Pro Juventute

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Dieser Artikel behandelt die schweizerische Organisation, für die Österreichische siehe Pro Juventute Kinderdorfvereinigung.
Das Logo von Pro Juventute

Pro Juventute (lat. «Für die Jugend») ist eine seit 1912 existierende, in der Schweiz ansässige Stiftung mit ZEWO-Gütesiegel. Sie ist privat, politisch unabhängig und konfessionsneutral. Seit dem Gründungsjahr finanziert sich die Stiftung mit dem Verkauf von Wohltätigkeitsmarken, Spenden, Legate und Beiträge der öffentlichen Hand. Sie umfasst nebst der Stiftung 22 meist kantonale Pro Juventute Vereine, die rechtlich und organisatorisch unabhängig von der Stiftung sind. Die Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Pro Juventute und den Pro Juventute Vereinen ist in einem Lizenzvertrag (Namensrechte) und in dienstleistungsspezifischen Projektverträgen geregelt. Darüber hinaus agieren die Vereine ohne Einflussnahme der Stiftung.

Ziel[Bearbeiten]

Unter Beachtung der Uno-Kinderrechtskonvention setzt sich die Stiftung für die Erfüllung der Bedürfnisse und die Umsetzung der Rechte von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz ein. Kinder und Jugendliche sollen in ihrer persönlichen Entwicklung gefördert werden. Weiterhin ist die Stiftung eine Anlaufstelle in Notfällen und bietet soziale Dienstleistungen an.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stiftung Pro Juventute besteht seit mehr als 100 Jahren.

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  • 1912: Gründung der Stiftung Pro Juventute unter der Schirmherrschaft der SGG (Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft) mit dem Ziel der Bekämpfung von Tuberkulose bei Kindern und Jugendlichen.
  • 1922: Gründung der «Genossenschaft Kindersanatorium Pro Juventute» (heute: Alpine Kinderklinik).[1]
  • 1924: Gründung des «Schweizer Bundes für Jugendherbergen» (Schweizer Jugendherbergen). Übernahme der Geschäftsstelle durch Pro Juventute 1927.[2]
  • 1926: Das Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse wird gegründet, um Kinder aus fahrenden Familien zu sesshaften und arbeitsamen Menschen zu erziehen.[3]
  • 1930: Gründung der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Ferien und Freizeit (SAF), der Vorläuferin der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV)
  • 1931: Gründung des Schweizerischen Jugendschriftenwerkes (SJW) durch Pro Juventute, die kantonalen Erziehungsbehörden und die Gemeinnützige Gesellschaft.
  • 1942: Erste Säuglingspflegekurse mit Pro Juventute Säuglingsschwestern. Auf die Schulung von jungen Eltern folgt die schweizweite Mütter- und Väterberatung, die Entwicklung der Pro Juventute Elternbriefe und des Ratgeber-Klassikers «Das erste Lebensjahr».
  • 1952 wurde Papa Moll von Edith Oppenheim-Jonas im Auftrag von Pro Juventute entworfen. Der schweizerische Comic-Strip war als Alternative zu den vielen ausländischen Comics gedacht. Edith Oppenheim-Jonas ist 2001 im Alter von 93 Jahren gestorben. Zu Lebzeiten hat sie auf Schweizer Radio DRS erzählt, dass ihre eigene Familie sie zu den Papa Moll-Geschichten inspiriert hat. Zuerst erschienen einzelne Geschichten im Kindermagazin Junior. Seit 1975 erscheinen die Bücher im Globi-Verlag in Zürich. Bis Frühling 2012 gab es 24 Papa-Moll-Klassik-Bände.[4]
  • 1954: Eröffnung der ersten beiden Robinsonspielplätze in Rüschlikon und Zürich-Wipkingen.[5]
  • 1961: Der Kinderzirkus «Robinson» geht erstmals auf Tournee. Er existiert heute noch.[6]
  • 1970: Erstmals gelangt die Stiftung mit neu geschaffenen Pro Juventute Elternbriefen an alle Eltern von Neugeborenen in Zürich und Basel.
  • 1973: Das 1926 gegründete «Hilfswerk für Kinder der Landstrasse» wird nach heftiger Kritik in den Medien auf Druck der Öffentlichkeit aufgelöst. Mit Hilfe der Behörden nahm Pro Juventute 586 Kinder aus fahrenden Familien ihren Eltern weg, um sie zur Sesshaftigkeit zu erziehen.[7]
  • 1985: Pro Juventute startet das Projekt «Familienbegleitung», das Kinder und Familien in schwierigen Familiensituationen unterstützt.
  • 1992: Aufbau des neuen Sorgentelefons «Help-o-Fon», dem Vorgänger der «Beratung + Hilfe 147».
  • 1999: Die Notrufnummer Pro Juventute «Beratung + Hilfe 147» ist für Kinder und Jugendliche in der ganzen Schweiz Tag und Nacht in Betrieb.
  • 2001: Start des Pro Juventute Bildungsprojekts «Kinder lernen ihre Rechte kennen». Dabei erhalten Schulkinder in den Kantonen Informationen über ihre Rechte aus der UNO-Kinderrechtskonvention. Sie ist in der Schweiz seit 1997 in Kraft.
  • 2007: Pro Juventute startet die nationale Petition «Stopp der (un)heimlichen Gewalt». Darin fordert sie eine einheitliche und wirksame Regelung für den Schweizerischen Kinder- und Jugendmedienschutz.
  • 2009: Pro Juventute initiiert das Medienkompetenz-Angebot «Handyprofis» (heutiges «Medienprofis»-Angebot), sowie die Finanzkompetenz Angebote «Kinder-Cash» und «Potz Tuusig».[8]
Das Bundesamt für Kommunikation zeichnet Handyprofis mit dem Preis «Ritter der Kommunikation» aus.[9]
  • 2010: Lancierung «Ich bin Pro Juventute»: Bundesrat Didier Burkhalter wird offizieller Pro Juventute-Botschafter. Über 30 Schweizer Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport engagieren sich als Pro Juventute-Botschafter mit dem Claim «Ich bin Pro Juventute».
Pro Juventute führt das Sozialkompetenz-Lehrmittel «Pro Juventute What's up» ein und lanciert Pro Juventute Gametest.
  • 2011: Die Stiftung lanciert den Ratgeber «Unser Kind» für Eltern mit Migrationshintergrund. Mit dem Ratgeber «Unser Kind» unterstützt Pro Juventute fremdsprachige Familien. Vom ersten bis sechsten Lebensjahr wird das Aufwachsen eines Kindes thematisiert und in sechs Ausgaben zusammengefasst. Die Texte sind leicht lesbar und die Broschüren in Deutsch, Französisch, Italienisch und in sieben Migrationssprachen erhältlich.
Start von «Bau dir deine Schweiz der Zukunft» zum 100-jährigen Bestehen von Pro Juventute mit Kindern aus der ganzen Schweiz.[10]
Mit den Lehrmitteln Pro Juventute «Kinder-Cash» und Pro Juventute «Potz Tuusig» erhalten über 30'000 Kinder Förderung in Finanzkompetenz. Schweizweit ist «Potz Tuusig» von Pro Juventute das einzige Lehrmittel, das Themen wie Werte in Zusammenhang mit Geld für den Kindergarten und die Unterstufe aufbereitet. «Kinder-Cash», das weiterführende Angebot von Pro Juventute zu Geld und Konsum, richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 13 Jahren.[11]
Schweizweite Kampagne «Stopp JugendSuizid» mit dem Ziel, die Bevölkerung zu sensibilisieren und die Notrufnummer 147 bei Kindern und Jugendlichen bekannt zu machen.

Aktuelle Entwicklung[Bearbeiten]

  • 2012: Die Stiftung feiert ihr 100-jähriges Bestehen.[12]
Pro Juventute schafft Weltrekord zum 100-Jahr-Jubiläum: Die «Schweiz der Zukunft» aus über zwei Millionen LEGO Steinen.[13]
Schweizweite Kampagne «Stopp Cyber-Mobbing» mit dem Ziel, die Bevölkerung zu sensibilisieren, was man gegen Cyber-Mobbing und Angriffe im Internet tun kann.
  • 2013: Lancierung einer Aufklärungskampagne gegen Sexting, nachdem eine Studie der Universität Zürich sowie Erfahrungen bei der Notrufnummer 147 gezeigt haben, dass sexueller Missbrauch von Jugendlichen stark mit dem Internet verknüpft ist.[14][15]
Kanal-Ausbau «Beratung + Hilfe 147»: Da Kinder und Jugendliche immer mehr über digitale Kanäle kommunizieren, führte die Notrufnummer 147 daher ihre Anstrengungen zur Effektivitätssteigerung weiter. So können sich Kinder seit dem Jahr 2013 schweizweit nicht nur per Telefon, sondern auch per SMS, Chat und Web an die Pro Juventute «Beratung + Hilfe 147» wenden. Durch die SMS- und Chat-Beratung erhalten mehr Kinder und Jugendliche mit schwerwiegenderen Krisen oder alltäglichen Problemen Hilfe und Beratung, da es ihnen oft leichter fällt, solche Probleme schriftlich zu äussern.
  • 2014: Lancierung einer nationalen Sexualaufklärungskampagne für Eltern. Diese sensibilisiert Eltern für Online-Risiken. Denn mit der Verbreitung von Internet und Smartphones findet der erste Kontakt von Kindern mit Sexualität oft im Web statt. Eltern sollen daher sensibilisiert werden, bei der Sexualaufklärung ihrer Kinder den Cyberspace miteinzuschliessen.[16]

Finanzierung[Bearbeiten]

Pro Juventute finanziert ihre Aktivitäten zu rund 80 Prozent aus Spenden und Legate sowie mit Einkünften aus Sponsoring und anderen Partnerschaften.

Die Finanzierung und die Liquidität der Stiftung sind nach eigenem Bekunden kurz- und mittelfristig gesichert. Die Stiftungsführung unter der Leitung des Präsidenten Josef Felder leitet die nötigen Schritte zur Erreichung einer ausgeglichenen Rechnung und der nachhaltigen Finanzierung ein. Im Zentrum stehen die Weiterentwicklung neuer Mittelbeschaffungsinstrumente und die engere Verknüpfung der Leistungen mit der Privatwirtschaft und der öffentlichen Hand. Pro Juventute erzielte im Geschäftsjahr 2011 erstmals nach 15 Jahren wieder ein ausgeglichenes Ergebnis. Die schwarze Null per 31. Dezember 2011 war das erklärte Ziel, als die neue Führung 2009 einschneidende Massnahmen zur Sanierung und finanziellen Gesundung der mittlerweile 100-jährigen Kinder- und Jugendorganisation eingeleitet hatte. Eine wichtige Etappe sei hiermit geschafft, so Stiftungsratspräsident Josef Felder.[17]

Die Stiftung bestätigte auch im Geschäftsjahr 2012 ihren Turnaround. Unter Bereinigung der einmaligen Rückstellung für die BVK-Kosten schloss die Stiftung zum zweiten Mal seit Einleitung der Sanierungsmassnahmen mit einem ausgeglichenen Ergebnis ab. Mit dem rückstellungsbereinigten zweiten ausgeglichenen Ergebnis in Folge bestätigt Pro Juventute ihre Sanierung. Neben konsequenten Einsparungen und einer erheblichen strukturellen Vereinfachung ist die erfolgreiche Sanierung insbesondere auch auf den konsequenten Aufbau eines professionellen Fundraisings zurückzuführen.[18]

Mission & Vision[Bearbeiten]

Pro Juventute will «eine Schweiz, in der Kinder und Jugendliche glücklich sind und gefördert werden. Eine Schweiz, in der Eltern ihre Kinder bestärken und begleiten können. Denn die Kinder von heute sind die Gesellschaft von morgen.»[19]

Philatelie[Bearbeiten]

Die Pro-Juventute-Marken sind vor allem bei Schweizer Philatelisten ein beliebtes Sammelgebiet. Sie werden meist als gewöhnliche Freimarken, seltener separat, gesammelt. Vor allem einige ältere Ausgaben erzielen auf Grund ihrer Seltenheit höhere Preise. Die Pro-Juventute-Marken wurden meist mehrere Jahre lang hindurch zu einem bestimmten Thema ausgegeben, so dass zusammen grosse Sätze, wie die Schweizer Kantonswappen, bilden. Von 2006 bis 2008 kreierten Jugendliche in Zusammenarbeit mit dem Künstler Ted Scapa die Ausgaben der Pro-Juventute-Marken, welche von der Schweizerischen Post herausgegeben werden.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Online Archivkatalog des Staatsarchivs Luzern «Genossenschaft Kindersanatorium Pro Juventute».
  2. Geschichte der Schweizer Jugendherbergen.
  3. Fragen und Antworten zum «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse».
  4. SRF Beitrag «Papa Moll wird 60»
  5. Pro Juventute – Katalysator der Spielplatzidee in der Schweiz.
  6. Kinderzirkus Robinson
  7. Literaturauswahl zum «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse» (1926–1973).
  8. Schulden.ch Artikel – Mit «Pro Juventute Kinder-Cash» sollen 9 bis 12-Jährige einen bewussten Umgang mit Geld und Konsum lernen.
  9. Ritter der Kommunikation – ein Wettbewerb des Bundesamtes für Kommunikation
  10. Blick.ch Artikel – Pro Juventute ermuntert Kinder, mit verschiedenen Aktionen ein Jahr lang ihre Vision einer Schweiz der Zukunft zu entwerfen
  11. Schweizerische Bankiervereinigung – Angebote zur schulischen Förderung der Finanzkompetenz von Kindern und Jugendlichen
  12. 100 Jahre Pro Juventute
  13. presseportal.ch Medienmitteilung: Pro Juventute schafft Weltrekord zum 100-Jahr-Jubiläum: Die «Schweiz der Zukunft» aus über zwei Millionen LEGO Steinen
  14. Pressemitteilung vom 29. Oktober 2013
  15. Blick.ch Artikel – Pro Juventute macht auf Gefahren von Sexting aufmerksam
  16. Pressemitteilung vom 14. April 2014
  17. Tages-Anzeiger Pro Juventute hat den Turnaround geschafft
  18. NZZ Artikel Pro Juventute ist saniert
  19. Vision & Mission von Pro Juventute