Progradieren

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Als Progradieren oder Progradation (lat.: pro = vor; gradus = Schritt; voranschreiten) wird in der Sedimentologie das Wachstum bzw. Vorrücken eines Sedimentationskörpers, beispielsweise eines Flussdeltas oder eines alluvialen Schwemmfächers, in Richtung des Zentrums des entsprechenden Sedimentbeckens bezeichnet. Dieses Wachstum äußert sich in der Verlagerung der Faziesgürtel (vgl. Ablagerungsmilieu) eines solchen Sedimentkörpers Richtung des Zentrums des Sedimentbeckens, beispielsweise der Dünengürtel eines Strandes.

Durch Progradation bzw. die Verlagerung der Faziesgürtel werden häufig Ablagerungen sandiger Korngröße (Psammite) in den vormaligen Sedimentationsraum feinerer, tonig-pelitischer Ablagerungen eingebracht. Innerhalb der vertikalen Abfolge wird das progradierende System daher durch die Zunahme der Korngröße vom Liegenden (unten) zum Hangenden (oben), dem coarsening upward, gekennzeichnet. Nicht selten geht dies mit einem wechsel von mariner hin zu terrestrischer oder stärker terrestrisch beeinflusster Sedimentation einher. Progradation geht in Meeresbecken somit stets einher mit Regression.

Die Identifizierung von sedimentären Zyklen, die Progradation anzeigen, und der dahinter stehenden Ursachen wird besonders in der Sequenzstratigraphie zur Rekonstruktion des Sedimentationsgeschehens und der paläogeographischen Entwicklung sowie der Parallelisierung geologischer Profile in einem Sedimentbecken betrieben. Die dazu benötigten Techniken wurden in der kommerziellen Exploration von Kohlenwasserstoffen entwickelt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Schäfer: Klastische Sedimente. Fazies und Sequenzstratigraphie. 1. Aufl. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2005, ISBN 3-8274-1351-6.
  • Steven M. Stanley: Historische Geologie. 2. Aufl. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2001, ISBN 3-8274-0569-6.
  • Lexikon der Geowissenschaften. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-0427-4 (6 CDs).