ausgerichtet ist und Verhältnisprävention, welche auf das Umfeld, die Lebensumstände ausgerichtet wird. Prävention stellt meistenteils eine Form der Intervention dar.

Geschichte und Verwendung des Begriffs[Bearbeiten]

Prävention, wie auch der oftmals synonym verwendete Begriff Vorbeugung, rücken seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend in den Mittelpunkt von Gesundheits- und Sozialpolitik. Prävention wird unter anderem verwendet in den Bereichen Medizin, Zahnmedizin und Rauschmittelkonsum, im Zusammenhang mit Gewalt und Kriminalität, im Bereich der Lernförderung und ganz allgemein als Krisenprävention in der Politik.

Der Begriff wird außerdem weiter untergliedert nach dem Ansatzpunkt innerhalb des zeitlichen Verlaufs und der Form der Ausrichtung. 1957 führte die Commission on Chronic Illness eine Unterteilung in Primär- und Sekundärprävention ein, der bald darauf Tertiär-, Quartär- und Primordialprävention folgten. Seit Ende des 20. Jahrhunderts wird daneben auch in Programme zur universellen, selektiven und indizierten Prävention unterschieden. Dabei richtet sich Primärprävention ungezielt und noch vor Eintritt einer konkreten Gefährdung an alle potentiell betroffenen Personen, Primordialprävention insbesondere auf gesellschaftliche Risikofaktoren. Sekundärprävention bezeichnet speziell auf bereits als gefährdet angesehene Personengruppen ausgerichtete Programme, Tertiärprävention bezieht sich auf Intervention nach Eintritt des Ereignisses, die einer weiteren Verschlechterung des jeweiligen Zustandes entgegenwirken sollen. Quartärprävention bezeichnet Maßnahmen zur Rückfallprophylaxe oder auch Strategien zur Vermeidung unnötiger medizinischer Maßnahmen. Losgelöst von der zeitlichen Dimension allein auf die Zielgruppe bezogen richtet sich universelle Prävention an die gesamte Bevölkerung, selektive Prävention an besonders gefährdete Personen und indizierte Prävention an bereits betroffene.

In der Strafzwecktheorie wird gesondert davon unterschieden in Generalprävention, die alle Mitglieder der Gesellschaft gleichermaßen betrifft, wie etwa die grundsätzliche Strafbarkeit einer Handlung, und Spezialprävention, die sich auf Einzelpersonen richtet, wie etwa das konkrete Verhängen einer Strafe.

Kritik[Bearbeiten]

Maßnahmen zur Prävention wird eine große ökonomische Effizienz zugeschrieben. Entsprechend groß ist das Interesse seitens Politik und Wirtschaft, vielfach und weitreichend Programme zur Prävention einzuleiten und teilweise auch verpflichtend zu gestalten. Eine besondere Schwierigkeit entsteht, wenn die anfallenden Kosten, der zu erwartende Nutzen und der dafür notwendige Eingriff in die Persönlichkeitsrechte gegeneinander abgewogen werden müssen. Prävention als Mittel zur Verkleinerung von Risiken kann dabei zu einem universellen Rechtfertigungsinstrument für Eingriffe in sämtliche Lebensbereiche werden, das sich die Angst vieler Menschen vor Unwägbarkeiten und vermeintlichen Gefahren zunutze macht, in dem es jeden Eingriff als Schutz vor drohender Gefahr zu rechtfertigen sucht. Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind außerdem die Eigendynamik des inzwischen milliardenschweren Marktes, wie auch die Eigeninteressen der an lokalen, nationalen und internationalen Präventionsprogrammen beteiligten Unternehmen. Es bleibt zumindest fraglich, inwiefern Präventionsmaßnahmen in diesem Kontext tatsächlich vorrangig am Wohl der Bevölkerung ausgerichtet werden können.

Quellen[Bearbeiten]

Weblink[Bearbeiten]

 Wiktionary: Prävention – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Siehe auch[Bearbeiten]