Pre Rup

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Der Staatstempel Pre Rup
Blick von der obersten Pyramidenstufe nach Osten

Der Shiva geweihte Pyramidentempel Pre Rup (Khmer: ប្រាសាទប្រែរូប), nahe der kambodschanischen Stadt Siem Reap gelegen, ist der bedeutendste Angkortempel des 10. Jahrhunderts.

Geschichte[Bearbeiten]

Als Jayavarman IV. im Jahr 928 König des gesamten Khmer-Reichs wurde, verlegte er die Hauptstadt des Angkorreichs etwa 100 km weit in Richtung Nordosten nach Koh Ker. Auch dessen Nachfolger Harshavarman II. (941 - 944) residierte in Koh Ker. König Rajendravarman II. (Regierungszeit 944–968), ein Cousin Harshavarmans II., zog zurück nach Angkor, aber nicht an den Phnom Bakheng, sondern wenige Kilometer entfernt an den Östlichen Baray.[1] Er liess die einstige Hauptstadt Yasodharapura restaurieren und den Insel-Tempel Östlicher Mebon errichten, der 952 eingeweiht wurde. Neun Jahre später und 500 m südlich davon, wurde sein Staats-Tempel, der Pyramidentempel Pre Rup eingeweiht. Dieser besitzt einen ähnlichen Bauplan wie der Östliche Mebon, ist aber komplexer und prächtiger. Der Pre Rup wiederum diente als Modell für die weit größeren „Tempelberge“ Ta Keo und Angkor Wat.[2]

Architektur[Bearbeiten]

Vom Osten her führt ein heute weitgehend von der vorbeiführenden Straße verdrängter Dammweg an des Bauwerk heran. Auf einer Grundfläche von 127 auf 117 m schichten sich eine zweistufige Terrasse und eine dreistufige steile Pyramide (Höhe 12 m), darauf erheben sich fünf Prasat genannte Türme, im Quincunx angeordnet, also wie die fünf Punkte auf einer Würfelfläche. Die Baumaterialien, von unten nach oben, sind Laterit, Sandstein und Backstein.

Aus den vier Haupthimmelsrichtungen erblickt man die vier Seiten der Anlage und steigt jeweils mittig über mit Absätzen versehene Treppen auf den zentralen, deutlich erhöhten Turm zu. Diese Architektur symbolisiert in ihrer Ausrichtung Harmonie mit Erde und Himmel, in ihrem Aufbau den ins Zentrum und nach oben führenden Weg zu den Göttern, die auf dem Berg Meru wohnen.

Weitere Elemente sind insbesondere fünf Ziegeltürme und eine Kette von Hallen auf der unteren Terrassenstufe, zwei so genannte Bibliotheken und weitere Bauten auf der oberen Terrassenstufe sowie zwölf kleinere Türme auf der untersten Pyramidenstufe.

Bauschmuck[Bearbeiten]

Türsturz ungeklärter Herkunft im so genannten Pre-Rup-Stil (Musée Guimet, Paris)

Pre Rup ist wegen seiner stimmigen und stilbildenden Architektur bedeutend, nicht wegen seines Bauschmucks. Die Qualität der Sandsteinreliefs und der wenigen erhaltenen Stuckarbeiten an den Türmen ist jedoch durchweg beachtlich. Die Ecken des zentralen Turms und der Osttürme sind mit männlichen, die Ecken der Westtürme mit weiblichen Wächterfiguren versehen. Der Südwestturm zeigt Brahmi, das weibliche Prinzip Brahmas (vier Köpfe, vier Arme), und Varahi, eine weibliche Inkarnation Vishnus (Wildschweinkopf).

Tourismus[Bearbeiten]

Wer Pre Rup besuchen will, muss einen Angkor-Tempel-Pass vorweisen. Die Verkaufsstelle dieser Ein-, Drei- und Siebentagepässe liegt an der Straße zwischen Siem Reap und Angkor Wat.

Pre Rup ist von Touristen nicht überlaufen und gut geeignet, um sich auf größere oder detailreichere Tempel einzustimmen. Der Blick von der obersten Pyramidenstufe ins Umland gilt zurecht als besonders schön: Die Sonne geht hinter Reisfeldern, Wasserbüffelweiden und dem Dschungel unter.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Csaba Kàdas: Koh Ker, Shortguide, Hunincor 2010, ISBN 978-963-08-0470-7, S. 15
  2. Mertens Jochen: "Die Sanskrit-Inschriften von Bat Chum", Verlag: Books on Demand GmbH, Norderstedt 2005 ISBN, 3-8334-2497-4, S. 25

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Freeman und Claude Jacques: Ancient Angkor. Bangkok 1999 (River Books). ISBN 974-8225-27-5.
  • Nick Ray: Cambodia. Victoria 2005 (Lonely Planet Publications). ISBN 1-74059-525-4.
  • Johann Reinhart Zieger: Angkor und die Tempel der Khmer in Kambodscha. Chiang Mai 2006 (Silkworm Books). ISBN 974-9575-60-1.

13.435473103.920452Koordinaten: 13° 26′ 8″ N, 103° 55′ 14″ O

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pre Rup – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien