Pridi Phanomyong

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Pridi Phanomyong

Pridi Phanomyong (Thai: ปรีดี พนมยงค์, Aussprache: [priːdiː pʰánomjong], alternative Umschrift Banomyong, bis 1942 feudaler Ehrentitel Luang Praditmanutham (kurz Pradit); * 11. Mai 1900 in Ayutthaya; † 2. Mai 1983 in Paris) war ein thailändischer Jurist und Politiker. Er war einer der Gründer der konstitutionalistischen Volkspartei und einer der wichtigsten Förderer der Siamesischen Revolution, die 1932 den Übergang des Landes von der absoluten zur konstitutionellen Monarchie brachte. Pridi war ein Vordenker liberaler und sozialistisch inspirierter Ideen. Während des Zweiten Weltkriegs war er ein Anführer der Seri-Thai-Bewegung, die Widerstand gegen die Japaner leistete. Zwischen März und August 1946 war er Premierminister von Thailand.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Ausbildung und Revolution[Bearbeiten]

Pridi wurde als Sohn von Siang und Lukchan Phanomyong geboren und heiratete später Thanphuying Phoonsuk Banomyong (Thai: ท่านผู้หญิงพูนศุข พนมยงค์)[1].

Er erhielt seine Ausbildung zunächst in der Provinz Ayutthaya und dann an der Rechtsschule des Ministeriums des Innern, wo er seine Zulassung als Rechtsanwalt im Alter von 19 Jahren erhielt.

Im Jahr 1920 erhielt Pridi ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in Frankreich, wo er an der Universität Caen und an der Sorbonne in Paris studierte und schließlich promovierte und einen Abschluss in Betriebswirtschaft machte. Pridis Denken wurde von der Tradition des französischen Liberalismus und teilweise auch vom europäischen Sozialismus beeinflusst.[2] Er wurde zum Präsidenten der Siamesischen Studentenorganisation in Frankreich gewählt und lernte dabei den in Berlin geborenen Prayoon Phamonmontri kennen. Zusammen trieben sie die Gründung der Volkspartei Siams voran.

Nach seinen Abschlüssen kehrte Pridi nach Thailand zurück und arbeitete im Justizministerium, wo er schnell aufstieg. Auch engagierte man ihn als Dozent an der Rechtsschule des Justizministeriums. Schließlich erhielt er mit 29 Jahren den feudalen Ehrentitel Luang Praditmanutham (หลวงประดิษฐมนูธรรม), unter dem er bis zur Abschaffung der Titel und Ränge 1942 bekannt war. Der von Pridi selbst gewählte Name bedeutet „Menschlichkeit üben“.[3]

Während dieser Zeit war Pridi wesentlich an der Vorbereitung eines Staatsstreiches zur Abschaffung der absoluten Monarchie in Thailand beteiligt, der zu einer konstitutionellen Monarchie führen sollte. Am 24. Juni 1932 fand dieser Umsturz statt, der kurz darauf mit der Annahme der von Pridi ausgearbeiteten Provisorischen Verfassung durch König Prajadhipok (Rama VII.) sein Ende fand. Pridi wurde Mitglied des Kabinetts, dass „Öffentliches Komitee“ genannt wurde, und Finanzminister.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Im Januar 1933 schlug Pridi einen ökonomischen Plan vor, der als „gelbes Heft“ (samut pok-lueang) bekannt wurde.[4] Er sah die Verstaatlichung allen Ackerlandes vor, zudem die Industrialisierung des Landes und staatliches Eigentum an den Produktionsmitteln. Alle Siamesen sollten zu Staatsangestellten werden, von der Regierung entlohnt, bei Krankheit und im Alter unterstützt[5] und auch an der Verwaltung mitwirken.[6] Die Nationalisierung der Betriebe sollte nicht durch Enteignung, sondern im Austausch gegen staatliche Wertpapiere erfolgen. Der Ministerpräsident Phraya Manopakorn Nititada und dessen konservative Flügel in der Regierung lehnten diesen Plan, wie auch König Prajadhipok, als „kommunistisch“ ab.[5] Der König löste die Nationalversammlung auf und äußerte:

„Ich weiß nicht, ob Stalin Luang Pradit kopiert hat oder ob Luang Pradit Stalin kopiert hat. […] Der einzige Unterschied ist, dass der eine Russe ist und der andere Thai. […] Das ist dasselbe Programm, das in Russland verwendet wurde. Wenn unsere Regierung es annähme, würden wir der Dritten Internationale helfen, das Ziel des Weltkommunismus zu erreichen. […] Siam würde der zweite kommunistische Staat nach Russland.“

König Rama VII. (Prajadhipok): Kommentar zu Pridis ökonomischem Plan, 1933[7]

Tatsächlich war der Plan weniger von sowjetischen als von westeuropäischen, insbesondere französischen, Vorstellungen von staatsgeleiteter Industriepolitik und Wohlfahrtsstaatlichkeit beeinflusst.[4] Auch unter Pridis Mitstreitern in der Volkspartei stieß der Plan teils auf Widerstand. Sein Studienfreund Prayun Phamonmontri veröffentlichte, zusammen mit dem Konservativen Phraya Manopakorn einen Artikel, in dem sie das Konzept verurteilten.[8] Manopakorns Konservative drängten Pridi ins Exil. Das Kabinett rief den Notstand aus[6] und erließ ein „Gesetz gegen kommunistische Umtriebe“, obwohl es zu der Zeit in Siam praktisch keine kommunistischen Aktivitäten gab.[5] Die Regelung war vielmehr gegen die Reformen in Pridis ökonomischen Plan gerichtet, die nach der bewusst weiten Auslegung des Gesetzes als „kommunistisch“ aufgefasst werden konnten.[9]

Nach dem Putsch im Juni 1933 konnte Pridi nach Siam zurückkehren.[9] Während der Regierungszeit von Phraya Phahon Phonphayuhasena wurde er vor Gericht gestellt und freigesprochen. Anschließend wurde Pridi zum Innenminister ernannt, später zum Außen- und schließlich zum Finanzminister.

Denkmal für Pridi Phanomyong auf dem Campus der Thammasat-Universität.

Pridi war 1934 auch einer der Gründer der Thammasat-Universität in Bangkok und auch deren erster Rektor. Nach der Abschaffung feudaler Titel und Ränge 1942 legte er seinen Luang-Titel ab und nahm wieder seinen bürgerlichen Namen an.[10]

Kronregent und Ministerpräsident[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs fungierte Pridi als Regent für den minderjährigen König Ananda Mahidol (Rama VIII.) Er bildete in dieser Zeit auch die gegen die japanische Besatzung gerichtete Seri-Thai-Bewegung, eine Bewegung für ein freies Thailand innerhalb des Landes, in Zusammenarbeit mit Seni Pramoj, der die Bewegung vom Ausland aus lenkte.[11]

Pridi Phanomyong übernahm das Amt als 7. Premierminister am 24. März 1946. Während seiner Regierungszeit starb König Ananda Mahidol am 9. Juni 1946 durch ungeklärte Umstände (Unglück, Mord oder Suizid), so dass Pridi am 11. Juni formal zurücktreten musste, jedoch anschließend wieder eingesetzt wurde und bis zum 21. August das Amt innehatte.

Entmachtung und Exil[Bearbeiten]

Nachdem später am 8. November 1947 ein weiterer Staatsstreich erfolgte, der die Regierung von Konteradmiral Thawan Thamrongnawasawat stürzte, ging Pridi erneut ins Exil, zunächst nach Singapur. Nach einer Rückkehr und einem missglückten Putschversuch gegen Phibun im Jahre 1949 ging dann abermals ins Exil, bis 1970 lebte er in China. Anschließend ließ er sich in Frankreich dauerhaft nieder.[12]

Pridi Phanomyong starb am 2. Mai 1983 in Paris an einem Herzinfarkt.

Literatur[Bearbeiten]

  • National Economic Policy of Luang Pradist Manudharm (Pridi Banomyong). Herausgegeben von Kenneth Perry Landon. Committees on the Project for the National Celebration on the Occasion of the Centennial Anniversary of Pridi Banomyong, Senior Statesman (private sector), 1999.
  • Pridi Banomyong: Pridi by Pridi. Selected Writing on Life, Politics, and Economy. Übersetzung und Einleitung von Chris Baker und Pasuk Phongpaichit. Silkworm Books, Chiang Mai 2000, ISBN 9747551357.
  • Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands, C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60129-3.
  • Vichitvong Na Pombhejara: Pridi Banomyong and the making of Thailand's modern history. 2. Auflage. Committees on the Project for the National Celebration on th Occasion of the Centennial Anniversary of Pridi Banomyong, Bangkok 2001.
  • Martina Peitz: Tigersprung des Elefanten. Rent-seeking, Nation Building und nachholende Entwicklung in Thailand, LIT Verlag, Zürich 2008.
  • Sulak Sivaraksa: Im Angesicht der Macht — Pridi Banomyong. Aufstieg und Untergang der Demokratie in Siam (Thailand). Sathirakoses-Nagapradipa Foundation, Bangkok 2005, ISBN 974-93403-4-5.
  • Judith Stowe: Siam Becomes Thailand. A Story of Intrigue, C. Hurst & Co., London 1991, ISBN 1-85065-083-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Remembering Poonsuk
  2. Chris Baker, Pasuk Phongpaichit: A History of Thailand. Cambridge University Press, 2005, S. 122.
  3. Stowe: Siam Becomes Thailand. 1991, S. 13
  4. a b Erik Kuhonta: The Institutional Imperative. The Politics of Equitable Development in Southeast Asia. Stanford University Press, 2011, ISBN 978-0-8047-7083-5, S. 138.
  5. a b c Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 154.
  6. a b Peitz: Tigersprung des Elefanten. 2008, S. 184f.
  7. Stowe: Siam Becomes Thailand. 1991, S. 37 f.
  8. Vichitvong Na Pombhejara: Pridi Banomyong and the making of Thailand's modern history. S. 287.
  9. a b Peitz: Tigersprung des Elefanten. 2008, S. 185
  10. Thamsook Numnonda: Thailand and the Japanese Presence 1941-1945. Institute of Southeast Asian Studies, Singapur 1977, S. 35.
  11. Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 163.
  12. Michael Leifer: Dictionary of the Modern Politics of South-East Asia. Routledge, London/New York, 1995, ISBN 0-415-04219-4, S. 136. Stichwort „Pridi Phanomyong“.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkung zu thailändischen Namen: Dieser Artikel spricht Personen mit ihrem Vornamen an.