Prag (Stuttgart)

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Blick vom Killesberg auf den Pragsattel
Wappen von Stuttgart
Auf der Prag
Stadtteil von Stuttgart
Karte
Koordinaten 48° 48′ 40″ N, 9° 10′ 45″ O48.8111111111119.1791666666667Koordinaten: 48° 48′ 40″ N, 9° 10′ 45″ O
Fläche 0,272 km²
Einwohner 4293 (2011)
Bevölkerungsdichte 15.783 Einwohner/km²
Postleitzahl 70191
Vorwahl 0711
Stadtbezirk Stuttgart-Nord
Quelle: Datenkompass Stuttgart (PDF; 1,9 MB)
Der Pragsatteltunnel führt die B 10 unter dem Pragsattel hindurch

Die Prag ist ein Höhenrücken nördlich der Stuttgarter Innenstadt zwischen dem Höhenpark Killesberg und dem Rosensteinpark. Der im Westen an Nordbahnhof und Pragfriedhof grenzende Stadtteil trägt den Namen „Auf der Prag“ und gehört zum Stadtbezirk Stuttgart-Nord.

Pragsattel/Straßentunnel[Bearbeiten]

Die Haltestelle Pragsattel der Stadtbahn mit Fahrzeug der ehem. Straßenbahnlinie 15

Der Pragsattel ist der tiefste Punkt über den Höhenrücken. Da sich hier die drei Bundesstraßen B 10, B 27 und B 295, die Zufahrt zum Killesberg sowie mehrere Stadtbahnlinien treffen, ist diese Kreuzung chronisch überlastet. Täglich befahren ca. 110.000 Fahrzeuge[1] die Kreuzung. Damit ist sie die frequentierteste Stuttgarts.[2]

Aus diesem Grund wurde immer wieder umgebaut und erweitert: Die Stadt- und Straßenbahnlinien wurden in den 1980er Jahren in den Untergrund verlegt. Im Jahr 2002 begann man schließlich zwischen Pragstraße/Löwentor und Heilbronner Straße mit dem Bau des 720 m langen Pragsatteltunnels. Seit seiner Eröffnung am 6. Mai 2006 muss knapp die Hälfte des Gesamtverkehrsaufkommens (45.000 Fahrzeuge) auf der B 10 den Sattel nicht mehr befahren. Die Baukosten beliefen sich auf rund 100 Mio. €.[3] Zudem ersetzt nun die 132 m lange Auerbachbrücke die alte Abzweigung zum Stadtteil Burgholzhof und zum Robert-Bosch-Krankenhaus; sie war bereits im Dezember 2003 fertiggestellt worden.

Markantester Punkt auf dem Pragsattel ist der Pragbunker, ein Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg mit einer großen Werbevideowand. Wegen der weithinsichtbaren Werbung für die Firma Bosch, wird er im Volksmund Bosch-Turm genannt. Ab September 2013 hat allerdings Bosch den Vertrag für ihre Lichtwerbung nicht mehr verlängert. An die Stelle des Bosch Schriftzuges tritt der Werbeschriftzug der Firma Mahle.

Die Heilbronner Straße in Richtung Zuffenhausen wurde zwischen Pragsattel und Friedrichswahl (Stuttgart-Zuffenhausen) auf sechs bis acht Spuren ausgebaut. Künftig soll auch noch der Verkehr der B 295 von Feuerbach über die Borsigstraße und anschließend über die verbreiterte Heilbronner Straße umgeleitet werden. Damit wird dann der Verkehr auf der B 295 von Feuerbach nach Cannstatt zur B 10 durch den Tunnel des Pragsattels geführt und der oberirdische Teil der Kreuzung weiter entlastet werden.[4] Dafür wird Zuffenhausen zusätzlich mit Abgasen belastet.

Auf der Cannstatter Seite des Sattels plant man, beim Ausbau der B 10 diese unter dem Rosensteinpark durch einen neuen Straßentunnel zu führen, womit die Pragstraße entlastet würde, vgl. Rosensteintunnel. Der Rosensteintunnel würde den Gesamtverkehr auf der B 10 in der Stadtdurchfahrt Stuttgart weiter stark ansteigen lassen. Aus diesem Grund stößt er in vielen Stadtteilen auf Ablehnung.

Pragfriedhof[Bearbeiten]

Jugendstil-Krematorium im Pragfriedhof

Südlich unterhalb des Pragsattels liegt an der Heilbronner Straße der Pragfriedhof im Stadtteil „Am Pragfriedhof“. Es ist mit 20 ha einer der größten der Stadt. Er wurde im Jahre 1873 eröffnet. Von 1905 bis 1907 erbaute man dort im Jugendstil die zugehörige Feierhalle sowie das einzige Krematorium Stuttgarts.

Pragtunnel[Bearbeiten]

Der Pragtunnel in Richtung Nordwest schafft unter der Prag die Verbindung zwischen dem Stuttgarter Kopfbahnhof und den Bahntrassen nach Norden.

Theaterhaus Stuttgart[Bearbeiten]

Ehemaliger Luftschutzbunker auf dem Pragsattel

Seit März 2003 steht an der Grenze zum Pragsattel (aber bereits im Stadtbezirk Feuerbach) das Theaterhaus Stuttgart.

Umgebung[Bearbeiten]

Westlich oberhalb der Prag liegt der Höhenpark Killesberg, das Gelände der Gartenschau von 1939 und der Internationalen Gartenbauausstellung von 1993. Zu ihm gehört auch das Areal der ehemaligen Stuttgarter Messe. Nach Osten fällt von der Prag das Gelände ab, hier liegen der Leibfriedsche Garten – danach folgt der Rosensteinpark, weiter unterhalb der zoologisch-botanische Garten Wilhelma im Stadtbezirk Bad Cannstatt am Ufer des Neckar.

Entstehung des Stadtteilnamens Prag[Bearbeiten]

Es existieren verschiedene Versionen, wie der Name Prag entstanden ist. Eine davon leitet sich aus dem Wort „Brache“ ab, da das im Norden liegende Gebiet, wie aus einer Urkunde aus dem Jahre 1481 ersichtlich, nach der Rodung im 12. Jahrhundert, wüst und leer gewesen und von Graf Ulrich dem Vielgeliebten um Zins verliehen worden sei. Dem keltischen Wort barg, Anhöhe oder Nacken bedeutend, dürfte jedoch der Stadtteil den Namen Prag, der mitunter Anlass zu Verwechslungen mit der tschechischen Hauptstadt Prag gibt („Sie sprechen aber gut Deutsch!“), verdanken. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1292 „Bri et Brage“ und muss vor allem im Zusammenhang mit dem zweitausend Jahre alten Prag-Pass (dem heutigen Pragsattel) gesehen werden, der schon zur Römerzeit als Verkehrsknoten von Straßburg über Pforzheim zum Kastell Cannstatt wie auch im Mittelalter durch die württembergische Haupt-Reichsstraße von Ulm nach Bruchsal große Bedeutung erlangte. 1334 wird in Lagerbüchern des Esslinger Spitals von wingart (Weingarten) sita uf Bragt berichtet. Auch wandelt sich ständig die Schreibweise und wir finden 1345 Brak, 1350 Bragt, 1451 uff der Brackt, 1585 uff den lang und kurzen Brägdten bis sich ab 1700 der Anlaut B in ein P verwandelt – auf Karten um 1900 ist aber auch noch die Schreibung Brag zu finden.[5]

Sport[Bearbeiten]

Bekanntester Sportverein des Stadtteils ist der SV Prag Stuttgart.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Prag (Stuttgart) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. domino1.stuttgart.de
  2. Pragsatteltunnel stößt auf Lob und Kritik. (Version vom 27. September 2007 im Internet Archive)
  3. Reutlinger General-Anzeiger, 5. Mai 2006.
  4. domino1.stuttgart.de (PDF)
  5. greif.uni-greifswald.de