Prawda

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Prawda (Begriffsklärung) aufgeführt.
Prawda
Pravda logo.png
Beschreibung 1918-1991 Zentralorgan des ZK der KPdSU, danach unabhängig
Erstausgabe 5. Mai 1912
Erscheinungsweise täglich
Chefredakteur Walentin Schurchanow
Herausgeber Walentin Schurchanow
Weblink www.gazeta-pravda.ru
Kyrillisch (Russisch)
Правда
Transl.: Pravda
Transkr.: Prawda
Lenin mit einer Ausgabe der Prawda

Die Prawda (russisch Правда, „Wahrheit“) ist eine russische Tageszeitung, die bereits vor der Februarrevolution 1917 im zaristischen Russland erschienen war und später bis zum Ende der Sowjetunion als Organ der KPdSU Bestand hatte. Sie wurde von Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin) aus dem Exil angeregt und gegründet und sollte daher nicht mit der gleichnamigen von Leo Trotzki 1908 gegründeten Zeitung verwechselt werden.

Die Prawda erschien erstmals am 22. Apriljul./ 5. Mai 1912greg.[1] in Sankt Petersburg. Eigentlicher Herausgeber war Wjatscheslaw Molotow, der allerdings als solcher nie in Erscheinung trat, um die Arbeit der staatlichen Zensur zu erschweren. Stattdessen gab es 40 Pseudoherausgeber, die regelmäßig inhaftiert und zur Maximalstrafe von 3 Monaten verurteilt wurden. Ebenfalls zur Irreführung der Zensoren erschien die Zeitung regelmäßig unter anderen Namen, wie zum Beispiel als Arbeiterwahrheit, Wahrheit des Nordens, Weg der Wahrheit und als Wahrheit der Arbeit.

Stalin war 1913 bis zu seiner Verbannung nach Turuchansk kurz Chefredakteur der Prawda. Die Zeitung erschien seit 1917 in Moskau als Parteiorgan der KPdSU.

Prawda sollte die frühere Wochenzeitung Swesda (deutsch „Stern“) ersetzen, die seit dem 16. Dezemberjul./ 29. Dezember 1910greg. legal in St. Petersburg veröffentlicht worden war. Ab Januar 1911 begann sie, zweimal wöchentlich zu erscheinen, und ab März dreimal wöchentlich. Die Behörden verboten sie wiederholt. Von insgesamt 63 Ausgaben beschlagnahmten sie 30 und belegten acht mit Bußgeldern. Indem sie Massensammlungen von Spenden von Arbeitergruppen organisierte, bereitete Swesda schließlich den Boden für die Herausgabe der Prawda.

In der Prawda sollten Arbeiter für Arbeiter schreiben. So hieß es im Leitartikel der ersten Ausgabe:

„Wir möchten, dass sich die Arbeiter nicht auf die Sympathie beschränken, sondern an der Leitung unserer Zeitung aktiv mitarbeiten. Mögen die Arbeiter nicht sagen, Schriftstellerei sei für sie eine ‚ungewohnte‘ Arbeit. […] Man muss nur mutig ans Werk gehen: ein paar Mal wird man stolpern, und dann lernt man schreiben.“[2]

Sowjetischer Soldat mit Prawda in Moskau, 1941

Diese Aufforderung nahmen die Arbeiter dankbar an: Innerhalb des ersten Jahres schrieben sie mehr als 11.000 Beiträge. Nach der Februarrevolution 1917 subventionierte die deutsche Reichsregierung auf Vorschlag des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt Richard von Kühlmann das Blatt, in der Hoffnung auf ein rasches Ausscheiden Russlands aus der Koalition der Kriegsgegner.[3]

Die deutsche Besatzungsmacht ließ im Zweiten Weltkrieg in den von ihr besetzten Gebieten eine falsche Prawda verteilen. Das Blatt imitierte das Aussehen der echten Zeitung und enthielt Propagandatexte und -bilder, einschließlich der wiederholten Aufforderung, mit den „deutschen Befreiern“ zu kollaborieren.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 geriet die Prawda in große finanzielle Schwierigkeiten. 1996 wurde die ursprüngliche Prawda eingestellt. In der Nachfolge erschienen verschiedene neue Prawdas,[4] die bis heute existieren. Die einstmals größte Zeitung der UdSSR mit einer täglichen Auflage von 14 Millionen Exemplaren wurde in zwei, später in drei Teile zersplittert. Als 1992 die Finanzierung durch das ZK der KPdSU ausblieb, entschieden sich Journalisten für die Form einer Aktiengesellschaft. Als erster Gesellschafter fand sich ein zypriotisch-griechischer Verlag der Jannikos-Familie. Nach Übernahme eines Teils des Aktienstocks erhielt er drei von fünf Sitzen im Direktorium des neugebildeten Medienbetriebs.

Die Tageszeitung Prawda und das Wochenblatt Russlands Prawda stehen ideologisch der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation nahe.

Am 10. Februar 2006 brannte das Haus der Prawda ab. Zu diesem Zeitpunkt hatten dort mehrere Zeitungen ihren Sitz.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Prawda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Manfred Hagen: Die russische Freiheit. Wege in ein paradoxes Thema. Steiner, Stuttgart 2002, ISBN 3-515-07902-5, S. 132.
  2. Autorenkollektiv Hörwerk: Sprachrohr der Bolschewiki. In: Deutschlandfunk. 5. Mai 2007
  3. Georg Schild: Between Ideology and Realpolitik. Woodrow Wilson and the Russian Revolution 1917–1921. Greenwood Press, Westport 1995, S. 45.
  4. Manfred Quiring: Der Streit um die wahre Wahrheit. In: Berliner Zeitung. 29. September 1997
  5. Großbrand vernichtet einstiges Prawda-Gebäude. In: Russland-Aktuell. 13. Februar 2006