Prejmer

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Prejmer
Tartlau
Prázsmár
Wappen von Prejmer
Prejmer (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Siebenbürgen
Kreis: Brașov
Koordinaten: 45° 43′ N, 25° 47′ O45.72194444444425.775277777778519Koordinaten: 45° 43′ 19″ N, 25° 46′ 31″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 519 m
Fläche: 68,26 km²
Einwohner: 8.472 (20. Oktober 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 124 Einwohner je km²
Postleitzahl: 507165
Telefonvorwahl: (+40) 02 68
Kfz-Kennzeichen: BV
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Gemeinde
Gliederung: Prejmer, Lunca Calnicului, Stupinii Prejmerului
Bürgermeister: Todorică Constantin Șerban (PD-L)
Postanschrift: Str. Mare, nr. 565
loc. Prejmer, jud. Brașov, RO–507165
Website:

Prejmer (deutsch Tartlau, ungarisch Prázsmár) ist eine Gemeinde im Kreis Brașov im Südosten Siebenbürgens in Rumänien.

Der Ort ist auch unter den veralteten rumänischen Bezeichnungen Prajmar und Preșmer und den deutschen Bezeichnungen Tartlen und Tortalen bekannt.[2]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Lage von Prejmer im Kreis Brașov

Die Gemeinde Prejmer liegt auf einer Fläche von etwa 6800 Hektar im Osten des Kreises Brașov, im Südosten des historischen Burzenland, südöstlich des Siebenbürgischen Beckens. An der Nationalstraße (drum național) DN 10 und der Bahnstrecke Brașov–Sfântu Gheorghe–Târgu Secuiesc, befindet sich der Ort Prejmer ca. 15 Kilometer nordöstlich von der Kreishauptstadt Brașov (Kronstadt) entfernt. Das eingemeindete Dorf Lunca Calnicului ist drei km; der Weiler Stupinii Prejmerului (Rohrau) ist vier Kilometer vom Gemeindezentrum entfernt.

Auf dem Areal der Gemeinde mündet der Râul Negru (ung. Feketügy) in den Olt (Alt).

Geschichte[Bearbeiten]

Tartlau wurde vom Deutschen Orden im 13. Jahrhundert gegründet; 1211 erstmals urkundlich erwähnt. Im 13. Jahrhundert wurde im Ort eine Kreuzkirche, im 15. Jahrhundert eine der stärksten Kirchenburgen Osteuropas um die Kirche errichtet. Im Südosten Siebenbürgens lag Tartlau im Verwaltungsgebiet des historischen Komitat Kronstadt im ungarischen Königreich. Diverse archäologische Funde – angefangen aus der Frühbronzezeit – zeigen, dass das Gebiet schon lange vorher besiedelt war. Nach Angaben von J. Teutsch und H. Schroller wurden in der Nähe der Villa Misselbacher – von den Einheimischen genannt –, ein Steingrab aus der Bronzezeit gefunden.[3]

Da Prejmer unweit des Bodzaer Pass (Pasul Buzău 45.674725.96859) liegt, wurde der Ort fast 50 Mal von Mongolen, Türken, Tataren, Kosaken und Moldauern geplündert und zerstört, die Kirchenburg jedoch nur einmal von Gabriel Báthory 1611 eingenommen.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung von Prejmer entwickelte sich wie folgt:

Volkszählung Ethnische Zusammensetzung
Jahr Bevölkerung Rumänen Ungarn Deutsche andere
1850 3.351 1.044 17 2.136 154
1900 3.580 1.336 123 2.066 55
1941 5.600 3.263 157 2.028 152
1977 9.276 6.937 385 1.741 213
1992 8.299 7.555 301 238 205
2002 8.316 7.612 216 110 378
2011 8.472 7.349 154 71 898

Die höchste Einwohnerzahl der heutigen Gemeinde seit 1850, wurde 1977 ermittelt. Die höchste Bevölkerungszahl der Rumänen wurde 2002, der Deutschen (2.279) 1930, die der Magyaren (431) 1930 und die der Roma (375) wurde 2002 registriert. 1930 bekannte sich ein Einwohner als Serbe, 1890 und 2002 je einer und 1966 zwei Einwohner als Ukrainer, 1890 bekannten sich acht und 1930 bekannten sich zehn Einwohner als Slowaken.[5] Des Weiteren bekannte sich 2002 ein Einwohner als Tschango.[6] 2011 bekannten sich auch 510 Menschen als Roma.

Im Jahr 2009 waren noch 125 Siebenbürger Sachsen in der evangelischen Gemeinde in Tartlau registriert.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Tartlauer Kirchenburg
  • Die sehr gut restaurierte Kirchenburg wurde von der UNESCO 1998 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.[8] Die Ringmauern der Burg sind 10–12 Meter hoch und drei bis vier Meter dick. Der Wehrgang[9] der Kirchenburg verläuft in 10 Meter Höhe und ist von einem Satteldach überdeckt. In der Höhe des Wehrgangs wurde die Mauer mit zahlreichen Schießscharten und Gussöffnungen (Pechnasen) ausgestattet. Im tunnelförmigem Eingang der Kirchenburg befindet sich ein Falltor.[10] An der Innenseite der Burgmauern befinden sich über 200 Wohnungen in 2–4 Stockwerken angeordnet. Seit 1990 befindet sich hier auch ein Museum.[4]
    Eine Besonderheit in dieser Wehranlage ist die sogenannte Todesorgel.[11] Diese ist ein dickes Brett, welches sich um eine eiserne Achse drehen lässt und beidseitig mit je fünf Vorderlader-Schießrohren belegt war. Während die eine Serie abgefeuert wurde, konnte die andere geladen werden und nach raschem Umdrehen wiederholt abgefeuert werden.
  • Die Kreuzkirche mit dem Turm über der Mitte des Kirchenbaues, wurde (nach unterschiedlichen Angaben) Anfang[4] oder Mitte[3] des 13. Jahrhunderts errichtet. Der Flügelaltar aus dem Jahr 1450 wurde erneuert.
  • Die ehemalige evangelische Schule – heutige Grundschule –, 1846–1848 errichtet, stehen unter Denkmalschutz.[12]
  • Die rumänische orthodoxe Kirche Sf. Apostoli Petru şi Pavel, 1791 errichtet, stehen unter Denkmalschutz.[12]
  • Mehrere Häuser in Prejmer im 18. Jahrhundert errichtet, stehen unter Denkmalschutz.[12]

Bilder der Kirche und der Burg[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Erwin Neustädter (1897–1992), Schriftsteller[13]
  • Herta Wilk (1918–1992), Volkskundlerin[14]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Prejmer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung 2011 in Rumänien (MS Excel; 1,3 MB)
  2. Wörterbuch der Ortschaften aus Siebenbürgen
  3. a b Institute Of Archaeology − Prejmer, abgerufen am 19. Juni 2012 (rumänisch)
  4. a b c Heinz Heltmann, Gustav Servatius (Hrsg.): Reisehandbuch Siebenbürgen. Kraft, Würzburg 1993, ISBN 3-8083-2019-2.
  5. Volkszählung, letzte Aktualisierung 1. November 2008, S. 46 (ungarisch; PDF; 525 kB)
  6. Volkszählung 2002
  7. Dieter Drotleff: Pfarrer, Kuratoren, Seelenzahlen. In: Allgemeine Deutsche Zeitung. Beilage: Karpatenrundschau, 4. März 2010, S. 3.
  8. 23. Tagung des Welterbekomitees in Marrakesh (Morocco), vom 29. November–4. Dezember 1999 (PDF; 4,5 MB)
  9. Bild des Wehrgangs der Kirchenburg
  10. Bild des Falltors der Kirchenburg
  11. Bild der so genannten Todesorgel der Kirchenburg
  12. a b c Liste historischer Denkmäler des rumänischen Kulturministeriums, 2010 aktualisiert, abgerufen am 19. Juli 2012 PDF 7,27 MB
  13. Erwin Neustädter bei worldcat.org
  14. Angaben zu Herta Wilk in der Webdarstellung der 9. Tartlauer Nachbarschaft