Prohlis

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Dieser Artikel behandelt den Dresdner Stadtteil Prohlis. Zum gleichnamigen Ortsamtsbereich Dresdens siehe Prohlis (Ortsamtsbereich).
Wappen von Dresden
Prohlis
-Nord und -Süd

Stadtteil und statistische Stadtteile Nr. 71 und 72 von Dresden
Landkreis Bautzen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Landkreis Meißen Äußere Neustadt (Antonstadt) Albertstadt Blasewitz Briesnitz Bühlau/Weißer Hirsch Coschütz/Gittersee Cossebaude/Mobschatz/Oberwartha Cotta Friedrichstadt Gönnsdorf/Pappritz Gompitz/Altfranken Gorbitz-Süd Gorbitz-Ost Gorbitz-Nord/Neuomsewitz Großzschachwitz Gruna Dresdner Heide Hellerau/Wilschdorf Hellerberge Hosterwitz/Pillnitz Innere Altstadt Innere Neustadt Johannstadt-Nord Johannstadt-Süd Kaditz Kleinpestitz/Mockritz Kleinzschachwitz Flughafen/Industriegebiet Klotzsche Klotzsche Langebrück/Schönborn Laubegast Leipziger Vorstadt Leuben Leubnitz-Neuostra Lockwitz Löbtau-Nord Löbtau-Süd Loschwitz/Wachwitz Mickten Naußlitz Niedersedlitz Pieschen-Nord/Trachenberge Pieschen-Süd Pirnaische Vorstadt Plauen Prohlis-Nord Prohlis-Süd Radeberger Vorstadt Räcknitz/Zschertnitz Reick Schönfeld/Schullwitz Seevorstadt-Ost/Großer Garten Seidnitz/Dobritz Strehlen Striesen-Ost Striesen-Süd Striesen-West Südvorstadt-West Südvorstadt-Ost Tolkewitz/Seidnitz-Nord Trachau Weixdorf Weißig Wilsdruffer Vorstadt/Seevorstadt-WestLage des statistischen Stadtteils Prohlis in Dresden
Über dieses Bild
Koordinaten 51° 0′ 24″ N, 13° 47′ 55″ O51.00652777777813.7986115Koordinaten: 51° 0′ 24″ N, 13° 47′ 55″ O.
Höhe 115 m ü. NN
Fläche 1,35 km²
Einwohner 14.329 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte 10.614 Einwohner/km²
Postleitzahlen 01237, 01239
Vorwahl 0351
Website www.dresden.de
(Ortsamt Prohlis)
Ortsamtsbereich Prohlis
Verkehrsanbindung
Bundesstraße B172
Straßenbahn 1, 9, 13
Bus 66, 86, 88, C, F, H/S, 386
Gemarkung von Prohlis

Prohlis ist ein Stadtteil Dresdens im gleichnamigen Ortsamtsbereich, liegt im Südosten der Stadt am Geberbach und wird meist mit dem Plattenbaugebiet (Neubaugebiet Dresden-Prohlis) gleichgesetzt.[1]

Vergrößern durch Anklicken des jeweiligen Bildes

Das Neubaugebiet Prohlis reicht bis nach Altreick. Die Prohliser Gemarkung reicht vom Hülße-Gymnasium bis fast zum Gamighübel in Kauscha. Zur Prohliser Flur gehört auch die Vögelsiedlung (Zeisigweg, Finkenweg, Sperlingsweg usw.) bis zur Tornaer Straße.[4]

Im einzigen erhaltenen Hof des alten Dorfkerns befindet sich eine Außenstelle der JugendKunstschule Dresden[5] und das Heimat- und Palitzschmuseum Prohlis.

Geschichte[Bearbeiten]

Löschwagen der Gemeinde Prohlis (vermutlich 1871)
Tafel an der Stelle, wo das Schloss stand
Altprohlis 1950

vor 1288[Bearbeiten]

Im Neolithikum siedelten sich die Linienbandkeramiker an und entwickelten sich zu Stichbandkeramikern (gerade die Prohliser Siedlung steht exemplarisch für den bruchlosen Übergang).[6] Die Kreisgrabenanlagen im benachbarten Nickern gehören zur selben Kultur.

Aus der Bronzezeit stammt das Depot von Prohlis.

Die Siedlungsform des ehemaligen Dorfkerns war ein sorbischer Rundling.

Altprohlis[Bearbeiten]

Erstmals erwähnt wird der Ort als Prolos [7] im Jahre 1288.

Der bedeutende Theologe Andreas Proles hat Prohliser Wurzeln.[8]

Im 18. Jahrhundert lebte in Prohlis der Bauer und Universalgelehrte[9] Johann George Palitzsch, der durch die Entdeckung des Halleyschen Kometen berühmt wurde.

Bis 1839 war Prohlis keine eigene Gemeinde, sondern einige Höfe gehörten zum Dresdner Brückenamt, einige dem Maternihospital und andere zum Leubnitzer Amt.[10]

„Am 9. März 1839 trafen sich in der Oberstube des Hofes Hünichen folgende Personen: Dessen Besitzer, Johann Christian Hünichen, Bauer und Ortsrichter und der Dresdner Stadtgerichtsrat Julius Schneider sowie weitere 18 Personen, Bauern und Häusler... Anlaß der Zusammenkunft war, entsprechend der Verordnung vom 7. November 1838, die Gemeindevertretung zu wählen... Hier war das Schicksal den Prohlisern einmal gnädig. Denn die Gemeindegründung fand in dem Gebäude statt, das zum einzig heute noch erhaltenen Hof gehört...“[11]

In den Jahren 1887/88 ließ die Familie Kap-herr das Schloss Prohlis im Stil der Neorenaissance errichten.

Am 1. Juni 1921 wurde das Dorf nach Dresden eingemeindet.[12]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Prohlis ein Volkseigenes Gut eingerichtet.[13]

Lehmgruben (heute Umweltzentrum und Freibad)[Bearbeiten]

Seit Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre befanden sich an der Dohnaer Straße mehrere Ziegelein und Lehmgruben[14]; die ehemalige Ziegelei Kunath ist heute das Umweltzentrum Prohlis.[15] und die Lehmgrube der Ziegelwerke Gottschalch das Freibad Prohlis.[16] In den 1960er Jahren erholten sich dort auch Kinder in einem Ferienlager.[17]

Geberbach, Glockenturm und Kirche mit Seniorenheim im Hintergrund

Kirchgemeinde[Bearbeiten]

Kirchgemeindlich gehörte Prohlis seit 1674 zu Leubnitz. Von 1932-1939 nutze man unter Pfarrer Johann Schmidt die ehemalige Dorfschule, 1939-1947 die Kegelbahn des Gasthofes Prohlis, von 1947-1977 das Schloss Prohlis und bis 1982 den Gasthof „Coventry“ sowie eine 5-Raum-Wohnung. 1980-1982 entstand im Rahmen des Programms „Neue Kirchen für neue Städte“ die erste Kirche in einem DDR-Neubaugebiet. Seit 1978 existiert die selbständige Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dresden-Prohlis.[18]

Neuprohlis[Bearbeiten]

Georg-Palitzsch-Straße, im Hintergrund das "Sternenstädtchen"
Palitzsch-Denkmal 1988

Im ursprünglich sehr ländlichen Prohlis wurden in den Jahren 1976 bis 1980 etwa 10.000 neue Wohnungen in sechs-, zehn- und siebzehngeschossigen Plattenbauten geschaffen.[19]

Der Wohnkomplex wurde unter der städtebaulichen Leitung der Architekten Heinz Michalk, Konrad Lässig und Udo Fehrmann sowie der Komplexarchitekten Gerhard Landgraf und Ingeborg Lampadius errichtet. Die Wohngebäude erstrecken sich auf dem Neubaugebiet zwischen Dohnaer und Niedersedlitzer Straße, wobei landschaftliche Gegebenheiten einbezogen wurden. Diese waren der Schlosspark, eine als Wohngebietspark genutzte ehemalige Kiesgrube, der Geberbach und das Freibad. Das Hauptzentrum bildet eine 700 m lange Fußgängerzone, die seitlich von einer Allee flankiert wird. Die ersten Plattenbauwohnungen konnten ab Oktober 1976 (Trattendorfer Str. 2-10) bezogen werden. Die erste Schule "118. POS" eröffnete nach den Herbstferien im Oktober 1976.

seit 1990[Bearbeiten]

Einteilung des Stadtteils Prohlis in zwei statistische Stadtteile

Nach der Wende, bzw. der Wiedervereinigung wurden die „Neubauten“ teilweise abgerissen, wobei die „Sternhäuser“ auf Niedersedlitzer Flur standen.

Seit 1994 ist Prohlis in das Bund-Länder-/Landes-Sanierungsprogramm Städtebauliche Weiterentwicklung großer Neubaugebiete integriert [20] und seit 2000 existiert ein Quartiersmanagement im Rahmen des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt – Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf.[21]

Ergebnisse:[22]

  • die Zeitreise - Prohlis in den 70/80er-Jahren & heute, ein Vergleich der jeweiligen Standorte mit alten Fotografien
  • das Umweltzentrum im Naturschutzgebiet
  • eine BMX-Anlage.
  • die Sanierung des Palitzsch-Hofs.

Seit Mai 2009 steht in Prohlis ein Teil des Pusteblumenbrunnens von Leonie Wirth.[23]

Prohlis ist ein Schwerpunktraum in der Planung Zukunft Dresden 2025+. [24]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Annette Dubbers: Prohlis - Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils. 1. Auflage. Eigenverlag A. Dubbers, Dresden 2012, ISBN 978-3-937199-59-7.
  • Siegfried Koge: Prohlis - vom sorbischen Runddorf zum Neubaugebiet. In: Dresdner Geschichtsbuch. Band 4/S. 55-80, Stadtmuseum Dresden, Altenburg 1998.
  • Friedrich Theile: Johann Georg Palitzsch. Ein Lebensbild. Leipzig 1878, über Prohlis: S. 59 - 63
  • Rat des Stadtbezirkes Süd der Stadt Dresden, Abteilung Kultur (Hrsg.): Stadtbezirk Dresden-Süd: Aus der Geschichte seiner Ortsteile. Dresden 1986, Prohlis S. 28 - 35 (bearbeitet vom Aktiv Denkmalpflege)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Prohlis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. z.B. „... galt Prohlis Ende der 1970er Jahre als gelungenes Beispiel des sozialistischen Städtebaus für dessen Bau der Architekturpreis der DDR verliehen wurde.“ zu dem Gemälde: Neubaugebiet Dresden-Prohlis. unbekannter Künstler@skd-online-collection.skd.museum; oder Prohlis@dresden-lexikon.de (abgerufen 2. März 2014)
  2. Blick aus einem 17-Geschosser an der Prohliser Allee, hinten links Leubnitzer Kirche, hinten rechts Frauenkirche
  3. Die Gamigstraße 24 und das Nachbargebäude Gamigstraße 26 sind zwei Flügel des ehem. Dreiseitenhofs Altprohlis 3 (Hünichen-Hof). Der Hof der Familie Palitzsch (1686 bis 1803) stand 100 Meter entfernt.
  4. siehe Dubbers 2012, S. 37 - 41 sowie www.dresden.de/...Prohlis-Süd "Bis auf die Siedlung an der Tornaer Straße gehören die Stadtteile Prohlis-Nord und Prohlis-Süd vollständig zum seit 1976 errichteten Plattenbaugebiet Prohlis, dem auch der südliche Teil von Reick und die auf Niedersedlitzer Flur befindlichen »Sternhäuser« einschließlich der Bebauung an der Maxie-Wander-Straße zugerechnet werden." (aber: der statistische Stadtteil Prohlis-Süd geht nur bis zum Langen Weg und auch die Maxie-Wander-Straße ist z. Z. (6. Oktober 2013) nur ein "Parkplatz mit großem Grünflächenanteil")
  5. www.jks-dresden.de Abgerufen am 5. Oktober 2013.
  6. Anzeige der Dissertation (pdf; 2,1 MB) Die linien- und stichbandkeramische Siedlung von Dresden-Prohlis. Eine Fallstudie zum Kulturwandel in der Region der oberen Elbe um 5000 v. Chr. in: Archäologisches Nachrichtenblatt 17,1, 2012, S. 24–27, abgerufen am 4. Oktober 2013.
  7. zum Namensursprung gibt es verschiedene Versionen:
    • proloh = (tschechisch) Ort in der Aue, am Auenwald, laut Rat des Stadtbezirkes 1986, S. 29
    • prilu = Ort im Tal, in der Aue, "wo der Geberbach ... sich leicht zum Teich anstauen ließ", laut Dubbers 2012, S. 6 (siehe diesbzgl. Reick, soll von ryc = Graben kommen)
    • proložit = belegen, sperren im Tschechischen, ž wird im Latein zu s
    • Proluz = proh (Schwelle) und ludzi (Menschen) oder pro-lujss (Waldblöße), laut Theile 1878, S. 59
    • mehrere Varianten in: Wolfgang Fleischer: Namen und Mundart im Raum von Dresden. Band 1, Berlin 1961, S. 93, z. B. Prolož aus *prologь
  8. "Der Zunahme ist hergenommen nach damahliger Gewohnheit von einem Dorffe gleiches Nahmens, welches unweit von Dreßden lieget...", in: "Lebens - Beschreibung eines Gelehrten Dreßdners, Andreas Proles, Welche zu Erläuterung der Gelehrten - und Kirchen - Historie mittheilet, Zugleich aber auch Alle hohe Gönner, Patronen und Schul - Freunde, Einige Abschieds - Reden in der Schule zum H. Creutz, den 20.May, 1734. Nachmittags um 2. Uhr hochgeneigt anzuhören, gehorsamst ersuchet Christian Schöttgen, Rector. DRESDEN, gedruckt bey Johann Wilhelm Harpetern.", S. 4
  9. bei der Vergabe des Sächsischen Tierschutzpreises nennt ihn Sozialministerin Christine Clauß "Universalgelehrter". Abgerufen am 4. Oktober 2013.
  10. Koge 1998, S. 56/57; Prohlis-Nord@dresden.de (abgerufen 2. März 2014)
  11. aus Koge 1998, S. 64; siehe auch Sächsische Landgemeindeordnung von 1838
  12. laut Dubbers 2012, S. 37 "1. Juli", aber Koge 1998, S. 73 "1. Juni", s.a. Bestand Stadtarchiv 8.41 (PDF; 107 kB), Holger Starke: Eingemeindungen nach Dresden - ein historischer Überblick. In: Dresdner Geschichtsbuch. Band 6, Stadtmuseum Dresden, Altenburg 2000, S. 40
  13. Hinweise dazu: deutsche-digitale-bibliothek.de (abgerufen 17. März 2014)
  14. siehe Koge 1998, S. 68/69 bzw. Volker Witt: Dresdner Ziegeleien. in: Stadtmuseum Dresden (Hrsg.): Dresdner Geschichtsbuch. Band 9, Altenburg 2003, S. 71-101
  15. Webpräsenz mit Geschichte des Flächennaturdenkmals „Ziegeleigrube Prohlis“ (abgerufen 1. März 2014); auch die vielen gefundenen Fossilien der eiszeitlichen Fauna, am bekanntesten die Mammutzähne, erinnern an die Prohliser Ziegelindustrie
  16. Webpräsenz (abgerufen 17. März 2014)
  17. Hinweise unter: Facebook und deutsche-digitale-bibliothek.de (abgerufen 17. März 2014)
  18. siehe Koge 1998, S. 75/76 bzw. Geschichte@kirche-prohlis.de (abgerufen 1. März 2014)
  19. Das Neue Deutschland vom 7. Juli 1976, Seite 3: „Der Sommer ist der Freund der Bauleute, auch wenn in diesen Wochen auf den Montageflächen der WBS 70-Wohnblöcke in Dresden-Prohlis oft Temperaturen über 40 Grad 'Celsius gemessen werden. Auf dieser größten Wohnungsbaustelle des Bezirkes Dresden gibt es für die Montagekrane in allen drei Schichten kaum einen Stillstand ...“ (abgerufen 17. März 2014)
  20. Weiterentwicklungsgebiet Dresden-Prohlis Abgerufen am 6. Oktober 2013.
  21. www.qm-prohlis.de www.dresden.de/.../soziale_stadt/Prohlis... Abgerufen am 6. Oktober 2013.
  22. Zeitreise; Umweltzentrum; BMX-Anlage@staedtebaufoerderung.info; Sanierung »Palitzschhof«@dresden.de; Palitzschhof in Dresden-Prohlis nach Rekonstruktion eröffnet, 19. Januar 2005
  23. zur Geschichte des Brunnens siehe: www.fesselnderstahl.de/.../pusteblumengeschichte.html Abgerufen am 9. Februar 2014.
  24. www.dresden.de/.../zukunft-dresden-2025-plus/schwerpunktraeume Abgerufen am 6. Oktober 2013.