Pravice

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pravice
Wappen von Pravice
Pravice (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 992 ha
Geographische Lage: 48° 51′ N, 16° 21′ O48.84388888888916.353333333333187Koordinaten: 48° 50′ 38″ N, 16° 21′ 12″ O
Höhe: 187 m n.m.
Einwohner: 322 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 671 78
Kfz-Kennzeichen: B
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Jaroslav Vitouch (Stand: 2009)
Adresse: Pravice 70
671 78 Jiřice u Miroslavi
Gemeindenummer: 594687
Website: www.obecpravice.cz

Pravice (deutsch Probitz) ist eine Gemeinde in Südmähren, Tschechien. Der Ort liegt ca. 15 km nördlich der österreichischen Grenze.

Geographie[Bearbeiten]

Nachbarorte sind Břežany (Frischau) im Norden, Božice (Possitz) im Westen und Hrušovany nad Jevišovkou (Grusbach) im Südosten. Der Ort selbst liegt auf 226 m NN an der Jevišovka (Jaispitz) im Einzugsgebiet der Thaya.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft fand 1131 statt. Da das Dorf rechteckig angelegt wurde, geht man davon aus, dass es eine geplante Gründung war. Die Anlage von Probitz sowie die bairisch-österreichisch Ui-Mundart mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern, welche bist 1945 gesprochen wurde, weisen auf eine Besiedlung durch bayrische deutsche Stämme hin, wie sie um 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[2] Die Schreibweise des Ortes änderte sich mehrmals. So schrieb man 1131 "Brawicz", 1293 "Prohowitz", 1326 "Prabitz", 1437 "Browitz", 1539 "Probitz", 1672 "Brabitz" und ab 1700 die heutige Namensform "Probitz"[3]. Probitz erhielt in diesen Jahren das Recht der Gerichtsbarkeit. Im Laufe der Geschichte sind mehrere umliegende Orte durch Krieg oder Epidemien verödet: In den Hussitenkriegen der südwestlich gelegene Ort Milkowitz, östlich Martinitz und während der Reformationswirren die südlich gelegene Siedlung Johannesstadt. Geheimnisvolle unterirdische Gänge und Erdställe entdeckte man zwischen Gutshof und Taborberg.

Während des Dreißigjährigen Krieges litt die Ortschaft unter Plünderungen und so verödeten 14 Anwesen. Diese wurden in den nächsten 30 Jahren langsam wieder besiedelt. Als schwedische Truppen unter Lennart Torstensson im Jahre 1645 Olmütz besetzten, unterbanden sie durch Raub und Drohungen fast die ganze Landwirtschaft in der Herrschaft[4]. Ab dem Jahre 1692 war das Dorf ein Teil der Herrschaft Frischau.

Matriken werden seit 1744 geführt. Seit 1753 ist der 7. August (Donatus) Gemeindefeiertag. Im 18. Jahrhundert wurde das Dorf ausgebaut und dadurch vom Straßendorf zum Gassendorf. 1833 wurde die Kapelle, 1835 das erste Schulhaus erbaut (1892 ein neues). 1849 und 1855 / 1856 litt das Dorf unter der Cholera. 1886 wurde der neue Friedhof eingeweiht. Durch einen Großbrand im Jahre 1894 brennt eine ganze Häuserreihe nieder. Im gleichen Jahr wird der Jaispitzbach reguliert. 1903 gründeten die Dorfbewohner eine Freiwillige Feuerwehr[5]. Der größte Teil der Einwohner von Probitz lebte von der Vieh- und Landwirtschaft, wobei der in Südmähren seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau kaum eine Rolle spielte. So überstieg die Menge des produzierten Weins nie den Eigenbedarf des Ortes.[6] Weiters wurden verschiedene Getreide-, Gemüse- und Obstsorten in großen Mengen angebaut. Ebenso war die Jagd mit jährlich 600 geschossenen Hasen, 400 Kaninchen, 350 Fasanen, 1.000 Rebhühnern und 50 Rehen sehr einträglich. Neben dem üblichen Kleingewerbe gab es noch einen herrschaftlichen Meierhof, eine Milchsammelstelle und eine Ziegelei.

Die Tschechoslowakei als einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, beanspruchte auch die deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens für sich, die mit den Alpenländern am 30. Oktober 1918 den neuen Staat Deutschösterreich gründeten. Da die Tschechen von der Triple-Entente als Gegner Österreichs anerkannt waren, gehörten sie gleichsam zu den Siegern des Krieges und achteten das von Woodrow Wilson verkündete Selbstbestimmungsrechts der Völker nur insoweit, als es ihnen Nutzen brachte. Sie schufen daher vollendete Tatsachen, indem im November/Dezember 1918 Truppen der Tschechoslowakischen Republik Südmähren besetzten.

Der Vertrag von St. Germain[7] sprach diese strittigen Territorien gegen den Willen der dortigen deutschen Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch die südmährische Ortschaft Probitz, deren Bewohner 1910 zu 99 % Deutschsüdmährer waren, definitiv an den neuen Staat. Die folgende Bodenreform, eine Sprachenverordnung und die Neubesetzung von Beamtenstellen begünstigten den Zuzug von Tschechen in den deutschsprachigen Ort[8].

Die deutschen demokratischen Parteien strebten erfolglos nach Autonomie in der Tschechoslowakischen Republik. Die faschistisch strukturierte Sudetendeutsche Partei Konrad Henleins trat in den dreißiger Jahren kompromissloser auf und erhielt bald von Hitler Rückendeckung für ihre immer weiter gehenden Forderungen. Hitler drohte im Sommer 1938 damit, die Sudetendeutschen gewaltsam heim ins Reich zu holen. Da die Westmächte noch nicht bereit waren, Hitlers Aggression mit einem Krieg zu begegnen, schlugen sie die so genannte Appeasementpolitik ein, die in Hitlers Umgebung, die nicht so kriegsfreudig war wie er, gern aufgegriffen wurde. Mit Mussolinis Hilfe traf man sich – ohne Vertreter der Tschechoslowakei – in München und bestimmte dort im Münchner Abkommen den Anschluss der deutschen Randgebiete Tschechiens an das Deutsche Reich (die Nichtigkeit dieses Vertrags zu Lasten eines Dritten wurde von Deutschland später anerkannt). Somit wurde Probitz mit 1. Oktober 1938 Teil des Deutschen Reiches und am 15. April 1939 dem Reichsgau Niederdonau, wie Niederösterreich damals genannt wurde, angeschlossen.[9]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der 64 Opfer forderte, kam die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakei zurück. Ungefähr die Hälfte aller deutschen Bürger von Probitz flohen vor den einsetzenden Nachkriegsexzessen oder wurden durch militante Tschechen wild über die Grenze nach Österreich vertrieben. Beim Versuch einer Nachkriegsordnung nahmen die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer" der "deutschen Bevölkerungsteile", die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“. [10] 445 Deutschsüdmährer wurden zwischen dem 22. Juni und dem 18. September 1946 nach Deutschland zwangsausgesiedelt. Vier Personen verblieben im Ort. Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Restitution ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

Von den 835 Vertriebenen wurden 689 in Deutschland und 139 in Österreich angesiedelt. Je zwei Personen wanderten nach Kanada, in die USA und in andere europäische Staaten und eine nach Australien aus. Im Jahre 2000 waren auf dem Ortsfriedhof noch einige deutsche Gräber erhalten. Ebenso die 1918 errichtete Kapelle mit deutscher Aufschrift.

Verkehr[Bearbeiten]

1870 wurde der nördliche Ast der österreichischen Ostbahn eröffnet, Probitz erhielt eine Bahnstation. Vom damaligen Staatsbahnhof (später Ostbahnhof) in Wien reiste man im Jahr 1901 über Mistelbach, Laa an der Thaya und Grussbach-Schönau[11] in etwa vier Stunden die 98 Bahnkilometer nach Probitz, von wo die Strecke über Mährisch-Kromau und Kanitz nach Brünn weiterführte. Wien und Brünn waren über diese Strecke zwar durch ein Dutzend Züge, darunter vier Schnellzüge, pro Tag verbunden, von denen 1901 aber nur vier in Probitz hielten. 1944 / 1945 hielten zehn Züge pro Tag in Probitz, die Fahrzeit von / nach Wien über Grusbach-Schöngrafenau hatte sich auf dreieinviertel Stunden reduziert: Von / bis Wien konnte man sieben Mal pro Tag, von / bis Brünn fünf Mal pro Tag fahren[12]. Die direkte Bahnverbindung nach Wien ist seit 1945 an der Staatsgrenze bei Laa an der Thaya unterbrochen; nach 1989 erfolgte tschechische Vorschläge, den kurzen fehlenden Streckenteil wieder zu errichten, wurden in Österreich nicht aufgegriffen.

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Das älteste Siegel stammt aus dem Jahre 1598. Es zeigt einen Renaissanceschild, darin oben ein Pflugeisen und darunter ein Messer. Die seitlichen Leerfelder werden durch ein Sternchen und eine Blume ausgefüllt. Ein der Gemeinde 1798 verliehenes Siegel zeigt eine Inschrift und einen Eichenzweig mit drei Eicheln und zwei Blättern.[13]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 658 630 28 0
1890 704 701 3 0
1900 742 730 12 0
1910 745 737 8 0
1921 781 723 30 28
1930 879 853 23 3

[14]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kapelle zur Hl. Dreifaltigkeit (1835) renoviert (1933)
  • Donatus-Statue (1753)

[15]

Brauchtum[Bearbeiten]

  • Der Spitzname der Probitzer bei ihren Nachbarn war "Krastanzer" oder "Eichelbeeren"

Literatur[Bearbeiten]

  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Karl Kraus: Unsere Gemeinde Probitz (1988)
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden (1992), Probitz S. 195

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Leopold Kleindienst:Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band I, S. 206
  4. Karl Hörmann: Die Herrschaften Grusbach und Frischau unter den Herren Breuner (1622 - 1668), Geislingen/Steige, 1997, ISBN 3-927498-21-1
  5. Lorenz Hofbauer: Zeittafel von Probitz; auf der Website ehemals deutschsprachiger südmährischer Gemeinden, abgerufen 8. Jänner 2010
  6. Hans Zuckriegl:Ich träum' von einem Weinstock, Kapitel 7, S. 260
  7. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  8. Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  9. deutsches Reichsgesetzblatt 1939, S. 745 f., Reichsgesetz vom 25. März 1939
  10. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  11. Schreibweise nach dem Officiellen Coursbuch, Wien, Ausgabe Mai 1901
  12. Faksimile des Kursbuches 1944
  13. Gustav Gregor: Der politische Landkreis Bd. , S. 179
  14. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  15. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren (1990), Probitz S. 31f, ISBN 3-927498-13-0

Weblinks[Bearbeiten]