Pro Quote

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Logo der Initiative Pro Quote

Pro Quote ist eine Gleichstellungsinitiative, die von über 300 Journalistinnen aus den verschiedensten Tätigkeitsbereichen in Medien in Deutschland begonnen wurde. Ziel der Initiative ist die Besetzung der Führungspositionen auf allen Hierarchiestufen in den Redaktionen im Laufe der nächsten fünf Jahre mit Frauen in einer Quote von über 30 Prozent. Seit Juni 2012 organisiert sich die Initiative über den in Hamburg gegründeten Verein ProQuote Medien.

Forderungen und Ablauf[Bearbeiten]

Nach Auffassung der Initiatorinnen ist ein gleichberechtigter Zugang für Frauen zu Führungspositionen der deutschen Medienbranche bis heute nicht verwirklicht. Dies soll durch konkrete Maßnahmen innerhalb eines absehbaren Zeitraums geändert werden. Zur Umsetzung des Ziels fordert die Initiative die Besetzung von Führungspositionen in Redaktionen auf allen Hierarchiestufen mit einem Frauenanteil von 30 Prozent innerhalb der kommenden fünf Jahre.[1]

Ein offener Brief mit dem Inhalt dieser Forderung war am 26. Februar 2012 per E-Mail an Chefredakteure, Verleger und Intendanten in ganz Deutschland versendet worden. Die Reaktionen werden auf der Webseite der Initiative veröffentlicht. Per Aufruf auf ihrer Internetseite gewann die Initiative innerhalb weniger Tage mehr als 1500 Unterstützer[2], aktuell weist die Unterstützerliste mehr als 4000 Einträge auf.[3]

Auf den Brief folgte ein breites Medienecho im In- und Ausland.[4]

Am 31. März 2012, gut einen Monat nach dem Start der Kampagne, wurde zu deren koordinierter Fortsetzung auf der in Hamburg abgehaltenen ersten großangelegten öffentlichen Zusammenkunft der Initiatorinnen die Gründung eines Vereins beschlossen. Unter den rund 200 Teilnehmenden der Veranstaltung waren auch Anne Will (ARD), Lisa Ortgies (WDR), Iris Radisch (Zeit), Anja Reschke (NDR), Ines Pohl (taz) und Gabi Bauer (ARD), als Gast zugegen war zudem Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, die damit ihre Unterstützung signalisierte.[5]

Am 9. Juni 2012 wurde der Verein ProQuote Medien in Hamburg gegründet.[6]

Um das Thema wieder in die Öffentlichkeit zu bringen erschien am 17. November 2012 eine von Pro Quote gestaltete Wochenendausgabe der „taz“ unter der Schlagzeile „Hosen runter von den Chefsesseln – Röcke hoch!“. Die taz hatte Pro Quote am Vortag ihre Redaktionsräume zur Arbeit an der Sonderausgabe überlassen. An der „Quoten-taz“-Redaktionssitzung und Diskussionsrunde zum Thema „Quote“ nahmen auch Anne Will, Dunja Hayali, Lisa Ortgies, Annette Bruhns, Dagmar Engel und Ines Pohl teil sowie von Seiten der Politik Monika Grütters, Doris Schröder-Köpf und Krista Sager.[7] Artikel für die Ausgabe wurden unter anderem beigesteuert von Meike und Wibke Bruhns, Giovanni di Lorenzo, Antonia Rados, Sonia Mikich, Ranga Yogeshwar, Ute Scheub, Roland Tichy und Miriam Meckel.[8] Unter den Interviewten waren auch die „Gruner + Jahr“-Verlagsmanagerin Julia Jäkel, Familienministerin Kristina Schröder und der durch Annette Bruhns und Anne Will befragte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, zudem gestaltete die in Berlin lebende italienische Künstlerin Monica Bonvicini für die Aktion ein auf Seitengröße abgebildetes Kunstwerk.[9] Begleitet wurde der Tag der Erstellung der „Quoten-taz“ durch einen „Live-Ticker“ auf der taz-Homepage.[10]

Hintergrund[Bearbeiten]

Nach Angaben der Initiatorinnen sind nur zwei Prozent aller Chefredakteure der rund 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen Frauen und von den 12 Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks lediglich drei weiblich. Zudem stünden in den Redaktionen der Nachrichtenmagazine fast ausschließlich Männer an der Spitze.[1]

Eine angemessene Repräsentation von Frauen im Medienbereich („Vierte Gewalt“) kann für die Demokratie und die Verwirklichung der Gleichberechtigung als besonders bedeutsam angesehen werden, da hier die Meinungsbildung in einer modernen Gesellschaft entscheidend geprägt und die Gesellschaft in besonders weitreichender Weise mitgestaltet wird.

Unterstützer und Rezeption[Bearbeiten]

ProQuote wird vom Journalistinnenbund[11] und dem Deutschen Journalisten-Verband unterstützt.[12] Die Initiatorinnen, darunter auch Sabine Christiansen, Anne Will und Sandra Maischberger, sind in den großen deutschen Medienhäusern beheimatet, etwa bei ZDF, Spiegel, Zeit, Stern, Neon, SZ, taz, FAZ, Geo und Brigitte.

Die Wochenzeitung Die Zeit und das Nachrichtenmagazin Der Spiegel haben auf die Forderung reagiert, indem sie ihre Bereitschaft bekundet haben, mehr Führungspositionen mit Frauen zu besetzen.[13]

Bekannte Unterzeichnerinnen und Unterstützer[Bearbeiten]

Zu den bekannten Unterzeichnerinnen gehören: Luzia Braun, Sabine Christiansen, Gabi Bauer, Wibke Bruhns, Bettina Böttinger, Maria Gresz, Dunja Hayali, Frauke Ludowig, Lisa Ortgies, Miriam Meckel, Bascha Mika, Sandra Maischberger, Iris Radisch, Ines Pohl, Antonia Rados, Anja Reschke, Patricia Schlesinger, Alice Schwarzer, Inka Schneider, Birgit Schrowange, Julia Westlake und Anne Will.

Unterstützt wird Pro Quote auch von bekannten Männern im Medienbetrieb, etwa von Jörg Schönenborn, Ranga Yogeshwar, Wolfgang Höbel, Thomas Kerstan, Alan Posener, Andreas Wolfers, Michael Jürgs, Wolfgang Michal und Sascha Lobo.

Verein „ProQuote Medien“[Bearbeiten]

Im Juni 2012 wurde in Hamburg von 58 nach Angaben der Initiative aus dem gesamten Bundesgebiet kommenden Journalistinnen der Verein ProQuote Medien gegründet.[6] Dieser soll der Initiative Pro Quote eine festere Struktur geben, um ihr Ziel eines 30-prozentigen Frauenanteils an den Führungspositionen in der deutschen Medienbranche tatsächlich innerhalb von fünf Jahren umzusetzen. Zu diesem Zweck will der Verein eine Datenbank für Journalistinnen aufbauen, die die Bereitschaft und Qualifikation zur Besetzung frei werdender Führungspositionen mitbringen. Ziel der Datenbank soll auch die Entkräftung des Arguments bei der Besetzung von Führungspositionen mit Männern sein, es hätten keine geeigneten Frauen zur Verfügung gestanden. Zum Aufbau der Vereinsorganisation ist die Gründung von Regionalgruppen des Vereins sowie thematischer Arbeitsgruppen beabsichtigt. Angestrebt ist zudem eine wissenschaftliche Untersuchung der Frage, warum Journalistinnen trotz bester Qualifikation bislang so selten auf Führungspositionen gelangen.

Vorsitzende des Vereins ist die langjährige Spiegel-Redakteurin Annette Bruhns, ihre Stellvertreterinnen sind Lisa Ortgies (Moderatorin von FrauTV) und Helene Endres (Redakteurin beim manager magazin). Weitere Mitglieder des Vorstands sind Dagmar Engel (Chefredakteurin der Multimediadirektion Global der Deutschen Welle), Kathrin Buchner (Online-Teamleiterin bei on3, dem Jugendprogramm des Bayerischen Rundfunks), Dr. Sylvia Nagel, (Regisseurin und Producerin aus Berlin) Judith Scholter (freie Journalistin, Die Zeit), [14] Birte Siedenburg (Wirtschaftsjournalistin bei Capital, Stern, Der Spiegel, Focus) und Ruth Kühn (Deutschen Welle).[15]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Pro-quote.de: Was wir wollen. Abgerufen am 26. März 2012.
  2. Peter Thelen: Journalistinnen fordern Frauenquote. Artikel in: Handelsblatt vom 8. März 2012. Abgerufen am 26. März 2012.
  3. Pro-quote.de: Neue Unterstützer. Abgerufen am 30. November 2012.
  4. Harald Martenstein: "Ich hätte gern eine Chefin wie Meryl Streep". Artikel in: Die Zeit vom 12. März 2012. Helen Pidd: Germany's top female journalists call for women quotas in media. Artikel in: The Guardian vom 27. Februar 2012. Katharina Riehl: Frauen sind kein Problem, sondern die Lösung. Artikel in: Süddeutsche Zeitung vom 26. Februar 2012. Susanne Böllert: Starke Frauen der Geschichte. Von Pionierinnen und Wegbereiterinnen. Wissen.de, Themenspecial vom 8. März 2012. Lida Askari und Johanna Leuschen: Medien-Frauen: Für eine Quote. Sendung des NDR vom 7. März 2012. Kai-Hinrich Renner: Mit "Guerilla-Taktik" zur Frauenquote. Artikel in: Hamburger Abendblatt vom 28. Februar 2012. Ulrike Köppen: Mit der Quote in den Chefinnen-Sessel. Artikel auf BR vom 27. Februar 2012. Mehr Frauen an die Spitze der Redaktionen. Artikel in: Die Presse vom 27. Februar 2012.
  5. tagesspiegel.de: Initiative: Diese Frauen meinen es ernst. 3. April 2012. Abgerufen am 4. April 2012.
  6. a b tagesspiegel.de: Frauen wollen führen: Journalistinnen gründen ProQuote-Verein. 10. Juni 2012. Abgerufen am 14. Juni 2012.
  7. spiegel.de: Pro Quote gestaltet „taz“ – „Die Quote ist das Miststück, das wir brauchen“ Vom 16. November 2012. Abgerufen am 30. November 2012.
  8. die tageszeitung, taz ePaper vom 17. November 2012, S. 7, 10, 13, 20, 22.
  9. die tageszeitung, taz ePaper vom 17. November 2012, S. 14, 18, 19, 29.
  10. taz.de: Live-Zicker Quoten-taz Vom 16. November 2012. Abgerufen am 30 November 2012.
  11. Journalistinnenbund: Unterzeichnet "Pro Quote"! Aufruf des Journalistinnenbundes.
  12. DJV: DJV unterstützt Initiative zur Frauenquote.
  13. O. A.: "Zeit" und "Spiegel" wollen führende Frauen. Artikel in: Potsdamer Neueste Nachrichten vom 2. März 2012.
  14. pro-quote.de: Journalistinnen gründen ProQuote-Medien-Verein. Abgerufen am 14. Juni 2012.
  15. Neuer Vorstand von ProQuote, abgerufen am 2. Juni 2013