Prinz-Albrecht-Palais

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Das Prinz-Albrecht-Palais, um 1837

Das Prinz-Albrecht-Palais war ein herrschaftliches Stadtpalais in der Berliner Friedrichstadt. Es befand sich in der Wilhelmstraße 102, gegenüber dem westlichen Ende der Kochstraße.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebäude wurde zwischen 1737 und 1739 auf Geheiß des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. von Baron Franziskus Matthäus von Vernezobre de Laurieux errichtet. Der aus einer Hugenottenfamilie stammende und 1724 in den preußischen Adels- und Freiherrnstand erhobene Kaufmann hatte im Seidenhandel ein beträchtliches Vermögen erwirtschaftet, das er in Gütern auf dem Barnim, in der Uckermark und in der Niederlausitz anlegte. Als der König ihm befahl, seine Tochter mit dem von ihr abgelehnten Friedrich Wilhelm Quirin von Forcade zu vermählen, konnte Vernezobre die Heirat nur abwenden, indem er sich verpflichtete, in der vom König für den Bau von repräsentativen Palais vorgesehenen Wilhelmstraße eine Stadtresidenz zu errichten.[1] Nach seinem Tode 1748 erbte sie sein Sohn Friedrich Wilhelm von Vernezobre, Gutsherr in Briesen (Spreewald) und Landrat des Kreises Cottbus, der später in Vermögensverfall geriet.

Das dreigeschossige Hauptgebäude mit zur Straße hin offenem Ehrenhof und zwei Wirtschaftsflügeln beiderseits des Eingangs lag zu Beginn seiner Geschichte noch etwas abseits in der Nähe der Stadtmauer und der hinter dem Haus liegende Park erstreckte sich bis zur heutigen Stresemannstraße.

Nach dem Auszug der Vernezobres wurde es zunächst als Berliner Sommerresidenz der Äbtissin von Quedlinburg, der Prinzessin Anna Amalie, genutzt. Nach deren Tod 1787 diente es 1796 als Quarantänestation für die damals spektakuläre Pockenschutzimpfung des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm III.

Danach verfiel es und wurde um 1830 vom Prinzen Albrecht von Preußen erworben, der es von Karl Friedrich Schinkel renovieren und umgestalten ließ. 1860 bis 1862 erfolgte eine weitere Umgestaltung durch den Architekten Adolf Lohse. Nach dem Tod Albrechts nutzte auch sein Sohn Albrecht das Gebäude als Wohnung. In den Diensten der Prinzen Albrecht stand der Kammerdiener August Sabac el Cher. Auch nach der Novemberrevolution von 1918 blieb das Gebäude Eigentum des Hauses Hohenzollern.

Staatssalon im Palais, 1928

Von 1928 bis 1931 mietete die Reichsregierung das Palais als Gästehaus, beispielsweise für die Könige von Afghanistan (1928) und Ägypten (1929).

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten bezog 1934 der Sicherheitsdienst des Reichsführers-SS das Gebäude und nutzte es für das SD-Hauptamt und als Dienstsitz des Chefs der Gestapo, Reinhard Heydrich. 1935 wurden die benachbarten Gebäude Wilhelmstraße 101 und 103/104 in den Komplex der Prinz-Albrecht-Straße integriert.

Bei einem Luftangriff am 23. November 1944 trug das Palais schwerste Beschädigungen davon. Nach der Besetzung Berlins enteignete die Sowjetische Militäradministration in Deutschland den gesamten Privatbesitz der Hohenzollern entschädigungslos. Das Haus ging in den Besitz der Stadt Berlin über.[2]

Der Berliner Senat ließ 1949 die immer noch „eindrucksvolle Ruine“ ohne Rücksicht auf denkmalpflegerische Belange sprengen. Das 1955 abgeräumte Grundstück verpachtete er später an den Betreiber eines Autodroms mit dem Firmenmotto „Fahren ohne Führerschein!“.[3] Louis Ferdinand von Preußen, der Chef des Hauses Hohenzollern, verzichtete 1961 auf die Eigentumsansprüche seiner Familie.

Seit 1987 befindet sich auf dem Gelände des Prinz-Albrecht-Palais und der benachbarten Kunstgewerbeschule die seit 1992 von der gleichnamigen Stiftung betriebene Gedenkstätte Topographie des Terrors. Dort eröffnete am 6. Mai 2010 das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors zur Geschichte des Reichssicherheitshauptamts und der Gestapo.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Rürup (Hrsg.): Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt auf dem "Prinz-Albrecht-Gelände". Eine Dokumentation. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1987, ISBN 3-922912-21-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Prinz-Albrecht-Palais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Armin Dahl: Geschichte des Prinz-Albrecht-Palais
  2. Bert Becker: Das Niederländische Palais: Zur Geschichte des Hauses und seiner Bewohner in: Vorstand der Deutsch-Niederländischen Gesellschaft e. V. (Hrsg.): Auf den Spuren der Niederländer zwischen Thüringer Wald und Ostsee, II. Symposium, als Manuskript gedruckt, Berlin 1994, S. 103–123, hier S. 115, mit Nachweis
  3. Zur Sprengung, Topografie (s. Literatur), S. 192, zum Autodrom S. 202

52.50611111111113.385555555556Koordinaten: 52° 30′ 22″ N, 13° 23′ 8″ O