Priwall (Schiff)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Priwall
Priwall (ship, 1917).jpg
p1
Schiffsdaten
Flagge DeutschlandDeutschland Deutschland
ChileChile Chile
andere Schiffsnamen

Lautaro

Schiffstyp Lastensegler
Rufzeichen RWLN(1920-1933)
DIRQ (1933-1941)
Heimathafen Hamburg, später Valparaíso
Eigner F. Laeisz (1917-1941)
chilenische Marine (1941-1945)
Bauwerft Blohm & Voss, Hamburg
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
115,60 m (Lüa)
Breite 14,37 m
Tiefgang max. 7,22 m
Verdrängung 6,668 t
Vermessung 3.105 BRT / 2.859 NRT (nach Umbau 1926: 3.185 BRT/2.834 NRT)
 
Besatzung 27 + 45 Kadetten
Takelung und Rigg
Takelung Bark
Anzahl Masten 4
Anzahl Segel 33
Segelfläche 4106 m²
Geschwindigkeit
unter Segeln
max. 18 kn (33 km/h)

Die Priwall[1] war eine deutsche Viermastbark und der vorletzte der Flying P-Liner, die für die berühmte Reederei F. Laeisz gebaut wurden. 1945 sank sie, seit 1941 in Lautaro umbenannt, unter chilenischer Flagge nach Ladungsbrand vor der peruanischen Küste.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Windjammer mit einem Stahlrumpf aus verschweißten Platten wurde als Dreiinselschiff nach bereits bewährten Plänen konstruiert. Sie war schnell und robust, um gegen die Stürme des Südatlantiks für die Reisen um Kap Hoorn gewappnet zu sein. Sie führte wie fast alle Laeisz-Segler ein modernes Standardrigg mit geteilten Mars- und Bramsegeln, darüber Royals, den Besanmast als Pfahlmast (keine Besanstenge) mit zwei Gaffeln. Die Viermastbark war mit 3.105 BRT vermessen und konnte bis 4.800 ts Fracht aufnehmen. Der Rumpf war nach Laeiszscher Tradition in den Farben schwarz-weiß-rot gestrichen, Überwasserschiff schwarz mit weißem Wasserpass und rotem Unterwasserschiff entsprechend der damaligen deutschen Nationalflagge. Die Außenwände der Mittschiffsbrücke und der Poop waren weiß abgesetzt. 1926 erfolgte ein Umbau zum reedereieigenen frachtfahrenden Segelschulschiff. Danach vermaß sie 3185 BRT, ihre Mannschaftsstärke erhöhte sich auf 55 bzw. 72. Benannt wurde sie gemäß altem Brauch der Reederei F. Laeisz (seit 1875 generell, daher die Bezeichnung Flying-P-Liner) mit einem mit „P“ beginnenden Namen nach der Halbinsel Priwall bei Travemünde, an der heute die Viermastbark Passat liegt. Die Priwall gehörte zu den wenigen frachtfahrenden Segelschulschiffen unter deutscher Flagge. Wie alle Laeisz-Segler hatte sie keinen Hilfsantrieb und wurde aus Sicherheitsgründen bei Ankunft in Cuxhaven elbeaufwärts in den Hamburger Hafen eingeschleppt.

Nach der Übernahme durch die chilenische Marine erhielt sie einen Hilfsantrieb und Kanonen als Bewaffnung. Die Besatzung stieg auf 250 Mann.

Geschichte[Bearbeiten]

Obwohl sie bereits 1917 auf der Hamburger Werft Blohm & Voss vom Stapel lief, zog sich die endgültige Fertigstellung der Priwall bedingt durch den Ersten Weltkrieg noch bis 1920 hin und konnte erst am 6. März 1920 an die Reederei F. Laeisz ausgeliefert werden. Diese verzögerte Bauphase entband die Reederei aber schließlich auch von der im Versailler Vertrag festgelegten Ablieferungspflicht an die Siegermächte. Ihr Schwesterschiff war die noch während des Krieges in Dienst gestellte Pola. Sie kam trotz Fertigstellung nicht zur Auslieferung an Laeisz, sondern ging als Kriegsreparation an Frankreich, wo sie unter dem Namen Richelieu der Société des Navires-Écoles fuhr und nach einer Explosion am 4. Januar 1927 im Hafen von Baltimore nach Umbau zum Schleppleichter 1933 abgewrackt wurde.

Ihre erste Reise führte die Priwall unter ihrem ersten Schiffsführer Kapitän Max Jürgen Heinrich Jürs, einer wahren Seefahrerlegende, der sie auch später noch einige Male kommandierte, mit 200 Mann nach Valparaíso, um für die internierten und rückzuführenden Laeisz-Segler Mannschaften bereitzustellen. In den 20er Jahren lief sie zunächst in der Salpeterfahrt und machte 13 Rundreisen bis 1931 (Taltal-Brügge). 1926 wurde die Priwall zum frachttragenden Schulschiff umgebaut und hatte nun 3.185 BRT/2.834 NRT mit einer Besatzung von 72 Mann, davon 45 Seekadetten. Ab 1932 wechselte das Fahrgebiet vorwiegend nach Australien. Weizen war nun ihre neue Fracht. Unter Kapitän Robert Clauß machte sie bis 1935 vier Weizenfahrten, darunter 1933 ein ursprünglich nicht geplantes Wettrennen gegen die Reedereischwester Padua unter ihrem alten Kapitän Jürgen Jürs von Hamburg nach Australien, was sie nach 62 Tagen mit einem Vorsprung von 1 Tag gewann - damals eine Rekordfahrt. 1935 übernahm zum dritten Mal nach 1920-1922 und 1925-1928 Kapitän Jürgen Jürs das Kommando der Priwall - für ein Jahr. Einen weiteren, niemals mehr eingestellten Rekord brachte der schnelle Segler unter Kapitän Adolf Hauth, ihrem letzten Laeisz-Kapitän, 1938 zuwege, als sie Kap Hoorn von Ost nach West in der Rekordzeit von fünf Tagen und knapp 14 Stunden umrundete (50° S Ost zu 50° S West Distanz). Am 31. Oktober kreuzte sie 50° S im Atlantik gegen 1:00 Uhr, am 5. November um 14:00 Uhr den 50° S im Pazifik. Nach Rückkehr in europäische Gewässer brach sie am 16. Mai 1939 zu ihrer letzten Reise unter der FL-Flagge auf. Am 21. Juli stand sie bei Kap Hoorn. Schwere Stürme machten ihr zu schaffen, so dass sie nach 84 Tagen Reise am 8. August in Corral, südlich von Valdivia, einlief. Nach Entladung und Reparaturaufenthalt konnte sie erst Ende August nach Talcahuano (~170 sm/320 km weiter nördlich) weitersegeln. Als die Bark dann am 3. September 1939 in Valparaíso (ca. 220 sm/400 km nördlicher), ihrer letzten Station vor Anker ging, wurde sie infolge des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges interniert. Eine Heimreise durch den Atlantik, der von den Briten beherrscht wurde, war ausgeschlossen. 1941 droht die Beschlagnahme durch die Alliierten. Dem kam die deutsche Regierung zuvor, indem sie am 23. Mai 1941 das Schiff der chilenischen Regierung als Geschenk machte, die sie in Alameda (Kalifornien) zum frachtfahrenden Segelschulschiff ausbauen ließ und in die chilenische Marine (Armada de Chile) eingliederte. Sie erhielt einen Hilfsantrieb mit 1.500 PS Dieselmotor eingebaut und hieß fortan Lautaro nach dem gleichnamigen Mapuche-Häuptling und Freiheitskämpfer Lautaro aus dem 16. Jahrhundert. Auch einen neuen Anstrich erhielt das Schiff, einen schneeweißen Rumpf mit schwarzem Wasserpass und Unterwasserschiff. „Der schöne weiße Schwan“ („el bello cisno blanco“) wurde sie genannt.

SSS Lautaro ex Priwall ging am 28. Februar 1945 durch einen Brand nördlich von Iquique verloren.

Am 28. Februar 1945 geriet der mit Salpeter in Säcken beladene Segler auf seiner fünften Reise ca. 300 km vor der peruischen Küste in Höhe des Hafens Pisco auf ihrer fünften Reise unter Chiles Flagge nach ihrem Bestimmungshafen Manzanillo, Mexiko, durch Selbstentzündung in Brand. Salpeter ließ sich damals effektiv nur mit Salpetermutterlauge (salpetergesättigtem Wasser, span. "agua madre") löschen, was nicht zur Hand war. Fock- und Großmast gingen über Bord, das Schiff bekam Schlagseite nach Steuerbord. Zwanzig Seeleute, sieben der Stammmannschaft – darunter der 2. Kommandant, Korvettenkapitän Enrique García González, die anderen meist junge Kadetten, starben an Rauchvergiftung, Verbrennungen und dem langen Aufenthalt im Wasser. Der ausgeglühte Rumpf sollte vom peruanischen Dampfer Ucayali nach Callao geschleppt werden, versank aber auf dem Weg dorthin am 8. März 1945 infolge Wassereinbruchs durch die in der Hitze geborstenen Platten nahe dem Zielhafen. Das Schiffsunglück war eine nationale Katastrophe, ähnlich der der Pamir in Deutschland. Der damalige Präsident Chiles, Juan Antonio Ríos Morales, leitete persönlich am 17. März 1945 die Totenfeierlichkeiten in Valparaíso, an der fast die ganze Stadt teilnahm. 1995 gedachte die Mannschaft des Schulschiffs Esmeralda der Opfer auf der Fahrt entlang der Küste Perus durch eine Kranzversenkung nahe der Untergangsstelle. 2005 wurde eine große Gedächtnisfeier in Valparaíso abgehalten, an der die Nachfahren der Überlebenden und deren Verwandten teilnahmen. Auch 2011 gedachte man des Schiffsunglücks.

Die Falklandinseln ehrten 1989 das stolze Schiff für die schnellste Kap-Hoorn-Umsegelung aller Zeiten mit einer eigenen Briefmarke.

Reisen der Priwall[Bearbeiten]

1920–1921 Kapitän Jürgen Jürs
  • 6. März 1920 Jungfernreise mit 200 Mann nach Valparaíso
1922–1924 Kapitän Carl M. Brockhöft
1925–1928 Kapitän Jürgen Jürs
1928–1929 Kapitän Karl Schubert
  • 1928/29 Hamburg – Talcahuano 94 Tage
1930–1931 Kapitän Hermann Töpper
  • 1930 Hamburg – San Annachnio 102 Tage
  • 1930 MejillonesZeebrügge 99 Tage
  • 1930 Hamburg – Talcahuano 89 Tage
  • 1931 Hamburg – Valparaíso 87 Tage
  • 1931 Taltal – Zeebrügge 81 Tage
1932–1935 Kapitän Robert Clauß
  • 1932 Hamburg – Port Lincoln 138 Tage
  • 1933 Port Victoria, Victoria (Australien)Barry (Wales) 106 Tage
  • 1933 Westausgang des Englischen Kanals – Port Victoria 63 Tage
  • 1933 25. Dezember Etmal von 384 sm
  • 1934 Port Victoria – Queenstown 108 Tage
  • 1934/35 Hamburg – Port Victoria 83 Tage
  • 1935 Port Victoria – Queenstown 91 Tage
1935–1936 Kapitän Jürgen Jürs
1938–1939 Kapitän Adolf Hauth
  • 1938 50-50 Ost-West-Umrundung von Kap Hoorn in 5 Tagen, 14 Stunden
  • 1939 letzte Reise unter FL-Flagge von Hamburg nach Valparaíso
1941–1945 fünf Reisen nach Mexico unter chilenischer Flagge

Schiffsdaten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Grube/Richter: Das große Buch der Windjammer, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 1976; S. 230-237 Reisebericht über die Rekordfahrt der SS Priwall nach Australien; Autor: Kapt. R. Clauß.
  • Hans Jörg Furrer: Die Vier- und Fünfmast-Rahsegler der Welt. Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Herford 1984, S. 170; ISBN 3-7822-0341-0
  • Peter Klingbeil: Die Flying P-Liner - Die Segelschiffe der Reederei F. Laeisz. Verlag Die Hanse, Hamburg, 2000; ISBN 3-434-52562-9
  • Stefan Krücken: Sturmkap. Um Kap Hoorn und durch den Krieg. Die unglaubliche Reise des Kapitän Hans Peter Jürgens. Ankerherz, Hamburg, 2009, ISBN 3-940138-01-0 (Über den damaligen Schiffsjungen Hans Peter Jürgens, 224 Seiten)
  • Hans Georg Prager: Reederei F. Laeisz. Von den Großseglern zur Containerfahrt. Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg, 2004; ISBN 3-7822-0880-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Priwall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Foto: Viermastbark Priwall