Priorat Sankt Wigberti

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Beim Priorat Sankt Wigberti handelt es sich um ein ökumenisches Benediktinerkloster in der Form eines Priorats, das seit den 1970er Jahren in Werningshausen (Thüringen) aufgebaut wurde. Die Gemeinschaft lebt nach der Benediktsregel.

Geschichte[Bearbeiten]

Klostergebäude

Das Kloster, welches innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen gegründet wurde, trägt wie auch die Kirche den Namen des heiligen Wigbert. Zur Gemeinschaft gehören evangelische und römisch-katholische Männer. Zeitweise leben dort auch orthodoxe Brüder. Viermal am Tag wird das Stundengebet gebetet. 1987 wurde die Regel und der Orden von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen als erstes Benediktinerkloster nach der Reformation in Deutschland approbiert.

Prior des Klosters und ehemaliger lutherischer Ortspfarrer ist der aus Ostpreußen stammende Franz Schwarz. Er wurde im Zweiten Bildungsweg Pfarrer, nachdem er einen handwerklichen Beruf ausgeübt hatte. Er wählte Werningshausen aus drei ihm angebotenen Pfarrstellen aus, da Kirche und Pfarrhaus hier den desolatesten Eindruck auf ihn machten. Schwarz ist neben seinen geistlichen Aufgaben auch künstlerisch tätig.

In der Zeit von Mai bis Oktober 2009 wurde Pfarrer Schwarz von seinen Funktionen als Pfarrer innerhalb der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) beurlaubt, da geprüft werden sollte, ob seine am 5. April 2009 erfolgte Weihe zum Bischof des Hochkirchlichen Apostolats Sankt Ansgar gegen die Ordnung der Kirche verstoße.[1] Initiiert wurde das Verfahren vom Landesbischof Christoph Kähler, der zu diesem Zeitpunkt drei Tage vor dem Ausscheiden aus dem Amt stand.

Die Beurlaubung des Priors löste ein unerwartetes Presseecho und den Protest von Mitgliedern der Kirchgemeinden und Freunden des Klosters aus. In Gesprächen mit der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland konnten Missverständnisse ausgeräumt und der Konflikt gütlich beigelegt werden. Es erfolgten auch Gespräche zur theologischen Aufarbeitung des Sachverhaltes.

Im Ergebnis wurde zunächst laut Beschluss der Disziplinarkammer für das Gebiet der ehemaligen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen vom 13. Oktober 2009 die Beurlaubung für rechtsunwirksam erklärt und wieder aufgehoben. Seit 2010 ist Prior Schwarz Pfarrer im Ruhestand, betreut aber weiterhin die Kirchgemeinde Werningshausen.

Weil hochkirchliche Weihen in der Regel ohne Kenntnis der Leitungen der evangelischen Landeskirchen vollzogen wurden, werden diese nur selten beachtet oder bestätigt. Im Fall Schwarz kam es jedoch am 18. März 2010 zu einer Vereinbarung zwischen ihm und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, vertreten durch Frau Landesbischöfin Ilse Junkermann, in der Schwarz zugestanden wurde, sich „Apostolischer Vorsteher“ zu nennen, um damit einer Verwechslung mit dem Amt und der Person der Landesbischöfin bzw. der Regionalbischöfe vorzubeugen.[2] Zum ersten Mal hat damit eine deutsche evangelische Landeskirche ausdrücklich die Legitimität eines apostolischen Leiters in einer hochkirchlichen Bruderschaft anerkannt. Die Bischofsweihe von Pater Franz erfolgte in Apostolischer Sukzession.

Die seit 1967 pfarrerlose und dem Verfall preisgegebene Dorfkirche St. Wigbert (Kirchenschiff von 1773–1776, Kirchturm von 1841) wurde ab 1973 von den Mönchen wiederaufgebaut, 1974 neu geweiht und dient als Pfarr- und Klosterkirche. Auf dem nicht mehr als Friedhof genutzten Kirchhof existieren auch eine Marienkapelle von 1984 und historische Grabsteine. Die Klostergebäude mit einem kleinen Oratorium wurden seit 1989 abschnittsweise errichtet. Das historische Pfarrhaus – in desolatem Zustand – war bereits in den 1970er Jahren von den Brüdern saniert worden. 1992 konnte unter starker Beteiligung der Bevölkerung feierlich der erste Bauabschnitt des Klosters eingeweiht werden. 2000 erfolgte die Weihe des zweiten Bauabschnitts. In der Marienkapelle beteten auch sowjetische Soldaten aus dem Hubschrauber-Stützpunkt in Haßleben, die allerdings nach einiger Zeit an die Staatssicherheit verraten wurden, das Kasernengelände nicht mehr verlassen durften und deren weiterer Verbleib unbekannt war. Diesem Ereignis sowie den ökumenischen Bestrebungen der Brüder wurde eine solche Bedeutung beigemessen, dass das Kloster auch einen kleinen Zwiebelturm erhielt, der an eine orthodoxe Kuppel erinnert. Im Jahr 2001 konnte das sechsstimmige Geläut der Kirche vollendet werden. Es gilt als „schönstes Geläut in Thüringen“.

Zitate[Bearbeiten]

„Sehr viel Schaden erlitt die Kirche zwischen 1967 und 1973, als die Pfarrstelle unbesetzt war. Viele historische Dokumente wurden vernichtet, die Kirche und das Pfarrhaus boten einen jämmerlichen und verlassenen Anblick. Das änderte sich 1973, als mit dem Einzug der ersten drei Brüder in das Pfarrhaus auch die Renovierung der Kirche begann. […] Werningshausen hat durch die Neugründung des Klosters zweifellos an Anziehungskraft gewonnen. Es war ein steiniger und beschwerlicher Weg, denn hier stand die Kirche und das Pfarrhaus 1973 dem Abriß näher als dem Wiederaufbau.“

Festschrift zur 1200-Jahr-Feier von Werningshausen[3]

Die Brüder beteiligten sich in 27 Jahren auch am Wiederaufbau von 29 anderen Gotteshäusern, die zum großen Teil in desolatem Zustand waren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Schwarz: Das Kloster Sankt Wigberti in Werningshausen. In: Heimat Thüringen 14, 2007, 2, ISSN 0946-4697, S. 55-56.
  • Priorat St. Wigberti Werningshausen: Aus Liebe zur Kirche: 40 Jahre - ein gemeinsamer Weg. Faltblatt 2010

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland vom 16. Juni 2009: EKM untersagt Pfarrer von Werningshausen den Pfarrdienst: Prior Schwarz hat sich zum „Bischof“ eines Apostolats „weihen“ lassen
  2. Vereinbarung zwischen der EKM und Prior Schwarz vom 18. März 2010
  3. Werningshausen 802 bis 2002. Festschrift zur 1200-Jahrfeier 2002. Hrsg. Gemeindeverwaltung Werningshausen, 2002

51.14145277777811.001644444444Koordinaten: 51° 8′ 29″ N, 11° 0′ 6″ O