Präzentor

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Präzentor ist ein kirchliches Amt mit der Funktion eines Gottesdiensthelfers. Seine genauen Aufgaben variieren je nach Religion und Epoche. Die Bedeutung des ursprünglich lateinischen Wortes ist Vorsänger.

Im Judentum sind die Präzentoren Vorsänger oder Vorbeter, welche die Musik in der Synagoge leiten. Diese Funktion ist mindestens seit 30 v. Chr. nachweisbar und existiert bis heute im Amt des Chasan (Kantor).

Im Christentum ist der Präzentor einer Kirche zugeordnet, bei deren Gottesdiensten er unterstützend mitwirkt. Dieses Amt wurde aus dem Judentum in die frühchristliche Kirche übernommen.

Im frühen Christentum der Antike wurde als Präzentor zunächst ein kirchlicher Würdenträger bezeichnet, manchmal auch ein Verwaltungsmitarbeiter oder Zeremonienmeister. Er hatte verschiedene Aufgaben: als Vorsänger stimmte er an Sonn- und Festtagen bestimmte Antiphone, Psalmen, Hymnen, Responsorien oder anderes an. Daneben gab er dem Bischof oder dem Dekan während der Messe den Ton an: der Succentor versah dasselbe Amt für Kanoniker und einfache Kleriker. Der Präzentor war zudem für Zusammensetzung und Ausbildung des Chores verantwortlich, leitete dessen Proben und überwachte dessen Auftritte. Er erklärte den Ablauf von Zeremonien, sorgte allgemein für den Ablauf der Gottesdienste und komponierte gelegentlich benötigte Hymnen, Sequenzen usw. auf Bestellung. Er wurde auch als caput scholae, prior scholae, magister scholae und primicerius bezeichnet; die großen Bedeutungsunterschiede dieser Titel geben einen Hinweis auf die Bandbreite der vom Präzentor wahrgenommenen Aufgaben.

Im Mittelalter übernahmen die höchsten Würdenträger von Kathedralen, Domkapiteln und Mönchsorden dem Beispiel Gregors des Großen folgend das Amt als Leiter der Chorschulen. Die Schola war stets dabei, wenn der Bischof in der Kathedrale zelebrierte, und der Präzentor hatte einen ehrenvollen Platz in der Nähe des Bischofs. Sein Amt erforderte langes Lernen und große Fertigkeiten; seine Würde war seinen Pflichten angepasst. In den Kathedralen von Spanien, Frankreich, Deutschland und England stand er in der Hierarchie teilweise direkt hinter dem Domdekan, manchmal sogar gleich hinter dem Archidiakon. Gelegentlich waren seine Befugnisse noch weiter ausgedehnt und umfassten auch die Berufung von Dekanen, Kanonikern und anderen Würdenträgern sowie in einigen Klöstern den Dienst als Bibliothekar und Registrar. Im Laufe des 14. Jahrhunderts jedoch gingen Titel und Funktionen des Präzeptors an andere über. Deren musikalisches Wissen reichte oft nicht mehr aus, um den Dienst zu versehen, der dem Amt ursprünglich seinen Namen gegeben hatte. Die Stellung und der Titel blieben somit zwar bestehen, doch die damit verbundenen Funktionen wurden unschärfer. Einige äußere Zeichen dieses Amtes blieben in den Händen anderer Würdenträger erhalten, so der baton cantoral, ein silberner oder weißer Stab.[1]

Die moderne Funktion des Präzentors ist die eines Chorführers, der auch dem Bischof die Antiphon bringt, wenn dieser sein Amt ausübt. Zudem stehen Sakristane, Sänger, Chorknaben und Angestellte der Kathedrale unter seiner Aufsicht, und er ist für Ordnung und Ruhe in der Sakristei verantwortlich.

In der Anglikanischen Kirche ist der Präzentor, in der Regel ein Kleriker, für die Vorbereitung des Gottesdienstes zuständig. Diese Position gibt es meist nur in großen Kirchen; so haben die meisten Kathedralen einen Präzentor, der Liturgie und Gottesdienst organisiert. Ein Kathedralpräzentor ist in der Regel ein Kapitularkanoniker oder Benefiziat und kann von einem Succentor unterstützt werden, speziell bei der täglichen Aufgabe des chorischen Vorsängers. In einigen Kathedralen, beispielsweise in Canterbury, ist der Präzentor ein niederer Kanoniker und in dieser Funktion nicht Mitglied des Kapitels.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Migne: Dict. de Droit Canon; s.v. Chantre; Migne: Dict. de Jurisprudence; s.v. Grand Chantre.