Prinz-Philip-Bewegung

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Prinz Philip, 2008
Anhänger der Bewegung mit Prinz Philip-Bildern

Die Prinz-Philip-Bewegung (französisch Mouvement du prince Philip, englisch Prince Philip Movement) ist ein Cargo-Kult, der von der Bevölkerung des Dorfes Yaohnanen auf der zu Vanuatu gehörenden Insel Tanna betrieben wird.

Der Kult verehrt Prinz Philip, den Prinzgemahl der britischen Königin Elisabeth II., als eine Gottheit.

Geschichte der Bewegung[Bearbeiten]

Die Ursprünge der Prinz-Philip-Bewegung liegen in den ersten Aufeinandertreffen der melanesischen Bevölkerung mit europäischen Siedlern, denen als Vertreter einer höher entwickelten Kultur übersinnliche Kräfte nachgesagt wurden.[1] Die Begegnung mit den Siedlern führte zu einer Vermischung alter Mythen über hellhäutige Naturgeister mit den neuen Erfahrungen. So verbreitete sich während der Stationierung US-amerikanischer Soldaten während des Zweiten Weltkriegs auf der Insel Tanna die John-Frum-Bewegung. Diesem Kult zufolge soll es sich bei dem Amerikaner namens „John Frum“ um den Sohn des Berggeistes Karapanemum handeln, der nach Tanna zurückgekehrt sei, um sein Volk in eine bessere Zukunft zu führen.

In den späten 1950er Jahren oder den frühen 1960er Jahren entwickelte sich, ausgehend von der John-Frum-Bewegung, eine zweite Bewegung, die den britischen Prinzgemahl in den Mittelpunkt rückte. Die im Süden Tannas ansässigen Yaohnanen glauben, dass Prinz Philip in Wirklichkeit der Bruder von John Frum sei[2]. Ihren Mythen zufolge habe einst der Sohn des Berggeistes Tanna verlassen, um jenseits des Meeres eine mächtige Frau zu ehelichen. Nach Kontakten mit den britischen Kolonialherren kamen die Yaohnanen zu der Überzeugung, dass diese Frau Elisabeth II. sein müsse, weshalb sie in Prinz Philip den lange zurückerwarteten Geist sahen. Dieser Glaube verstärkte sich 1974, als das Königspaar Vanuatu besuchte.[1] Jack Naiva, der Häuptling des rund 400 Mitglieder umfassenden Stamms der Yaohnanen, zählte zu den Einheimischen, die in Einbäumen die königliche Yacht Britannia begrüßten und dabei Prinz Philip in seiner weißen Marineuniform zu Gesicht bekamen.[3]

1978 informierte der Resident Commissioner, der höchste Repräsentant des Vereinigten Königreiches im Kondominium der Neuen Hebriden, Prinz Philip über die Existenz des Kults und übermittelte die Bitte der Yaohnanen, ihnen ein Foto des Prinzen zuzusenden. Prinz Philip folgte der Bitte und schickte eine signierte Fotografie sowie mehrere Tonpfeifen als Geschenke. Als Dank übersandten die Anhänger der Prinz-Philip-Bewegung ihrem Gott eine traditionelle Waffe, eine Nal-Nal-Keule, die zur Schweinejagd verwendet wird. Prinz Philip bedankte sich wiederum 1980 für dieses Geschenk mit einer Fotografie, auf der er die Waffe in seinen Händen hält. Diese Fotografie entstand ausschließlich für die Anhänger der Bewegung und wurde nie offiziell vom Buckingham Palace veröffentlicht.[3] Ein weiteres Foto wurde den Yaohnanen im Jahr 2000 zugesandt.

Wahrnehmung in Europa[Bearbeiten]

1981 wurde die Prinz-Philip-Bewegung erstmals von dem Anthropologen Monty Lindstrom in einer wissenschaftlichen Arbeit beschrieben.[4] Einer breiteren Öffentlichkeit wurde dieser Kult um 2006 herum bekannt, als verschiedene britische Zeitungen über die Prinz-Philip-Bewegung berichteten.[3][5] Im Frühjahr 2007 wurden schließlich im Rahmen einer Fernsehdokumentation fünf Stammesangehörige von Tanna bei ihrem Besuch in Großbritannien porträtiert. Neben ihrer Konfrontation mit der westlichen Alltagswelt stand auch ein von den Melanesiern freudig erwartetes Treffen mit Prinz Philip auf dem Besuchsprogramm. Es kam tatsächlich abseits der Fernsehkamera zu einer Begegnung von Prinz Philip mit seinen Anhängern; bei dieser Gelegenheit entstanden neue Fotos.[6] Die vom britischen Sender Channel 4 produzierte Dokumentation Meet the Natives wurde im deutschsprachigen Raum im Sommer 2009 unter dem Titel Besuch aus der Südsee ausgestrahlt.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jane Alexander: The Body, Mind, Spirit Miscellany: The Ultimate Collection of Fascinations, Facts, Truths, and Insights. Duncan Baird Publishers, London 2009, ISBN 978-1-84483-837-0, S. 31.
  2. laut dem Kulturgeographen Joël Bonnemaison sei der Duke of Edinburgh sogar identisch mit John Frum, siehe The Tree and the Canoe, S. 245f.
  3. a b c Daily Mail: Is Prince Philip a god?, 3. Juni 2006 (abgerufen am 25. März 2010).
  4. Monty Lindstrom: Cult and Culture: American Dreams in Vanuatu. In: Pacific Studies 4, Nr. 2, 1981, S. 101–123.
  5. The Daily Telegraph: South Sea tribe prepares birthday feast for their favourite god, Prince Philip, 19. Februar 2007 (abgerufen am 25. März 2010).
  6. The Independent: Strange island: Pacific tribesmen come to study Britain, 8. September 2007 (abgerufen am 25. März 2010).
  7. Der Westen: Besuch aus der Südsee, 3. Juni 2009 (abgerufen am 25. März 2010).

Literatur[Bearbeiten]

  • Joël Bonnemaison: The Tree and the Canoe: History and Ethnogeography of Tanna. University of Hawaii Press, Honolulu 1994, ISBN 0-8248-1525-4.
  • G. W. Trompf: Cargo Cults and Millenarian Movements: Transoceanic comparisons of new religious movements. Mouton de Gruyter, Berlin, New York 1990, ISBN 3-11-012166-2.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]