Prager Schule

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Die Prager Schule, deren wissenschaftliches Wirken in den 1920er Jahren in der damaligen Tschechoslowakei begann, ist die dritte strukturalistische linguistische Schule (neben der amerikanischen taxonomischen und der Kopenhagener Schule). Grundlegend waren dabei die Forschungen von Ferdinand de Saussure sowie die Theorien der russischen Formalisten. Die Sprache wird von den Prager Linguisten entsprechend als ein System funktioneller formaler Elemente (Phoneme, Morpheme, Wörter, Phrasen, Sätze, Texte) zur Schaffung von Kommunikation verstanden. Damit gehört die Prager Schule in die Reihe funktionalistischer Sprachtheorien.

Die Prager Schule begründete außerdem die Phonologie als linguistische Teildisziplin.

Seit den 1960er Jahren wird von der „neuen“ Prager Schule die Funktionale generative Beschreibung entwickelt.

Unter Rückgriff auf Konzepte der russischen Sprachwissenschaft schufen die tschechischen Mitglieder des Prager Linguistenkreises überdies die Theorie der Sprachkultur als Grundlage für die Standardisierung des Tschechischen.

Führende Mitglieder des Prager Linguistenkreises waren die gebürtigen Russen Roman Jakobson und Nikolai Trubetzkoy sowie die Tschechen Vilém Mathesius und Bohuslav Havránek.

Einige der zentralen Theoreme der Prager Schule wurden ab Ende der 1920er Jahre auch von führenden tschechischen Literaturtheoretikern wie z. B. Jan Mukařovský übernommen. Diesen literaturtheoretischen Ableger des Prager Linguistenkreises bezeichnet man auch als Prager literaturwissenschaftlichen Strukturalismus.

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