Pracht-Erdschildkröte

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Pracht-Erdschildkröte
Guatemala-Pracht-Erdschildkröte

Guatemala-Pracht-Erdschildkröte

Systematik
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Altwelt-Sumpfschildkröten (Geoemydidae)
Unterfamilie: Erdschildkröten (Geoemydinae)
Gattung: Amerikanische Erdschildkröten (Rhinoclemmys)
Art: Pracht-Erdschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Rhinoclemmys pulcherrima
(Gray, 1855)

Die Pracht-Erdschildkröte (Rhinoclemmys pulcherrima = „Die Herrlichste“ / „Die Prächtigste“), auch Bunte Erdschildkröte genannt, ist vom äußersten Süden der USA bis hin nach Mittelamerika im Nordwesten von Costa Rica beheimatet. Obwohl die Pracht-Erdschildkröte in der Neuen Welt lebt, gehört sie zur Familie der Altwelt-Sumpfschildkröten. Amerikanische Erdschildkröten sind die einzigen Schildkröten aus der Alten Welt, welche in der Neuen Welt zu Hause sind.

Merkmale[Bearbeiten]

Pracht-Erdschildkröten erreichen eine Größe von etwa 20 Zentimeter (Panzerlänge) und ein Gewicht von etwa 600 Gramm bei den Weibchen. Die Männchen sind etwas kleiner, haben jedoch einen längeren, kräftigeren Schwanz, ihre Kloake ist weiter zum Schwanzende hin verschoben als bei den Weibchen. Der Bauchpanzer der Männchen ist zudem leicht eingewölbt (konkav), was dazu dient, dass sich die Männchen bei der Fortpflanzung leichter auf dem Rückenpanzer der Weibchen halten können. Die Geschlechtsmerkmale sind in jungen Jahren jedoch nur sehr schwer zu unterscheiden und variieren auch im Alter stark. Der Panzer hat eine erdbraune bis braun-graue Grundfärbung und ist je nach Unterart und Individuum stärker oder schwächer mit roten, gelben und schwarzen Linien und Flecken gezeichnet. Die Schildkröten tragen diese auch an Kopf, Hals und Extremitäten. Die Grundfärbung der Haut reicht vom Farbton des Panzers bis hin zu einem bräunlichen Grün und Gelb.

Unterarten[Bearbeiten]

Die Tierart der Pracht-Erdschildkröte wird aus Vertretern der vier Unterarten:

  • Sonora-Pracht-Erdschildkröte (Rhinoclemmys pulcherrima rogerbabouri)
  • Guerrero-Pracht-Erdschildkröte (Rhinoclemmys pulcherrima pulcherrima)
  • Guatemala-Pracht-Erdschildkröte (Rhinoclemmys pulcherrima incisa)
  • Costa-Rica-Pracht-Erdschildkröte (Rhinoclemmys pulcherrima manni)

gebildet. Die Unterarten sind an der Zeichnung des Rückenpanzers (Carapax), des Bauchpanzers (Plastron) sowie an der Zeichnung um Augen, Maul und Nase zu unterscheiden.

Sonora-Pracht-Erdschildkröte[Bearbeiten]

Rhinoclemmys pulcherrima rogerbabouri

Der Rückenpanzer der Sonora-Pracht-Erdschildkröte weist eine dunkelbraune Färbung auf. Die Schildkröte ist etwas breiter und flacher als Vertreter der Unterarten 'manni' und 'incisa'. Das schwarze Band auf dem Bauchpanzer nimmt mehr als die Hälfte der Fläche ein und ist nicht scharf begrenzt.

Guerrero-Pracht-Erdschildkröte[Bearbeiten]

Rhinoclemmys pulcherrima pulcherrima

Das nominotypische Taxon der Pracht-Erdschildkröte weist einen braun-grauen Rückenpanzer auf. Vereinzelt sind schwarze Flecken oder Linien zu erkennen, meist gibt es pro Schild einen mittig angeordneten schwach sichtbaren verschiedenfarbigen Fleck (schwarz, gelb, rot).

Guatemala-Pracht-Erdschildkröte[Bearbeiten]

Rhinoclemmys pulcherrima incisa

Die Guatemala-Pracht-Erdschildkröte – manchmal auch als Chiapas-Pracht-Erdschildkröte bezeichnet – hat eher einen einheitlich braun gefärbten Rückenpanzer, eventuelle Linien und Flecken sind kaum bis gar nicht vorhanden. Das rot-gelb-schwarze Farbspektrum ist noch an den Panzerrändern erkennbar. Das schwarze Band auf dem Bauchpanzer ist breiter als bei der Schwester aus Costa-Rica und nicht so scharf begrenzt. Um Maul und Augen sind die roten Linien durch schmalere, sehr feine schwarze Linien umrandet.

Costa-Rica-Pracht-Erdschildkröte[Bearbeiten]

Rhinoclemmys pulcherrima manni

Costa-Rica-Pracht-Erdschildkröte im Zoo Aquarium Berlin
Vergleich 'incisa' (2 Tiere) mit 'manni' (rechts)

Die Costa-Rica-Pracht-Erdschildkröte weist so genannte Ozellen auf dem Rückenpanzer auf. Der Begriff ist aus der Insektenwelt entlehnt und bezeichnet sinnbildlich die kreisähnlichen, augenförmigen Linien und Punkte, meist mit schwarzer Rahmung. Auf dem Bauchpanzer befindet sich mittig ein schmales schwarzes Band (≤ 25 Prozent Breite des Plastrons). Maul, Augen und Hals sind mit roten (seltener gelben) Linien umgeben. Diese wiederum werden durch schwarze Linien umrandet, welche etwas stärker als bei der 'incisa' ausgeprägt sind. Die 'manni' ist die farbenfreudigste Vertreterin der vier Unterarten mit der kräftigsten Zeichnung und ein wahrer Paradiesvogel. Da die Schildkröten von den USA bis Costa Rica in vielen unterschiedlichen Vegetationszonen zu Hause sind, existiert auch innerhalb der Unterarten eine farb- und formliche Vielgestaltigkeit. Bei der 'manni' und 'incisa' kommt es insbesondere in der Gegend um die großen Süßwasserseen in Nicaragua zu Übergangsformen der beiden Unterarten.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Die Pracht-Erdschildkröten leben in den südlichen USA (Arizona), einzelnen Bundesstaaten in Mexiko (Sonora, Colima, Guerrero, Oaxaca, Chiapas), in Guatemala, Honduras, Nicaragua bis hin zum nordwestlichen Costa Rica. Sie bewohnen immer den zum Pazifik liegenden Landesteil, oft nur auf einem nicht mehr als 50 km breiten, küstennahen Streifen ins Landesinnere.

Die Heimat der Pracht-Erdschildkröten sind die (Trocken-)Wälder, Sümpfe und Auen. Man findet sie auch in wüstenartigen Zonen, dort jedoch vorzugsweise an den wenigen feuchteren Stellen. Im trockeneren Umfeld gräbt sich die Schildkröte gerne in den Boden ein. Das bietet ihr Schutz vor Fressfeinden, vor zu hohen Temperaturen und Austrocknung. Insekten und Würmer, die in dieser Situation vor ihr Maul geraten, haben keine Chance und werden gefressen. Schildkröten haben zwar die Langsamkeit auf dieser Welt gepachtet, im Notfall und beim Fressen können sie jedoch ein erstaunliches Tempo vorlegen.

Von Nord nach Süd[Bearbeiten]

Die Pracht-Erdschildkröte in der privaten Terrarienhaltung[Bearbeiten]

Die manni und die incisa wurden in den letzten Jahren zu beliebten Tieren für die Terrarienhaltung. Man findet diese beiden Unterarten häufig in Zoohandlungen. Beim Kauf sollte man Nachzuchten bevorzugen, da diese nicht zu Eingriffen in den Wildbestand führen und besser mit den heimischen Haltungsbedingungen zurechtkommen.

Die Schildkröten fressen fast alles was mit der Nase für gut befunden wird, sowohl Grünpflanzen (Salate, Kräuter, Gräser) Obst und Gemüse als auch Würmer und Insekten. Potenzielles Futter wird ausgiebig und ggf. lange berochen. Dazu nimmt die Schildkröte in gesicherter Position vor der potenziellen Speise Platz und fährt vielfach hintereinander ihren Hals weit aus dem Panzer möglichst nahe an das Futter heran und wieder zurück. Schildkröten haben eine exzellente Nase und gute Augen. Bevorzugt werden Speisen, welche ein nicht allzu festes Äußeres aufweisen. In der Terrarienhaltung gelten Regenwürmer und Bananen als absolute Leibspeise. In Gefangenschaft werden die Tiere bei guter Pflege ohne weiteres 12 Jahre und älter. In einigen Zoos existier(t)en Exemplare mit einem Lebensalter von ≥ 21 Jahren.

Von den vier Unterarten ist die 'incisa' die Wasserliebenste. In Terrarienhaltung benötigt sie einen möglichst großen Wassertopf oder noch besser einen beständigen Wasserteil im Terrarium. Spezialität dieser Schildkröte ist es jedoch, sich möglichst viel Schlamm und Erde auf den Rücken zu packen und damit Baden zu gehen. Ein Filter im Wasserbecken hat keine Chance seine Arbeit zu tun. Tägliche Wasserwechsel sind unumgänglich. Die 'incisa' fühlt sich dann besonders wohl, wenn sie mit dem ganzen Panzer im Wasser untertauchen kann, die 'manni' dagegen kommt auch mit etwas weniger Wassertiefe zurecht.

Zwei 'incisa' beim Behaupten um das Futter, Zoo Aquarium Berlin, November 2006


Literatur[Bearbeiten]

  • Maik Schilde: Die Pracht-Erdschildkröte. Rhinoclemmys pulcherrima. Natur-und-Tier-Verlag, Münster 2004, ISBN 3-937285-33-4.
  • Holger Vetter: Turtles of the world. = Schildkröten der Welt. Band 2: North America. = Nordamerika. Chimaira, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-930612-57-7.
  • Holger Vetter: Turtles of the world. = Schildkröten der Welt. Band 3: Central and South Africa. = Mittel- und Südamerika. Chimaira, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-930612-82-8.
  • Zeitschrift Marginata 07/2005, ISSN 1613-0510.

Weblinks[Bearbeiten]