Pro Natura

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Pro Natura ist die älteste Naturschutzorganisation der Schweiz. Sie engagiert sich für die Förderung und Erhaltung der Tier- und Pflanzenwelt in der Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1909 gründeten Vertreter der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft (heute: Akademie der Naturwissenschaften Schweiz) den Schweizerischen Bund für Naturschutz (SBN) – heute Pro Natura –, um die Idee eines Nationalparks in der Schweiz zu verwirklichen. Die Naturschutzpioniere wollten Raum schaffen für die von Industrialisierung und Fremdenverkehr bedrängte Natur. Da jeweils ein Franken des Mitgliederbeitrags für den Nationalpark abgezweigt wurde, hiess Pro Natura im Volksmund lange auch Fränkli-Verein.

Noch heute zahlt Pro Natura pro Mitglied einen Franken an den Betrieb des Nationalparks im Engadin. Bis 2013 ist ein Netz von 600 Naturschutzgebieten in der ganzen Schweiz entstanden. Diese umfassen eine Gesamtfläche von 61,4 Quadratkilometern (Stand 2013). Zusätzlich betreut Pro Natura über ein Dutzend Naturschutzzentren, unter anderem das Pro Natura Zentrum Champ-Pittet VD und das Pro Natura Zentrum Aletsch VS.

Im Jahr 2009 feierte Pro Natura ihr 100-Jahre-Jubiläum. Zu diesem Anlass hat die Schweizerische Post eine Sonderbriefmarke im Wert von 85 Rappen herausgegeben.

Organisation[Bearbeiten]

Als privater, gemeinnütziger Verein ist Pro Natura auf Mitgliederbeiträge und Spenden angewiesen. Pro Natura zählt über 100 000 Mitglieder und 40 000 Gönnerinnen und Gönner. Sie ist mit ihren Sektionen regional, dem Zentralverband national, als Schweizer Mitglied im Netzwerk von Friends of the Earth und Gründungsmitglied der IUCN – The World Conservation Union international verankert. Der Zentralverband und die 23 kantonalen Sektionen bilden zusammen Pro Natura. Der Zentralverband hat heute einen Umsatz von ca. 20 Mio. Fr. jährlich und beschäftigt rund 60 Mitarbeitende. Zentralsekretär ist Urs Leugger-Eggimann, Präsidentin ist Silva Semadeni.[1]

Ziele[Bearbeiten]

Die Organisation hat sich folgende Ziele gesetzt:

Mehr naturnahe Lebensräume: Die Verarmung geschützter und schutzwürdiger Lebensräume muss gestoppt, ihre Erhaltung und Pflege verbessert werden. Wirkungsvoll geschützte Gebiete müssen an Fläche gewinnen.

Mehr natürliche Artenvielfalt: Keine Tier- und Pflanzenart, für welche die Schweiz eine hohe Verantwortung trägt, darf aussterben. Häufige, typische Arten müssen häufig bleiben, selten gewordene müssen wieder häufiger werden.

Landschaftsschutz statt Zersiedelung: Der Landschaftsverbrauch durch Überbauung und Zersiedelung muss gebremst werden. Einzigartige Landschaften sollen besser geschützt und die Trennung zwischen Bauzonen und unbebauter Landschaft ungeschmälert erhalten bleiben.

Mehr Umweltkompetenz: Der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur muss zunehmen. Das Wissen muss breiter vorhanden sein, dass Arten, Lebensräume und Landschaften für die Erhaltung von Mensch und Natur unerlässlich sind.

Wie Pro Natura ihre Ziele erreicht[Bearbeiten]

Um ihre Ziele zu erreichen, setzt Pro Natura vier Instrumente ein:

  • Mit politischem Naturschutz verbessert sie die Rahmenbedingungen «für mehr Natur – überall!». Sie vertritt die Interessen der Natur und bringt öffentliche Gemeinwesen, Verbände, Unternehmen und Private dazu, auf die Erreichung der Ziele hin zu arbeiten, die auch für Pro Natura gelten.
  • Mit praktischem Naturschutz ist sie selber in der Natur aktiv. Sie plant, realisiert und fördert Projekte in genutzten und ungenutzten Landschaften, für gefährdete Arten und naturnahe Nutzungen.
  • Mit ihrer Umweltbildung begeistert sie junge und erwachsene Menschen so für die Natur, dass sie ihr gegenüber Verantwortungsbewusstsein entwickeln und sich für dieselben Ziele einsetzen wie Pro Natura. So gehören über 40 Jugendnaturschutzgruppen zu Pro Natura, und die Organisation bietet Umweltbildungsangebote für Schulen.
  • Kommunikation betreibt sie, um möglichst viele Menschen mit ihren Zielen vertraut zu machen, sie für deren Umsetzung zu sensibilisieren und als Verbündete zu gewinnen.

Schwerpunkte und Kampagnen[Bearbeiten]

Das Naturschutzgebiet Limmatspitz von Pro Natura Aargau beim Zusammenfluss von Aare und Limmat (Wasserschloss der Schweiz)

Aktuelle Kampagnen[Bearbeiten]

  • 2014-16: Flower Power - für farbenfrohe Blumenwiesen: Blumenwiesen sind unter anderem Lebensräume für Schmetterlinge und Heuschrecken, fast die Hälfte aller Pflanzenarten der Schweiz kommen dort vor. Mit der Kampagne «Flower Power – für farbenfrohe Blumenwiesen» engagiert sich Pro Natura für artenreiche Wiesen in der Schweiz. Dies ist einerseits wichtig für viele spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Andererseits erbringen sie bedeutende Leistungen für die Landwirtschaft und die Gesellschaft. Darüber hinaus sind vielfältige Blumenwiesen Teil einer attraktiven Landschaft.[2]
  • 2013-15: Mehr Weiher für Frosch & Co.: Pro Natura möchte die Schweiz mit dieser Kampagne zu einem besseren Land für Frösche, Kröten, Unken, Molche und Salamander machen. Schwerpunkt der Kampagne soll sein, mehr Weiher und Tümpel zu schaffen, in denen sich Amphibien sicher fortpflanzen können.[3]

Frühere Kampagnen[Bearbeiten]

  • 2011-13: Landschaften fürs Leben: Die schönen Landschaften gehören zu den wichtigsten Qualitäten der Schweiz. Um sie zu erhalten und die Themen Raumplanung, Bodenverbrauch, Siedlungs- und Landschaftsqualität in das Bewusstsein der Bevölkerung und Politik zu bringen, lancierte Pro Natura 2011 die Kampagne «Landschaften fürs Leben». Mit der Kampagne sollten die Schweizer für einen sorgfältigen Umgang mit dem Boden und für lebenswerte Siedlungen sensibilisiert werden.[4]
  • 2010-12: Biodiversität - jede Art zählt!: Mit dieser Kampagne versuchte Pro Natura, der Schweizer Bevölkerung die Bedeutung der Biodiversität verständlich und deren Bedrohung deutlich machen. Mit dem Projekt «Allegra Geissenpeter» zeigte Pro Natura mögliche Fördermassnahmen für Trockenstandorte. Mit der «Arche der Biodiversität» wurde aufgezeigt, warum die Biodiversität für Menschen wichtig ist und wie sie sich für den Erhalt der Biodiversität einsetzen können.
  • 2000-2010: Gründen wir einen neuen Nationalpark!:[5] Ziel der Kampagne war, dass die Schweiz bis zum Ende des Jahres 2010 einen neuen Nationalpark erhält – und ein ganzes Netz von grossen Schutzgebieten. Die gesetzlichen Grundlagen dazu wurden geschaffen, und in ungefähr dreissig Regionen an Parkprojekten gearbeitet. Einer der aussichtsreichsten Kandidaten war der Parco del Locarnese im Gebiet zwischen Centovalli, Valle Onsernone, Rovana und Bavona, das zu einem großen Teil der Gemeinde Cevio gehört. Diese kündigte im Jahr 2009 an, sich nicht mehr an dem Projekt beteiligen zu wollen.[6] Im Jahr 2010 wurde der Adula-Nationalpark um das Rheinwaldhorn vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) als Kandidat für einen weiteren Nationalpark genehmigt und eine Förderung in Aussicht gestellt. Im Jahr 2015 könnte über eine Volksabstimmung die Errichtung des Nationalparks beschlossen werden.[7] Im Januar 2011 wurde zudem ein neuer Antrag für Parco del Locarnese beim BAFU eingereicht.[8][9]
  • 2006–2008: Befreit unsere Flüsse!: In diesen Kampagnenjahren war das Ziel eine Erhöhung des Anteils an naturnahen Flüssen und Bächen. Pro Natura setzte sich auch dafür ein, dass das Gewässerschutzgesetz, welches minimale Restwassermengen in Fliessgewässern vorschreibt, nicht gelockert wird und forderte den Vollzug des Gesetzes ein.
  • 2003–2005: Mehr Platz für Schmetterlinge: Für die drei Kampagnenjahre hatte sich Pro Natura zum Ziel gesetzt, Lebensräume für bedrohte Schmetterlingsarten zu erhalten, Lebensräume für verbreitete Arten zu fördern und das Wissen über Schmetterlinge in der Bevölkerung zu verbessern. Pro Natura bewahrte fünf stark bedrohte Schmetterlingsarten mit gezielten Nothilfe-Projekten vor dem Aussterben.
  • 2000–2002: Luchs & Co.: Der Luchs sollte sich in der Schweiz ausbreiten können, Wolf und Bär wieder heimisch werden. Mittels Aufklärung in der Bevölkerung und Lobby-Arbeit sollte die Akzeptanz gegenüber den Grossraubtieren verbessert werden.

Initiativen[Bearbeiten]

Landschaftsinitiative: Die unter der Federführung von Pro Natura 2007 lancierte eidgenössische Volksinitiative forderte, dass die Gesamtfläche der Bauzonen während 20 Jahren nicht vergrössert werden darf. Die Initiative wurde 2008 mit rund 110'000 gültigen Unterschriften von Pro Natura und 16 weiteren Organisationen eingereicht.

Als Reaktion auf die 2008 eingereichte Landschaftsinitiative hat das Bundesparlament das Raumplanungsgesetz griffiger gemacht:

  • Zu grosse Bauzonen werden verkleinert, das Kulturland ist besser geschützt.
  • Mehrwerte durch Einzonungen werden gerechter verteilt.
  • Die Gemeinden müssen bei der Planung zusammenarbeiten, und bevor neues Bauland geschaffen wird, muss das bestehende besser genutzt werden.

Das Schweizer Stimmvolk hat das Gesetz an der Urne mit 63% Ja deutlich bestätigt. Pro Natura hatte bei der Landschaftsinitiative und bei der Abstimmung über das Raumplanungsgesetz die Führungsrolle.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pro Natura – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [ http://pronatura.ch/leistungsberichte Pro Natura Leistungsberichte]
  2. Mehr Flower Power in der Schweiz
  3. Kampagne «Mehr Weiher für Frosch & Co.»
  4. Kampagne «Landschaften fürs Leben»
  5. Gründen wir einen neuen Nationalpark!
  6. Stefan Bachmann: Nationalpark: «Das Projekt ist noch nicht gestorben», Zugriff am 26. August 2011
  7. suedostschweiz.ch: Vermischtes: «Parc Adula bringt 'Sauerstoff' in die Täler», 11. März 2011, Zugriff am 26. August 2011
  8. Pro Natura: Chronik des Nationalparkprojektes, Zugriff am 26. August 2011
  9. http://www.parcadula.ch/