Pro Oriente

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Stiftung Pro Oriente ist eine österreichische Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen mit dem Ziel, die Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen zu fördern.

Gründung[Bearbeiten]

Pro Oriente wurde 1964 vom römisch-katholischen Wiener Erzbischof Franz Kardinal König (1905–2004) gegründet. Anlass zur Gründung war das Zweite Vatikanische Konzil, das mit seinem Ökumenismus-Dekret „Unitatis redintegratio“ die Türen zu den anderen christlichen Kirchen öffnete. Pro Oriente hat Sektionen in Wien (Sitz: Wiener Hofburg), Graz, Salzburg und Linz. Die Stiftung finanziert sich von Spenden und privaten wie öffentlichen Subventionen.

Tätigkeit[Bearbeiten]

Die Stiftung arbeitet auf inoffizieller Ebene zwischen der römisch-katholischen Kirche und den Ostkirchen. Ihre Tätigkeit besteht aus Forschungsprojekten, Tagungen, Symposien, theologischen Konsultationen und öffentlichen Vorträgen in Österreich und im Ausland, sowie der Herausgabe unterschiedlicher Publikationen. Bis 2006 waren es etwa 80 Publikationen, die gratis oder gegen eine Spende im Wiener Büro bezogen werden können.

Ein wesentlicher Teil der Tätigkeit ist der Beziehungsaufbau, der in Einladungen von Bischöfen und Patriarchen nach Wien und Besuchen der verschiedenen Kirchen im Osten besteht. Im Laufe der Jahre wurde ein Netz von Kontakten zu den Kirchen des Ostens geknüpft.

Die Stiftung ernennt Konsultoren und Ehrenmitglieder. Dazu kommen Mitarbeiter im Stiftungsvorstand. Mit der Stiftung "Pro Oriente" verbunden sind bzw. waren: Aram I., Michael Staikos, Alois Grillmeier, Philipp Harnoncourt, Otto Mauer, Hans-Joachim Schulz, Pierre Duprey, Ernst Florian Winter, Grigorios Larentzakis, Lothar Lies, Michael Karl Proházka, Kurt Lüthi.

Wiener Christologische Formel[Bearbeiten]

Zu den wichtigsten Resultaten des Wirkens der Stiftung zählt die so genannte „Wiener Christologische Formel“. Sie war 1971 in Wien auf der Grundlage eines Vorschlags des damaligen Allgemeinen Bischofs der Koptischen Kirche, Schenuda (der kurz darauf zum Papst Schenuda III. gewählt wurde), beschlossen worden.[1] Die Formel lautet:

„Wir glauben, dass unser Gott und Erlöser, Jesus Christus, Gottes fleischgewordener Sohn ist; vollkommen in seiner Gottheit und vollkommen in seiner Menschheit. Seine Gottheit war von seiner Menschheit keinen einzigen Moment, nicht einen Augenblick getrennt. Seine Menschheit ist eins mit seiner Gottheit, ohne Vermischung, ohne Vermengung, ohne Teilung, ohne Trennung.“

Wiener Christologische Formel

Als gemeinsame Neuinterpretation der Christologie des Konzils von Chalzedon war diese Formel im September 1971 bei der ersten der von „Pro Oriente“ veranstalteten „Lainzer Konsultationen“ zwischen römisch-katholischen und altorientalischen Theologen gefunden worden.[2] Nach dem Tagungsort im Wiener Stadtteil Lainz wird sie gelegentlich auch als „Lainzer Formel“ bezeichnet.[3]

Neuausrichtung[Bearbeiten]

Eine Krise erlebte Pro Oriente durch den Tod des langjährigen Leiters und Präsidenten Alfred Stirnemann im Jahr 1998.

Seit der Vatikan mit dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen im Jahr 2004 den offiziellen Dialog mit den orthodoxen Kirchen wieder aufnahm, fand der inoffizielle Dialog ein Ende. Die Stiftung sucht seitdem nach neuen Schwerpunkten und Ausrichtungen. Die Stiftung arbeitet mit einer ähnlich ausgerichteten Einrichtung, der Initiative Christlicher Orient (ICO) mit Sitz in Linz, sowie anderen kirchlichen Organisationen, Stiftungen und Instituten zusammen.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. „Kardinal König-Preis“ im Zeichen der Solidarität mit den Kopten, abgerufen am 3. November 2014.
  2. 40 Jahre Papst Schenuda III., abgerufen am 3. November 2014.
  3. Pro Oriente: Glossar, abgerufen am 3. November 2014.

Weblinks[Bearbeiten]