Privatwald

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Befindet sich Wald nicht im Eigentum von Städten, Gemeinden (siehe Körperschaftswald), Kirchen oder in der Hand des Staates (Staatsforst), spricht man von Privatwald. Es handelt sich also um Wald im Eigentum von natürlichen oder juristischen Personen oder auch Personengesellschaften.

Einteilung[Bearbeiten]

In der Forstwissenschaft wird der Privatwald in verschiedene Unterkategorien aufgeteilt.

Diese an der Größe des einzelnen Waldbesitzes orientierten Kategorien sind in Deutschland:

  • Kleinstprivatwald (Größe: unter 5 Hektar)
  • Kleinprivatwald (Größe: 5 - 200 Hektar)
  • mittlerer Privatwald (Größe: 200 - 1.000 Hektar)
  • Großprivatwald (Größe: über 1.000 Hektar), der nur etwa 6 % der Waldfläche der alten Bundesländer einnimmt. Auf dem Gebiet der DDR hatten die evangelischen Kirchen hingegen über 30.000 ha Privatwald und eine bedeutende eigene Forstverwaltung. mit eigenen Trachten und Abzeichen. [1]

In Deutschland macht der Privatwald mit rund 47 % der Waldfläche den höchsten Besitzanteil aus.

In Österreich teilt man nur in:

  • privaten Kleinwald unter 200 Hektar
  • privaten Großwald über 200 Hektar

Der Kleinwald nimmt in Österreich etwa die Hälfte der insgesamt 4 Millionen Hektar Wald ein, aber der Privatwald – als zweiter Rang in der EU nach Portugal – etwa 80 % (15 % stehen im Besitz der Österreichischen Bundesforste, 5 % ist Wald im Besitz der öffentlichen Hand). Insgesamt gibt es 170.000 Waldeigentümer, davon 53 Prozent Kleinwaldbesitzer. Unter diesen liegt die durchschnittliche Waldfläche bei 9,2 Hektar pro Betrieb liegt.[2] Eine Trennung der Größen über 200 ha scheint angesichts dieser Lage wenig zweckmäßig.

In den EU-15 Ländern sind ca. 40,6 Millionen Hektar oder 30 % der Forstfläche in öffentlichem Eigentum, 95,6 Millionen Hektar oder etwa 70 % Privatwald.[2]

Entstehung[Bearbeiten]

Privatwälder weisen oftmals eine unterschiedliche Entstehungsgeschichte auf.

  • Großprivatwald entstand überwiegend dadurch, dass mediatisierte Herrschaften (z. B. Fürstenhäuser) ihren Waldbesitz fast vollständig behalten durften.
    Dazu zählt beispielsweise der Wald des Hauses Thurn und Taxis, Deutschlands größter Privatwald mit 28.000 Hektar (nach einer Angabe 2012;[3] nach eigener Angabe 2010: nach einem größeren Verkauf an Adolf Merckle immer noch 20.000 Hektar).[4] In Österreich ist der genauso große Mayr-Melnhofschen Besitz aber Erfolg einer bürgerlichen Unternehmerdynastie. Die habsburgischen Besitzungen sind in den Bundesforsten aufgegangen.
  • Mittlerer Privatwald entstand (und entsteht) entweder durch Teilung von Großprivatwäldern (z. B. durch Erbteilung oder Verkauf), in erster Linie aber durch den Flächenverkauf von Waldflächen
    Beispiel sind hier die neuen Bundesländern Deutschlands: Im Zuge der Bodenreform wurde in den Jahren 1945 bis 1949 Großgrundbesitzern in der sowjetischen Besatzungszone Land entzogen und auf Flüchtlinge und ehem. Landwirte verteilt (Junkerland in Bauernhand). Nach dem Mauerfall wurde beschlossen, den so entstandenen Privatwald der DDR nicht an die ursprünglichen Eigentümer zurückzugeben, sondern mit Hilfe einer Treuhandgesellschaft an neue Privateigentümer zu veräußern. Hierbei entstanden überwiegend Flächen zwischen 200 und 1000 ha Größe.
  • Klein- und Kleinstprivatwald entstand in den meisten Fällen aus Bauernwäldern. Diese wurden im Mittelalter von Klöstern in abgelegenen Regionen an Bauern verschenkt. Diese Bauernwälder hatten demnach eine Größe von mehreren Quadratmetern bis hin zu 200 ha Größe. In Gebieten der Realteilung (Süddeutschland, Österreich) wurden die teilweise sehr kleinen Grundstücke zusätzlich geteilt, was zu einer Parzellierung und Zerstückelung der Waldfläche führte, was eine Bewirtschaftung heutzutage teilweise unmöglich macht. Kleinprivatwald entstand zudem immer dort, wo Wald nicht in den Besitz einer Gemeinde überging (also Kommunalwald wurde), sondern gleichmäßig auf die berechtigten Bürger verteilt wurde.
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Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Leibundgut: Waldbau im Privatwald. Anregungen und Hinweise zu erfolgreicher Waldpflege für den Waldbesitzer. Haupt, Bern und Stuttgart 1989, 103 S., ISBN 3-258-04082-6
  • Jochen Berlit: Betriebskonzept zur Bewirtschaftung eines Privatwaldes. Schriftenreihe Taxationspraxis: F, Forstwirtschaft (Band 14). Sachverständigen-Kuratorium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau, Landespflege, Weinbau, Binnenfischerei, Pferdehaltung. SVK-Verlag, Erndtebrück 1996, ISBN 3-89061-106-0
  • Ulrich Schraml, Karl-Reinhard Volz (Hrsg.): Urbane Waldbesitzer. Studien zur Beratung und Betreuung im nichtbäuerlichen Kleinprivatwald. Freiburger Schriften zur Forst- und Umweltpolitik, Band 1. Kessel, Remagen-Oberwinter 2003, 208 (VIII) S., ISBN 3-935638-27-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Forstwirtschaft der östlichen evangelischen Kirchen: zwischen 1945 und 1991, Fred Ruchhöft und Kurt-Winkelmann-Stiftung, BoD – Books on Demand, 2012
  2. a b Eurostat TBRFA 200, nach Österreichs Wald befindet sich fest in privater Hand, waldwissen.net
  3. Waldprinz.de am 20. Juli 2012: Waldbesitzer: Wem gehört der Wald?
  4. Christine Mattauch am 26. Dezember 2010 in der Wirtschaftswoche: Gloria von Thurn und Taxis: "Wir sind das Land der Bedenkenträger"