Pro Familia (Deutschland)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V.
Pro familia.svg
Typ Ärztliche, psychologische und soziale Beratung zu Partnerschaft und Sexualität für Frauen und Männer, Mädchen und Jungen
Motto Für selbstbestimmte Sexualität

Pro Familia (Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e. V.) ist eine Beratungsstelle für Sexualpädagogik. Ihr Angebot richtet sich an Jugendliche, Eltern, Ratsuchende jeden Alters sowie Schulen.

Heute hat die Organisation, die Gründungsmitglied der International Planned Parenthood Federation (IPPF) ist, ca. 5000 Mitglieder und unterhält mehr als 160 Beratungsstellen. Angeboten wird medizinische, psychologische, psychosoziale und familienrechtliche Beratung unter anderem zu Sexualität, Partnerschaft, Trennung und Scheidung, Empfängnisregelung und -verhütung, unerfülltem Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Arbeit

Pro Familia setzt sich für die sexuellen und reproduktiven Rechte von Frauen, Männern, Kindern und Jugendlichen ein. Dies umfasse zum Beispiel auch das Recht der oder des Einzelnen, frei zu entscheiden, ob, wann und wie viele eigene Kinder sie haben möchte. Das schließe die Forderung nach einem legalen Schwangerschaftsabbruch ohne Indikation ein. Ein Schwerpunkt des Arbeitsprogramms ist die besondere Förderung und Unterstützung benachteiligter Gruppen in der Bevölkerung.

Pro Familia bietet sexualpädagogische Veranstaltungen für Schulklassen und Jugendgruppen an.[1] Viele Beratungsstellen bieten eine Jugendsprechstunde an, außerdem gibt es die Möglichkeit der Online-Beratung. Pro Familia informiert online und mit Broschüren umfangreich zu Verhütung und Sexualität.

Pro Familia startete im Mai 2012 die Kampagne „Pannenhilfe nach 6“ mit dem Ziel, die „Pille danach“ rezeptfrei zu machen.[2] Andere Frauenverbände unterstützen dies.[3]

[Bearbeiten] Geschichte

Margaret Sanger war eine Aktivistin der Bewegung für Geburtenkontrolle, die 1921 die American Birth Control League begründete, aus der 1942 die US-amerikanische Organisation Planned Parenthood, und 1952 auch die (deutsche) Pro Familia und (internationale) IPPF hervorgingen.

Pro Familia wurde am 23. Dezember 1952 als „Deutsche Gesellschaft für ehe und Familie“ in Kassel gegründet. Ziel war die Schaffung eines gemeinnützigen, nicht-staatlichen und nicht-konfessionellen Fachverbands für Fragen der Sexualität und der Familienplanung. Erster und langjähriger Vorsitzender war der Hamburger Sozialhygieniker Hans Harmsen.[4] Den Ehrenvorsitz, den er 1980 erhielt, gab Harmsen 1984 wegen seiner Verstrickung in die Eugenik-Projekte der NS-Zeit wieder auf. Mitgründer waren Sanger und Anne-Marie Durand-Wever, letztere wurde Vizevorsitzende. 1963 wurde Pro Familia in den Paritätischen Wohlfahrtsverband aufgenommen. Der Verein setzte sich in diesen Jahren für die Selbstbestimmung in der Verhütung durch die Anti-Baby-Pille ein. 1967 wurde Richard Kepp Präsident. 1973 folgte ihm Jürgen Heinrichs.

Durch eine Förderung im Modellprojekt der Bundesregierung „Ergänzende Maßnahmen zur Reform des § 218“ konnte das Angebot auf 26 Beratungsstellen ausgeweitet werden, zusätzlich zur Fachberatung und Beratung Betroffener wurde jetzt verstärkt sexualpädagogische Jungendarbeit geleistet. 1983 wurde Melitta Walter Vereinsvorsitzende der Pro Familia, die nun in der AIDS-Prävention einen neuen Schwerpunkt gewann. Den Vorsitz übernahm 1987 Monika Simmel-Joachim.

Nach der deutschen Wiedervereinigung traten 1991 in den neuen Bundesländern die Landesverbände der Organisation EHE und FAMILIE in der DDR Pro Familia bei, so dass ihre Aktivitäten auch ohne die Unterstützung der Bundesregierung[5] ausgeweitet werden konnte. 1993 erfolgte die letzte Namensänderung in „Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e. V.“ Vorsitzende wurde Uta Meier, auf die 1998–99 Brigitte Unger-Soyka und 1999-2001 Eva Rühmkorf folgten.

Seit der Jahrtausendwende engagiert sich der Verein auch in der Aufklärung zur künstlichen Befruchtung und zur Präimplantationsdiagnostik. Ab 2001 übernahm Ingrid Langer, ab 2004 Gisela Notz den Vorsitz. Aktuelle Vorsitzende seit 2010 ist Daphne Hahn.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Christian Rost: Pro Familia hilft aus. Sexualkunde als Lebenshilfe, in: Süddeutsche Zeitung vom 25. Juli 2009
  2. Pannenhilfe nach 6: Pille danach* muss rezeptfrei sein!, auf: profamilia.de, 15. Mai 2012
  3. Zum Beispiel der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft (AKF) e.V.
  4. Sabine Schleiermacher: Racial Hygiene and Deliberate Parenthood; Reproductive and Genetic Engineering: Journal of International Feminist Analysis 3 (1990), Heft 3, Band 3 (pdf; 138 kB).
  5. Leicht übergangen. – Beim Ausbau der Schwangerschaftsberatung in der Ex-DDR bevorzugt Bonn konservative Organisationen, in: Der Spiegel, Ausgabe 17/1991 vom 22. April 1991