Ausbeutung

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Dieser Artikel befasst sich mit der sozialen Ausbeutung. Zu anderen Bedeutungen siehe Ausbeutung (Begriffsklärung)

Ausbeutung (englisch Exploitation) ist eine Bezeichnung für Ausnutzung oder Aufbrauchung jeglicher Art, wobei der Begriff besonders auf die Ausbeutung von Menschen durch Menschen bezogen wird. Genauer bestimmt wurde er in marxistischen Theorien als Aneignung fremder Arbeit. Oftmals wurde und wird auch die rücksichtslose Ausnutzung von Menschen als Arbeitskräfte, Ausnutzung von Frauen durch Männer, von Entwicklungsländern durch Industriestaaten, oder von natürlichen Ressourcen durch Profitgier als Ausbeutung thematisiert.

Juristisch gesehen kann Wucher vorliegen – Wucher bezeichnet das Angebot einer Leistung zu einer deutlich überhöhten Gegenleistung (meist Geld) unter Ausnutzung einer Schwächesituation des Vertragspartners. An Wucher können zivil- und strafrechtliche Folgen geknüpft sein. In Deutschland ist Wucher in Absatz 2 des § 138 BGB geregelt:

Nichtig ist insbesondere ein Rechtsgeschäft, durch das jemand unter Ausbeutung der Zwangslage […] sich oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zu der Leistung stehen.

Beispielsweise könnte ein Mensch ohne Aufenthaltstitel oder Arbeitserlaubnis, der als Reinigungskraft ausbeuterisch unterbezahlt wird, nicht auf Wucher klagen, weil er damit negative Folgen (beispielsweise Abschiebung oder Strafe wegen Schwarzarbeit) gegen sich selbst riskieren würde.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Als Begriff im Kriegswesen des 15. Jahrhunderts bezeichnete es das Beutemachen bzw. die Aufteilung der Kriegsbeute. Später wurde damit auch die Ausnutzung von Naturschätzen bezeichnet. Im Frühsozialismus des 19. Jahrhunderts wurde unter dem Begriff Exploitation schließlich die Ausnutzung des mittellosen Proletariats durch die Besitzer der Produktionsmittel begriffen. Innerhalb dieses Bedeutungshintergrunds entwickelten Karl Marx und Friedrich Engels ihre Theorie der Ausbeutung.

Ausbeutungstheorien[Bearbeiten]

  • Schon im 8. vorchristlichen Jhr. wurde versucht Ausbeutung zu definieren. Ursächlich für die Ausbeutung sahen sie den Drang nach Wissen und Fortschritt, wodurch ein egoistisches Verhalten entstehe.
  • Im Mittelalter war man der Überzeugung, die Zinsnahme sei die Erklärung für Ausbeutung. Diese Annahme vertraten in der frühen Neuzeit unter anderem auch die Reformatoren Luther und Melanchthon.[1]
  • Zwischen 1861 und 1863 verfasste der Theoretiker Karl Marx die Mehrwerttheorie, die zentral für seine Darlegung der Ausbeutung in der kapitalistischen Produktion ist. Diese basierte auf einer Auseinandersetzung mit der klassischen politischen Ökonomie, wie von Adam Smith und David Ricardo vertreten. Für Engels war die Erklärung der Ausbeutung der Arbeiterklasse im Kapitalismus neben der materialistischen Geschichtsauffassung Marx’ zweite große Entdeckung, die den Sozialismus zu einer Wissenschaft erhoben habe. Der bisherige Sozialismus habe die Ausbeutung des Proletariats nur anprangern können; er habe sie aber weder klar angeben noch erklären können. Erst Marx habe dies mit der Theorie des Mehrwerts bewerkstelligt; er habe gezeigt, dass „die Aneignung unbezahlter Arbeit die Grundform der kapitalistischen Produktionsweise und der durch sie vollzogenen Ausbeutung des Arbeiters ist; daß der Kapitalist, selbst wenn er die Arbeitskraft seines Arbeiters zum vollen Wert kauft, den sie als Ware auf dem Warenmarkt hat, dennoch mehr Wert aus ihr herausschlägt, als er für sie bezahlt hat; und daß dieser Mehrwert in letzter Instanz die Wertsumme bildet, aus der sich die stets wachsende Kapitalmasse in den Händen der besitzenden Klassen anhäuft.“ (Engels)[2]

Marxistische Theorie[Bearbeiten]

Als zentralen Begriff der Marx'schen Kritik der politischen Ökonomie und Geschichts- und Gesellschaftstheorie bezeichnet Ausbeutung die unvergütete Aneignung jener fremden Arbeitskraft und fremder Arbeitsprodukte, welche über die notwendige Arbeit zur Erhaltung der Lebens- und Arbeitskraft des Arbeiters hinausgeht. Ausbeutung ist demnach die Aneignung der Mehrarbeit und des daraus entstehenden Mehrprodukts. Wenn beispielsweise 6 Arbeitsstunden täglich zum Erhalt des Arbeiters und seiner Arbeitskraft notwendig sind, er aber 8 Stunden arbeitet, so hat er 2 Stunden Mehrarbeit geleistet. Wird das Produkt dieser Mehrarbeit von einer anderen Person abgepresst, wurde der Arbeiter in diesem Sinne ausgebeutet. Würde dauerhaft mehr abgepresst als die Mehrarbeit, also ein Teil der notwendigen Arbeit zum Erhalt der Arbeiters, könnte er seine Arbeitsfähigkeit nicht mehr reproduzieren, und das Fortbestehen des Ausbeutungsverhältnis wäre auf Dauer gefährdet.

Die Verfügungsgewalt einer gesellschaftlichen Gruppe über die Arbeitskräfte einer anderen Gruppe und über die wichtigsten gesellschaftlichen Produktionsmittel, also jene Bereiche der Wirtschaft, die zentral für die Produktionsweise einer Gesellschaft sind, charakterisiere alle Klassengesellschaften. Je nach gesellschaftlicher Produktionsweise unterscheiden sich die Produktionsverhältnisse, durch die fremde Arbeitskraft angeeignet wird, von „unmittelbarer Zwangsarbeit“ wie in der Sklaverei bis zur „vermittelten Zwangsarbeit“ wie in der Lohnarbeit. „Nur die Form, worin diese Mehrarbeit dem unmittelbaren Produzenten, dem Arbeiter, abgepreßt wird, unterscheidet die ökonomischen Gesellschaftsformationen, beispielsweise die Gesellschaft der Sklaverei von der der Lohnarbeit.“[3]

Historische Voraussetzung für Ausbeutung[Bearbeiten]

Für Marx und Engels stellte die ihnen schriftlich überlieferte Geschichte der bisherigen Gesellschaften eine Geschichte von Unterdrückern und Unterdrückten dar. Damit die Aneignung fremder Arbeitskraft dauerhaft möglich wurde, musste erst eine gewisse gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit entwickelt werden. Solange eine Gesellschaft alle Arbeit dafür aufwenden muss, ihr unmittelbares Leben und das ihrer Nachfahren zu reproduzieren, solange also kein gesellschaftliches Mehrprodukt entsteht das angehäuft werden könnte, ist eine dauerhafte Verfügung über fremde Arbeit nicht möglich. Ohne eine gewisse Produktivität und Arbeitsteilung existiert in der Gesellschaft daher keine aneigenbare Arbeitszeit, und „ohne solche überschüssige Zeit keine Mehrarbeit und daher keine Kapitalisten, aber auch keine Sklavenhalter, keine Feudalbarone, in einem Wort keine Großbesitzerklasse.“[4] Darunter sind vor allem Stammesgesellschaften zu betrachten, die auch als eine Form des Urkommunismus bezeichnet wurden. Erst ab einer gewissen Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte bildeten sich demnach Klassengesellschaften, Privateigentum und Ausbeutung.

Sklaverei, Feudalismus & Übergang in die kapitalistische Produktion[Bearbeiten]

Die Steigerung der Produktion über die Lebenserhaltung hinaus ermöglichte erstmals das Interesse an fremden Arbeitskräften zur Steigerung des eigenen Reichtums an Produkten. Die ersten bedeutenden Steigerungen der Produktivität zogen nach Engels „unter den gegebnen geschichtlichen Gesamtbedingungen, die Sklaverei mit Notwendigkeit nach sich. Aus der ersten großen gesellschaftlichen Arbeitsteilung entsprang die erste große Spaltung der Gesellschaft in zwei Klassen: Herren und Sklaven, Ausbeuter und Ausgebeutete.“[5] Kriegerische Auseinandersetzung, bzw. Raub zwischen Stammesgesellschaften bildete die erste Möglichkeit für die Versklavung Außenstehender, die nicht durch das Stammesrecht als Mitglied anerkannt waren. Doch die Sklaverei war keineswegs auf die klassische antike Periode – in der sie ihre Hochblüte erlebte – und die Zeit davor beschränkt, sie dauerte vielmehr die ganzen „zivilisierte Periode“ an und war auch im Zuge der Herausbildung des Kapitalismus in Form des Kolonialismus ein bedeutendes Moment. „Die Sklaverei ist die erste, der antiken Welt eigentümliche Form der Ausbeutung: ihr folgt die Leibeigenschaft im Mittelalter, die Lohnarbeit in der neueren Zeit. Es sind dies die drei großen Formen der Knechtschaft, wie sie für die drei großen Epochen der Zivilisation charakteristisch sind; offne, und neuerdings verkleidete, Sklaverei geht stets danebenher.“[6]

Im Mittelalter war die Festsetzung der Volksmassen „an den Boden die Grundlage des feudalen Drucks.“ Die Bauern wurden als Leibeigne oder Hörige an einen bestimmten Boden gebunden und hatten „dem Grundherrn Tribut in Arbeit oder in Produkten zu leisten.“ Während der feudalen Herrschaft entwickelten sich im Zuge der ursprünglichen Akkumulation, beginnend gegen Ende des 15. Jahrhunderts, geschichtliche Bedingungen, welche die Aufgrund von Veränderungen in der Produktion „besitzlos gewordenen Bauern allmählich in die moderne Klasse der Lohnarbeiter hinüberführten.“[7] Unter ursprünglicher Akkumulation fasst Marx jenen Prozess, welcher die beiden modernen Gruppen von Warenbesitzern ausbildete, einerseits die Eigentümer von Geld, Produktions- und Lebensmitteln, die diese durch Ankauf fremder Arbeitskraft verwerten, andererseits lohnabhängige Arbeitskräfte, die ihre Arbeitskraft an erstere veräußern müssen. Nach Marx ist die sogenannte ursprüngliche Akkumulation nichts anderes „als der historische Scheidungsprozeß von Produzent und Produktionsmittel.“[8] Dieser Scheidungsprozess basiere entgegen der Annahme der klassischen politischen Ökonomie nicht in erster Linie auf der Sparsamkeit und dem Fleiß Einzelner, die durch gleiches Recht und eigene Arbeit ihr Eigentum anhäuften. Vielmehr gründe der Prozess, wie Marx historisch ausführt, auf einer mit politischen und ökonomischen Mitteln durchgesetzten gewaltsamen Enteignung der Arbeitsmittel von den eigentlichen Produzenten. „Eroberung, Unterjochung, Raubmord, kurz Gewalt“,[8] wären die treibende Kraft in diesem Prozess.

Ausbeutung im Kapitalismus[Bearbeiten]

Im Kapitalismus beutet die Kapitalistenklasse die Arbeiterklasse unter den Gesetzen des freien Warentauschs aus. Die Verfügung über fremde Arbeitskraft und deren Früchte manifestiert sich daher nicht mehr offensichtlich wie in der Sklaverei, aufgrund des Eigentums an Menschen und deren Arbeitskraft, oder wie in feudalen Herrschaftsverhältnissen, durch Grundherrschaft oder Leibeigenschaft, gegenständliche oder direkt finanzielle Abgaben die geleistet werden müssen. Arbeiter und Kapitalist gehen vielmehr rechtlich freiwillige Verträge ein. Die unvergoltene Aneignung der Mehrarbeit und des Mehrprodukts des Arbeiters durch den Kapitalisten entspricht den Gesetzen des Warentauschs und wird durch die Form des Mehrwerts verschleiert.

Der Produktionsprozess des Kapitals

Der Wert jeder Ware bemisst sich nach Marx im Kapitalismus nach der gesellschaftlich durchschnittlich notwendigen Arbeitszeit zu ihrer Produktion (Arbeitswerttheorie). Der Unternehmer steckt Geld in die Produktion einer Ware, um damit mehr Geld zu machen als investiert wurde. Aus Geld mehr Geld zu machen wäre die Erscheinungsform des Kapitals an der Oberfläche der Zirkulation. Der Unternehmer kauft dafür unterschiedliche Waren die er für die Produktion seiner Ware benötigt, die Gewinn abwerfen soll (G – W – G’). Wenn jedoch alle Waren nach Arbeitswert-Äquivalenten ausgetauscht werden, kann die Produktion des Mehrwerts nicht ausschließlich in der Zirkulationssphäre der Waren stattfinden, da nicht durch Tausch sondern einzig durch Arbeit eine Vermehrung des Werts stattfinden kann. Die Produktion des Mehrwerts müsse daher ebenso in der Produktionssphäre zu suchen sein (G – W … P … W’ – G’). Der Kapitalist müsste in der Produktion eine Ware besitzen, deren „Gebrauchswert selbst die eigentümliche Beschaffenheit besäße, Quelle von Wert zu sein, deren wirklicher Verbrauch also selbst Vergegenständlichung von Arbeit wäre, daher Wertschöpfung. Und der Geldbesitzer findet auf dem Markt eine solche spezifische Ware vor – das Arbeitsvermögen oder die Arbeitskraft.“[9]

Die Produktion von Mehrwert

Unter Mehrwert wird jener Teil der Wertmenge des Kapitals verstanden, den der Lohnarbeiter durch seine Arbeit produziert und der über den Ersatz des Wertes seiner Arbeitskraft (Variables Kapital v) und der eingesetzten Produktionsmittel (Konstantes Kapital c) hinausgeht. Einzig die menschliche Arbeit wäre wertschaffend, weshalb sich die Werte der Produktionsmittel, Rohstoffe, usw. im Produktionsprozess entsprechend ihres Arbeitswertes zu Teilen (bei Produktionsmitteln) oder zur Gänze (bei Rohstoffen, Arbeitsmaterialien) auf die produzierte Ware übertragen, und der Wert der eingesetzten Arbeitskraft in die Wertmenge eingeht (eingesetztes Kapital = c + v). Mehrwert könne nur durch Mehrarbeit geschaffen werden, daher unbezahlte Arbeit die über den Wert der Arbeitskraft hinausgeht (erweitertes Kapital = c + v + m). Das eingesetzte Kapital und aller daraus angehäufter Reichtum basiere daher im Fortgang der kapitalistischen Produktion immer mehr auf der unbezahlten Aneignung fremder Arbeitskraft im Lohnarbeitsverhältnis. Die Bewegung des Kapitals und die Produktion von Mehrwert wäre maßlos, da die Kapitalisten nicht an bestimmten Gebrauchswerten interessiert sind, sondern an der Produktion von Tauschwert (Geld) schlechthin. Diesen Wert müssen sie aber, damit sie ihre Konsumtionsbedürfnisse auf Dauer stillen können und um in der gegenseitigen Konkurrenz zu bestehen, beständig zurück in die Zirkulation führen.

Der Wert der Arbeitskraft

Der Wert der Arbeitskraft, ihr Arbeitslohn, bestimmt sich wie der Wert jeder anderen Ware durch die gesellschaftlich durchschnittlich notwendige Arbeitszeit zu ihrer Reproduktion. Der Gebrauchswert der Arbeitskraft, konkrete Arbeit zu leisten, ist aber nicht gleich ihren Tauschwert, der notwendigen Arbeit zur Reproduktion ihrer Arbeitskraft. Für eine Rede vor Arbeitern gebrauchte Marx diesbezüglich jenen Vergleich: „Der Tages- oder Wochenwert der Arbeitskraft ist durchaus verschieden von der täglichen oder wöchentlichen Betätigung dieser Kraft, genauso wie das Futter, dessen ein Pferd bedarf, durchaus verschieden ist von der Zeit, die es den Reiter tragen kann.“[10]

Der Kapitalist lässt den Lohnarbeiter über die notwendige Arbeit zur Reproduktion seiner Arbeitskraft hinaus unbezahlte Mehrarbeit verrichten, welche dem Kapitalisten einen Mehrwert einbringt. Da aller Wert auf menschliche Arbeit zurückgeführt wird, besteht die einzige Möglichkeit des Kapitalisten einen Profit zu erhalten oder ihn zu steigern darin, seine Arbeiter auszubeuten, daher ihnen Mehrarbeit – und davon möglichst viel – abzupressen. „So entscheidend es für die Erkenntnis des Werts überhaupt, ihn als bloße Gerinnung von Arbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Arbeit, so entscheidend ist es für die Erkenntnis des Mehrwerts, ihn als bloße Gerinnung von Surplusarbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Mehrarbeit zu begreifen.“[3]

Ideologische Verschleierung

Aufgrund der fetischisierten Verhältnisse im Kapitalismus ist den Arbeitern entgegen früherer Ausbeutungsverhältnisse nicht unmittelbar ersichtlich, dass sie Mehrarbeit, unbezahlte Arbeit für den Kapitalisten leisten: „Die Form des Arbeitslohns löscht … jede Spur der Teilung des Arbeitstags in notwendige Arbeit und Mehrarbeit, in bezahlte und unbezahlte Arbeit aus. Alle Arbeit erscheint als bezahlte Arbeit.“[11] Die doppeltfreie Lohnarbeit (frei, über ihre Arbeitskraft zu bestimmen, aber auch „frei“ von allen Mitteln zur Verwirklichung ihrer Arbeitskraft, daher frei von Produktionsmitteln, und somit zur Lohnarbeit gezwungen) bleibe „ihrem Wesen nach immer Zwangsarbeit …, wie sehr sie auch als das Resultat freier kontraktlicher Übereinkunft erscheinen mag“.

Die Erscheinungsformen an der Oberfläche der Warenzirkulation verkehren sich bei genauerer Analyse in ihr Gegenteil. An der Oberfläche der Zirkulation tauschen rechtlich gleiche und freie Warenbesitzer ihre Waren zu Wertäquivalenten. Jeder Tausch erscheint auf dieser Ebene noch prinzipiell gerecht und jedes Eigentum erscheint selbst erarbeitet. Es zeigt sich jedoch, dass der Mehrwert des Kapitalisten aus unbezahlter Arbeit entsteht, also das Gesetz des Tauschs von Wertäquivalenten an der Oberfläche der Zirkulation sich in der Produktion verkehrt in die unvergoltene Aneignung fremder Arbeitskraft, Aufgrund des Unterschieds zwischen Gebrauchswert und Tauschwert der Ware Arbeitskraft. Es stellt sich des Weiteren heraus, dass (praktisch) aller Reichtum im Lauf der Geschichte der kapitalistischen Produktion auf Exploitation fremder Arbeitskraft beruht, da diese die einzige Quelle von Mehrwert für das Kapital ist, und daher Reichtum nicht auf selbst erarbeiteten Eigentum beruht, wie es an der Oberfläche der Warenzirkulation erscheint. Am Ende der Analyse stellt sich für Marx die Lohnarbeit als eine Zwangsarbeit dar, die sich durch die Form von anderen Ausbeutungsformen von Arbeitskraft unterscheidet, nicht aber den Inhalt nach.

Absoluter und relativer Mehrwert; Mehrwertrate

Eine Steigerung des Mehrwerts wird durch Methoden der absoluten (längere Arbeitszeit) oder relativen Mehrwertsteigerung (Steigerung der Arbeitsproduktivität) erreicht. Der Exploitationsgrad der Arbeitskraft oder die Mehrwertrate bestimmt sich durch das Verhältnis von Mehrarbeit und notwendiger Arbeit, bzw. in vergegenständlichter Form von Mehrwert und variablem Kapital (da nur lebendige Arbeit, aber nicht das eingesetzte konstante Kapital c wertbildend ist, und deshalb gleich 0 gesetzt wird).


\text{Mehrwertrate; Exploitationsgrad der Arbeitskraft}=\frac{\text{Mehrwert (m)}}{\text{Variables Kapital (v)}} =\frac{\text{Mehrarbeit}}{\mbox{Notwendige Arbeit}}

Allgemeine Profitrate und Klasseninteresse des Kapitals

Aufgrund der Transformation von Werten in Preisen in eine allgemeine durchschnittliche Profitrate (die unterschiedlichen Mehrwertraten, bedingt durch die unterschiedliche Zusammensetzung des Kapitals in verschiedenen Produktionssektoren, werden Aufgrund der Konkurrenz ausgeglichen) ist „jeder einzelne Kapitalist, wie die Gesamtheit aller Kapitalisten jeder besondern Produktionssphäre, in der Exploitation der Gesamtarbeiterklasse durch das Gesamtkapital … nicht nur aus allgemeiner Klassensympathie“ beteiligt, „sondern direkt ökonomisch … weil, … die Durchschnittsprofitrate abhängt von dem Exploitationsgrad der Gesamtarbeit durch das Gesamtkapital.“[12]

Unmittelbare Ausbeutung und Realisation von Mehrwert sind nicht identisch

Die Gewinnung des Mehrwerts bilde den unmittelbaren Produktionsprozess, „sobald das auspreßbare Quantum Mehrarbeit in Waren vergegenständlicht ist, ist der Mehrwert produziert. Aber mit dieser Produktion des Mehrwerts ist nur der erste Akt des kapitalistischen Produktionsprozesses, der unmittelbare Produktionsprozeß beendet. … Nun kommt der zweite Akt des Prozesses. Die gesamte Warenmasse, das Gesamtprodukt, sowohl der Teil, der das konstante und variable Kapital ersetzt, wie der den Mehrwert darstellt, muß verkauft werden. Geschieht das nicht oder nur zum Teil oder nur zu Preisen, die unter den Produktionspreisen stehn, so ist der Arbeiter zwar exploitiert, aber seine Exploitation realisiert sich nicht als solche für den Kapitalisten, kann mit gar keiner oder nur teilweiser Realisation des abgepreßten Mehrwerts, ja mit teilweisem oder ganzem Verlust seines Kapitals verbunden sein.“[13]

Systemischer Widerspruch zwischen Lohnhöhe und Konsumkraft

Die kapitalistische Produktion bewegt sich in den ständigen Widerspruch, einerseits die Exploitation der Arbeitskraft auf möglichst großer Stufe zu betreiben, was dazu führt, dass der Lohn wenig Kaufkraft besitzt, während zugleich eine ständige Ausdehnung der Produktion angestrebt wird, was jedoch kaufkräftige Abnehmer erfordert.

„Die Schranken, in denen sich die Erhaltung und Verwertung des Kapitalwerts, die auf der Enteignung und Verarmung der großen Masse der Produzenten beruht, allein bewegen kann, diese Schranken treten daher beständig in Widerspruch mit den Produktionsmethoden, die das Kapital zu seinem Zweck anwenden muß und die auf unbeschränkte Vermehrung der Produktion, auf die Produktion als Selbstzweck, auf unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit lossteuern. Das Mittel – unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte – gerät in fortwährenden Konflikt mit dem beschränkten Zweck, der Verwertung des vorhandnen Kapitals. Wenn daher die kapitalistische Produktionsweise ein historisches Mittel ist, um die materielle Produktivkraft zu entwickeln und den ihr entsprechenden Weltmarkt zu schaffen, ist sie zugleich der beständige Widerspruch zwischen dieser ihrer historischen Aufgabe und den ihr entsprechenden gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen.“[14]

Emanzipative Momente und Aufhebung der Ausbeutung[Bearbeiten]

Entgegen früheren Gesellschaften entfaltet der kapitalistische „Heißhunger nach Mehrarbeit“ auch zivilisatorische Momente. Das Mehrprodukt wird von den Ausbeutern nicht nur individuell konsumiert, der angehäufte Mehrwert fließt aufgrund der Konkurrenz zwischen den Kapitalisten vielmehr zu einem beträchtlichen Anteil in die Produktion zurück, was zu einer beständigen Fortentwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte führe. Der Kapitalismus schaffe daher Bedingungen, die eine höhere Gesellschaftsform ermöglichen, in der Arbeit immer mehr Ausdruck einer freien Entfaltung der menschlichen Bedürfnisse darstellt, da immer mehr Gebrauchswerte mit immer weniger Arbeitsaufwand produziert werden können. Die notwendige Arbeit reduziere sich auf ein Mindestmaß, während sich die gesellschaftlichen Produktivkräfte und Gebrauchswerte erweitern.[15] Auch die komplexe Organisation des modernen Produktionsprozesses nimmt immer mehr die Form eines gesamtgesellschaftlichen Arbeitsprozesses an; einzig die Aneignung des gesellschaftlich produzierten Mehrprodukts erfolgt individuell durch die personifizierten Vertreter des Kapitals.

Ausbeutung in Form von Lohnarbeit lasse sich nur durch die Aufhebung der Lohnarbeit selbst beseitigen, da das System der Lohnarbeit als Ganzes zwingend auf unbezahlter Aneignung von Mehrarbeit basiert, ein „gerechter“ Lohn in diesem Sinn ein Widerspruch in sich wäre. „[Die Arbeiterklasse] sollte begreifen, daß das gegenwärtige System bei all dem Elend, das es über sie verhängt, zugleich schwanger geht mit den materiellen Bedingungen und den gesellschaftlichen Formen, die für eine ökonomische Umgestaltung der Gesellschaft notwendig sind. Statt des konservativen Mottos: "Ein gerechter Tagelohn für ein gerechtes Tagewerk!", sollte sie auf ihr Banner die revolutionäre Losung schreiben: "Nieder mit dem Lohnsystem!"“[16]

„Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit“ erreiche einen Punkt, „wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateurs werden expropriiert.“ Das individuelle, selbst erarbeitete, und nicht auf Ausbeutung fremder Arbeitskraft beruhende Eigentum wird auf Grundlage der Errungenschaft der kapitalistischen Ära, „der Kooperation und des Gemeinbesitzes der Erde und der durch die Arbeit selbst produzierten Produktionsmittel“, wiederhergestellt.[17]

Ausbeutung und Entfremdung[Bearbeiten]

Das Konzept der Ausbeutung floss auch in Marx Überlegungen zur Entfremdung und speziell zur entfremdeten Arbeit ein. Für Marx besitzt der Mensch kein fertiges Wesen, sein Denken und Handeln ergibt sich aus dem Ensemble der konkret vorfindbaren gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen er tätig ist, lebt. Das gesellschaftliche Sein bestimmt sein Bewusstsein. Die gesellschaftlichen Verhältnisse wurden und werden aber beständig von den Menschen selbst geschaffen. Der Mensch könne sich als Mensch daher nur wirklich entfalten, wenn er sein Sein, daher sich und die Gesellschaft selbst zum bewussten Gegenstand seiner Tätigkeit und seines Handelns macht, anstatt von gesellschaftlichen Verhältnissen wie von einer fremden Macht bestimmt zu werden. Für Marx und Engels ist der Schlüssel für das Verständnis der Problematik – und somit auch seiner Lösung – wie in einer Gesellschaft Güter, Ideen, Entscheidungen produziert werden. In jeder Klassengesellschaft herrscht eine in gesellschaftlichen Gruppen (Klassen) stattfindende gesellschaftliche Arbeitsteilung, die die Individuen und ungleiche gesellschaftliche Beziehungen setzt, die sie in der Produktion ihres Lebens eingehen. Diese manifestieren sich nicht nur quantitativ in der Abpressung von Mehrarbeit, sondern wirken auch qualitativ darauf, wie gearbeitet wird und was produziert wird, wie verteilt wird, wie die Verhältnisse materiell und ideologisch produziert und reproduziert werden. Wie dem Arbeiter sein Arbeitsprodukt äußerlich ist, also das abgepresste Mehrprodukt, so auch der Arbeitsprozess selbst, die Lohnarbeit. Sein gesellschaftliches Wesen, daher die eigene bewusste Tätigkeit, wird Aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse eine fremdbestimmte Tätigkeit, auf die innerhalb dieser Verhältnisse für den Arbeiter nur durch die Bewegungsräume innerhalb der herrschenden Verhältnisse selbst Einflussnahmemöglichkeiten bestehen. Dies alles bedinge, dass der Mensch dem Menschen fremd ist, daher gesellschaftliche Gegensätze zwischen den Klassen herrschen, im Kapitalismus auch ein immanenter Gegensatz innerhalb der Klassen selbst aufgrund der Konkurrenz. Im Kapitalismus herrsche zudem ein Warenfetisch vor, der ein Verhältnis von Menschen, das Verhältnis von Arbeitszeiten zur Fertigung von Produkten, als ein Verhältnis von Dingen widerspiegelt, nämlich Warenpreisen. Das Verhältnis der Menschen zueinander in ihrer gemeinsamen Produktion des Lebens wird so darüber hinaus verschleiert.

Aufhebung der Entfremdung

Wie die Ausbeutung wäre auch die Entfremdung in der kapitalistischen Produktion wie in jeder Klassengesellschaft immanent. Sie ergibt sich aus der hierarchischen gesellschaftlichen Arbeitsteilung, mit der Klassenbildung und Privateigentum einhergehen. Um diese aufzuheben, müsse „[a]n die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen“ eine Assoziation treten, „worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist,“[18] auf Grundlage einer Produktion, in der die gesellschaftlichen Produktionsmittel in gesellschaftlichen Besitz sind, also „der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, … ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen [zu] vollziehn.“[19] Ausbeutung ist in diesem „Verein freier Menschen“[20] nicht mehr vorhanden und die gesellschaftliche Arbeitsteilung wird immer weiter aufgehoben; erst in „einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch ihre Produktivkräfte gewachsen und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen – erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“[21]

Naturverhältnisse im Kapitalismus[Bearbeiten]

Der Stoffwechsel mit der Natur zur Produktion des Lebens ist für Marx ein über alle Gesellschaftsformen bestehendes Naturgesetz für den Menschen. Bezüglich jeglichen stofflichen Reichtums einer Gesellschaft merkt Marx an: „Die Arbeit ist sein Vater, wie William Petty sagt, und die Erde seine Mutter.“[22] Im Kapitalismus würde jedoch die „Exploitation und Vergeudung der Bodenkräfte“ an die Stelle der früher rational über Generationen hinweg bestellten Felder treten, sowohl bei kleinen selbstständigen Landwirtschaften, wie auch bei großen kapitalistischen Landwirtschaftsbetrieben. Beide wären dem Zwang der Marktpreise unterworfen, wobei die Eigentümer und Pächter der großen kapitalistischen Betriebe in erster Linie eine möglichst große unmittelbare und individuelle Bereicherung im Auge haben, und keineswegs die Behandlung des Bodens und der Natur in einer Form, in der sie folgenden Generationen hinweg erhalten bleibt, oder wie Marx an anderer Stelle des Kapitals formuliert: „Après moi le déluge! ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation.“[23] Jeder Fortschritt in der kapitalistischen Landwirtschaft wäre „nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebene Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit. … Die kapitalistische Produktion entwickelt … nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“[24] In diesem Prozess würden sich große Industrie und große Agrikultur ergänzen, in dem einerseits das industrielle System in der Landwirtschaft Einzug findet und die Arbeitenden unter dieses unterwirft, und jene Mittel liefert, um die Naturkräfte des Bodens zu erschöpfen. Andererseits bindet die industrialisierte Agrikultur immer weniger Menschen an den Agrarbereich und erschließt sie so der großen Industrie.

Mehrwerttheorie nach Lassalle[Bearbeiten]

Grundsätzlich stimmt Lassalles Theorie mit der von Marx überein. Jedoch geht Lassalle eher davon aus, dass der durchschnittliche Arbeitslohn grundsätzlich immer auf den notwendigen Lebenserhaltungskosten reduziert bleibt. Der ganze Überschuss der Produktion des Arbeitsertrages fällt auf den Unternehmeranteil. Er schlussfolgert daraus, dass man eine genossenschaftliche Assoziation gründen müsse, welche durch den Staat unterstützt wird. Nur so könnten die bestehenden Verhältnisse zwischen Arbeitslohn (Niedriglohn) und Unternehmergewinn überwunden werden (siehe Ehernes Lohngesetz).[25] Lassalle war Arbeiterführer und Mitbegründer des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins.

Ökonomische Theorie[Bearbeiten]

Im liberalen Modell der freien Märkte, das erstmals von Adam Smith (1723–1790) beschrieben wurde, werden die Preisbildung und die Verwendung der Produktionsfaktoren durch das Angebot und die Nachfrage bestimmt. Die liberale Ökonomie ist eine selbstregulierende, sie bedarf keiner politischen Maßnahme. Der Staat wirkt nur indirekt durch die Sicherstellung ihrer Bestandsvoraussetzungen auf das Marktgeschehen ein. Grundlegende Elemente sind das Eigentumsrecht, die Vertragsfreiheit und die Wettbewerbsordnung.

Eine Ausbeutung könne dadurch entstehen, dass eine Interessengruppe die Verteilung des Einkommens kontrolliert und dadurch die anderen Wirtschaftssubjekte arm machen kann. Henry George sah die Grundbesitzer als Vertreter solcher Interessengruppen. Die Grundbesitzer verdienen ihr Geld indem Sie eine Pacht auf die Landnutzung erhalten, ohne dafür eine wirkliche Arbeit leisten zu müssen. Henry George forderte eine Grundsteuer, um dieses Problem zu beheben.[26]

Neoklassik[Bearbeiten]

Die Neoklassische Theorie entstand in der Zeit ab 1870. Wichtige Vertreter waren Léon Walras und später Alfred Marshall. Die Theorie stellt die Wirtschaft vor allem als System von Märkten dar, auf denen Angebot und Nachfrage durch Güterpreise ins Gleichgewicht gebracht werden. Sie legt dabei das Menschenbild des so genannten Homo oeconomicus zu Grunde. Dieses Modell basiert auf der Annahme, dass jeder Mensch seinen Nutzen maximiert. Dabei werden den Konsumenten unbegrenzte Bedürfnisse unterstellt und die gesellschaftliche Wohlfahrt wird ausschließlich aus den Präferenzen der Individuen abgeleitet. Niemand hat einen Grund oder die Möglichkeit die Entscheidungen der Konsumenten zu ändern. Dieser Aussage liegt die Vorstellung zugrunde, dass jeder zu seinem eigenen Besten handelt und somit lenkende staatliche Eingriffe nicht nötig sind. Damit diese Vorstellung greift, geht dieser theoretische Ansatz davon aus, dass die Wirtschaftssubjekte über die gleiche Befähigung und gleiche Ausgangssituation (Bildung etc.) verfügen und alle wichtigen Informationen besitzen, die nötig sind, um die richtige Entscheidung zu treffen.

Die Ausbeutung in der neoklassischen Theorie ist eine Art Marktversagen. Da die meisten Märkte durch unvollständigen Wettbewerb zu charakterisieren sind (Monopole, Oligopole) kommt die unterstellte Maximierung der gesamtgesellschaftlichen Wohlfahrt nicht zum Tragen. Diese Art der Ausbeutung soll durch einen perfekten Wettbewerb verhindert werden.[27] John Maynard Keynes war der Überzeugung, dass die so genannten „Rentiers“ (Spekulanten an der Börse) eine Art wirtschaftliche Ausbeutung darstellen. Je höher beispielsweise die Aktienkurse an der Börse sind, desto eher erwarten die Spekulanten sinkende Kurse. Deshalb warten sie ab und halten so lange ihre Ersparnisse in Bargeld bis die Kurse gefallen sind und der Einstieg ins Aktiengeschäft günstig ist (siehe Zinstheorie und Liquiditätsfalle). Genauso wie die Grundbesitzer verdienen die Spekulanten ihr Geld ohne dafür eine wirkliche Arbeit leisten zu müssen und schaden der Wirtschaft. Keynes schlug eine ständige maßvolle Geldentwertung (Inflation) vor. Das Kapital, so Keynes, wirft nämlich nur solange eine Rendite ab, wie es knapp ist[28]

Ausbeutungsformen[Bearbeiten]

Ausbeutung von Arbeitskraft[Bearbeiten]

Sklaverei[Bearbeiten]

Sklaverei bedeutet eine vollständige wirtschaftliche und rechtliche Abhängigkeit eines Menschen (Sklave) von einem anderen Menschen (Sklavenhalter) dessen Eigentum er ist. Ein Sklave ist ein Mensch, der durch Betrug oder Gewaltandrohung zu einer Arbeit gezwungen wird und nur die lebensnotwendigen Zuwendungen (Essen, Trinken, Schlaf) erhält.

Historisch

Der Ursprung der Sklaverei findet sich höchstwahrscheinlich in Ägypten. Dort finden sich Nachweise von Sklaverei von ca. 2300 v. Chr. Im Raum Griechenland gab es seit dem 6. Jh. v. Chr. Sklavenhandel. Im römischen Raum ist Sklaverei erst seit dem 4. Jh. v. Chr. bekannt. Die größte Sklavenhaltung sowie der Sklavenhandel fand im Kolonialismus (zu Beginn des 15. Jhr.) statt. Eine Hochphase des Sklavenhandels lag in der Zeit nach der Conquista im 16. Jahrhundert und wurde durch den atlantischen Sklavenhandel ermöglicht. Die Sklaverei wurde in den USA am 18. Dezember 1865 abgeschafft. Eine weitere relevante Erscheinungsform von Sklaverei sind die Arbeitslager totalitärer Staatssysteme, wie die Konzentrationslager im nationalsozialistischen Deutschland oder das sowjetische Gulag.[29]

21. Jahrhundert

Heute ist die Sklaverei durch internationale Verträge wie der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) auf der Welt verboten. Der Käufer erwirbt die Verfügungsmacht über einen anderen und setzt Gewalt ein, um diese aufrechtzuerhalten. Der frühere Sklavenhalter ist also heute ein Sklavenbesitzer. Der Vorteil für den Sklavenbesitzer besteht in der Anonymität, niemand weiß, wem ein Sklave heutzutage gehört.[30] Formen moderner Sklaverei sind Zwangsarbeit Gefangener, Kinderarbeit und Zwangsprostitution. Ein vor allem in Afrika und Asien hinzukommender Aspekt ist die Rekrutierung von Kindersoldaten sowie die klassischen Formen der Leibeigenschaft und wirtschaftlichen Ausbeutung. Bales schätzt, dass heute immer noch 27 Millionen Menschen in sklavereiähnlichen Verhältnissen leben.

Kinderarbeit[Bearbeiten]

Kinderarbeit in Massachusetts, USA 1912.

Kinderarbeit bezeichnet die Praxis der Beschäftigung von Kindern in Fabriken, im Handwerk oder in der Landwirtschaft und ist das typische Heranziehen zur Lohnarbeit. Wegen ihrer Billigkeit nahm die Kinderarbeit zu Beginn der Industrialisierung einen solchen Umfang an, dass schwere gesundheitliche und moralische Schäden der Kinder die Folge waren.[31]

Historisch

Es wird angenommen, dass es Kinderarbeit in Form von Hilfsleistungen beispielsweise bei Erntearbeiten schon zu Beginn der Agrargesellschaft gegeben hat. Durch das Bevölkerungswachstum im 18. und 19. Jahrhundert mussten jedoch besonders viele Kinder in Kohleminen und in der Textilindustrie arbeiten. Die Kinder bekamen keine Schulbildung, konnten weder lesen noch schreiben und viele Kinder litten unter schweren Krankheiten oder wurden zu Krüppeln. Die Kinder waren zum damaligen Zeitpunkt durch kein Gesetz geschützt. Kinderarbeit wurde schlecht entlohnt und durch ihre schlechte Entlohnung dazu benutzt, die Löhne der erwachsenen Arbeiter zu drücken.

21. Jahrhundert
Die ILO veröffentlichte 2002 folgende Zahlen
Art des Kinderhandels Betroffene Weltweit
Sklaverei und

Zwangsarbeit

5.713.000
Prostitution und

Herstellung von Pornographie

1.810.000
Zwangsrekrutierung in

bewaffnete Konflikten

276.000
Andere illegale Tätigkeiten

(zum Beispiel Drogenhandel)

590.000
alle Formen 8.389.000

Im 21. Jahrhundert herrscht in den industrialisierten Ländern ein hoher Lebensstandard. Daher muss unterschieden werden,
ob die Arbeit freiwillig ist oder ob die Kinder direkt bzw. indirekt zur Arbeit gezwungen werden. Beispielsweise gehen viele Kinder und Jugendliche in den Schulferien arbeiten, um sich ein (zusätzliches) Taschengeld zu verdienen.

Jedoch gibt es auch heute noch Millionen von Kindern, welche vorwiegend in der Dritten Welt, in kleinen Werkstätten,
in Steinbrüchen, in der Landwirtschaft, als Straßenverkäufer oder als Dienstmädchen arbeiten müssen,
um einen lebensnotwendigen Unterhalt zu erwirtschaften.

Die größte Anzahl an Kinderarbeitern lebt in Asien mit 44,6 Millionen, gefolgt von Afrika, wo 23,6 Millionen Kinder arbeiten müssen und Lateinamerika mit 5,1 Millionen Kinderarbeiten. Dabei arbeiten die meisten Kinder unbezahlt für die eigene Familie.

Im Niger – einem der ärmsten Länder in Afrika – wird hauptsächlich Uran, Gold, Phosphaten, Zinn, Kohle und Gips abgebaut. Die Kinder werden als Träger für Erz und Abfallprodukte eingesetzt. Benin City ist unter anderem die Hauptstadt der Prostitution. In Russland werden besonders Kinder von kriminellen Organisationen für den Verkauf und die Verbreitung illegaler Drogen ausgenutzt.[32]

Haiti – in der Stadt Port au Prince gibt es sogenannte Makler, die Arbeitssklaven, meist Kinder, sehr günstig verkaufen. Die Kinder stehen ihren „neuen Besitzern“ grundsätzlich für alles zur Verfügung, Hauptsächlich für Sex, Kurierdienste und im Haushalt. In einem haitischen Sprichwort heißt es unter anderem auch: “Kinder sind Tiere“.[33]

Internationale Abkommen gegen Kinderarbeit

ILO Konvention Nr. 105 Abschaffung der Zwangsarbeit
ILO Konvention Nr. 138 Mindestalter 15 Jahre für die Zulassung zur Beschäftigung
ILO Konvention Nr. 182 Verbot und Beseitigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit
UN- Kinderrechtskonvention Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte der Kinder
UN- Zusatzprotokoll bewaffnete Konflikte Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zum Schutz der Kinder in bewaffneten Konflikten
UN Zusatzprotokoll Kinderhandel Zusatzprotokoll zum Schutz vor Kinderhandel, -prostitution und -pornographie

Sexuelle Ausbeutung[Bearbeiten]

Sexuelle Ausbeutung bezeichnet eine Handlung gegen Menschen, die durch Druckmittel, wie Einschüchterung, Gewalt oder Gewaltandrohung, Erpressung oder Freiheitsentzug zu sexuellen Handlungen gezwungen werden.[34]

Zwangsprostitution

Zwangsprostitution ist eine Form sexueller Gewalt und zugleich eine Form der Folter. Sie steht in direktem Zusammenhang mit Zuhälterei. Die Tatbestände der Zwangsprostitution und Sexuellen Sklaverei finden sich erstmals in Art. 7 (1)(g) ICC-S (International Criminal Court) für verbrechen gegen Menschlichkeit. Die Zwangsprostitution ist besonders aus Kriegen bekannt, beispielsweise wurden vorrangig koreanische Frauen durch die Japanische Armee im Zweiten Weltkrieg der Zwangsprostitution unterworfen (sogenannte Comfort women).[35]

Kinderpornografie

Kinderpornographie bezeichnet eine Form sexuellen Missbrauchs an Kindern. Dabei werden die Kinder in sexuellen Handlungen an sich selbst, zwischen Kindern, von Erwachsenen an Kindern und von Kindern an Erwachsenen durch Ton- und Bildträger, Datenspeicher, Abbildungen dargestellt. (§ 11 Abs. 3 StGB)[36]

Die meisten Länder haben Gesetze erlassen, welche den Missbrauch von Kindern unter Strafe stellen. Beispielsweise wurde am 18. Mai 1904 das erste Internationale Abkommen über Verwaltungsregeln zum Schutz gegen Mädchenhandel verabschiedet.[37]

Globalisierung[Bearbeiten]

Unter Globalisierung versteht man den Prozess der zunehmenden weltweiten Verflechtung in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt, Kommunikation.

Die Europäische Union subventioniert EU-Fischereiflotten. Da es im Mittelmeer nicht mehr genügend Fisch gibt, fahren europäische Fischfänger nach Afrika und fischen die atlantische Küste Afrikas mit ihren Fangnetzen ab. Heimische afrikanische Fischer, wie zum Beispiel aus Senegal, verlieren die Möglichkeit, mittels Fischerei ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die senegalesische Regierung bekommt zwar Geld für die Vergabe der Fischfangrechte, jedoch lässt sich in Europa mehr mit dem Fischverkauf verdienen. Der Mehrwert, die Arbeitsplätze und der Reichtum entstehen in Europa.

Darüber hinaus exportieren europäische Staaten großflächig ihre überschüssigen und Aufgrund der Agrarsubventionen für den Produzenten in der Herstellung günstigeren Lebensmittel in afrikanische Staaten. Das führt dazu, dass beispielsweise die senegalesische Bevölkerung ihre Zwiebeln und Kartoffeln aus Holland kaufen muss, weil die heimischen Bauern nicht mit den subventionierten Massenprodukten mithalten können. Ähnlich verhält es sich mit Milchprodukten. Es gibt in senegalesischen Supermärkten so gut wie keine Frischmilch mehr, da das Land diesen Bedarf mit wesentlich günstigeren Milchpulver aus der EU deckt.[38][39]

Ausbeutung ökologischer Ressourcen[Bearbeiten]

Im Bereich der Ökologie heißt Ausbeutung (Raubbau) die aufbrauchende Gewinnung und Nutzung nicht nachwachsender Rohstoffe (zum Beispiel alle Metalle) bzw. langfristig knapp werdender Vorkommen natürlicher Ressourcen (Knappheit). Erdöl entsteht immer wieder im natürlichen Prozess, jedoch ist die Nachfrage so groß, dass das Abbauvolumen das Reproduktionsvolumen bei weitem übersteigt. Diese Güter werden demnach stetig knapper und sind daher stark nachgefragt. Um den entstehenden Nachfrageüberschuss regulieren zu können, wird der Preis des Rohstoffes steigen (Marktgleichgewicht). Auf Grund der damit verbunden Wertsteigerungspotentiale wird der Rohstoff zunehmend wirtschaftlich attraktiver und die Gewinnung erneut angekurbelt.[40]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Konrad Löw: Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. S. 114–120.
  2. Friedrich Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, MEW 20: 209.
  3. a b Marx: Das Kapital, MEW 23: 231
  4. Marx: Das Kapital, MEW 23: 534.
  5. Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats, MEW 21: 157.
  6. Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats, MEW 21: 170.
  7. Engels: Die Arbeiterbewegung in Amerika, [Vorwort zur amerikanischen Ausgabe der „Lage der arbeitenden Klasse in England“] MEW 21: 338f.
  8. a b Marx: Das Kapital, MEW 23: 742
  9. Marx: Das Kapital, MEW 23: 181
  10. Marx: Lohn, Preis, Profit. MEW 16: 133.
  11. Marx: Das Kapital, MEW 23: 562.
  12. Marx: Das Kapital III, MEW 25: 207
  13. Marx: Das Kapital III, MEW 25: 254
  14. Marx: Das Kapital III, MEW 25: 260
  15. Marx: Das Kapital, MEW 25: 827f.
  16. Marx: Lohn, Preis, Profit. MEW 16: 152.
  17. Marx: Das Kapital, MEW 23: 791.
  18. Marx, Engels: Manifest der kommunistischen Partei, MEW 4; 482.
  19. Marx: Das Kapital III, MEW 25, 828.
  20. Marx: Das Kapital I, MEW 23, 92
  21. Marx: Kritik des Gothaer Programms, MEW 19, 21
  22. Marx: Das Kapital, MEW 23: 57f.
  23. Marx: Das Kapital, MEW 23: 285.
  24. Marx: Das Kapital, MEW 23: 529f.
  25. Gerhard Himmelmann: Arbeitswert, Mehrwert und Verteilung: zur Problematik von Theorie und Praxis in der Marxschen Lehre. S. 57.
  26. Richard Saage: Utopische Profile: Industrielle Revolution und technischer Staat im 19. Jahrhundert. LIT Verlag, Berlin/ Hamburg/ Münster 2002, S. 248
    Paul Anthony Samuelson, William D. Nordhaus, Regina Berger: Volkswirtschaftslehre: Das internationale Standardwerk der Makro- und Mikroökonomie. (Übersetzt von Regina Berger, Brigitte Hilgner, Annemarie Pumpernig) 3. Edition, MI Wirtschaftsbuch, 2007, S. 384.
  27. Volkswirtschaftslehre für Sozialwissenschaftler Von Holger Rogall Seite 58–70
    cato.org
  28. oeffentliche-finanzen.de
    :Gerhard Willke: John Maynard Keynes Campus, 2002, S. 155
    unifr.ch (PDF; 162 kB)
  29. Vgl.: Ch. Delacampaqne: Geschichte der Sklaverei. Artemis & Winkler, Düsseldorf / Zürich 2004.
  30. Kevin Bales, Becky Cornell: Moderne Sklaverei
  31. Kinderarbeit. In: Microsoft Encarta. 2004
    Meyers neues Lexikon. Bibliographisches Institut Leipzig, 1962, S. 809.
  32. wsws.org
  33. E. Benjamin Skinner: Menschenhandel – Sklaverei im 21. Jahrhundert. S. 21–26.
  34. Ulrike Mentz: Frauenhandel als migrationsrechtliches Problem. Peter Lang, Frankfurt 2001.
  35. Sven-U. Burkhardt: Vergewaltigung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Sexualisierte Gewalt, Makrokriminalität und Völkerstrafrecht. LIT Verlag, Berlin/ Hamburg/ Münster 2005, S. 166–167.
  36. Christian Brandt: Das Phänomen Pädophilie. Tectum, 2003, S. 45.
  37. Abkommen über Verwaltungsmaßregeln zur Gewährung wirksamen Schutzes gegen den Mädchenhandel – vilp.de
  38. Spiegel TV Spezial - 19. April 2007 – Link youtube.com
  39. Video Hunger und Wut Aktuelle ZDF-Dokumentation zur Welternährungskrise in der ZDFmediathek, abgerufen am 25. Januar 2014 (offline)
  40. Vgl.: Robert S. Pindyck, Daniel L. Rubinfeld: Mikroökonomie. 6. Auflage. Pearson Studium, München 2007.