Praxagoras von Athen

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Praxagoras war ein spätantiker Historiker, der im frühen 4. Jahrhundert n. Chr. lebte.

Praxagoras war Heide und stammte aus Athen. Er war sehr wahrscheinlich ein Mitglied der aristokratischen Oberschicht Athens, worauf der Name (Praxagoras ist inschriftlich für Mitglieder der athenischen Oberschicht belegt)[1] und seine literarischen Aktivitäten deutlich hinweisen. Er wird eine dementsprechende Bildung genossen und dem literarischen Milieu der Rhetoriker nahegestanden haben.[2]

Praxagoras schrieb dem Exzerpt des byzantinischen Gelehrten Photios zufolge (Bibliotheke cod. 62), dem wir die meisten Informationen über Praxagoras verdanken, mit 22 Jahren eine Biographie über Kaiser Konstantin den Großen in zwei Büchern, verfasst im ionisch-griechischen Dialekt.[3] Photios zufolge war die Prosa genau und angenehm. Bei Praxagoras taucht wohl zum ersten Mal der Beiname „der Große“ für Konstantin auf.[4] Praxagoras pries den Kaiser panegyrisch. So schrieb er Photios zufolge:

...daß der Kaiser Konstantin durch all seine Tüchtigkeit, seine charakterliche Vollkommenheit und sein ganzes Glück alle vor ihm herrschenden Kaiser in den Schatten gestellt hat.[5]

Für den paganen Praxagoras bestand offenbar kein Widerspruch, Konstantin entsprechend dem antiken Herrscherideal als hervorragenden Kaiser darzustellen, obwohl dieser das Christentum förderte. Die Biographie endete anscheinend mit Konstantins Alleinherrschaft (324) und ist wohl von späteren Historikern benutzt worden (eventuell auch von Eusebius von Caesarea). Überliefert sind nur wenige Fragmente (Die Fragmente der griechischen Historiker Nr. 219), die vor allem auf der Zusammenfassung des Photios beruhen.[6]

Praxagoras verfasste zwei weitere historische Abhandlungen, eine Geschichte der Könige von Athen in zwei Büchern[7] und ein Geschichtswerk über Alexander den Großen in sechs Büchern.[8] Von beiden Werken ist nichts außer den Titeln überliefert, die Photios in seiner Zusammenfassung nennt. Photios zufolge schrieb Praxagoras die Königsgeschichte im Alter von 19 Jahren, die Alexandergeschichte im Alter von 31 Jahren; beide Informationen wird Photios dem Werk des Praxagoras entnommen haben. Rowland Smith hat die These aufgestellt, dass die Alexandergeschichte des Praxagoras womöglich von Julian, der ein Bewunderer Alexanders war, gelesen worden ist.[9] Sicher ist, dass die Alexandergeschichte das längste und wohl auch das reifste Werk des Praxagoras gewesen ist; es spiegelte außerdem das in dieser Zeit steigende Interesse an Persien und den Osten wider.[10]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bruno Bleckmann: Zwischen Panegyrik und Geschichtsschreibung. Praxagoras und seine Vorgänger. In: Martin Zimmermann (Hrsg.): Geschichtsschreibung und politischer Wandel im 3. Jh. n. Chr. Stuttgart 1999, S. 203–228.
  • Pawel Janiszewski: The Missing Link. Greek Pagan Historiography in the Second Half of the Third Century and in the Fourth Century AD. Warszawa 2006.
  • Rowland Smith: A Lost Historian of Alexander „Descended from Alexander“, and Read by Julian? Praxagoras of Athens Reviewed in the Light of Attic Epigraphy. In: Historia. Band 56, 2007, S. 356–380.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Rowland Smith: A Lost Historian of Alexander „Descended from Alexander“, and Read by Julian? Praxagoras of Athens Reviewed in the Light of Attic Epigraphy. In: Historia 56, 2007, hier S. 361ff.
  2. Vgl. auch Bruno Bleckmann: Zwischen Panegyrik und Geschichtsschreibung. Praxagoras und seine Vorgänger. In: Martin Zimmermann (Hrsg.): Geschichtsschreibung und politischer Wandel im 3. Jh. n. Chr. Stuttgart 1999, hier S. 211ff.
  3. Siehe dazu ausführlich Pawel Janiszewski: The Missing Link. Greek Pagan Historiography in the Second Half of the Third Century and in the Fourth Century AD. Warszawa 2006, S. 352–370.
  4. Praxagoras 6 bei Photios, vgl. auch Bruno Bleckmann: Zwischen Panegyrik und Geschichtsschreibung. Praxagoras und seine Vorgänger. In: Martin Zimmermann (Hrsg.): Geschichtsschreibung und politischer Wandel im 3. Jh. n. Chr. Stuttgart 1999, hier S. 210.
  5. Praxagoras 8, Übersetzung nach Bruno Bleckmann: Zwischen Panegyrik und Geschichtsschreibung. Praxagoras und seine Vorgänger. In: Martin Zimmermann (Hrsg.): Geschichtsschreibung und politischer Wandel im 3. Jh. n. Chr. Stuttgart 1999, S. 210.
  6. Vgl. aber den Hinweis auf ein weiteres Fragment bei Bruno Bleckmann: Zwischen Panegyrik und Geschichtsschreibung. Praxagoras und seine Vorgänger. In: Martin Zimmermann (Hrsg.): Geschichtsschreibung und politischer Wandel im 3. Jh. n. Chr. Stuttgart 1999, S. 210.
  7. Siehe dazu Pawel Janiszewski: The Missing Link. Greek Pagan Historiography in the Second Half of the Third Century and in the Fourth Century AD. Warszawa 2006, S. 263–265.
  8. Siehe dazu Pawel Janiszewski: The Missing Link. Greek Pagan Historiography in the Second Half of the Third Century and in the Fourth Century AD. Warszawa 2006, S. 161–164.
  9. Rowland Smith: A Lost Historian of Alexander „Descended from Alexander“, and Read by Julian? Praxagoras of Athens Reviewed in the Light of Attic Epigraphy. In: Historia 56, 2007, hier S. 375ff.
  10. Pawel Janiszewski: The Missing Link. Greek Pagan Historiography in the Second Half of the Third Century and in the Fourth Century AD. Warszawa 2006, S. 163f.