Preposition Stranding

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Preposition Stranding ist eine grammatische Konstruktion, bei der eine Präposition nicht mit ihrem zugehörigen Objekt zusammensteht. Es handelt sich um eine besondere Form der Präpositionalphrasen, die auch als Spaltungskonstruktion bezeichnet wird. Neben dem englischen Begriff wird teils die direkte Übersetzung Präpositionsstranden verwendet.

Das Phänomen des Preposition Stranding ist allen germanischen Sprachen bekannt, insbesondere in der englischen Sprache und den skandinavischen Sprachen. In der niederländischen und deutschen Sprache ist es standardsprachlich kaum anzutreffen, aber teilweise umgangssprachlich und mundartlich möglich. Unter dem Einfluss insbesondere des Englischen haben einige nichtgermanische Sprachvarietäten das Preposition Stranding regional übernommen, darunter Vata und Gbadi der Niger-Kongo-Sprachen und Französisch in der nordamerikanischen Prägung.

Konstruktion[Bearbeiten]

Die Spaltungskonstruktion tritt bevorzugt dann auf, wenn Elemente an den Satzanfang gestellt werden, um die Stellungsregel für Fragewörter zu erfüllen oder um eine Topikalisierung zu erreichen. Wenn dieses Element Ergänzung einer Präposition war, die Präposition aber nicht mitgezogen wird, sondern im Satzinneren verbleibt, so spricht man vom Preposition Stranding.

  • Hans hat das Brot mit dem Messer geschnitten
  • Da hat Hans das Brot mit geschnitten.
  • Wo hat Hans das Brot mit geschnitten.
  • Womit hat Hans das Brot geschnitten.

Im letzten Beispielsatz sieht man, dass das Standarddeutsche statt des "Strandens" der Ergänzung einen zusammenhängenden Ausdruck bevorzugt, der im Beispiel sogar ein Wort bildet ("womit" ist ein sogenanntes Präpositionaladverb). Es lässt sich aufzeigen, dass das dialektale Preposition Stranding in der deutschen Sprache nicht auf Personen angewendet wird, sondern Spaltungskonstruktionen immer auf Objekte bezogen werden.

  • Hans ist mit Maria zur Party gekommen.
  • NICHT: *Da ist Hans mit zur Party gekommen. (mit "da" = "Maria")

In einigen regionalen Sprachvarietäten des Hochdeutschen sind Spaltungskonstruktionen in der Umgangssprache jedoch häufiger als die Zusammensetzung von Präposition und Objektspronomen.

  • Standarddeutsch: Ich kann mir davon nichts kaufen.
  • Auseinandergezogen: Ich kann mir da nichts von kaufen.
  • Vorangestellt: Da kann ich mir nichts von kaufen.

In süddeutschen Dialekten und Varietäten des Deutschen werden diese Spaltungskonstruktionen nur mit Verdoppelung des Partikels verwendet[1]:

  • Süddeutsch: Ich kann mir da nichts davon kaufen.
  • Süddeutsch (vorangestellt): Da kann ich mir nichts davon kaufen.

Preposition Stranding in der englischen Sprache[Bearbeiten]

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Im modernen Englisch tritt Preposition Stranding regelmäßig bei Fragesätzen und Relativsätzen auf:

  • What are you talking about. (Was sprichst du über - statt - Worüber sprichst du).
  • Where do you go to (Wo gehst du hin - statt - Wohin gehst du).

In Relativkonstruktionen wird das bestimmende "that" (oder "who", "whom") an den Anfang des Relativsatzes gestellt (gewöhnlich zwischen Haupt- und Nebensatz), während die Präposition am Ende verbleibt. Bei vielen Relativsätzen entfällt der Ausdruck des Relativpronomens und die Präposition am Ende des Relativsatzes ist der einzig verbleibende Rest der Präpositionalphrase.

  • This is the book that I told you about. (Das ist das Buch das ich dir berichtete über - statt - Das ist das Buch über das ich dir berichtete).
  • This is the book I told you about.

Das Phänomen des Strandens wird in der englischen Sprache deutlicher, wenn weitere Adverbialkonstruktionen sich vor die am Satzende "gestrandete" Präposition setzen - ein auseinanderreißen der Verbform ist in der englischen Sprache ansonsten unüblich (für die deutsch Sprache aber gewöhnlich).

  • What did I tell you last week about.

Derartige Konstruktionen waren in der englischen Sprache lange Zeit verpönt. Sie galten als Schibboleth, die in der Schriftsprache nicht anzutreffen sind. Bei Shakespeare gibt es im gesamten Werk nur einen einzigen Fall eines Preposition Stranding, der auch noch eine klare dichterische Ausnahmekonstruktion zur Reimbildung ist.

Eine Besonderheit ist, dass Preposition Stranding in der altenglischen Sprache sehr häufig ist, dann im mittelalterlichen Englisch verpönt und nahezu verschwunden war, und in der Neuzeit ihren Makel der unzureichenden Sprecherkenntnis wieder verloren hat. Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, dass es zu irgendeiner Zeit eine besondere Regel für die Vermeidung des Preposition Stranding gab. Insgesamt geht man davon aus, dass Preposition Stranding im Altenglischen aus Beispielsätzen der französischen und lateinischen Sprache hervorging, bei der einige Konstruktionen ähnliche Satzstellung aufweisen, jedoch auf anderer grammatischer Grundlage entstanden sind.

Preposition Stranding in der französischen Sprache[Bearbeiten]

Die französische Sprache mit starkem englischen Einfluss kennt das Preposition Stranding - bekannt sind Satzbeispiele aus dem Raum Alberta, Northern Ontario, New Brunswick, Prince Edward Island und Louisiana. Im Quebecer Französisch sind folgende Formen bekannt.

  • Qui-ce que tu as fait le gâteau pour?
  • statt: Pour qui as-tu fait le gâteau?
  • (Wem hast du den Kuchen gebacken?)
  • Tu connais pas la fille que je te parle de.
  • statt: Tu ne connais pas la fille dont je te parle.
  • (verbreitet auch Tu ne connais pas la fille que je te parle.)

Preposition Stranding in der niederländischen Sprache[Bearbeiten]

  • Welk bosi liep hij ___i in?
  • (Welchen Wald ging er hinein?)
  • […] dat hij zo'n donker bos niet in durft te lopen […]
  • (... dass er so einen dunklen Wald nicht hinein durfte gehen ...)

Solche Formen sind auch in der deutschen Sprache verständlich, jedoch größtenteils auf dichterische Konstruktionen beschränkt.

Literatur[Bearbeiten]

  1. Die Syntax von Pronominaladverbien in den Dialekten des Deutschen, Jürg Fleischer, Franz Steiner Verlag, 2002. ISBN 3515082379, ISBN 9783515082372