Arzneimittel-Rhinitis

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Klassifikation nach ICD-10
J30.4 Allergische Rhinopathie, nicht näher bezeichnet
J31.0 Chronische Rhinitis
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Als Arzneimittel-Rhinitis (lat. Rhinitis medicamentosa) oder Privinismus bezeichnet man einen medikamentösen Schnupfen durch langdauernde Anwendung von abschwellend wirkenden Nasensprays oder Nasentropfen.

Der Name Privinismus leitet sich von den unter dem Handelsnamen Privin (Naphazolin) schon seit Jahrzehnten vermarkteten Nasentropfen ab, deren langfristige Anwendung schließlich zur dauerhaften Anschwellung anstelle der gewünschten Abschwellung der Schleimhaut in den Nasenmuscheln führt. Meistens wird der Terminus Rhinitis medicamentosa inzwischen allgemein für die arzneimittelinduzierte Rhinitis (drug-induced rhinitis) verwendet, wie sie in seltenen Fällen auch etwa nach der Einnahme von Betablockern, ACE-Hemmern oder oralen Kontrazeptiva beobachtet wird,[1] anderen Quellen zufolge ist er einer durch abschwellend wirkende Arzneistoffe versursachten Rhinitis vorbehalten.[2]

Pathophysiologie[Bearbeiten]

Abschwellend (dekongestiv) wirkende Arzneistoffe stimulieren die α-Adrenozeptoren und bewirken so eine Verengung der Blutgefäße der Nasenschleimhaut, was zu deren Abschwellen führt. Der genaue Mechanismus für die Ausbildung des Privinismus ist nicht bekannt, es könnten vasodilatorische Effekte und intravaskulär entstehende Ödeme beteiligt sein.[3]

Therapie[Bearbeiten]

Eine Normalisierung der Nasenatmung kann durch Absetzen der dekongestiv wirksamen Präparate erreicht werden, sofern der schlechten Nasenatmung nicht eine anatomische (beispielsweise Septumdeviation) oder allergische Ursache zugrundeliegt, die entsprechend zu therapieren wäre. Nach einiger Zeit, die durchaus mehr als eine Woche betragen kann, geht dann die Nasenschleimhautschwellung wieder zurück. Diese Zeit wird von den Betroffenen als quälend empfunden, da das ursprünglich behandelte Symptom in verstärktem Maße auftritt. Eine lokale Behandlung mit Glucocorticoiden wie zum Beispiel Budesonid oder Fluticason (Nasenspray) kann in dieser Zeit angezeigt sein, um die Beschwerden zu lindern.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. R. Probst: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Thieme Verlag, 2008, S. 49.
  2. M. Maldona do Fernández, J. Mullol: Nonallergic rhinitis and primary ciliary dyskinesia. In: Otorhinolaryngology, Head and Neck Surgery (European Manual of Medicine), M. Anniko (Hrsg.), Springer Verlag, 2008, S. 216.
  3. a b P Graf: Rhinitis medicamentosa: a review of causes and treatment.. In: Treatments in respiratory medicine. 4, Nr. 1, 2005, S. 21–9. doi:10.2165/00151829-200504010-00003. PMID 15725047.
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