Preußen (Segelschiff)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Preußen beim Auslaufen aus dem New Yorker Hafen unter Vollzeug (27. Mai 1908, Foto)
Die Preußen beim Auslaufen aus dem New Yorker Hafen unter Vollzeug (27. Mai 1908, Foto)
Zum Vergleich: die "Royal Clipper" vor Kroatien
Zum Vergleich: die "Royal Clipper" vor Kroatien
Briefmarke mit dem Motiv der Preußen
Briefmarke mit dem Motiv der Preußen
Die Preußen im Hamburger Hafen
Die Preußen im Hamburger Hafen
Die "Royal Clipper" vor Rovinj

Das Fünfmastvollschiff Preußen (1902–1910) der Reederei F. Laeisz ist das bekannteste Schiff, das nach dem deutschen Königreich Preußen benannt wurde; siehe Preußen (Schiffe). Es war das größte reine Rah-Segelschiff Deutschlands, und während ihrer Existenz auch der Welt.

Die Preußen, wegen ihrer eleganten Linien trotz der hohen Ladekapazität, ihrer majestätischen Erscheinung unter Vollzeug und ihrer besonderen Segeleigenschaften „Königin der See“, auch „Königin der Königinnen der Meere“ genannt, war das größte reine Rahschiff der Welt in Stahlrumpfbauweise (nie mit einem Hilfsantrieb ausgerüstet).

Größer waren lediglich der Welt größtes Segelschiff, die französische Fünfmastbark France II, welche anfänglich mit zwei Diesel-Motoren ausgerüstet war, die R. C. Rickmers, eine deutsche Auxiliar-Fünfmastbark der Reederei Rickmers und der stählerne US-amerikanische Siebenmastgaffelschoner Thomas W. Lawson, der größte Schoner und das größte Segelschiff der Welt, das nie einen Hilfsantrieb besaß.

Die Royal Clipper, ein fünfmastiges Vier-Sterne-Luxus-Kreuzfahrtschiff, wurde 2000 nach dem Vorbild der Preußen gebaut. Es gibt jedoch deutliche Unterschiede, abgesehen von der Nutzung auch in der Takelage.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Beschreibung

Das Fünfmastvollschiff wurde 1902 auf der Werft der Joh. C. Tecklenborg AG in Geestemünde (Bremerhaven) aus hochwertigen Siemens-Martin-Stahl gebaut und war das einzige seiner Art in der Welthandelsflotte. Es fuhr unter der Flagge der Hamburger Reederei F. Laeisz (FL) und war der größte und schnellste Segler der Flying-P-Linie.

Das bis dahin Preußen genannte Vollschiff der Reederei wurde in Posen umbenannt, nach der damals preußischen Stadt Posen, heute polnisch.

Die Rumpfkonstruktion entsprach dem Dreiinselschiffs-Typ, der von F. Laeisz bevorzugte Schiffstyp bei allen Vier- und Fünfmastrahseglern. Alle Masten und Spieren mit Ausnahme der Besangaffel waren aus Stahlrohr gebaut. Die Preußen fuhr als Fünfmastvollschiff ein modernes Standardrigg mit doppelten Mars- und Bramrahen und Royalsegel, also 30 Rahsegel in sechs Stockwerken an allen fünf Masten. Dazu hatte sie "Jarvis"-Brasswinden (benannt nach dem schottischen Kapitän John Charles Barron Jarvis (1857-1935)) an allen Masten, des weiteren andere mechanische Hilfsmittel zur Unterstützung der Arbeit an Deck. Sie war ein starkes Schiff und brauchte keinen Sturm zu scheuen (Tradition der FL-Segler). Selbst bei Windstärke 9 konnte sie wenden. Britische Seeleute ihrer Zeit hielten sie für den schnellsten Segler (nie eingestellte Rekordreise nach Iquique in 57 Tagen 1903, höchste Etmale 392 sm (voll beladen) und 426 sm, „fahrplanmäßige“ Reisen, zwei komplette Rundreisen nach Chile) im Jahr. Sie war der Höhepunkt des Segelschiffbaus, absolut ökonomisch und effizient konstruiert als frachtfahrendes Segelschiff nach Maßgabe der Reederei - sie verdiente ihr Geld trotz der überwiegenden Ballastfahrten nach Chile. Denn FL war auch Eigner der Salpeterladungen, die dann entsprechend verkauft wurden. Die Preußen war der Stolz von Mannschaft und Kapitän und erforderte natürlich bestes Personal. Damit war sie wegen ihrer ausgezeichneten Segeleigenschaften problemlos zu manövrieren, auch wenn bei Windstärke 8 und mehr wegen des ungeheuren Drucks auf die Ruderanlage zwei Mann das 2 m hohe Doppelruderrad halten mussten. Ein Vergleich mit dem bekanntesten Klipper: die berühmte Cutty Sark transportierte circa 1.700 tons mit 35 Mann, die Preußen dagegen 7.874 tons (à 1,016 t, = 8.000 t) mit 45-49 Mann. Die seltene Auslastung der Schiffskapazität bei der Ausreise lag vor allem am mangelnden Frachtaufkommen für Segler nach Chile (Dampfer-Konkurrenz). Selbst kleinere Segler hatten in dieser Zeit aufgrund des Niedergangs der Segelschifffahrt oft keine Fracht erhalten.

Sie machte insgesamt 13 Reisen unter ihren beiden berühmten Schiffsführern, Kapt. Boye Richard Petersen und Kapt. Jochim Hans Hinrich Nissen, davon zwölf nach Chile, eine 1908 über New York nach Yokohama, Chile und zurück nach Europa:

  • 10. März - 13. April 1908    Hamburg - New York
  • 27. Mai - 16. September   New York - Jokohama  Kistenöl in Charter für Standard Oil Co. durch Funch, Edye & Co.
  • 16. Oktober - 30. Dezember   Jokohama - Taltal
  • 20. Januar - 5. April 1909   Tocopilla - Hamburg Ladung Salpeter

Die Preußen kollidierte am 6. November 1910 im Ärmelkanal mit dem englischen Dampfer Brighton, der vorschriftswidrig vor dem Bug des Seglers kreuzte. Als man sie mit drei Schleppern in den Hafen von Dover bringen wollte, rissen die Trossen wegen aufkommendenden Sturms, und die „Preußen“ strandete nach dem vergeblichen Versuch, sich selbständig freizusegeln, auf den Klippen vor dem rettenden Hafen. Es gelang nicht einmal mit zwölf Schleppern, das Vollschiff zu befreien. Die wertvolle Ladung, unter anderem Klaviere, wurde später abgeborgen. Das Wrack verfiel mit der Zeit.

[Bearbeiten] Schiffsdaten

[Bearbeiten] Literatur

  • Horst Hamecher: Fünfmast-Vollschiff »PREUSSEN«, Königin der See. Der Lebensweg eines Tiefwasserseglers.  Hamecher Eigenverlag, Kassel, 1993, ISBN 3-920307-46-1
  • Jochen Brennecke: Windjammer.  Der große Bericht über die Entwicklung, Reisen und Schicksale der "Königinnen der Sieben Meere". Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford, 3. Aufl. 1984; Kap. XXII - Die Größten unter den Segelschiffen der Welt, S. 291-297; ISBN 3-7822-0009-8
  • Hans-Jörg Furrer: Die Vier- und Fünfmast-Rahsegler der Welt.  Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford, 1984, S. 168, ISBN 3-7822-0341-0
  • Heinz Blöß: Glanz und Schicksal der "Potosi" und "Preußen", Hamburgs und der Welt größte Segler. Schmidt Verlag, Kiel, 1960
  • W. Kaemmerer: Das Fünfmast-Vollschiff Preußen, erbaut von Joh. C. Tecklenborg A.-G., Schiffswerft und Maschinenfabrik in Bremerhaven-Geestemünde. Zeitschrift der Vereins deutscher Ingenieure, Bd. 48, Nr. 34, Berlin, 1904
  • Hans Georg Prager: „F. Laeisz“ vom Frachtsegler bis zum Bulk Carrier.  Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Herford 1974, ISBN 3-7822-0096-9
  • Peter Klingbeil: Die Flying P-Liner. Die Segelschiffe der Reederei F. Laeisz.  Verlag "Die Hanse", Hamburg, 1998 u. 2000, ISBN 3-434-52562-9
  • Manfred Prager: Vergleich zwischen dem Fünfmastvollschiff  "Preußen" und der Fünfmastbark  "Potosi" auf den Reisen nach der Westküste Südamerikas und zurück. Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie: Zeitschrift für Seefahrt und Meereskunde, Hamburg, Berlin, 1908, ISSN 0174-8114
  • Schiff und Zeit. Fachzeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte. Fünfmastvollschiff  "Preußen". Heft 5/1977, Herford 1977, Bestell-Nr.: 5872
  • Jens Jansson: SOS - Schicksale deutscher Schiffe - Weiße Segel über blauen Wogen - Heft Nr. 51 - Fünfmastvollschiff  "Preußen".   S. 2 ff., Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt, 1976

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Andere Sprachen