Praxagoras von Kos

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Praxagoras von Kos war ein im 4. Jahrhundert v. Chr. lebender griechischer Arzt. Er gilt als einer der berühmtesten Mediziner des Altertums und wurde häufig von anderen antiken Medizinern zitiert.

Leben[Bearbeiten]

Praxagoras stammte aus dem angesehenen Geschlecht der Asklepiaden von Kos, sein Vater hieß Nikarchos. Hinsichtlich Diagnostik und Therapie stand Praxagoras in der Tradition des Hippokrates von Kos. Den Höhepunkt seines Wirkens erreichte er um 300 v. Chr. Er nutzte wahrscheinlich die Einrichtungen des ausgedehnten Asklepiosheiligtums in Kos, nicht ausgeschlossen werden kann ein Aufenthalt in Alexandria.

Praxagoras war ein Zeitgenosse des Mediziners Diokles von Karystos, wobei es sowohl Berührungspunkte mit dessen und der aristotelischen Lehre gibt als auch Abweichungen. Insgesamt vertrat aber Praxagoras eigene medizinische Standpunkte. In der Tradition der westgriechischen Medizin räumte er dem Herzen eine zentrale Rolle ein und nahm an, dass die Nerven dort ihren Ursprung hätten. Als einer der ersten Mediziner hatte Praxagoras zudem zwischen Venen und Arterien unterschieden. Hinsichtlich des Pulses wies er als erster Arzt auf die damit zusammenhängenden diagnostischen Möglichkeiten hin.

Bezüglich der Entstehung von Krankheiten bzw. für die Beibehaltung der Gesundheit war für ihn die Humoralpathologie zentral. Nach Galenos, der Praxagoras zitierte, modifizierte er die Säftetheorie des Hippokrates, sodass er auf insgesamt elf Körpersäfte kam. In Bezug auf die Physiologie spielte in den Vorstellungen des Praxagoras das Pneuma eine nicht unwichtige Rolle.

Praxagoras widmete sich relativ stark der Anatomie, untersuchte Gehirn, Rückenmark und führte womöglich Operationen am Darm durch. Dieser anatomische Ansatz wurde später von seinem berühmten Schüler Herophilos von Chalkedon fortgeführt. Von seinen zahlreichen medizinischen Schriften sind uns nur Fragmente erhalten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Georgia L. Irby-Massie: Greek Science of the Hellenistic Era: A Sourcebook. London-New York 2002, S. 296f. (Ausschnitte der Fragmente in engl. Übersetzung)
  • Ferdinand Peter Moog: Praxagoras von Kos. In: Werner E. Gerabek u.a. (Hrsg.), Enzyklopädie Medizingeschichte. Berlin 2004, S. 1182.
  • Georg Wöhrle: Studien zur Theorie der antiken Gesundheitslehre. Stuttgart 1990, S. 170ff.