Progradieren

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Progradieren oder Progradation (lat.: pro = vor; gradus = Schritt; voranschreiten) wird in der Sedimentologie die seewärts gerichtete Verlagerung bzw. das seewärtige Wachstum eines Sedimentationskörpers bezeichnet. Ein solcher Körper kann z. B. durch die Dünen eines Strandbereichs, ein Flussdelta oder durch einen alluvialen Schwemmfächer gebildet werden.

Dadurch werden terrestrische bzw. terrestrisch beeinflusste fluviatile oder marine Sedimente häufig sandiger Korngröße (Psammite) in den vormaligen Sedimentationsraum feinerer, tonig-pelitischer Korngrößen eingebracht. Innerhalb der vertikalen stratigrafischen Abfolge wird das progradierende System daher durch die Zunahme der Korngröße vom Liegenden (unten) zum Hangenden (oben), dem coarsening upward, gekennzeichnet.

Die Identifizierung von sedimentären Zyklen, die ein Progradieren anzeigen, und der dahinter stehenden Ursachen wird besonders in der Sequenzstratigraphie zur präziseren Bestimmung des Sedimentationsgeschehens und der paläogeographischen Entwicklung sowie der Parallelisierung entfernter geologischer Profile betrieben. Die dazu benötigten Techniken wurden in der kommerziellen Exploration von Kohlenwasserstoffen entwickelt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Schäfer: Klastische Sedimente. Fazies und Sequenzstratigraphie. 1. Aufl. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2005, ISBN 3-8274-1351-6.
  • Steven M. Stanley: Historische Geologie. 2. Aufl. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2001, ISBN 3-8274-0569-6.
  • Lexikon der Geowissenschaften. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-0427-4 (6 CDs).