Fabrik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Produktionsstätte)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Fabrik (Begriffsklärung) aufgeführt.
Das automatische Montagewerk der Bell Aircraft Corporation in Wheatfield, New York (direkt östlich der Niagarafälle, USA). Das abgebildete Flugzeug ist die Bell P-39Q-30-BE Airacobra fighter und die Bell P-63A-8-BE Kingcobra fighter. Man beachte die Abwesenheit jeglicher Arbeiter oder Werkzeuge.

Eine Fabrik, von lateinisch fabricare „anfertigen“, ist eine Produktionsstätte im industriellen Maßstab, die eine größere Anzahl unterschiedlicher Arbeitsvorgänge vereinigt und wesentlich mit Hilfe von Maschinen, Produktionsmitarbeitern und einer Betriebsführung Erzeugnisse herstellt. Den Besitzer oder Betreiber einer Fabrik bezeichnete man früher als Fabrikant, heute meist als Unternehmer. Das Gebäude, in dem diese Einrichtung untergebracht ist, bezeichnet man als Fabrik.

Fabrik und Manufaktur[Bearbeiten]

Unterschieden wird die Fabrik von der Manufaktur, in der die maschinelle Ausrüstung meist nur geringfügig ist und vor allem von Hand bei großer sequentieller Arbeitsteilung gearbeitet wird. Hierbei ist es für die Beschäftigten auch oft möglich, in Heimarbeit zu produzieren. Die materielle Einrichtung einer Fabrik hingegen besteht zu einem erheblichen Teil aus Maschinen (buchhalterisch das Anlagevermögen), was eine Steigerung der Produktivität ermöglicht. Mit zunehmender Bürokratisierung und Arbeitsteilung wurde der Begriff „Fabrik“ durch Werk oder Betrieb ersetzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die „Hohe Fabrik“ als ältester Teil der Textilfabrik Cromford (1783); sie war die erste Fabrik der aufkommenden Textilindustrie auf dem europäischen Kontinent

In der Frühzeit der Bildung von Manufakturen (noch während des Zunftwesens) wurden diese staatlich gefördert, da man in ihnen die Möglichkeit sah, die Ausfuhr wertvoller Fabrikate zu erhöhen und dringend benötigtes Bargeld einzunehmen. Der eigentliche Aufschwung des Fabrikwesens und hiermit der Übergang von Manufakturen zu Fabriken beginnt mit dem Aufkommen leistungsfähiger mechanischer Vorrichtungen im späten 18. Jahrhundert, dem Beginn der Industrialisierung. Diese Entwicklung begann um 1770 im mittelenglischen Cromford mit der Erfindung der Waterframe durch Richard Arkwright. 1783 gründete der Elberfelder Geschäftsmann Johann Gottfried Brügelmann mit der Textilfabrik Cromford in Ratingen die erste Fabrik auf dem Kontinent. Die 1801 bei Wülflingen (heute Stadtteil von Winterthur) gegründete Spinnerei Hard war die erste Fabrik in der Schweiz.

In den folgenden Jahrzehnten beschleunigten die weitere Mechanisierung von Arbeitsabläufen durch Maschinen und insbesondere die Erfindung der Dampfmaschine die Industrialisierung und Verbreitung der neuzeitlichen Fabrik.

Die Einrichtung und Nutzung dieser Maschinen konnte nur mit großem Kapitaleinsatz erfolgen, der von vielen kleinen, handwerklich arbeitenden Kleinunternehmern nicht geleistet werden konnte. Diese Entwicklung führte in vielen Branchen zu Großbetrieben, welche die seinerzeit gängigen Hausbetriebe und selbständigen Kleinbetriebe in der Folge sinkender Preise für Fabrik-Erzeugnisse aus vielen Bereichen verdrängten. Die damit einhergehende Notsituation von Handwerkern reichte bis weit in das 19. Jahrhundert hinein und ließ seinerzeit sogar Zweifel an der Notwendigkeit von Fabrikationsbetrieben aufkommen.

Soziologie der Fabrik[Bearbeiten]

Der Fabrikbetrieb verdrängte einerseits gewisse Gruppen an Produzenten, andererseits schuf er aber neben den produzierenden Fabriksarbeitern eine ganze Reihe weiterer Arbeitsfelder, beispielsweise Handelsvermittler, Techniker, Arbeitsplaner, Vorarbeiter, Aufseher und Beamte. Der Übergang von handwerklichen und agrarischen Produktionen zur fabrikmäßigen Fertigung war sozial folgenreich. Er verursachte u. a. folgende Veränderungen:

  1. Wohnstätte und Arbeitsraum zu trennen
  2. Der Arbeitsraum dient einzig dem Arbeitszweck
  3. den Arbeitsablauf zu evolutionieren und zu routinieren

Im Zuge von Rationalisierung, Globalisierung und Automatisierung arbeiten in Westeuropa immer weniger Menschen in der Maschine, und sie kommen in die Lage, durch Arbeitsverdichtung immer mehr Produkte in immer kürzerer Zeit herstellen zu müssen, zusammengefasst: die Produktivität lässt sich steigern.

Gesetzgebung[Bearbeiten]

Informationen zur Gesetzgebung im Zusammenhang mit Fabriken sind u. a. unter Fabrikgesetz, Arbeitsschutz und Umweltschutz zu finden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Fabrik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen